Geriatrie: Alte Schmerzen, neue Hoffnung

28. Dezember 2010
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Der Anteil der unterversorgten Schmerzpatienten in Altenheimen liegt zwischen 16 und 30%. Im Durchschnitt wird jeder über 60jährige mit drei Arzneimitteln simultan dauertherapiert. Die Schmerztherapie in der Geriatrie stellt den Therapeuten vor besondere Herausforderungen.

Nach einer Studie von Gagliese und Melzack leiden etwa 60-80 % der 60- bis 89-Jährigen an chronischen Schmerzen. Mehr als drei Viertel der in eigenen Räumen lebenden Betroffenen werden gar nicht oder völlig unzureichend schmerztherapeutisch versorgt. Schmerz im Alter kann viele Ursachen haben: Degenerative Skeletterkrankungen, Osteoporose, Sturzfolgen, Polyneuropathien, Zosterkomplikationen, Tumoren und Metastasen. Die Probleme beginnen oft bereits bei der Diagnose. Eine Schmerzmessung ist bei dementen Personen, die sich nicht mehr gezielt äußern können, kaum möglich. Nicht selten ist in diesen Fällen aggressives Verhalten die einzige Möglichkeit, auf schmerzauslösende oder -verstärkende Aktionen, zum Beispiel Waschen oder Anziehen, zu reagieren. Bei adäquater Analgesie nehmen die Aggressionen ab.

Alte Patienten sind pharmakologisch anders

Die verbreitete Annahme, dass die Resorption von Medikamenten im Alter schlechter wird, ist pauschal nicht richtig. Für die meisten untersuchten Medikamente wurden keine klinisch bedeutsamen Änderungen der Resorptionskinetik gefunden. Möglicherweise heben sich einige der Altersveränderungen des Gastrointestinaltraktes gegenseitig in ihren Auswirkungen auf. So verschlechtert sich beispielsweise bei sauren Antiphlogistika die Resorptionsrate durch die geringe Magenazidität, gleichzeitig wird sie jedoch durch die verzögerte Magen-Darm-Passage verbessert. Es existieren aber eine große Anzahl extrinsischer Faktoren, die die Resorptionskinetik beeinflussen können.

Bei der Pharmakokinetik spielt der Anteil des Gesamkörperwassers eine wichtige Rolle. Diese Kenngröße nimmt zwischen dem 20. und 80. Lebensjahr um 10 – 20% ab. Der relative Fettanteil steigt bei Männern von 18 auf 36 %, bei Frauen von 33 auf 45%. Daraus folgt, dass die gleiche Dosis eines vorwiegend wasserlöslichen Arzneistoffs zu einer höheren Plasmakonzentration führt. Bei fettlöslichen Medikamenten resultiert aus diesem Umstand eine Verlängerung der biologischen Halbwertzeit.

Auch die Leber altert

Auch die Leber als metabolisierendes Organ verändert sich mit zunehmendem Alter. Eine Änderung der Leberfunktion führt automatisch zu einer Veränderung der Pharmakokinetik der meisten Medikamente. Das relative Lebergewicht sinkt von 2,5% auf 1,5%. Im 65. Lebensjahr beträgt die Leberperfusion nur noch 55-60% der eines 25jährigen. Verglichen mit dem Einfluss extrinsischer Faktoren wie Alkohol, Nikotin und lebertoxischen Medikamenten sind die altersphysiologischen Leberveränderungen jedoch vergleichsweise gering. Auch die Funktion der Niere nimmt ab. Die glomeruläre Filtrationsrate nimmt zwischen dem 20. und 90. Lebensjahr um 35% ab. Bei Medikamenten, die vorwiegend renal eliminiert werden, resultiert daraus eine Verlängerung der Halbwertzeit.

Den durch den physiologischen Alterungsprozess hervorgerufenen pharmakokinetischen Veränderungen muss bei einer analgetischen Pharmakotherapie Rechnung getragen werden. So können Nebenwirkungen und Arzneimittelinteraktionen vermieden bzw. reduziert werden. Ältere Menschen bewerten Schmerzen eher zurückhaltend. Sie akzeptieren den Schmerz als Ausdruck des Alterungsprozesses oder ihrer Erkrankung, andere hingegen fürchten die Bedeutung des Schmerzes oder glauben nicht an die Möglichkeit einer schmerzlindernden Behandlung. McMillan untersuchte bereits vor vielen Jahren tumorbegleitende Krankheitssymptome und berichtete, dass ältere Patienten im Verlauf ihrer Erkrankung eine niedrigere Schmerzintensität angeben. Beim alten Patienten ist weder ein therapeutischer Minimalismus noch ein polypragmatisches Vorgehen angezeigt. Medikamente müssen gut ausgewählt, gezielt eingesetzt und angemessen dosiert werden, um für den älteren Patienten einen möglichst nebenwirkungsfreien Nutzen zu erzielen.

Eine Studie des Arbeitskreises Schmerz im Alter hat problematische Tendenzen in der Schmerztherapie dargestellt:

  • 51 Prozent der untersuchten Patienten mit einem Durchschnittsalter von 76 Jahren erhielten ausschließlich Schmerzmedikamente der Stufe 1 der WHO-Empfehlungen, also „einfache“ Schmerzmittel (Nichtopioide)
  • 25 Prozent erhielten eine Therapie der Stufe 2, also eine Kombination von einfachen Schmerzmitteln, und schwachen Opioiden nur 18 Prozent wurden mit Medikamenten der Stufe 3, also mit starken Opioiden, behandelt
  • 6 Prozent erhielten überhaupt keine Schmerztherapie
  • bei 50 Prozent der Untersuchten war eine depressive Symptomatik zu beobachten

Nicht-Opioide Analgetika

NSAR sind bei einer Dauertherapie des älteren Patienten vergleichsweise risikoreicher. Dies gilt besonders bei folgenden Begleiterkrankungen:

Bei älteren Patienten, die wegen Nebenwirkungen stationär behandelt werden müssen, sind nichtsteroidale Antirheumatika die häufigste Ursache. Das Risiko einer Ulcusblutung mit letalem Ausgang ist bei älteren Patienten um den Faktor 4 erhöht. Erhöht ist nach einer Studie von Buffum et al auch die Gefahr eines akuten Nierenversagens im Alter bei hochdosierter Diuretikatherapie und gleichzeitiger NSAR-Gabe.

Paracetamol ist der Acetylsalicylsäure und den NSAR, einschließlich der selektiven COX-2-NSAR, aufgrund der in der Gerontologie zu befürchtenden Nebenwirkungen vorzuziehen“, so die Empfehlung der Amerikanischen Gesellschaft für Gerontologie. Da jedoch im Alter nicht selten entzündliche rheumatische Erkrankungen eine Analgetikatherapie notwendig machen, kommt man um „saure“ Pharmaka nicht herum. Gastrointestinale Nebenwirkungen lassen sich mit Protonenpumpenhemmern oder Antazida mildern. Außerdem kann eine eingeschränkte Leber- und/oder Nierenfunktion eine Kontraindikation sein.

Einige Besonderheiten der Nicht-Opioiden Analgetika im Alter:

  • Paracetamol ist nicht sinnvoll bei eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion und Entzündungsschmerzen
  • Acetylsalicylsäure nicht bei Asthma, Gicht und Gerinnungshemmereinnahme. Die altersphysiologische Abnahme der Nierenfunktion bedingt ein erhöhtes Risiko für NSAR-induzierte Natrium- und/oder Wasserretention, Hyperkaliämie sowie Abnahme der glomerulären Filtrationsrate bis hin zum akuten Nierenversagen.
  • Ibuprofen sollte bei einer Gerinnungshemmertherapie mit ASS zeitlich versetzt eingenommen werden, da es die thrombozytenaggregationshemmende Wirkung aufheben kann
  • Metamizol kann bei kolikartigen Schmerzen sinnvoll sein, bei intravenöser Gabe muss die hypotensive und allergene Komponente bedacht werden.
  • Coxibe haben Vorteile hinsichtlich der fehlenden Wirkung auf die Plättchenaggregation. Die amerikanische Arzneimittel-Zulassungsbehörde FDA verfügte im April 2005 jedoch verschärfte Warnhinweise („black box warnings“) vor den kardiovaskulären Risiken von Celecoxib und herkömmlicher NSAR.

Opioide Analgetika – Vorsicht vor den Metaboliten

Anstatt hohe Dosen von Stufe-2-Analgetika zu geben, ist eine Umstellung auf stark wirksame Opioide (WHO-Stufe III) häufig günstiger für alte Patienten. Keinesfalls dürfen Opiate unterschiedlicher Stärken miteinander kombiniert werden. Das stärkere Opioid verdrängt das schwächere von seiner Bindungsstelle. Wirkstärke 0,2 (beispielsweise Tramadol) kombiniert mit Wirkstärke 1 (Morphin) ergibt rechnerisch zwar 1,2, pharmakologisch aber 1. Auch wenn die erwünschte Wirkung nicht gesteigert wird, kann es zu einer Zunahme der unerwünschten Nebenwirkungen wie Übelkeit und Stuhlverstopfung kommen. Vor einer (Dauer)Therapie mit Opioiden müssen nach Möglichkeit natürlich andere, möglichst kurative Maßnahmen, ergriffen werden.

Grundlagen der Schmerztherapie

Das Konzept des WHO-Stufenschemas kann auf fünf Kernsätze zusammengefasst werden:

1. by the mouth,
2. by the clock,
3. by the ladder,
4. for individual,
5. attention to detail

Frei übersetzt heißt das:
1. Schmerzmittel sind oral (oder nicht-invasiv) einzunehmen,
2. nach einem festen Zeitschema,
3. nach einer festen Stufenleiter,
4. in individueller Dosierung,
5. Besonderheiten sind zu beachten.

Für die Dauermedikation sollten bei geriatrischen Patienten entweder retardierte oder langwirksame Opioide (z. B. Buprenorphin) eingesetzt werden. Sie gewährleisten ausreichend lange Einnahmeintervalle und gleichzeitig einen zusammenhängenden Nachtschlaf, der nicht durch Analgetikaeinnahmen unterbrochen werden muss, was nicht zuletzt zur Patientencompliance beiträgt. Ist es notwendig, die Analgetika über eine Sonde zu verabreichen, sind viele Retardzubereitungen nicht geeignet. Buprenorphin ist hier eine sinnvolle Alternative, da es sublingual gegeben werden kann.

Das ideale Analgetikum für den alten Menschen sollte:

  • eher lipophil als hydrophil sein
  • eine ausreichend lange (compliancefördernde)Wirkung besitzen
  • Außerdem sollte es auch bei Schluckstörungen applizierbar sein
  • und eine den älteren Patienten angepasste Kinetik aufweisen, d.h. die Metabolite sollten bei einer Minderfunktion der Ausscheidungsorgane nicht kumulieren
  • Insbesondere sollte das Opioid nicht den Metaboliten Morphin-6-Glucuronid bilden. Dieser verstärkt u.a. die Sedierung und führt zur Verwirrtheit.

Opioide Analgetika für den geriatrischen Patienten sollten einen „nierenfreundlichen“ Metabolismus besitzen. Eine Kumulation des Abbauproduktes Morphin-6-Glucuronid hat Nebenwirkungen zur Folge, die sich erst nach Tagen in Form von deliranten Zuständen zeigen können. Gerade bei einer im Alter eingeschränkten Nierenfunktion kann der Metabolit kumulieren. Deshalb erscheint es sinnvoll, im höheren Lebensalter solche Opioide zu bevorzugen, die diesen nicht bilden. Dies gilt für:

Buprenorphin,
Hydromorphon und
Oxycodon.

Morphin hingegen bildet Morphin-3-Glucuronid. Auch das Opioid-Analgetikum Pethidin erscheint für Geriatriker ungeeignet. Es kann vermehrt ein Anticholinerges-Syndrom auslösen. Im Alter vermindert sich das Gesamtkörperwasser. Die Applikation hydrophiler Analgetika wie Morphin führt folglich zu einer höheren Analgetikawirkung bei jüngeren Patienten. Außerdem bildet Morphin nebenwirkungsträchtige Metabolite die bei Niereninsuffizienz kumulieren können. Die relative Zunahme des Körperfettgewebes kann bei Verabreichung lipophiler Analgetika wie Buprenorphin zwar zu einer verzögerten Wirkung führen, eine Kumulation bleibt jedoch aus. Folglich muss die zu verabreichende Dosis mit zunehmendem Alter nach individueller Wirkung und Nebenwirkung vorsichtig angepasst werden.

Buprenorphin – starke Wirkung, keine Atemdepression

Buprenorphin Sublingualtabletten können bei älteren, kachektischen Schmerzpatienten mit Schluckbeschwerden eingesetzt werden. Die Dosis kann sehr gut an die individuelle Schmerzintensität angepasst werden. Die Substanz wirkt als Partialagonist am Mµ-Rezeptor. Dieser besondere Wirkmechanismus erhöht erheblich die Anwendungssicherheit. Eine Atemdepression kann auch bei massiver Überdosierung fast nicht auftreten. Die antagonistische Wirkung am Kappa-Rezeptor kann sich bei älteren Schmerzpatienten, insbesondere solchen Menschen mit depressiven Verstimmungen positiv auswirken. In ihrer Vigilanz werden die Patienten kaum durch Buprenorphin beeinflusst. Gerade bei Patienten mit Erkrankungen der Atemwege wie z. B. COPD ist die nicht relevante Beeinflussung des Atemminutenvolumens durch Buprenorphin von Nutzen. Bei multimorbiden Patienten mit einer Vielzahl an Begleitmedikationen bleibt die Therapie mit diesem opioiden Partialagonisten aufgrund des geringen Wechselwirkungsspektrums überschaubarer. Buprenorphin wirkt nicht immunsupressiv, davon profitieren gerade ältere und immungeschwächte Schmerzpatienten. Verglichen mit Morphin (Wirkstärke 1) beträgt die analgetische Potenz 100. Ein weiterer Vorteil ist die lange Wirkdauer trotz geringer Eliminationshalbwertzeit und die geringe Bindung an für andere Pharmaka relevante Proteine.

Hydromorphon – alte Substanz im neuen Kleid

Das semisynthetische Dihydromorphin-Derivat gehört zur Substanzklasse der Morphinane und wird bereits seit 1926 weltweit eingesetzt. Es ist wesentlich lipophiler als Morphin und überschreitet die Blut-Hirn-Schranke entsprechend schnell. Der Hersteller gibt die analgetische Potenz mit dem Faktor 7,5 an, andere Autoren (M. Kloke, Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie) mit 5. Hydromorphon besitzt eine sehr geringe Plasmaeiweißbindung, diese begünstigt das geringe Interaktionspotenzial. Gerade für Geriatriker oder multimorbide Patienten ist dies von großer Bedeutung. Myoklonien, die bei anderen Opioiden auftreten können, wurden bei oraler Gabe nicht beobachtet. Der Wirkstoff ist zwar schon über 8o Jahre alt, wurde aber mehrfach galenisch weiter entwickelt. Die OROS® (ORales OSmotisches System)-Technologie beispielsweise nutzt das Prinzip der Osmose. Durch einen Push-Pull-Mechanismus wird der Wirkstoff Hydromorphon gleichmäßig und nahezu unabhängig von der Nahrungsaufnahme freigesetzt. Nach Einnahme des osmotischen Dragees dringt Wasser aus dem Magen-Darm-Trakt ins Innere (Pull-Komponente), der Quellkörper dehnt sich aus und pumpt langsam und kontinuierlich Hydromorphon durch eine kleine lasergebohrte Öffnung in der Hülle nach außen (Push-Komponente). Die Pharmakokinetik ist bei allen angebotenen Wirkstärken dosisproportional. Nach 24 Stunden ist die Hydromorphon-Freisetzung beendet.

Oxycodon – doppelt so stark wie Morphin

Oxycodon ist ein halbsynthetischer Opioidagonist, der ursprünglich vor allem zur postoperativen Analgesie eingesetzt wurde. Er zählt zur Gruppe der mittel- bis starkwirksamen Opioid-Analgetika der Stufe III des WHO-Stufenschemas. Oxycodon hat Affinität zu Kappa-, My- und Delta-Opiatrezeptoren im Gehirn und Rückenmark. Die Bioverfügbarkeit des Pharmakons ist fast doppelt so hoch wie die von Morphin. Im Vergleich zu Morphin kann die Dosis daher bei gleicher Wirkung nahezu halbiert werden, und die Wirkung tritt schneller ein. Oxycodon verursacht die typischen Wirkungen und Nebenwirkungen der Opiate, soll aber zu weniger zentralnervösen Nebenwirkungen wie Halluzinationen und zu einer geringeren Histaminfreisetzung führen. Die Folge ist ein geringeres Auftreten von Juckreiz, Blutdruckabfall und Müdigkeit. Es liegen zahlreiche Studien vor, die die Wirksamkeit und Verträglichkeit Tramadol gegenüberstellen. Oxycodon ist bis zu 20-mal stärker als Tramadol, verursacht jedoch deutlich weniger Übelkeit und Muskelkrämpfe. Kontrollierte Studien bei über 65-Jährigen haben gezeigt, dass verglichen mit jüngeren Erwachsenen die Clearance von Oxycodon nur leicht vermindert ist. Bei nicht manifesten Leber- oder Nierenfunktionsstörungen ist eine Dosisanpassung in der Regel nicht erforderlich. Eine neuere galenische Variante ist die Kombination von Oxycodon mit Naloxon. Hierdurch soll die Gefahr einer Obstipation geringer sein, außerdem wird ein Missbrauch außerhalb der Schmerztherapie als Drogenersatz verhindert. Eines haben alle Opioide gemeinsam: Die Patienten sollten vorbeugend gegen Obstipation behandelt werden. Macrogol erscheint günstiger als Lactulose. Das letztgenannte Laxans kann zu heftigen Blähungen führen.

Transdermale Systeme nicht immer Mittel der Wahl

Nicht nur der Wirkstoff, auch die Art der Applikation ist von Bedeutung. Transdermale therapeutische Systeme werden überproportional häufig in der Geriatrie angewendet. Die Resorption und die Wirkung sind besonders beim betagten Patienten starken Schwankungen unterlegen und kaum vorhersehbar. Transdermal verabreichte lipophile Opioide wie Buprenorphin und Fentanyl werden als lipophile Substanzen bei kachektischen alten Menschen wegen der fehlenden subkutanen Fettschicht nur sehr schlecht aufgenommen. Außerdem führen Hautfalten zu einer verminderten Kontaktfläche.

Dosisreduktion bei Antihypertonikaeinnahme

Eine Reduzierung der Opioiddosen im Alter ist immer dann anzustreben, wenn zusätzlich Medikamente, wie Antihypertonika und/oder Kalzium-Antagonisten, eingenommen werden. Obwohl Opioide über andere Transmittersysteme, wie das monaminerge (Dopamin, Serotonin), das GABAerge, das histaminerge und/oder das cholinerge System angreifen, kann es mit Antihypertonika und/oder Kalzium-Antagonisten zu Arzneimittelinteraktionen kommen. Die Ursache hierfür ist eine Hyperpolarisation der Zellen auf Membranebene. Opioide verstärken den zellulären Ausstrom von K+-Ionen und vermindern den Ca2+-Einstrom in die Zelle.

Weil Kalziumantagonisten primär über eine Kalziumwiederaufnahmehemmung wirken, kommt es in Kombination mit einem Opioid zur Wirkungspotenzierung (synergistischer Effekt). Deshalb ist besonders bei älteren Patienten bei jeglicher Dauermedikation mit solchen Pharmaka oder Pharmakagruppen an eine Wirkungsverstärkung zu denken. Hierbei werden neben einer wünschenswerten Wirkungsverstärkung (Analgesie) auch die Atemdepression und Sedierung verstärkt und/oder die Wirkung verlängert.

Wer sich intensiver mit dem Thema auseinander setzen möchte, findet in der sogenannten PRISCUS-Liste eine Übersicht über die potenziell inadäquate Medikation für ältere Menschen.

152 Wertungen (4.5 ø)
Allgemein

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19 Kommentare:

dr.med mechthild trapp
dr.med mechthild trapp

Seit langer Zeit mal wieder eine nützliche,gut verständliche
und praxisrelevante Zusammenfassung für Alle med.Tätigen.

#19 |
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Heiler Eckehard Kiesling
Heiler Eckehard Kiesling

Guter Bericht und auch sehr aufschlussreiche Komentare dazu wieder einmal ein Bericht der die gesammte Breite der Mediziner anspricht sehr gut.

#18 |
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Apotheker

Trotz der Güte des Artikels und den vielen ärztlichen Kommentaren
vermisse ich Hinweise darauf,dass auch die beste Kenntnis der Zu-
sammenhänge der Schmerzbehandlung in den Krankenkassen
keinen guten Partner findet.Zum Beispiel muss bei schlechterer
Wirkung des Generikums im Vergleich zum Original mehrere Male
eine Generika-alternative ausprobiert worden sein.Schmerztherapeutisch
sinnvoll? Oder der Einsatz von Metamizol ist nur nach erfolgloser
Vortherapie erlaubt.Wer hält sich daran? Falls jemand ein Interesse hätte… Wo bleiben die Kommentare zum therapeutischen Tollhaus?

#17 |
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Ein sehr interessanter Artikel mit wichtigen Hinweisen auf die Problematik in der Schwerztherapie.

#16 |
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Heilpraktikerin Diana Feldmann
Heilpraktikerin Diana Feldmann

Wunderbar geschrieben!

#15 |
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luitgard illerhaus
luitgard illerhaus

toller Artikel, gut zu gebrauchen, Danke!

#14 |
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katrin poppe
katrin poppe

eine gute Übersicht aus meiner Sicht als Psychiaterin möchte ich neben einem guten Zusammenspiel aller ärztlicher Fachgruppen noch erwähnen, das ich fast Standardmäßig Pat. mit 8- 10 AM aller Fachgruppen incl. Blutgerinnern, Valproat, Lyrica, Omep etc sehe, mit gravierenden Interaktionen, man beachte also das gerade Ältere Pat. oftmals von moderneren Med. wenn auch teurer und wenigen profitieren.Ein 2. Aspekt ist die Prüfung einer Antidepressiven Medik.da sich oft im Alter Schmerzen und somatische Beschwerden hinter einer Depression maskieren (und dann bitte keine Trizyklika mehr bei Älteren) und 3.emotionale Zuwendg., Sinnfindung etc. sprich auch PT ist sehr sinnvoll, wirksam bei älteren Pat.

#13 |
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guter und hilfreicher artikel

#12 |
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Das war sehr interressant und auch sehr wichtug besonders für mich als ich in Long Term Care Unit arbeite und mit vielle alte patienten behandeln muss.

#11 |
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Ärztin

Kleiner Korrekturen:
Geraden bei Sondenpatienten werden die buccalen Arzneiformen (Buprenorphin, Fentanyl) u.a. wegen der oft nicht intakten Schleimhautverhältnisse schlecht resorbiert. Hier ist Palladon ret. (Hydromorphin wegen der bereis retardierten Pellets eine gute Alternative).

Metamizol ist in der Schmerztherapie nicht nur bei Kolikschmerzen beliebt, insbesondere bei Knochenprozessen nicht entzündliche Natur (auch Metastasen) indiziert.

#10 |
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Dipl. Pflegepädagogin Ullrich Barbara
Dipl. Pflegepädagogin Ullrich Barbara

Danke für den sehr guten Beitrag. Ich werde ihn mit meinen Altenpflegeschülern durchsprechen.

#9 |
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Nichtmedizinische Berufe

Der Bericht “Alte Schmerzen…” hat mich als immer noch halbwegs aktiven Langstreckenläufer in M80 und nach 40jähriger disziplinierter Laufpraxis und als Anti-Alkoholiker und Vegetarier sehr berührt und in meiner Lebensführung bestätigt. Offensichtlich hängt doch die Lebensqualität gerdae im Alter über 60 von der noch ausgeübten körperlichen Aktivität und vom Lebenswandel ab.
Wenn von erfahrenen Therapeuten angeführt wird, daß es kaum einen über 70jährigen ohne arthrotische Beschwerden
gibt, kann ich darauf verweisen, dass ich selbst nach arthrotischen Eingriffen an beiden Knien vor 15 Jahren, also etwa mit 65, nach wenigen Tagen wieder nahezu schnmerzfrei lief und in den folgenden Monaten und Jahren wieder Marathon und sogar 100 KM bewältigte.
Schmerzhafte Probleme hatte ich im jetzt vergangenen Jahr, weil ich mir arbeitsbedingt in der rechten Schulter 4 Sehnen abriss, die Anfang Juli d.J. wieder rekonstruiert wurden. Anaschließend hatte ich logischerweise Schmerzen, insbesonders Ruheschmerz, wobei ich jedoch über ASS und gelegentlich Diclo hinaus keine weiteren Mittel benötigte. Heute brauche ich noch gelegentlich ASS 500mg. Ob meine relativ schnelle Rekoinvaleszenz mit meinem seit vielen Jahren sehr niedrigen Körperfettanteil von max. 10% bei Körpergewicht 63 Kg/168 Größe zusammenhängt, wäre interessant für mich.

#8 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

DER BEITRAG IST SEHR AUFSCHLUSSREICH .ICH WÜNSCHTE, DAß UNSERE ÄRZTE SICH MEHR MIT DIESER SITUATION DER ZU VERORDNETEN ANALGETIKA BEFASSEN WÜRDEN . WENN MAN DIESE UNTERSCHIEDLICH WIRKENDEN UND DAZU DIE NOCH ZUSÄTZLICH EINNEHMENDEN MEDIKAMENTE IN IHRER VERBINDUNG MITEINANDER INSGESAMT BETRACHTET, KÄME ES ZU WENIGER KOMPLIKATIONEN UND TODESFÄLLE.

#7 |
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Dr. med. Sikander Chowdhury
Dr. med. Sikander Chowdhury

Danke für diese informative Zusammenstellung. Würden doch mehr Hausärzte diese Information berücksichtigen…

#6 |
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Sehr guter Artikel, allerdings orthomolekular leider nicht so brillant wie der Rest des Artikels.
Speziell im Alter klafft eine Lücke bei den B-Vitaminen (z.B. Lindemann J. Am. Coll. Nutr. 2000), die wahrscheinlich auf eine Mischung aus ungenügender Resorption und vermehrtem Bedarf zurückgeht.
Gerade B-Vitamine spielen bei der Prophylaxe altersbedingter Demenzen eine wichtige Rolle (z.B. Calvaresi et al. J. Gerontol. 2001). Das B-Vitamine (neben anderen wie z.B. Tocopherolen) bei Neuropathien – auch Polyneuropathie – eine wichtige Rolle spielen, steht ausser Frage (z.B. Clarke Am. J. Clin. Nutr. 2003).

Der Schmerzmittelabusus, den ich im Rahmen der Erstkonsulation in meiner Praxis nicht selten finde, geht nach meiner Beobachtung darauf zurück, dass Vorbehandler viel zu häufig auf das Alter und die bildgebenden Befunde schauen (“da kann man nichts mehr machen”) und dabei die Funktionsdiagnostik ausser acht lassen bzw. zu wenig berücksichtigen. Man wird in der Praxis kaum einen Patienten über 70 finden, bei dem man keine Gelenk- bzw. WS-Arthrosen findet. In der Regel geht die Gleichung Befund = Befinden aber nur sehr selten auf. Wechselt man den Focus, z.B. zur osteopathischen Evaluation, dann ändert sich am Röntgen- oder CT-Befund nichts, dem Patienten – auch und gerade Senioren – geht es aber besser bzw. scheinbar verloren gegangene Funktionen setzen wieder ein.
Das war mir wichtig zu sagen, denn diese Aspekte werden immer noch viel zu wenig diskutiert, dabei sollte es uns doch vor allem darum gehen, den Betroffenen zu helfen.#
Herzliche Grüße und beste Wünsche für 2011 an Alle

#5 |
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Aenne-heike Zaenker
Aenne-heike Zaenker

Super Information, gerade bei der Schmerztherapie in der Altenpflege

#4 |
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Dr. med. Erwin Dallmeier
Dr. med. Erwin Dallmeier

Gute kompakte Übersicht.

#3 |
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Außerordentlich nützliche und praxisrelevante Zusammenfassung für den Hausarzt,Schmerztherapeuten und Geriatriker.

#2 |
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Apotheker

Ein beachtenswerter Beitrag !

#1 |
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