Krebs: Dem malignen Melanom geht die Luft aus

19. Juni 2013
Teilen

Wird schwarzer Hautkrebs frühzeitig entdeckt, kann er meist erfolgreich behandelt werden. Anders sieht es hingegen aus, wenn er zu spät gefunden wird: Dann sind die Heilungschancen gering. Wissenschaftler stellen nun einen vielversprechenden Ansatz vor.

Der schwarze Hautkrebs (malignes Melanom) zeichnet sich dadurch aus, dass früh Metastasen über die Blut– und Lymphbahnen im Körper entstehen. Seit kurzer Zeit sind neue Medikamente, unter anderem mit dem Wirkstoff Vemurafenib, auf dem Markt, die das Wachstum des Tumors wenigstens vorübergehend aufhalten können. Allerdings schlagen diese Medikamente schon nach relativ kurzer Zeit nicht mehr an. Mitverantwortlich dafür scheinen bestimmte hochresistente Zellen des Tumors zu sein, sogenannte Stammzellen. „Die einzelnen Zelltypen des Tumorgewebes unterscheiden sich zum Teil stark voneinander“, erklärt Privatdozent Dr. Alexander Roesch, Oberarzt in der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Homburger Uniklinikum. Das Team um Roesch hat in einer vorangegangenen Studie Melanomzellen entdeckt, die sich nur sehr langsam oder gar nicht teilen. „Das ist für Krebszellen eigentlich unüblich, da diese sich normalerweise schnell teilen“, kommentiert der Mediziner diesen Befund.

In der jetzt veröffentlichen Studie konnten Roesch und seine Kollegen zeigen, dass „diese speziellen Zellen tatsächlich die therapieresistente Wachstumsreserve des Melanoms bilden“, so Roesch weiter. Bei der Frage, warum sich diese Zellen derartig verhalten, sind sie auf eine Besonderheit gestoßen: Die langsam wachsenden Zellen nutzen einen nicht Krebs-typischen Stoffwechselweg, um Energie zu produzieren. „Wir haben herausgefunden, dass die Zellen ihren Energiebedarf über die sogenannte Atmungskette in den Mitochondrien decken“, berichtet Roesch. Hierbei erzeugen die Mitochondrien der Tumorzellen über die oxidative Phosphorylierung – eine Reaktionskette, die im Prinzip einer Knallgasreaktion entspricht – die notwendige Energie. Andere Tumorzellen hingegen setzen auf die Glykolyse, bei der Zuckermoleküle gespalten werden und so schneller Energie für das Wachstum zur Verfügung steht.

Vielversprechende Substanz

Die Homburger Forscher und Ärzte haben daraufhin nach Wirkstoffen gesucht, die die Atmungskette blockieren. Sehr vielversprechend erwies sich dabei Phenformin – eine Substanz, die früher bei Diabetes verschrieben wurde. In Versuchen mit Zellkulturen und mit Mausmodellen konnte das Team um Roesch bereits nachweisen, dass der Wirkstoff diese langsam wachsenden Tumorzellen abtötet. In Kombination mit Melanommedikamenten wie beispielsweise Vemurafenib könnte Phenformin in der Zukunft eine effiziente Therapie für Melanompatienten darstellen.

Originalpublikation:

Overcoming Intrinsic Multidrug Resistance in Melanoma by Blocking the Mitochondrial Respiratory Chain of Slow-Cycling JARID1Bhigh Cells
Alexander Roesch et al.; Cancer Cell, DOI: 10.1016/j.ccr.2013.05.003; 2013

80 Wertungen (4.26 ø)
Dermatologie, Medizin, Onkologie

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

2 Kommentare:

Heilpraktikerin

Der Gedanke scheint mir nicht nur verwegen, sondern geradezu letal. Schön wenn die Krebszellen sterben, aber der ganze Mensch ist ja nun von den Mitochondrien abhängig.

#2 |
  0
dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

ein verwegener Gedanke , die Mitochondrien abschalten zu wollen .Gerade bei Tumoren liegen erhebliche Störungen der Atmungskette vor , so daß nicht mehr genügend ATP produziert wird : daher sprach Nobelpreisträger Otto Warburg von einem strukturellen Defekt in der Atmungskette , der heutzutage aber als funktioneller Defekt definiert wird .Aufgrund des ATP- Mangels erfolgt eine Umschaltung auf die Gewinnung über die Glykolyse .
Das Verständnis der Prozeße als “Knallgasreaktion” ist komplett falsch u. überholt .
Erfolge beim Meklanom , insbes dem fortgeschrittenen ,lassen sich mit der PDT ( photodynamischen Therapie ) erzielen und der Cellsymbiosis – Therapie .

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: