Pathologischer Narzissmus: Auffällige Hirnstruktur

20. Juni 2013
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Wissenschaftler fanden nun im Zuge einer Studie heraus, dass Patienten mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung eine Verminderung der grauen Substanz in einer für das Empfinden von Mitgefühl relevanten Region des Gehirns zeigen.

Als narzisstische Persönlichkeitsstörung wird eine tiefgreifende Störung des Selbstwertgefühls bezeichnet. Dabei leiden Menschen mit Narzissmus einerseits unter Minderwertigkeitsgefühlen, andererseits zeigen sie sich nach außen als arrogant, abwertend und selbstverliebt. Eines der Kernmerkmale einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung ist der Mangel an Empathie. Zwar können Patienten, die unter einer solchen Störung leiden, gut erkennen, was andere Menschen fühlen, denken und beabsichtigen, sie zeigen jedoch wenig Mitgefühl.

Betroffene zeigen defizitäres Empathievermögen

Die studienbeteiligten Wissenschaftler, um Privatdozent Dr. Stefan Röpke von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité und Leiter der Arbeitsgruppe Persönlichkeitsstörungen, zeigen in der vorliegenden Studie erstmals das strukturelle Korrelat dieses Defizits auf. Sie analysierten insgesamt 34 Probanden, von denen 17 unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung litten. In einer Vorstudie konnten die Wissenschaftler mithilfe verschiedener Tests bereits zeigen, dass diese Patienten tatsächlich ein Defizit im Empathievermögen aufwiesen. Mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) maßen die Wissenschaftler jetzt die Dicke der Großhirnrinde der Probanden. Die Großhirnrinde bildet die äußere Nervenzellschicht des Gehirns. Es zeigte sich, dass diejenigen Probanden, die unter Narzissmus litten, strukturelle Auffälligkeiten in genau jener Region des Gehirns aufwiesen, die in die Verarbeitung und Erzeugung von Mitgefühl involviert ist. Diese Region der Großhirnrinde war im Vergleich zur Kontrollgruppe bei den Patienten mit einer solchen Störung deutlich dünner.

„Unsere Daten zeigen, dass das Maß an Empathie direkt mit dem Volumen der grauen Hirnsubstanz des entsprechenden kortikalen Repräsentationsfeldes in der Inselregion korreliert und genau hier die Patienten mit Narzissmus ein Defizit aufweisen“, kommentiert Dr. Röpke die Ergebnisse. „Aufbauend auf diesen ersten strukturellen Daten versuchen wir gegenwärtig, mithilfe funktioneller Bildgebung (fMRT) die Arbeitsweise des Gehirns von Patienten mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung besser zu verstehen.“

Originalpublikation:

Gray matter abnormalities in patients with narcissistic personality disorder
Lars Schulze et al.;  Journal of Psychiatric Research, DOI: 10.1016/j.jpsychires.2013.05.017; 2013

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Medizin, Neurologie, Psychiatrie

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1 Kommentar:

Nichtmedizinische Berufe

Ist ja ganz interessant und spannend…

Mehr aber nicht, denn es ist ja bekannt, dass sich Verhalten, Fühlen oder Denken sich irgendwo im Hirn ‘abspielt.

Also wird das zukünftig noch immer besser durch noch sensitivere bildgebende Verfahren nachgewiesen.

Nur ist noch offen, ob das Ergebnis der MRT Ursache der ‘Störung’ ist oder nur deren Ergebnis.

Sollte das Ursache sein – also anlagebedingt – müsste man die Hirner scannen, bevor – nach der gängigen Psycho-Theorie – die narzisstische Störung durch die Umgebung oder Erziehung gewöhnlich ausgebildet wird – also in den allerersten Jahren des jungen Kondes…

Da steht uns noch viel Arbeit ins Haus.

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