Medikamentenpreise: Der unbezahlbare Patient

12. Dezember 2016
Teilen

Teure Medikamente werden in Deutschland zum Problem. Experten schätzen, dass Kassen bald nicht mehr in der Lage sein werden, lebenswichtige Behandlungen zu erstatten. In der Onkologie sind etwa Jahrestherapiekosten von über 100.000 Euro pro Patient keine Seltenheit.

Jedes Jahr kommen rund 30 neue Medikamente in Deutschland auf den Markt – und sie werden immer teurer. Anfang Dezember haben sich rund 50 Experten in Berlin getroffen, um die Auswirkung von Arzneimittelpreisen auf den Zugang zu Medikamenten zu diskutieren und ein Manifest für ein besseres Gesundheitssystem zu formulieren.

„Wir haben diese Tagung organisiert, weil wir sehen, dass teure Medikamente in Deutschland zunehmend Schwierigkeiten bereiten“, sagt Christiane Fischer. „Der Zugang vor allem zu HIV-Medikamenten ist in armen Ländern schon seit 20 Jahren ein gravierendes Problem. Doch nun kommt dieses Problem auch in Deutschland an.“ Fischer ist Ärztin und Geschäftsführerin der Initiative unbestechlicher Ärzte Mezis.

Kosten sind für Gesundheitssystem nicht tragbar

Als Beispiel führt sie Sofosbuvir an: „Durch das neue Medikament ist nun eine Heilung von Hepatitis C möglich. Die Therapie kostet pro Patient 43.500 Euro für zwölf Wochen. Nun sind hierzulande 300.000 Patienten erkrankt.“ 90 Prozent könnten durch die neue Mittel geheilt werden, so Fischer, aber die Kosten wären für das Gesundheitssystem nicht bezahlbar.

Insbesondere in der Onkologie steigen die Preise: Dort sind Jahrestherapiekosten von über 100.000 Euro pro Patient keine Seltenheit, wie der TK-Vorsitzende Jens Baas bereits Anfang September erklärte.

GKV-Spitzenverband weitgehend machtlos

Auch Thomas Mayer, der Arzneimittel für den GKV-Spitzenverband bewertet, hält die Preise für Medikamente für unbestreitbar zu hoch: „Krankenversicherungen werden zunehmend nicht mehr in der Lage sein, lebenswichtige Behandlungen zu erstatten.“ Der GKV-Spitzenverband, der nach der Zulassung mit den Unternehmen die Preise verhandelt, sei jedoch weitgehend machtlos, denn den Einstandspreis für die Verhandlung bestimme der Hersteller: „Einen hohen oder extrem hohen Preis nach unten zu verhandeln ist aber extrem schwierig“, so Mayer.

Als einen der Gründe führt Mayer an, dass sich der Forschungsschwerpunkt von Medikamenten für Volkskrankheiten wie Hypertonie oder Diabetes auf Nischenprodukte für seltene Erkrankungen verschoben hätten. Ein Beispiel sei Iva­caftor, ein Medikament zur Behandlung von Mukoviszidose. Es koste pro Patient und Monat 25.504 Euro. „Viele neue Arzneimittel werden auch für seltene Erkrankungen im Bereich Krebs entwickelt“, so Mayer. „Die Dringlichkeit der Behandlung ist groß, und die Hersteller verlangen hohe Preise mit dem Argument, es gebe sonst nichts anderes in diesem Segment.“ Zudem spiele ihnen die Zulassungsbehörde EMA in die Hand. Sie würde neue Arzneien sehr früh zulassen, ohne dass der Nutzen tatsächlich evidenzbasiert erwiesen sei.

Neue Medikamente ohne nachweisbaren Nutzen

„In der Summe tragen diese Arzneimittel für seltene Erkrankungen insgesamt zur massiven Preissteigerung bei. Sie bekommen jeweils eine eigene Zulassung, obwohl sie sich oftmals nur in kleinen Formulierungen im Anwendungsgebiet unterscheiden und möglicherweise nicht viel anders oder vor allem besser wirken als bereits verfügbare Präparate“, erklärt Mayer. So sei die so genannte personalisierte Medizin entstanden, die für jeden Patienten eine maßgeschneiderte Therapie suggeriere. Ob sie wirklich eine nützliche und positive Wirkung habe, sei oft nicht erwiesen, sagt Mayer: „Teuer ist sie auf jeden Fall, und darin besteht das Hauptanliegen der Pharmaindustrie.“

Die Folgen sind für das Gesundheitssystem verheerend: „Die Beiträge für den Einzelnen steigen kontinuierlich“, sagt der Berliner Neurologe Thomas Lempert. „Das Geld im Gesundheitswesen kann nur einmal ausgegeben werden. Es ist solidarisch eingesammelt. Diese Mittel müssen wirtschaftlich verwendet werden, so schreibt es das Sozialgesetzbuch vor.“ Stattdessen sei das Geld an anderer Stelle knapp. In den Sprechzimmern sei die Zeit der Ärzte schlecht vergütet und deshalb zu kurz, Pflegekräfte seien unterbezahlt, Krankenhäuser sparten an Personal: „In der Kinder-Krebsstation in der Charité zum Beispiel ist das Personal nicht mehr da, um den Betrieb voll aufrecht zu erhalten, aber Geld für überteuerte Krebs-Medikamente ist jederzeit vorhanden“, so Lempert.

Ein Monopol für 20 Jahre

Eine der Möglichkeiten, den explodierenden Preisen entgegenzuwirken, ist nach Meinung der Experten die Aufhebung des Patentschutzes. Wer in Deutschland ein neues Medikament auf den Markt bringt, hat in der Regel 20 Jahre lang das Patent auf dieses Mittel – und damit ein Monopol. „Die gesetzlichen Krankenkassen geben pro Jahr für neue, innovative und damit patentgeschützte Medikamente rund 20 Milliarden Euro aus. Das sind zwei Drittel der gesamten Ausgaben für Arzneimittel“, sagt Mayer.

Weltweit seien die Kosten für patentgeschützte Arzneimittel von 1996 bis 2015 um mehr als 700 Prozent gewachsen, referierte Lempert auf der Tagung. Diese Steigerung sei zustande gekommen, weil die Unternehmen ihre Spielräume über die Jahre ausgeweitet hätten: „Am Anfang mit Verweis auf ihre Forschungs- und Entwicklungskosten. Ein neues Medikament kostete erst 800 Millionen, dann eine Milliarde, inzwischen sind es 2,5 Milliarden Dollar.“ Viele Analysen zeigten aber, dass diese Rechtfertigungen der Nachprüfung nicht standhielten, so Lempert: „Man hat es nachgerechnet. Es gibt öffentlich finanzierte Pharmaforschung, die Medikamente für einen Betrag von bis zu 200 Millionen Euro oder Dollar zur Marktreife bringt.“

Forschung hinter verschlossenen Türen

In Deutschland entwickeln Hersteller neue Medikamente kaum noch selbst. „Sie beobachten den Markt genau und verfolgen, was an Universitäten so weit entwickelt worden ist, dass sie es übernehmen können“, sagt der Neurologe. „Wenn die bis dahin entwickelten Mittel erfolgversprechend sind, kaufen sie sie mit geringerem Risiko, gehen die letzten Schritte bis zur Zulassung und können dann mit ziemlich großer Sicherheit hohe Gewinne erzielen.“

Vielerorts arbeiten Hersteller auch mit forschenden Hochschulen zusammen und gefährden damit die Unabhängigkeit der Wissenschaft, so die Befürchtung. In Köln etwa tobte bis August 2015 ein Rechtsstreit um die Offenlegung einer Kooperation zwischen der Universität und Bayer Healthcare. Das Oberverwaltungsgericht Münster machte schließlich die Geheimhaltung rechtskräftig. So etwas ist gängige Praxis: Schon 2011 flossen laut Statistischem Bundesamt mindestens 6,3 Milliarden Euro von privater Hand an Unis und Fachhochschulen.

Ergebnisse von Studien offenlegen

Die Experten auf der Tagung fordern vor allem Offenheit: in der Preisgestaltung, in der Transparenz der Kosten für Forschung und Entwicklung und bei den Ergebnissen klinischer Studien. „Lange war es kaum möglich zu erfahren, welchen Nutzen neue Medikamente tatsächlich für die Patienten hatten. Denn wenn etwas neu oder innovativ bedeutet das ja nicht, dass es auch nützlich ist“, so Lempert. Unternehmen hätten Daten und teilweise ganze Studien zurückgehalten, wenn die Ergebnisse nicht das erwartete Ergebnis gebracht hätten, sagt er: „Jetzt ist die Offenlegung von Studiendaten auch auf europäischer Ebene beschlossen worden. Damit gelingt künftig eine Abschätzung, ob ein neues Medikament wirklich ein Zugewinn bedeutet und damit auch einen höheren Preis erzielen darf.“

Den Wortlaut des Manifests finden Sie auf: www.mezis.de

133 Wertungen (4.33 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

31 Kommentare:

Sonstige

Herr Becker hat es in #22 geschrieben: Deutschland ist europäischer Referenzmarkt. Es wird jeweils nur der Faktor (0,3 , 0,2 , 0,5) des deutschen Preises festgelegt.
Darum ist es für die Pharmaindustrie so wichtig, in Deutschland (exorbitant) hohe Preise festzulege.
Die viel entscheidendere Frage ist aber: Warum gelingt dies?

#31 |
  1
Nichtmedizinische Berufe

@Christian Becker
Reimport war die Aussage vom Apotheker. Das angebliche “original” ist nur ein Generika der für eine anderere Indikation auf der Markt gebracht wurde. Das echte Original war ein Import, kein Reimport. Das Mittel wurde Ende der 1960 von Servier auf den Markt gebracht. Die Apotheker können nicht alles wissen.
Die Preise von Medikamente werden in Frankreich nicht allein von der Pharmaindustrie festgelegt. Das Nutzen des Medikament ein wichtiger Faktor und wird bei der Preisbildung einbezogen.

#30 |
  0
Gast
Gast

vorgestern hab ich bei dkultur gehört, dass die krankenkassen 2016 wieder milliardenüberschüsse eingefahren haben…
jetzt gibt es hier unter den menschen die geantwortet haben, auch einige ärzte… gibt es denn keine möglichkeiten, dem ganzen entgegen zu wirken ?
und hier wurde auch über die unfähigkeit der wähler in der BRD geschrieben… werter elite-idiot, haben sie die linken gewählt ?

#29 |
  1
Messerschmidt
Messerschmidt

Was soll anderes dabei raus kommen, wenn man fachfremde Minister einsetzt und die Lobyisten übermächtig sind.

In anderen Ländern bändigt man besser die Pharmaindustrie und gibt Preisobergrenzen.

#28 |
  2
Gast
Gast

Die Heilung von Patienten ist das Ziel eines jeden Mediziners. Dazu benötigt er eine Diagnose und eine Therapie. Für die Therapie setzt er nach besten Wissen Therapeutika ein, angepasst an Körpergewich oder andere individuelle Größen. Der Erfolg der Therapie sollte, als die individuelle Reaktion des Patienten auf die Behandlungsmethode, überprüft werden. Die dazu benötigten diagnostischen Mittel (Companion Diagnostics) gibt es, werden häufig aber nicht von den Kassen vergütet und daher nicht eingesetzt. Dabei könnten mit nur geringen Ausgaben teure Medikamente eingespart (non-responder) oder an den individuellen Bedarf angepasst werden (high-responder). Das reduziert Kosten und vermeidet u.U. sogar Nebenwirkungen.
In der Regel geht man davon aus, dass ca 3-5% der Kosten einer Behandlung in der Diagnostik anfallen. Hier wird seit Jahren besonders stark gespart.
Könnte nicht, durch Verwendung von geeigneten diagnostischen Methoden, die Behandlung im Gießkannenprinzip in echte personalisierte Medizin gewandelt werden?

#27 |
  0
Gast
Gast

Es ist nicht einfach den Wert eines Medikamentes zu bestimmen und am Preis festzumachen. Mir als Nichtmediziner und Patient macht der Artikel Angst. Seit 2013 werde ich bzw. meine CML mit einem Medikament behandelt, welches rund 5900 € für 30 Tage kostet. Nun ist das, laut Arzt, das derzeit einzige Medikament welches bei mir wirkt und die erträglichsten bzw. geringsten Nebenwirkungen hat.
Es heißt nun, dass ich mit diesem Medikament eine nahezu normale Lebenserwartung habe. Nun mit Ende 30 würde meine, grob geschätzte “Restlaufzeit” um die 40 Jahre liegen. Wenn ich da an die Kosten denke wird mir übel und wenn ich nicht selbst betroffen wäre würde ich wohl auch sagen, lassen wir’s sein. Aber sobald man auf der anderen Seite der Tablette steht ändert sich die Meinung. Nun denke ich extrem egoistisch und bin froh in diesem Sozialstaat zu leben.

#26 |
  0
Dipl.Med Joachim Jacobskötter
Dipl.Med Joachim Jacobskötter

Man jammert doch seit Jahrzehnten über die Macht der Pharmakonzerne, die natürlich keiner irgendwie gemeinwohlorientierten Preis-u. Abgabepolitik folgen. Warum auch, das kapitalistische Wirtschaftssystem protegiert diese Praxis mit fadenscheinigen Arbeitsplatzerhaltungsargumenten, Klagen über hohe Forschungskostenklagen uva.,die die Folge von Drohungen (sic!) der ihrer Macht bewußten Industrie sind.
Wenn nicht ein radikaler Einschnitt in die Strukturen der für die sog. “soziale Marktwirtschaft” lebenswichtigen Industrien (und hier gibt`s auch noch andere)erfolgt, werden machtlose Patienten (wenn sie noch können) und Politiker (wenn sie wollen) jammern und klagen, aber nicht verändern.

#25 |
  2
Nichtmedizinische Berufe

1) Hepatitis C ist ja gerade keine seltene Erkrankung.
2) Ich weiß ein wenig Bescheid, wie die Preisgestaltung in Spanien lief. Grob gesagt gab es drei Gruppen von Ländern mit verschiedenen Preisen: Erste Welt, Mittel, Dritte Welt. Spanien schafft es unterm Tisch , sich als “mittel” oder gar “dritte Welt ” einstufen zu lassen, nachdem es erst hieß, dass sie das Medikament überhaupt nicht bezahlen. (es gab große Proteste in Krankenhäusern gegen diese Entscheidung)
Allerdings muss ich ergänzen, dass Medikamente nicht von den KK bezahlt , sondern vom Patienten selbst gekauft werden , und eine Privatperson kann kaum 43.000 Euro bezahlen.

#24 |
  0
Dr. med. Gernot Lorenz
Dr. med. Gernot Lorenz

Kann man denn die Verhältnisse zwischen Frankreich und Deutschland 1 zu 1 vergleichen? M.E. muss dazu doch das gesamte medizinische System betrachtet/durchleuchtet werden. Wo gibt es Subventionen aus Steuermitteln?

#23 |
  0
Christian Becker
Christian Becker

@Jean-Jacques Sarton
Verstehe ich nicht ganz.
Natürlich sind Reimporte Originale. Da hätten Sie nicht mal recherchieren müssen, das hätte man Ihnen in der Apotheke ganz normal auf Anfrage gesagt.
Daher gibt es in Deutschland auch eine Importquote, inbesondere für Medikamente, für die es noch keine Generika gibt.

Das Problem bei Arzneimittelpreisen ist, dass in Europa fast alle auf die deutschen Preise gucken und daran ihre ausrichten. Wenn der Preis eines Medikaments in Deutschland sinkt, kann man sehen wie nach und nach die anderen europäischen Länder nachziehen. Das heißt, die Firma verzichtet nicht nur in Deutschland auf Umsatz, sonder in ganz Europa.
Daher sollten auch die Erstattungspreise für Medikamente nach Willen der Pharmafirmen zukünftig geheim bleiben – wie das gehen soll, ist nicht so ganz klar.

#22 |
  7
Dr. Marianne Putlitz
Dr. Marianne Putlitz

Ich habe seit mehr als 20 Jahren Patienten mit chronischer Hepatitis C mit mehr oder minder gutem Erfolg behandelt. Minder heißt, dass nur ca. 10-15% wirklich geheilt werden konnten. 10% der Patienten bekam eine Lebercirrhose und verstarb daran- das entspricht in etwa den internationalen Zahlen. Jetzt haben wir endlich ein Virostatikum in der Hand, mit dem es eine 100%-ige Heilungschance gibt…….die nicht ganz billig ist, aber im Vergleich zu anderen Medikamenten, die über Jahre ungleich teurer sind, da wird ausgerechnet dieses Medikament als Beispiel für die Kostenexplosion genannt. Das ist unfassbar!
Und dem Kollegen, der den Vorschlag macht, Rauchern die Krankenkassenkosten zu erhöhen, möchte ich nur darauf hinweisen, wie viele Schäden durch Alkoholkonsum täglich auch nicht billig behandelt werden müssen, nur beispielsweise,es gäbe noch andere, z.B. Adipositas mit Folgen. Also unlogische Schlussfolgerung.
Dass die Kosten so explodieren haben wir natürlich der Pharma-Lobby zu verdanken und meiner Meinung nach sollte die Aufklärung bei den Patienten erfolgen bzw. auch hier auf ein Umdenken gesetzt werden- wir brauchen keine Reimporte, normale Generika tun gute Dienste, so es sie gibt etc.

#21 |
  0
Nichtmedizinische Berufe

Meine Frau hat ein Medikament verschrieben bekommen, der nicht als Generika zählt. Irgendwann hatte die Apotheke nicht das Original, also erhielten wir angeblich ein Reimport. Das Mittel stellte sich nach wenige Recherchen als das Original heraus. In Frankreich hätte es in etwas ein Drittel gekostet. Die KK hätte sparen können die Patientin aber nicht!
Bei dieser Medikament wurde offenbar von ein deutschen Pharma Unternehmen eine Lizenz gekauft und eine Studie für der Anwendung auf ein ganz anderen Gebiet finanziert. Die Kosten solch eine Studie können aber nicht so hoch sein, dass ein derartige Preisunterschied entsteht.

#20 |
  5
Dr. med. Joseph Andreas Schmitt
Dr. med. Joseph Andreas Schmitt

Medikamentenpreise der unbezahlbare Patient!
Artikel zeigt nur das Politikversagen und die Dummheit der Wähler der BRD die
die Grundlage für die Struklturen sind wie sie sind also auch ein Beweis dafür, dass Demokratie nicht funktioniert und die meisten Bürger zu blöde sind zu verstehen was gespielt wird.

#19 |
  9
Gesundheits- und Krankenpflegerin

Seit Rentenbeginn lebe ich im Elsass, Frankreich in direkter Nachbarschaft zu Deutschland. Hier in Frankreich sind Medikamente ungleich günstiger zu haben als in Deutschland. Die Zuzahlungen sind äußerst gering. Jeden Arztbesuch bezahle ich sofort beim Arzt. 90% bekomme ich umgehend (1-2 Tage) von der GKV auf mein Konto überwiesen. Für die restlichen 10% habe ich eine Zusatzversicherung abgeschlossen. Das Geld ist meist noch am selben Tag auf meinem Konto. Seit 2014 hat jeder einen Selbstanteil von 1€ zu zahlen, jedoch höchstens 100 Euro im Jahr. Das System ist transparent, einfach und funktioniert. Ich finde das toll.
Nebenbemerkung: ich habe eine sehr seltene Krebserkrankung. Die Pharmafirma bietet Medikamente zur symptomatischen Behandlung an.
Ich verzichte freiwillig darauf. Einsparung für die GKV 2500€ / Monat.
Die Medikamente haben keine kurative Wirkung und jede Menge Nebenwirkungen auf die ich gerne verzichte. Irgendwie scheint mir durch die Kommerzialisierung des Gesundheitswesen in Deutschland jede Menge gesunder Menschenverstand verloren gegangen zu sein.

#18 |
  0
Johannes Reinders
Johannes Reinders

zum 2. Kommentar : Seit Jahrzehnten fordere ich, dass Raucher als
Selbstverstümmler ihr Folgekosten selbst zu zahlen haben.
Vorschlag zur Änderung des Kostensystems : Ärzte sollten neben einer
geringeren Basisvergütung eine Erfolgsprämie erhalten, wenn von einer
Ärztekommission der Krankenkasse der positive Behandlungserfolg bescheinigt
wird. Nur so werden die Ärzte auch die Nebenwirkungen berücksichtigen.

#17 |
  17
Gast X
Gast X

Grober Unfug, die Beispiele die hier genannt werden zeugen von fehlendem Verständnis: z.B. Hepatitis C, in 90% der Fälle ist eine ENDGÜLTIGE Heilung möglich und das für die Summe von gerade einmal 43,500€ => das ist nicht teuer! Man stelle sich vor was ein chronisch Leberkranker stattdessen im Laufe der Jahre die Gemeinschaft kosten würde: Verdienstausfall, regelmäßige Arztbesuche, Klinikaufenthalte, womöglich Intensivbehandlungen bei dekompensierter Leberinsuffizienz, medikamentöse Dauertherapie um die Symptome zu lindern, invasive Maßnahmen um Varizenblutungen zu stoppen, Bluttransfusionen wegen GI-Blutungen usw. DAS ist teuer! Dagegen wären 43,500€ als einmalige Ausgabe, die das Problem zu 90% dauerhaft zu lösen vermag geradezu ein Schnäppchen…

#16 |
  2
Gast
Gast

Wer ehrlich ist, weiß den Anteil an ernährungsbedingten Erkrankungen – ja – und es sind die chronischen

#15 |
  7
Gast
Gast

Prävention und Gesundheitsmanagement sind nunmal auch nicht wirklich gewünscht. Von wohl beiden Seiten nicht (

#14 |
  4
Werner Wöhrle
Werner Wöhrle

Ich habe über 25 Jahre in der Pharmaindustrie im Außendienst hinter mir…

…Niederländer, Schweizer, Schweden, Franzosen, US-Amerikaner und Deutsche als Arbeitgeber…

…die Spezialisten von MEZIS kenne ich auch noch, in meinem Arbeitsgebiet von der Südpfalz über Baden bis Württemberg und Hohenzollern konnte man die an einer Hand abzählen.

Weit unter 1 Prozent aller niedergelassenen Haus- Allgemein- und Fachärzte.

Kliniken habe ich auch besucht – für Fremdmittel oder Veranstaltungssponsoring waren die eigentlich immer gut ansprechbar…

#13 |
  14
Beobachter
Beobachter

Sorry, erneut ein unfassbar einseitiger Artikel auf doccheck ! Zu einem vernünftigen Artikel ghört, einen – zugegebenermassen wichtigen – Sachverhalt von allen Seiten zu beleuchten. Fehlt hier völlig. Statt dessen wird munter nachgeplappert, was “Experten” sagen – ohne zu überprüfen, was das für “Experten” sind – insbesondere, welche Interessenkonflikte vorliegen. Besonders pikant finde ich die Formulierung “DKV-Spitzenverband” – zweimal im Artikel so geschrieben, kann also kein versehentlicher Tippfehler sein. Sprich: Da kennt jemand den GKV-Spitzenverband gar nicht. Sonst hätte die Verfasserin vielleicht mal recherchiert, was der Verband tagtäglich so macht. Nämlich in erster Linie Lobby-Arbeit für die Krankenkassen. Aber NICHT für die Patienten.
Und sio bleiben dann falsche Zahlen im Raum stehen (Forschungskosten), aber auch zutreffende und dennoch nur halbwahre Zahlenspielereien: Beispiel Hepatitis C – JA, die Medikation ist sehr teuer, und man findet mit Sicherheit auch Argumente für die Bewertung “zu” teuer. Aber was kostet es unser System, die Patienten NICHT zu heilen, sondern regelmässig im Krankenhaus zu behandeln ? Diese Zahl würde ich in einem sorgfältig recherchierten Artikel erwarten.
Fazit: Die Hochpreiser SIND ein Problem für uns alle. Aber solche Artikel helfen uns nicht weiter.

NEIN, ich arbeite NICHT in der Pharma-Industrie !

#12 |
  3
Gast
Gast

Forschung und Entwicklung von Medikamenten müssten wieder vollständig zurück an die öffentlich-rechtlichen Universitäten verlagert werden. Mit den Patenten könnte dann auch diese Forschung finanziert werden.

#11 |
  10
Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

Einzige Lösung: der Staat soll sich an der Entwicklung, Zulassung und Preisfestlegung beteiligen und so die bezahlbare medizinische Versorgung der Bevölkerung sichern (beispielhafte med. Versorgung auf Cuba und ehemaligen UdSSR waren die beste Beispiele dafür, auch wenn manche das Gegenteil aus Unwissenheit oder Vorurteilen zu wissen glauben..) Die Pharma-Firmen kennen bezüglich der Preise und Gewinne keinerlei Grenzen nach oben..

#10 |
  7

Bei den Krebsmedikamenten geht es oft nur um wenige Monate mehr Überlebenszeit.
Hepatitis C ist vergleichsweise harmlos, das Mittel wird auch patienten verabreicht – mit viel Angstmache, die asymptomatisch sind.
Und die Nebenwirkungen …

#9 |
  8
Christian Becker
Christian Becker

@#2
Nein, Universitäten werden nicht aktiv daran gehindert, selbst Medikamente zu entwickeln.
Sie können sich nur die Zulassungsstudien nicht leisten.
Andererseits ist es fraglich, ob es gut wäre, bei den Studien nun Abstriche zu machen. Dann bekommen wir vielleicht billigere, dafür aber schlechter untersuchte Arzneimittel.

Wenn man irgendwie einen Königsweg finden könnte, wäre das natürlich toll.

#8 |
  0
Gast
Gast

Wir brauchen eine von der Pharmaindustrie frei und unabhängige Forschung.
Wie wäre es, wenn wir anstatt sündhaft teure Medikamente mal 30% der Gelder in die Prävention stecken würden? Der Erfolg wäre gesichert.

#7 |
  7
Max Schlommski
Max Schlommski

Immer höher, schneller, weiter und immer mehr Umsatz, Gewinn und höhere Renditen! Das Problem sind nicht nur die immer weiter steigenden Kosten, es sind die Erwartungen der Wirtschaft sich bis in das unendliche, Jahr für Jahr zu steigern.
Das will jeder der wirtschaftlich arbetet, bleibt nur das Problem das Kosten nicht bis in das unendliche getragen werden können!
Wenn man wieder darauf zurück kommt mit seiner Arbeit ein Auskommen zu haben ohne Raffgierig zu werden können wir uns das Krankwerden wieder leisten….

#6 |
  5
Zahnarzt

Die Privatisierung und Kommerzialisierung des Gesundheitswesens ist schlecht.
Forschung gehört an die Universität. Der medizinische und finanzielle Erfolg ebenso. Patente sollten dann Staatseigentum sein und der Bevölkerung nutzen.

So oder so bezahlt die Bevölkerung entweder privat oder über Krankenkassenbeiträge.

#5 |
  4
Gast
Gast

Da wird mal wieder so viel durcheinander geworfen und falsch dargestellt, um die ‘böse Pharmaindustrie’ zu brandmarken, dass es mir echt schwer fällt, sachlich zu bleiben (ja, ich arbeite in der Pharmaindustrie).
Erstens: obwohl ich in der Pharmaindustrie arbeite, habe ich noch nie von Entwicklungskosten von 2,5 Mrd. Dollar gehört (die 0,8 – 1 Mrd. sind realistisch). Ein netter rethorischer Trick, seinem Gegner eine offensichtlich falsche Behauptung in den Mund zu legen, die man dann öffentlichkeitswirksam widerlegen kann…
Zweitens: es mag in Einzelfällen tatsächlich möglich sein, ein neues Medikament für 200 Mio. Euro auf den Markt zu bringen – in weit mehr Fällen kostet aber schon eine Phase III – Studie so viel.
Drittens: obwohl die Ausgaben für Medikamente nachweislich gestiegen sind, ist ihr prozentualer Anteil an den gesamten Ausgaben der Krankenkassen konstant – insbesondere nehmen sie daher niemand anderem etwas weg.
Viertens: die Personalsituation in Krankenhäusern ist genau so wie die Beratungssituation bei niedergelassenen Ärzten verbesserungsfähig (vorsichtig formuliert). ABER: die Ausgaben für patentgeschützte Arzneimittel machen etwa 10% der Gesamtkosten aus – man müsste also schon alle Arzneimittel verschenken, um die Personalsituation nur um 10% verbessern zu können.
Fünftens: wie man bei einer Heilung von Hepatitis C für keine 45.000 Euro von zu teuer spricht, hat nie die Gesamttherapiekosten für eine unbehandelte Hepatitis gesehen (inkl. Krankenhausaufenthalten etc.). Dagegen sind die 45.000 schon ein echtes Schnäppchen. Das Problem ist – die fallen (fast) auf einmal an, nicht schön nach und nach wie bei einer Verschleppung der Krankheit.
Sechstens: ja, es gibt Kooperationen mit Universitäten (bei denen es im Einzelfall sicher auch mal an Transparenz mangelt), es gibt Start Ups, die unterstützt (und später vielleicht auch aufgekauft) werden, es gibt aber auch echte in-house Forschung – das sollte man nicht unter den Teppich kehren.
Siebtens: Patentschutz 20 Jahre – ab Beantragung des Patentes. Dies erfolgt in der Regel kurz nach Findung der Leitstruktur, schon damit einem kein anderer mehr zuvor kommen kann. Bis zum marktreifen Produkt vergehen aber noch 5 – 15 Jahre (in der Regel etwa 8 – 10), so dass die exklusiveZeit am Markt ca. 10 – 12 Jahren entspricht – und einige Produkte in dieser Zeit ihre Entwicklungskosten eben nicht wieder hereinbekommen. Dazu kommen viele Produkte, die es eben nicht an den Markt schaffen, aber trotzdem einiges an Entwicklungskosten verschlingen (je nach dem, wo die Entwicklung dann gestoppt wird).
Bezüglich der Transparenz von Studienergebnissen sind wir uns einig, und ich glaube nicht, dass hier jemand ernsthaft widersprechen möchte.

#4 |
  5
Klaus Samer
Klaus Samer

Der Patentschutz gilt zwar 20 Jahre wird aber schon vor dem Einstieg in die Phase 1 der klinischen Prüfung beantragt, bis das Präparat dann zugelassen ist sind nochmal ca. 10 Jahre vergangen. D.h. das Präparat hat wenn es auf den Markt kommt noch 10 Jahre “Restpatentlaufzeit” um die Kosten plus Gewinn wieder reinzuholen. Von 10 Präparaten die es in die klinische Prüfung schaffen bleibt 1 übrig das am Markt zugelassen wird auch die Kosten für die Entwicklung der nicht erfolgreichen Präparate müssen erwirtschaftet werden.

Die Pharmaindustrie verdient unbestritten gut und da gibt es sicherlich verhandlungsspielraum. Nur die halbe Geschichte der Arzneimittelentwicklung zu erzählen ist populistisch und dient nicht einer notwendigen Diskussion.

Der Staat und seine Universitaeten werden ja nicht daran gehindert selbst Präparate zur Marktreife zu entwickeln. Allerdings muss man sich dann auch fragen wie effektiv die staatliche Zulassungsbehörde die staatlichen Institutionen überwachen würde ich sehe hier einen Interessenskonflikt.

#3 |
  3
Gast
Gast

Mit Krankheiten bzw. der Not von Patienten auf Behandlung ist natürlich eine Menge zu verdienen. Dafür werden alte und erprobte Mittel vom Markt verdrängt. Andererseits finanzieren die Kassen weiterhin ohne mit der Wimper zu zucken teure Behandlungen von Folgeerkrankungen des Rauchens etc. Da wird nicht wegen Kosten/ Jahr gejammert. Anscheinend ist noch genug Geld da…

#2 |
  8
Dirk Leopold
Dirk Leopold

Vielleicht wäre ein Ansatz, dass die Kosten der Forschung bis zur Zulassung nicht nur (wenn überhaupt) vom BMBF, sonden auch von den Kostenträgern; sprich – den Krankenkassen – (co)finanziert werden?
Das wäre eine Möglichkeit, gerade im unversitären Bereich nachhaltig und “bis zu Ende” zu forschen und die Ergebnisse auch entsprechend zu verwerten…

#1 |
  11


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: