Keimfreies Heroinbesteck? Ab in die Mikrowelle!

1. Dezember 2016
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Die Übertragung von Hepatitis C und HI-Viren zwischen Drogenabhängigen ist ein globales Problem. Über 80 Prozent infizieren sich durch kontaminierte Drogenbestecke. Mithilfe einer Mikrowelle können Viren jedoch inaktiviert werden. Eine simple Methode, um Ansteckungen zu reduzieren?

Eine einfache und zuverlässige Möglichkeit, um Hepatitis-C- und HI-Viren abzutöten ist aus zwei Gründen besonders wichtig: Zum einen ist das Ansteckungsrisiko mit Viren, die von Blut zu Blut übertragen werden in Drogenmilieus durch das Verleihen von Spritzbestecken besonders hoch. Zum anderen stehen für die Behandlung einer Hepatitis-C-Virusinfektion zwar grundsätzlich potente Medikamente zur Verfügung, diese sind jedoch meist sehr kostspielig und Betroffene haben kaum Zugang zu diesen Medikamenten. Zudem schützt die Behandlung auch nicht vor einer Neuinfektion.

Eine Forschergruppe aus Hannover stellte sich daher die Frage: Könnte eine Mikrowelle dabei helfen, vor Virusübertragungen in Drogenmilieus zu schützen? „Auslöser für das Projekt war ein Anruf von Pedro Mateu-Gelabert, einem Streetworker in New York, mit dem wir schon länger zusammenarbeiten“, erinnert sich Eike Steinmann, Leiter der Arbeitsgruppe Virustransmission am Institut für Experimentelle Virologie des TWINCORE Zentrums für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung.

Mindestens zwei Minuten in der Mikrowelle

„Er fragte, ob es nicht eine Möglichkeit gäbe, die Drogenbestecke in der Mikrowelle zu behandeln und damit HCV und HIV abzutöten. Eine Mikrowelle hätte doch jeder in den USA…“

Das Funktionsprinzip der Mikrowelle basiert auf der Anregung von Wasser in Proben und damit letztlich auf Erwärmung. „Da wir aus früheren Untersuchungen wussten, dass zumindest das Hepatitis-C-Virus temperaturempfindlich ist, war der Ansatz erfolgversprechend“, sagt Anindya Siddharta, Wissenschaftler der Arbeitsgruppe.

Und tatsächlich: Zwei Minuten bei 360 Watt reichen aus, um wässrige HCV-Lösungen zu inaktivieren. In Kooperation mit der Arbeitsgruppe Angeborene Immunität und Virale Evasion, weiteten die Forscher die Versuche noch auf das HI-Virus aus – mit demselben Erfolg. Denn etwa ein Drittel der HIV Infizierten ist ebenfalls mit HCV infiziert.

Mehr Watt und weniger Zeit hingegen führen nicht zur Inaktivierung der Viren. „Weniger als zwei Minuten reichen einfach nicht aus, um die Viruslösungen auf die nötige Temperatur zu bringen.“ Das Prinzip haben die Wissenschaftler nicht nur mit sauberen Virenlösungen getestet, sondern auch mit virushaltigen, straßenüblichen Heroinzubereitungen, um beurteilen zu können, ob das Heroin eventuell Einfluss auf die Virenaktivität nimmt.

Metallnadel erfordert andere Behandlung

„Ein weiterer kritischer Punkt für die Alltagstauglichkeit der Mikrowellenbehandlung im Drogenmilieu ist die Behandlung der Spritzbestecke“, beton Eike Steinmann. Dazu gehören neben Spritze und Löffel vor allem kleine Zigarettenfilter, durch die die Drogenabhängigen ihre Heroinzubereitung in die Spritze ziehen. Damit verhindern sie, dass die Nadel beim Spritzen durch Verunreinigungen verstopft.

Diese Filter werden – da sie immer noch Reste von Heroin enthalten – häufig wieder verwendet und auch verliehen. Damit bergen diese Filter das größte Ansteckungsrisiko, aber, „sowohl Filter als auch Spritzen, sind nach drei Minuten bei 360 Watt nicht mehr infektiös, selbst wenn sie 24 Stunden angetrocknet sind“, sagt Eike Steinmann.

„Einzig kritisch ist dann noch die Metallnadel der Spritze, die darf natürlich nicht in die Mikrowelle und müsste anders behandelt werden.“

Die Behandlung des Filters dauert ein wenig länger, damit die Wärme auch wirklich das gesamte Material durchdringt. Nach drei Minuten sind Filter und Spritzen aber frei von infektiösen Viren und die Gefahr, sich mit Hepatitis C oder HIV anzustecken ist zumindest auf diesem Wege gebannt.

Originalpublikation:

Inactivation of HCV and HIV by microwave: a novel approach for prevention of virus transmission among people who inject drugs
Anindya Siddharta et al.; Scientific Reports, doi: 10.1038/srep36619; 2016

25 Wertungen (4.12 ø)

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3 Kommentare:

Gast
Gast

@Nicolé Kral
Dann verbringen sie mal eine Nacht in Frankfurter Bahnhofsviertel.
Ich glaube, dass es den Frauen die sich dort für Drogen prostituieren müssen ziemlich egal ist ob ihre Krankenkasse etwas davon weiß, wenn sie denn eine haben. Ich glaube eher die wissen nichts von einem Heroinprogramm.

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Studentin der Humanmedizin

Es gibt bereits seit 2010 ein Heroinprogramm. Funktioniert ähnlich wie das Metadonprogramm in Kliniken vom Gesundheitsamt. Für Betroffene darin eine gute Sache, aber: wie gesagt seit 2010!!! trotzdem hat sich seitdem nicht so viel geändert. Ein abhängiger muss da auch rein wollen! Viele wollen doch auch gar nicht, das ihre Suchterkrankung z.B. Bei der Krankenkasse aktenkundig wird.

#2 |
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Gast
Gast

Das einfachste wäre, man würde Heroinsüchtigen Heroin auf Rezept verabreichen.
Das Zeug wäre dann sauber, nicht gestreckt, und man müsste keine Klimmzüge wegen der Hygiene machen. Desweiteren würde endlich der Beschaffungsprostitution ein Ende gesetzt.
Aber das muss man wollen.

#1 |
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