Hautverletzungen: Heile mit Eile

16. Dezember 2016
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Hautverletzungen heilen bei älteren Menschen langsamer als bei jüngeren. Forscher haben die Mechanismen untersucht, die hinter den Veränderungen im höheren Alter stecken. Die Ergebnisse helfen, neue Behandlungsansätze zur Beschleunigung der Wundheilung zu entwickeln.

Ältere Menschen brauchen meist länger, um sich von Krankheiten zu erholen. Auch Wunden heilen bei ihnen langsamer als bei jungen Menschen. Das beobachteten Mediziner schon im ersten Weltkrieg, als man feststellte, dass Kriegsverletzungen bei älteren Soldaten langsamer heilten als bei jüngeren.

„An der Wundheilung sind viele verschiedene Faktoren beteiligt, die sich mit zunehmendem Lebensalter verändern“, sagt Irmgard Merfort vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, deren Forschung sich mit den Mechanismen der Wundheilung beschäftigt. „Zum Beispiel ist die Zellteilung bei älteren Menschen verringert und das Immunsystem ist oftmals schwächer. Zudem treten im höheren Alter häufig Erkrankungen auf, die die Wundheilung beeinträchtigen können, wie etwa Diabetes.“

Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass die Haut im Alter schlechter durchblutet ist und die meisten Zellarten seltener vorkommen. Auch Erkrankungen wie Gicht, ein schlechter Ernährungszustand, mangelnde Flüssigkeitszufuhr und bestimmte Medikamente können dazu beitragen, dass Wunden im höheren Alter schlechter heilen.

Bisher war nicht genau bekannt, warum die Fähigkeit des Körpers, sich selbst zu heilen, im höheren Lebensalter beeinträchtigt ist. Nun hat ein Forscherteam von der Rockefeller University in New York City (USA) untersucht, welche molekularen Veränderungen in der Haut von alterenden Mäusen stattfinden. Die Ergebnisse geben Aufschluss über bisher unbekannte Aspekte der Wundheilung. Sie könnten dazu beitragen, neue Wirkstoffe zu entwickeln, die zur Beschleunigung der Wundheilung beitragen könnten. Die Ergebnisse sind jetzt in der Fachzeitschrift „Cell“ erschienen.

Wunde muss möglichst schnell repariert werden

Wenn eine Wunde auftritt, muss der Körper sie möglichst schnell reparieren, um die Schutzfunktion der Haut aufrecht zu erhalten und das Eindringen von Schmutz oder Bakterien zu verhindern. Bei älteren Menschen laufen diese Prozesse jedoch langsamer ab – was gleichzeitig die Gefahr von Infektionen erhöht. „Wundheilung ist einer der komplexesten Prozesse im menschlichen Körper“, erläutert Brice Keyes, einer der beiden Erstautoren der Studie. „Dabei müssen verschiedene Arten von Zellen und verschiedene molekulare Transportwege und Signalsysteme aktiv werden, die über Zeiträume von wenigen Sekunden bis hin zu Monaten wirksam sind.“

Bisher weiß man, dass an diesem komplizierten Prozess sowohl Haut- als auch Immunzellen beteiligt sind. Zunächst bildet sich Schorf über der Wunde. Anschließend wandern neue Hautzellen, Keratinozyten genannt, zur verletzten Hautstelle und füllen die Lücke unter dem Schorf. „Innerhalb von Tagen nach der Verletzung verschließen Hautzellen die Wunde“, sagt Elaine Fuchs, die Seniorautorin der Studie. „Bei diesem Vorgang ist es notwendig, dass sie mit nahegelegenen Immunzellen zusammenarbeiten.“

Gestörte Kommunikation zwischen Haut- und Immunzellen

In ihrer aktuellen Studie untersuchten Keyes, Fuchs und ihr Team diesen zweiten Schritt der Wundheilung bei zwei und 24 Monate alte Mäusen – was etwa 20 und 70 Jahre alten Menschen entspricht. Sie beobachteten, dass die Keratinozyten bei älteren Mäusen deutlich langsamer zur verletzten Hautstelle unter dem Schorf wandern. Dadurch brauchten die Wunden oft mehrere Tage länger, um zu heilen.

Gleichzeitig produzierten die Keratinozyten am Rand der Wunde bei älteren Mäusen deutlich weniger Signalproteine – so genannte Skints – als bei jüngeren Mäusen. Diese Skint-Proteine signalisieren den Immunzellen, dass sie in der Nähe bleiben und die Reparatur der Wunde unterstützen sollen. Wurden die Skint-Proteine bei jungen Mäusen unterdrückt, war auch bei ihnen die Fähigkeit zur Bildung neuer Haut gestört. „Unsere Experimente zeigen, dass die gestörte Kommunikation zwischen Haut- und Immunzellen diesen zweiten Schritt der Wundheilung verlangsamt“, erläutert Fuchs.

Als nächstes wollten die Forscher herausfinden, ob es Möglichkeiten gibt, die Signalübertragung durch Skint-Proteine zu verbessern. Dazu setzten sie Hautzellen von jungen und alten Mäusen in der Petrischale ein Protein bei, das Immunzellen normalerweise nach einer Verletzung freisetzen. Das führte dazu, dass mehr Keratinozyten zur Wunde wanderten – vor allem bei den Hautzellen älterer Mäuse. Anders gesagt: Die alten Keratinozyten verhielten sich durch die Behandlung wieder eher so wie junge.

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Oben: Fünf Tage nach einer Verletzung der Haut (blau) bei jungen Mäusen füllen neue Hautzellen (grün) die Wunde. Unten: Hemmten die Forscher die Expression eines Proteins, das Hautzellen nutzen, um mit nahegelegenen Immunzellen zu kommunizieren, dauerte es deutlich länger, bis sich neue Haut bildete. © Laboratory of Mammalian Cell Biology at The Rockefeller University / Cell

Neue Wege, um die Wundheilung zu beschleunigen

Die Wissenschaftler hoffen, dass dieses Prinzip in Zukunft eingesetzt werden kann, um neue Behandlungsmethoden zu entwickeln, die altersbedingten Verzögerungen bei der Wundheilung entgegenwirken. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es möglich sein könnte, Medikamente zur Verstärkung der Signale zu entwickeln, die normalerweise mit zunehmendem Alter schwächer werden“, sagt Fuchs. „Solche Wirkstoffe könnten dazu beitragen, dass die Hautzellen wieder besser mit den Immunzellen in ihrer Nachbarschaft kommunizieren.“

Auch das Team um Irmgard Merfort hat die molekularen Mechanismen der Wundheilung untersucht – allerdings nicht speziell bei älteren Menschen. Die Forscher wollten herausfinden, wie ein Extrakt aus der weißen Schicht der Birkenrinde in den verschiedenen Phasen der Wundheilung wirkt. Dabei beobachteten sie, dass die Substanz – und inbesondere der Inhaltsstoff Betulin – die Wundheilug beschleunigt. Der Extrakt beeinflusst verschiedene Prozesse der Wundheilung: In der ersten Phase des Heilungsprozeses trägt er dazu bei, dass mehr Makrophagen – die Fresszellen des Immunsystems – angelockt werden, welche Bakterien und totes Gewebe beseitigen. In der zweiten Phase führt der Wirkstoff dazu, dass Hautzellen schneller in die Hautlücke wandern und so die Wunde verschließen. Ein Wirkstoff auf der Basis von Birkenextrakt – an dessen Entwicklung die Freiburger Forscher mit beteiligt waren – ist seit Anfang 2016 auf dem Markt.

„Wunden, die schlecht oder gar nicht heilen, kommen in der Praxis häufig vor – vor allem bei Diabetikern und auch bei älteren Menschen“, sagt Merfort. Wichtig sei es in diesen Fällen, die Wunde regelmäßig zu säubern und keimfrei zu halten, Druckbelastung zu vermeiden und die Wunde langsam zuwachsen zu lassen. Ansonsten gebe es bisher wenig wirksame Mittel, die die Wundheilung beschleunigen oder unterstützen könnten. „Neue Wirkstoffe werden hier dringend benötigt“, betont die Wissenschaftlerin.

Aktiv bleiben ist nicht verkehrt

Übrigens könnte auch das „Wundermittel“ Sport die Wundheilung bei gesunden älteren Erwachsenen fördern, wie eine kleine Untersuchung aus dem Jahr 2005 nahelegt. Die Teilnehmer zwischen 55 und 77 Jahren waren drei Monate lang drei Mal pro Woche eine Stunde lang sportlich aktiv – und ihre Wunden heilten signifikant schneller als in der Kontrollgruppe. Auch dieser Effekt sollte in zukünftigen Studien genauer untersucht werden, betonen Experten.

65 Wertungen (4.25 ø)
Dermatologie, Forschung, Medizin

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7 Kommentare:

Annika Diederichs
Annika Diederichs

#5+6 Schade für Sie, das Sie Sachinformationen offenbar nicht adäquat verarbeiten können, wenn keine gestelzten Formulierungen verwendet werden. Aber wissen Sie, wer, wie der anonyme Gast, weder Lesen noch Schreiben kann und gleich mit Kampfbegriffen wie “verächtlich” auffährt, dessen Ansichten sind mir herzlich egal. Und wer meint, sich von ganz oben herab lassen zu müssen, verkennt sowohl meine als auch seine Position, was mir nicht mehr als ein Schulterzucken abringt. Vieleicht versuchen Sie ma zur Abwechslung, etwas zum Thema des Artikes beizutrage, anstatt ad hominem zu stänkern.

#7 |
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Kommentar zu Annika Diederichs

Sehr geehrte Frau Diederichs,
ich wünsche Ihnen sehr, dass Ihre innere Einstellung deutlich freundlicher und positiver als Ihre Wortwahl ist – sonst täten Sie mir sehr leid !
Der Ton macht nicht nur die Musik, sondern warmherzige und fürsorgliche Worte sind auch sehr wichtig in der Kommunikation mit jedem Lebewesen
und färben auf Sie selber wieder ab.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit
Dr. Schnell-Rath

#6 |
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Gast
Gast

kommentar zu anne diederichs:
ihre wortwahl wäre zu überdenken.
sie klingt verächtlich. bei mir funzt die haut wahrscheinlich auch nicht mehr weil sie so ausgelabbert ist.
vielleicht kriegen sie ihre verächtlichkeit selber gar nicht mit.

#5 |
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Michael Pelger, Chemiker
Michael Pelger, Chemiker

Ich habe die erfolgreiche Versorgung der Wunde (offenes Bein an der Wade) mit parafiniertem Netz direkt auf der Wunde und darüber Kompresse durchgeführt. Ränder wurden mit Betaisidona gereinigt. Dieses Behandlung führte am schnellsten zum Verschluß der Wunde. Versuche mit Hydrokolloid-Auflagen (kein Abtransport der Flüssigkeit) führte nicht zur Heilung, da die Wunde meiner Meinung nach zu feucht blieb.

#4 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

Zur Anregung der Epithelisierung gibt es ein ganz hervorragendes Mittel und zwar Leukichtan Gel auf Basis von hellem Schieferöl. Das funzt dermaßen gut, daß ich es unter Verband inzwischen nur noch zwei Tage anwende, weil die Wunde sonst zu schnell epithelisiert, bevor die Wundkontraktion durchstarten konnte, um die Wunde mit intakter Haut zu verschließen.
Den Hauptteil des Wundverschlusses leistet übrigens nicht die Zellteilung und -migration, sondern eben diese Wundkontraktion. Jede Wette, daß die bei Älteren nicht mehr funzt, so ausgelabbert wie deren Haut ist. Da würde ich eher mal schauen. wie man die Wundversorgung daran anpaßt. Als ich mal so eine Oma mit einer Scherverletzung vor mir hatte, erschien mir das Klebevlies recht probat, was nebendran stand und die Wunde samt der ganzen Labberhaut drumherum hübsch zusammengebappt hat. Da das Zeug nur so mittelfest gebappt hat, müßte das später auch wieder runter gegangen sein ohne die Haut mitabzuziehen.

#3 |
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Eine der wichtigsten Massnahme ist die Hochlagerung des verletzten Körperteiles! Damit kommt es zu einer Entwässerung, das Begleitoedem nimmt ab und auf einer trockenen Baustelle kann schneller gebaut werden. Die Versorgung der verletzten Zellen (Abbau, Umbau, Neubau) ist effizienter, wenn der WEg von der Kapillare entsumpft ist.

#2 |
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Klaus Fischer, Chemiker
Klaus Fischer, Chemiker

Ja, ja Hautheilungen im Alter verlaufen deutlich langsamer, wenn überhaupt Heilungen in diesem Lebensstadium als gelungen bezeichnet werden können. Selbst ein schwacher, einmaliger Sonnenbrand, also der Einfluss von UV-Strahlen kann mit dem Ergebnis enden, dass nach Jahren Hautstellen weiter beschädigt bleiben. Hautstelen mit feinen Falten können von allein aufbrechen und heilen erst einmal lange nicht. Das sind nur ein paar Heute’s. Wie lange wird es dann dauern, wenn nur Signale mehr bringen werden als nur Signale.

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