Das Ende des Placeboramas?

7. Januar 2011
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Placeboeffekt ist, wenn man dran glaubt. Das glauben zumindest viele medizinische Laien. Stimmt aber nicht. Zumindest ist das Konzept grob unvollständig. Eine Studie bei Reizdarmpatienten zeigt, dass Placebos auch dann wirken, wenn die Patienten aufgeklärt werden.

„Bauchweh? Essen Sie doch einfach dieses Zuckerpillchen. Ist zwar nichts drin, das wirken könnte, aber macht nichts.“ Das ist, in pointierter Kurzfassung, das Konzept einer klinischen Studie, deren Ergebnisse pünktlich zu Weihnachten in der Fachzeitschrift PLoS ONE publiziert wurden. Die Untersuchung adressiert ein ethisches Problem, das manche Leute mit dem Einsatz von Placebos haben: die Tatsache nämlich, dass den Patienten dabei ein X für ein U vorgemacht wird. Es sei doch unethisch, so geht die Argumentation, die unter anderem in einigen christlichen Kreisen sehr populär ist, einem kranken Menschen zu erzählen, er erhalte ein wirksames Medikament, obwohl das gar nicht der Fall ist.

Placebo ist doppelt so gut wie nichts

Diese Argumentation ist offensichtlich etwas schräg, weil Patienten zumindest in klinischen Placebostudien ja explizit darauf hingewiesen werden, dass sie eventuell Placebos erhalten. Aber es soll ja Apotheker und Ärzte geben, die mit dem Placeboeffekt auch im Alltag gezielt spielen. Wie dem auch sei, der Ex-Hippie Professor Ted Kaptchuk von der Harvard Medical School hat sich des Themas jetzt offensiv angenommen und in seiner Studie den Teilnehmern ganz offen gesagt, dass sie nur ein Zuckerpillchen erhalten, in welchem definitiv nichts Heilsames drin ist. Konkret nahmen an Kaptchuks Studie 80 Patienten mit Reizdarmsyndrom teil, die entweder besagtes Placebo bekamen, das sie zweimal täglich einnehmen mussten oder – nichts.

„Wir machten den Patienten eindeutig klar, dass die Pillen keinen Wirkstoff enthielten. Wir haben außerdem auch noch gut sichtbar das Wort Placebo auf die Verpackung gedruckt“, so Kaptchuk. Den Patienten wurde auch gesagt, dass sie gar nicht erst versuchen sollten, an die Wirksamkeit der Pillen zu glauben. Sie sollten sie einfach nur nehmen. Fertig. Das ganze Projekt lief über drei Wochen. Am Ende dieses Zeitraums stand die Frage, wie sich die Reizdarmsymptomatik in den beiden Gruppen entwickelt hat. Das Ergebnis kann nach dem bisher geschilderten nicht mehr überraschen: In der Gruppe, in der bewusst und offen ein Placebo eingesetzt wurde, berichteten 59 Prozent der Patienten bei standardisierter Befragung über eine Verbesserung der Reizdarmsymptome. In der Kontrollgruppe ohne Placebo waren es 35 Prozent.

Das Ritual als Wirkprinzip

Kaptchuk betont, dass er vorher selbst nicht daran geglaubt hatte, dass es funktionieren würde. Ein Blick in die Literatur zum Placeboeffekt zeigt freilich, dass das Ergebnis durchaus hätte erwartet werden können. Entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil beruht der Placeboeffekt nämlich nicht nur auf Autosuggestion, also darauf, dass die Patienten schön feste an ihre Therapie glauben. Autosuggestion ist nur eine Komponente des Placeboeffekts, die aber nicht ausreicht, um den Effekt vollständig zu erklären. Gegen die Interpretation des Placeboeffekts als reine Autosuggestion sprach und spricht unter anderem die Tatsache, dass er bei einer ganzen Reihe von Tieren nachgewiesen wurde und dass er auch bei kleinen Kindern funktioniert, dort sogar sehr ausgeprägt.

Höhere Abstraktionsleistungen sind für den Placeboeffekt also nicht zwingend erforderlich. Was aber dann? Wahrscheinlich geht es auch um Lernvorgänge, die auf niedrigeren Bewusstseinsebenen und/oder unterbewusst ablaufen. Bei Tieren ist es unter anderem die aus dem Biologieunterricht bekannte Konditionierung, die nach entsprechenden Vorerfahrungen einen Placeboeffekt auslösen kann. Konditionierungsvorgänge könnten auch das Ergebnis von Kaptchuks Studie erklären, wobei eine Konditionierung beim Menschen auch komplexer ablaufen kann als die sehr mechanischen Vorgänge der klassischen Konditionierung, die aus Tierversuchen sattsam bekannt sind. Kaptchuk jedenfalls glaubt an einen solchen komplexen Konditionierungsprozess: „Die Ergebnisse legen nahe, dass es um mehr geht als um positives Denken. Schon allein das Praktizieren eines medizinischen Rituals scheint einen nachweisbaren Effekt zu haben.“

127 Wertungen (4.58 ø)
Medizin, Pharmazie

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32 Kommentare:

@33 Neidlos erkenne ich an, dass Sie mir himmelhochweit überlegen sind und gebe zum Besten, dass es noch größere Dampfplauderer gibt: “Die Verwechslung von Konsum und Produktion, von Ursache und Ereignis, von Erkenntnis und Anerkennung ist der platonische Grundirtum, der fast alle Verschulten und Gebildeten lähmt.¿ (Rosenstock-Huessy, Eugen (2008/2009), Im Kreuz der Wirklichkeit, Talheimer Verlag, Mössingen-Talheim, Bd 1, S. 208)

#32 |
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Rettungsassistent

Was wollen Sie uns damit sagen, ausser dass Sie copy&paste können? Was sie da zitiert haben ist nichts weiter als substanzloses Dampfgeplauder.

#31 |
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Sie wollen anscheinend nur das gelten lassen, was zu Ihrem Weltbild passt. Das ist ihr gutes Recht, aber weswegen sollen alle sich in dieses Streckbett quetschen? Warum kommt ein Allgemeinmediziner nach 30 Jahren Berufspraxis dazu, folgendes zu schreiben:
¿Die Beschränkung therapeutischen Handelns auf Symptombeseitigung, die Reduktion der Ätiologie (d.h. die Beschränkung der Krankheitsentstehungserklärung) auf Nosologie (d.h. auf Einordnung in die offizielle Krankheitsbezeichnung) sowie der inflationäre Gebrauch der Begriffe ¿essentiell¿, ¿idiopathisch¿, ¿endogen¿ zur vermeintlichen Definition der Ursache vieler Erkrankungen, all dies ist universitätsmedizinischer Alltag und erscheint auf den ersten Blick vornehm wissenschaftlich, wenngleich oft nichts als Tautologien (die Erklärung einer Sache durch sich selbst) dahinter stehen.
Nichts desto weniger wird die Beschränkung auf dieses so zu beschreibende Procedere (d.h. Vorgehensweise) als leitlinienkonform prämiert und skurrilerweise mit Begriffen wie ¿Goldstandard¿ hochgelobt. Bei den Medizinstudenten verkümmert das anfängliche Wissen über und das Interesse und Gespür für die allgemeine Physiologie (d.h. Lehre von den normalen Abläufen im Körper), die sie in der Vorklinik noch lernen mussten und die sogar dort schon als bloßes Vorzimmer der speziellen Physiologie (d.h. Lehre von den normalen Abläufen in einzelnen Organen) behandelt und angesehen worden waren, und dieses galt noch krasser für die Amputation organübergreifender Betrachtungsweisen in der allgemeinen Pathophysiologie (d.h. Lehre von den Krankheitsabläufen im ganzen Körper) gegenüber dem Primat der speziellen Pathophysiologie (d.h. Lehre von den Krankheitsmechanismen in einzelnen Organen), die im klinischen Studium noch krasser vorherrscht und mit den übrigen Sozialisationsprozessen, die die Medizinstudenten auf dem Weg zum Arzt prägen, sicherstellen, dass die Staatsexamenskandidaten dann sich jeglicher unwissenschaftlicher Hirngespinste entledigt haben und sauber repitieren, was die richtige Lehre vorschreibt.
Deshalb wird das Verständnis des biologischen Systems Mensch als synergistischer Wechselwirkungskomplex, welches aufgrund der impliziten biokybernetischen und biophysikalischen Aspekte als eigentlich wissenschaftlich gelten müsste, von Jenen, die sich auf ¿wissenschaftlich anerkannte Verfahren¿ begrenzen, als Scharlatanerie diskreditiert. Dies wirkt borniert, und die biophysikalische und biokybernetische Ignoranz, die dem zugrunde liegt, ist nicht zu verkennen. ¿ Braun-von Gladiß, Karl-Heinz: Jenseits schulmedizinischer Sicht. Newsletter des Privat-Instituts für Ganzheitliche Medizin und Gesundheitsförderung vom 1.9.2010

#30 |
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Rettungsassistent

Aha.
Ich fasse mal zusammen: Die gesamte medizinische Forschung ist nutzlos, da niemand wissen kann, ob ein Patient bei einer Behandlung, die bei 99% aller Behandelten Erfolg zeigt, zu den 99% oder zu dem einen Prozent gehört und deswegen ist also die Behandlung unsinnig. Selten so eien Blödsinn gelesen, aber typisch für die pseudoindividualistische Denke der Homöopathie-Adepten. Ebensowenig wird das Uralt-Argument, dass man homöopathische Verfahren nicht mit wissenschaftlichen Methoden überprüfen kann, durch ständige Wiederholung richtiger. In der Studie von Brien et al. (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21076131) wurden Patienten individuelle homöopathisch behandelt, dennoch hat das individuell ermittelte homöopathische Mittel keine Wirkung gezeigt, lediglich die Konsultation, also das therapeutische Ritual. Reden hilft, Kügelchen nicht.

#29 |
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Beck-Bornholdt /Dubben formulierten hierzu: ¿Große Zahlen liefern ein statistisch gesehen genaues Ergebnis, von dem man nicht genau weiß, auf wen es zutrifft. Kleine Zahlen liefern ein statistisch gesehen unbrauchbares Ergebnis, von dem man aber besser weiß, auf wen es zutrifft. Schwer zu entscheiden, welche dieser Arten von Unwissen die nutzlosere ist.¿ (Beck-Bornholdt HP, Dubben HH (2003): Der Schein der Weisen. Rowohlt Reinbek)
Warum doppelblinde Studien problematisch sind, möchte ich nochmal hervorheben: Das übliche Vorgehen, die
Effektivität eines Verfahrens mittels Studien zu erfassen, hat bei einer am Individuum ausgerichteten Therapie wie der Homöopathie nur teilweise Berechtigung. Es kann ja nicht überprüft werden, ob ein bestimmtes Medikament in einer bestimmten Symptomenkonstellation regelmäßig statistisch signifikante Besserungen bringt, sondern nur, ob die Methode an sich im Einzelfall Besserung bringt, obwohl im Extremfall bei gleicher Diagnose unterschiedliche Medikamente zum Einsatz kommen.

Richard Smith, ehemaliger Herausgeber des ‘Britisch Medical Journal¿ ging so weit zu sagen, dass die evidenzbasierte Medizin der verlängerte Arm der Marketingabteilung der Pharmaindustrie sei. Diese Erfahrung ist sicher mit einzubeziehen, um nicht vorder-gründigen Evidenzdefinitionen auf den Leim zu gehen. (http://www.plosmedicine.org/article/info:doi/10.1371/journal.pmed.0020138 )

#28 |
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Rettungsassistent

Das ist mal wieder typisch: Homöopathie-Adepten messen mit zweierlei Maß. Einerseits werfen Sie Kaptchuk vor, in seiner Untersuchung mit zu geringen Patientenzahlen gearbeitet zu haben, andererseits halten Sie der Studie von Shang et al. (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16125589) “zweifelhalte Reduktion” vor, wenn Studien mit zu geringer Patientenzahlen aus der Analyse herausgenommen werden. Typischerweise favorisiert man in Ihrer Quelle “systemimmanente Forschung” bei der Homöopathie, was letztlich nichts anderes als Binnenkonsens bedeutet und lehnt randomisierte, kontrollierte Studien als “ethisch fragwürdig” ab. Herr Guggenbichler, glauben Sie wirklich, dass eine Arbeit des Schweizerischen Vereins Homöopathischer Ärztinnen und Ärzte das Thema objektiv beleuchtet? Ihre Aussage, der Goldstandard der klinischen Forschung, nämlich randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studien seien Nebelkerzen, bestätigt meine Annahme, das Sie hier die fragwürdige Untersuchung von Hróbjartsson (Ihre Schreibweise “Hjrobartson” zeugt nicht gerade von sorgfältiger Analyse des Materials) zum Anlass nehmen, die Homöopathie vor wissenschaftlichen Untersuchungen, die erwartungsgemäß wie auch in den letzten Jahrzenten ihre Unwirksamkeit belegt, in Schutz zu nehmen. Hören SIE doch mal auf damit Nebelkerzen zu werfen und bekennen Sie sich zu Ihren Intentionen hier.

#27 |
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Es ist völlig richtig: Die Wirkung von Placebos ist wesentlich geringer als üblicherweise angenommen wird. Genau dies haben Hjrobartson und seine Mitarbeiter inihrer META-Studie herausgefunden. Wenn Kontexteffekte berücksichtigt werden sollen, wäre es das einfachste Studiendesign, die Arbeit eines Therapeuten zu analysieren, der bei gleicher Diagnose unterschiedliche Therapien durchführt und dann zu analysieren, welche Methode höhere Erfolgsziffern hat. Dazu sollte man den Begriff Placebo aufgeben, vielleicht ersetzen durch “unspezifizierbare therapeutische Intervention” oder “therapeutisches Ritual”. Es gibt dazu keine “Spontanheilung” , sondern nur eine “Besserung infolge ungeklärter Ätiologie”.
Welche 200 Studien meinen Sie denn? Zur oft als Beleg gegen die Homöopathie angeführten Lancet-Studie schrieb Righetti: ¿In ihrer ‘Lancet-Studie’ fanden Egger und das Institut für Sozial-und Präventivmedizin ISPM Bern gleichermassen positive Resultate in 110 homöopathischen und 110 gepaarten kon-ventionellen Studien (Funnel plot-Analyse). Erst nach einer zweifelhaften Reduktion und Extrapolation aus 8 homöopathischen und 6 konventionellen Studien wurde das Ergebnis für die Homöopathie negativ. Die ‘Lancet-Studie’ ist weder repräsentativ noch transparent und die Studienauswahl ist inadäquat. (¿) Die Aussage ‘Homöopathie gleich Placebo’ ist wissenschaftlich unhaltbar.¿ Righetti, Marco: ¿Homöopathieforschung: Problematik und Ergebnisse zur Wirksamkeit ¿ mit Resultaten aus dem Programm Evaluation Komplementärmedizin PEK. In: Schweiz. Zschr. GanzheitsMedizin Jg.19, Heft 2, März 2007 (Vgl auch: http://www.homoeopathie-welt.ch/index.php?menuid=64&reporeid=45)

Und zu Kaptchuk:Die Beobachtungszeit und die Patientenanzahl ist viel zu kurz und gering um aussagekräftig zu sein. Es ist davon auszugehen, dass ein gewisser Anteil der Patienten gedacht hat “vielleicht ist es doch kein Placebo, die wollen nur testen wie ein Wirkstoff wirkt, den sie mir nicht verraten wollen”. Solange nicht Therapiegruppen anderen Gruppen gegenübergestellt werden, die keine Betreuung erhalten, dazu definitorische Klarheit der Begriffe herrscht, ist jede Placebo-Studie eine Nebelkerze. Mittlerweile haben Antidepressiva die gleiche “Erfolgsquote” wie Placebos. Was zeigt das?

#26 |
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Rettungsassistent

@26:
Das ist so nicht das Ergebnis dieser Studie. Der spezifische Placeboeffekt scheint kleiner als bisher angenommen zu sein. Nichtsdestotrotz ist er vorhanden, ebenso sind Placebos in der Forschung unabdingbar. Der “Kontext-Effekt” ist in der Studie von Hróbjartsson kaum untersucht worden. Für die vergleichende medizinische Forschung, insbesondere für Wirksamkeitsstudien von Medikamenten hat diese Untersuchung so gut wie keine Aussagekraft.

Ich habe das Gefühl, das diese Studie von den Homöopathie-Adepten gegen die bisher ca. 200 Studien, die keinen Beleg für die Wirksamkeit homöopathischer Verfahren gefunden haben, ins Feld geführt werden ind diese samt und sonders diskreditieren soll.

Wie würden Sie denn die Ergebnisse von Kaptchuk erklären?

#25 |
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@ 10 Die unglaublich lange Tradition der Placeboforschung besteht darin, fast 50 Jahre die Ausgangshypothese ungeprüft weiterzuschreiben statt sie zu verifizieren. Hróbjartsson et.al. haben klar dargelegt, dass eine Placebowirkung nur gemutmaßt wurde und in einer Metastudie aus 123 Einzeluntersuchungen nicht bestätigt werden konnte. Vgl. auch:
Koch, Klaus: Placebo: Ein Mythos wird entzaubert.In: Deutsches Ärzteblatt 98, Ausgabe 34-35 vom 27.08.2001, Seite A-2156 / B-1866 / C-1742 POLITIK: Medizinreport

#24 |
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Heilpraktikerin

Was ist das denn für ein Studien-Design ?
Der Untersucher glaubt vorher an ein eintreffendes Ereignis, die Verumgruppe wird informiert, dass kein Wirkstoff enthalten ist, die Vergleichsgruppe wird anders gestellt als die Verumgruppe, indem sie nichts bekommt. Möchte mal hören was IQuiG oder Cochrane dazu sagen würden.
Und zum Schluß glaubt Kaptchuk etwas…hat er auch etwas bewiesen ? War das eine Studie ?

Herold 2010 zum Reizkolon:
Ätiologie-konstitutionelle und psychische Belastungsfaktoren…verstärkte Beschwerden nach Ärger und Stress, auch Darminfektionen können…
ROM III Kriterien der Diagnose: abdominelle Beschwerden innerhalb der letzen 6 Monate, mindestens 12 Wochen lang, die nicht aufeinander folgen müssen
Wenn hier über eine -vermeintliche- Studie berichtet wird, wär´s für mich als Leserin erforderlich, diese Faktoren einzuwerten und vor den Basisfakten des Krankheitsbildes eine Aussage zu machen.

#23 |
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Rüdiger Schwerdtle
Rüdiger Schwerdtle

Hallo zusammen, …bliebe noch im Rahmen der Differenzierung herauszufinden, inwieweit eine Placebotablette oder eine Placeobspritze bzw. andere Dosierungsformen einen Unterschied machen

#22 |
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@21: Welcher Artikel? Ich habe zwei zitiert. Welche Konsequenzen ziehen Sie aus der Kombination beider Artikel?

#21 |
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Rettungsassistent

@10:
Vielen Dank für der fundierten Beitrag, der zitierte Artikel ist wirklich lesenswert.

#20 |
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Rettungsassistent

Wie unser Gesundheitswesen zu retten ist, darüber gibtes höcht unterschiedliche Ansichten – je nach Interesselage. Ich halte die Erforschung des Placeboeffektes und die damit verbundene Entlarvung pseudomedizinischer Methoden (die die Versicherten jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag kosten) für einen durchaus sinnvollen Ansatz.

#19 |
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Apotheker Rudolf Kley
Apotheker Rudolf Kley

Aber Hallo!????? Soll ich jetzt aus diesem Beitrag ableiten, dass ich den ganzen Mist, der häufig genug noch im Apothekenlager anzutreffen ist, mit gutem Gewissen verkaufen darf? Würde mich mal interessieren, was passiert, wenn man zugelassene Medikamente an Patienten gibt und behauptet, dass dies Placebos seien. Unser Gesundheitswesen ist nur zu retten, wenn die Prävention eine andere wird und das alte Fach Gesundheitserziehung didaktisch aufgepeppt und wieder eingeführt wird. Wer dann seine Suppe ißt, darf ruhig dabei denken, dass jeder Löffel Suppe ein Placebo ist. Nur auf diese Weise bleibt Geld für die Behandlung der Kranken übrig und dieGesellschaft gesund. Schon mal was von der Initiative gegen die Enteignung vonVolksgesundheit gehört?

#18 |
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Rettungsassistent

@15:
Dahlke, Kinslow, “Quantenheilung”…
Da greifen wir aber mal ganz tief in die Esoterik-Kiste….

#17 |
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Rettungsassistent

Sehr geehrte Frau “AnnaBe”,
wenn Sie denn auch ausser persönliche Angriffe, die im übrigen wesentlich respektloser sind als meine Beiträge hier, auch etwas sachliches zum Thema beisteuern können, dürfen Sie auch mit einer Antwort auf ihre Frage rechnen, auch wenn sich mir nicht erschließt, inwieweit das die Diskussion weiterbringen könnte.

#16 |
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Wer sich für die sogenannte “Paramedizin” interessiert sollte sich mal in Rüdiger Dahlkes Schriften schlau machen oder etwas von frank Kinslow über Quantenheilung.
Das alles funktioniert und zwar supergut.
Ist zwar nicht so supergut für das Selbstverständnis unserer Pillenfabrikanten und deren Milliarden sowie alle anderen, die in den Mühlen mitlaufen und an deren Tropf hängen aber das steht auf einem anderen Blatt. Kann man glauben, muss man aber nicht. Doch nach 30 Jahren “klassischer” Pharmazie habe ich jetzt richtig Respekt davor. Tip: Könnte Herr Graetzel, der sich auch immer kritisch mit dem pharma- und gerätebasierten Gesundheitssystem auseinandersetzt mal reinschauen.;-)

#15 |
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@ Kommentar 1: Ist das zulässig?

#14 |
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Tina  Wagner
Tina Wagner

“Ruhe – Liebe – Wärme – und gutes Essen/Trinken” – mein Privatrezept bei kleineren und größeren Unpässlichkeiten.
Und offensichtlich auch Zuwendung in bescheidenerem Umfang, wie das Pillekenritual.
Verrückt, oder?
Und so einfach,kostengünstig und nebenwirkungsfrei.

#13 |
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Horst Rieth
Horst Rieth

im übrigen, bei der autosuggestion ist es nicht unbedingt relevant ob der probant an diese “glaubt”, allein das ritual kann den oder einen effekt bewirken, und je nach konditionierung nicht unbedingt den erwünschten.

lustig ist auch, dass genau die sich über allgemeinplätze beschweren, deren gesamtes werk nur solche beinhaltet!

#12 |
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Prof. Dr. Eberhard  Ehlers
Prof. Dr. Eberhard Ehlers

Der Placebo-Effekt hat viel mit Konditionierung zu tun (Pawlowsche Reflexe). Man geht deshalb lieber zu einem Arzt, der einem schon mehrmals geholfen hat, auch wenn er einem dann ein Placebo gibt. Man ist schon vorkonditioniert.

Ebenso wie man in Doppelblindstudien nie einen Wert von 100% Wirksdamkeit erzielt, wird in einer Studie mit Placebo-Gabe auch nie der Wert 0% gefunden.

Placebos könne durchaus einen Effekt ergben, man sollte sie aber nie bei lebensbedrohlichen oder chromischen Erkrankungen (Diabetes etc.) einsetzen.

Man sollte auch den Placebo-Effekt nicht mit der Homöopathie gleich setzen. Da gibt es wirklich Verdünnung, die kein Molekül mehr enthalten.

#11 |
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Es handelt sich um ein Definitionsproblem: Es reimt sich nicht zusammen, auf der einen Seite Placebos an sich als das zu bezeichnen, was keinen Wirkstoff enthält und keine Wirkung zeigen kann, auf der anderen Seite aber für alle Wirkungen, die man z.B. der Homöopathie zuzuerkennen bereit ist, nur anzuführen, es seien Placeboeffekte. Noch unstimmiger wird es, wenn Autoren den Begriff Placebowirkung” als Wirkung des Kontextes der Placebogabe benutzen und damit hervorheben wollen, dass Placebos selbst keine Wirkung haben, sondern nur die Kontext-faktoren bei der Gabe, wie es Breidert/Hofbauer (Breidert, Matthias; Hofbauer, Karl: Placebo: Missverständnisse und Vorurteile. Deutsches Ärzteblatt 2009 (http://maxpedia.org/cgi-bin/mp/m_web.pl?la=de&sw=Placebo) tun.

Ich finde es geradezu fatal, wenn Kontextwirkungen wie z. B. therapeutische Rituale unter dem Begriff Placeboeffekt subsumiert werden. Wem nützt das denn? Das macht es auch möglich, weiter die Literatur zu zitieren, in der diese Definition eben gerade nicht benutzt worden ist. Wenn die Begriffe nicht klar sind, kann das Denken erst recht nicht klar sein.

Nur wenn der Placeboeffekt als Anwendung einer therapeutischen Maßnahme verstanden wird, bei der postuliert wird, dass an sich mit keiner Wirkung zu rechnen ist, wäre es möglich, gleichbleibende oder unterschiedliche Kontexteffekte in Beziehung zu einer bestimmten Therapie zu setzen und begrifflich klar die Differenz zu formulieren. Auch die Variabilität von 7 bis 49% “reine” Placebowirkung ließe sich vermutlich nachvollziehbar machen, wenn Kontexteffekte benannt werden, die in Verbindung mit der Placeboverabreichung angewendet wurden. Das “reine” Placebo liegt dann vermutlich eher bei 7% Wirkungswahrscheinlichkeit. Darauf weist auch Asbjørn Hróbjartsson in der größten Metastudie zum Placeboeffekt hin:
¿There is no evidence that placebo interventions in general cause large clinical effects. The result of the review is incompatible with large effect of placebos
on both subjective and objective outcomesin a large proportion of patients with a wide range of clinical conditions.¿ (Hróbjartsson, Asbjørn: What is the effect of placebo interventions? http://finohta.stakes.fi/NR/rdonlyres/7A782276-2F8E-4757-AA7A)Außerdem: Wen interessiert denn ein Erfolg nach drei Wochen?Ich habe Patienten, die 10 Jahre mit einem Problem rummachen und denen bislang keiner helfen konnte.

#10 |
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Ralf Paschold
Ralf Paschold

Ich denke, jetzt zeichnet sich der Wirkungsmechanismus einer Handlungsweise ab, die sich jeder von uns schon oft zu nutze gemacht hat. Es sind die Rituale, die heilen. Alle wirklich guten Ärzte, die ich in den letzten 30 Jahren kennen lernen durfte waren immer auch “Heiler”, die ihre ganze Persönlichkeit in die Behandlung mit einbrachten.

#9 |
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Es ist erfreulich, dass der Placebo-Effekt endlich genauer “unter die Lupe” genommen wird. Die psychologischen Wirk-Mechanismen gerade auch bei der somatischen, insbesondere medikamentösen Behandlung, finden – wenn überhaupt – allenfalls im psychiatrischen Kontext am Rande Beachtung.
In dem Sinne wäre es ja vielleicht mal angesagt, die psychologischen Selbstheilungsmechanismen interdisziplinär zu erforschen, anstatt auf immer wieder “neue” und teurere Medikamente zu setzen.

#8 |
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Achim Rössler
Achim Rössler

Konditionierung kann sehr wohl auch über Rituale (sich kümmern… besorgte Stimme etc.pp.) stattfinden. Und wenn dann mal das Ritual mit ner Zuckerpille verknüpft wird…

#7 |
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Heilpraktiker Martin Müller
Heilpraktiker Martin Müller

Konditionierung kann es aber nur sein wenn öfter positive Erfahrungen mit z.B. Pillen gemacht wurden, was ist aber mit denen die nie eine Chemische genommen haben?

#6 |
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Rettungsassistent

Es wäre der Diskussion schon hinreichend dienlich wenn Allgemeinplätze wie “wer heilt hat recht”, “nach meiner langjährigen Erfahrung…” oder “es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde…” und ähnliche Aussagen auf Regenbogenpresseniveau unterblieben und man sich statdessen auf die in der Untersuchung erzieilten Erebnisse und deren Interpretation konzentriert. Die Verteidigung 200 jahre alter Ideologien sind wenig hilfreich und bringen thematisch nicht weiter.

#5 |
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Wie sagte schon der gute alte Voltaire im 18. Jahrhundert: Es ist die Aufgabe der Ärzte, den Patienten solange zu unterhalten, bis die Natur ihn geheilt hat!
Unsere Berliner Pharmalehrer Mitte der 70er Jahre meinten: Wir sind schon gute Ärzte, wenn wir den Spontanverlauf nicht negativ beeinflussen!
Damit ist alles gesagt!

#4 |
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Apotheker

Meine Damen und Herren,

die erste Runde der altbekannten Diskussion um den Sinn und Unsinn der Homöopathie ist eröffnet! *Gähn*

#3 |
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Rettungsassistent

Damit ist auch der vielfach von Vertrtern paramedizinischer Verfahren wie z.B. der Homöopathie bestrittene Placeboeffekt bei (Klein-) Kindern und Tieren noch einmal deutlich gemacht worden. Obwohl man ja weiss, dass in den Kügelchen kein Wirkstoff drin ist, funktioniert es. Es wird aber Zeit endlich damit aufzuhören als Erklärung einen 200 Jahre alten ideologischen Überbau zu bemühen und stattdessen nachgewiesene Tatsachen anzuerkennen.

#2 |
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Angestellter Apotheker

Der Placeboeffekt kann wirklich funktionieren. In der Apotheke haben wir für eine alte Frau “Schlafkapseln” statt Rohypnol (flunitrazepamum) vorbereitet. Gefüllt wurden diese Kapseln mit Milchzucker! Aber stellen Sie sich vor, daß diese alte Oma ganze drei Jahren herrlich geschlafen hat (dann is Sie, leider gestorben). Es ist wirklich kein Märchen von Brüder Grimms, aber nur eine Tatsache aus meiner Praxis.

#1 |
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