Online-Rezepte: Droht der DrEdxit?

9. Dezember 2016
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Viele Patienten wollen ihren Arzt auch online konsultieren und Verordnungen erhalten. Vor allem wenn es um Folgerezepte für die „Pille" oder Antihypertensiva geht, bewerten sie es als praktisch. Warum bekämpft das Bundesgesundheitsministerium Internetpraxen?

Der Bundestag hat mit deutlicher Mehrheit das vierte AMG-Änderungsgesetz verabschiedet. Böse Zungen sprechen vom „Lex DrEd“. Darin stellt der Gesetzgeber klar, dass „eine Abgabe von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln grundsätzlich nicht erfolgen darf, wenn die Verschreibung offenkundig nicht nach einem direkten Arzt-Patienten-Kontakt ausgestellt wurde“. Wie Apotheker dies kontrollieren sollen, bleibt offen. Bei einer Anhörung im Vorfeld hatte sich die ABDA nicht zur Problematik geäußert.

Tatsache ist, dass viele Medizinische Fachangestellte die Verordnungen für Patienten auf bereits unterschriebenen Vordrucken ausstellen. Meist handelt es sich um Folgerezepte. Geht es Hermann Gröhe eher darum, Online-Praxen wie DrEd auszubremsen? Noch hat die britische Internetpraxis ihre Informationen nicht angepasst:

 

DrEd-Website

Screenshot: DocCheck

 

Guter Rat ist nicht teuer. Momentan entscheiden sich 90 Prozent aller Patienten für folgende Variante: DrEd übermittelt Verordnungen an eine deutsche Versandapotheke. Von dort geht es weiter bis zur Haustür. Über Partner aus anderen EU-Ländern, beispielsweise aus den Niederlanden, lässt sich Gröhes Plan trickreich umgehen. Deutschen Apotheken entgeht künftig ein – wenn auch zahlenmäßig geringes – Geschäft. Käme das heiß diskutierte Rx-Versandverbot, hätten Online-Praxen in der Tat ein gewaltiges Problem.

Sicherheit als Totschlagargument

Bleibt als Frage: Warum bekämpft das Bundesgesundheitsministerium Internetpraxen? Zur Erklärung heißt es, der Arzt müsse sich vom Zustand des Patienten überzeugen. „Die Regelung dient dazu, die Qualität der Versorgung zu sichern“, schreiben Mitarbeiter des Bundesgesundheitsministeriums. „Behandlungen und Diagnosen über das Telefon oder über das Internet reichen nicht aus, sondern bergen das Risiko von Fehldiagnosen und können so die Patientinnen und Patienten gefährden.“

In „begründeten Ausnahmefällen“ ist kein persönlicher Kontakt erforderlich – falls es sich um einen bekannten Patienten beziehungsweise um eine Folgeverordnung handelt. Auch hier sind Maßstäbe einer „gewissenhaften Versorgung mit geeigneten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft“ anzuwenden.

Dass sich Gesundheitspolitiker wieder einmal nicht an den Bedürfnissen von Patienten orientieren, zeigt eine aktuelle Studie.

Schnell mal mit dem Doc chatten

Die Bertelsmann Stiftung wollte von mehr als 1.000 Patienten unterschiedlichen Alters wissen, wie sie sich die ideale Versorgung vorstellen. Rund 54 Prozent stimmten der Aussage zu, Verordnungen sollten auch nach Kontakt per Internet oder Telefon möglich sein. Bei den 14- bis 29-Jährigen sprachen sich sogar 72 Prozent für diese Form aus. In der Gruppe zwischen 30 und 39 waren es 56 Prozent, bei den 40- bis 49-Jährigen 45 Prozent, bei den 40- bis 59-Jährigen 56 Prozent und darüber hinaus noch 46 Prozent. Im Zweifelsfall sollte der Arzt entscheiden, ob ein Termin in seiner Praxis erforderlich ist – oder eben nicht.

Ergebnis-Bevölkerungsbefragung-AMG-Novelle

Besonders gut können sich Versicherte vorstellen, Folgerezepte für die „Pille“ (53 Prozent Zustimmung), für Antihypertensiva (50 Prozent) oder für kortikoidhaltige topische Präparate (42 Prozent). Bei Antibiotika gegen eine viral ausgelöste Bronchitis würden lediglich 30 Prozent der Studienteilnehmer telemedizinischen Rat einholen. Laien wissen offensichtlich auch, wo Chancen und Risiken telemedizinischer Konsultationen liegen.

Ergebnis Bevölkerungsbefragung AMG-Novelle

Bleibt als Fazit der Autoren: „Die Ergebnisse bestätigen: Ein pauschales Verbot von Fernverschreibungen nach einer Online- oder telefonischen Arztkonsultation ist weder im Sinne der Patienten noch sinnvoll in Hinblick auf die Erprobung telemedizinischer Innovationen.“

Vorstoß aus dem Ländle

Apropos Innovationen: Ende Juli hatte die Vertreterversammlung der Landesärztekammer (LAK) Baden-Württemberg beschlossen, das Fernbehandlungsverbot etwas aufzuweichen. Laut Paragraph 7 Absatz 4 der (Muster-)Berufsordnung dürfen Ärzte Behandlungen momentan nicht ausschließlich über Print- und Kommunikationsmedien durchführen. Jetzt sind Lockerungen möglich. Dazu wurde der Passus ergänzt: „Modellprojekte, insbesondere zur Forschung, in denen ärztliche Behandlungen ausschließlich über Kommunikationsnetze durchgeführt werden, bedürfen der Genehmigung durch die Landesärztekammer und sind zu evaluieren.“

Das Projekt hat jedoch seine Grenzen: Teilnehmende Ärzte dürfen nach Hermann Gröhes Vorstoß ohne persönlichen Kontakt keine Rezepte ausstellen. „Wir haben zunächst mit Bedauern auf diese Entscheidung reagiert und sind jetzt dabei, diesen Zusammenhang genauer zu untersuchen“, so Dr. Oliver Erens von der LAK BW gegenüber der Bertelsmann Stiftung. „Dabei ist aber zu bedenken, dass nicht jeder Arzt-Patienten-Kontakt im Ausstellen eines Rezeptes münden muss – und vielleicht schon gar nicht bei der Telemedizin.“ Patienten wissen schon heute, was sie wollen – und suchen sich gegebenenfalls Health Professionals aus anderen Ländern.

52 Wertungen (2.48 ø)

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15 Kommentare:

Apothekerin

Nach einer gründlichen Erstuntersuchung kann selbstverständlich ein Folgerezept ausgestellt werden: Der Kunde ruft in der Praxis an oder schreibt eine E-Mail an diese. Wenn der Arzt dann einverstanden ist, faxt/oder schickt er das Rezept in die gewünschte Apotheke und der Kunde holt die Medis in der Apotheke ab. Wo liegt das Problem Herr van den Heuvel?
Bei einer Bronchitis, was für eine Bronchitis meinen Sie denn Herr van den Heuvel?? Dann wünsche ich Ihnen viel Glück bei Ihrer Online-Bestellung eines Antibiotikums. Können Sie denn selbst einen Abstrich machen, wenn´s nötig ist?
Oder haben Sie vielleicht eine unerkannte andere Erkrankung? Dann können Sie nur noch zu Gott beten!

#15 |
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Rückert
Rückert

Ärztliche online-Konsultationen, früher sagte man zu den daraus folgenden Diagnosen “Manteldiagnosen – durch den Mantel hindurch”, halte ich für unverantwortlich. Oft erscheinen Patienten in meiner Apotheke mit vorgefassten Arzneimittelwünschen, die bei genauerem Hinsehen zum Arzt geschickt werden müssen. Die Annahme, unsere Mitbürger wüssten schon, wann und bei welchen Beschwerden ein Arzt hinzugezogen werden sollte, ist leider falsch. Die gesundheitliche Situation eines Menschen ist einfach zu komplex, um sie dem Internet-Doktor anvertrauen zu dürfen. Die Internetmedizin ist vielleicht bequem für alle Beteiligten und ertragreich für interessierte Kreise, deswegen aber nicht gut, denn sie erzeugt falsche Sicherheit und die Gewöhnung daran, dass die Gesundheit nebenbei betreut werden kann.

#14 |
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Selbstst. Apothekerin

ein Stern ist kein Lob! Der Artikel hat einen negativen Spin!

#13 |
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Jochen Diederich
Jochen Diederich

Gemäß Ihrer Argumentation sollte man dann wohl auch die technische Überwachung von Automobilen abschaffen, denn die kostet ja Geld und die Autofahrer haben keine Zeit für einen Werkstatttermin..geht doch bestimmt auch online oder???

#12 |
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Stefan Körner
Stefan Körner

Sie gleiten auf Bidzeitungsniveau ab.

#11 |
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Michael Hofheinz
Michael Hofheinz

Sicherheit ist ein Totschlagargument – KEINE Sicherheit kann tödlich sen

#10 |
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Gast
Gast

Kann sich von den älteren Pharmazeuten noch jemand an die Einführung von Avalox erinnern? Ich mich schon. Kaum gab es das wurde es bei jeder Kleinigkeit und Gelegenheit massenhaft verordnet. Ob Erkältung, Gastritis oder schwarze Füße.

#9 |
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Pharmazeutisch-technischer Assistent (PTA)

Bei dem Folgerezept für die Pille sollte man schon mal genauer nachfragen. Warum wird die Pille wohl nicht gleich für einen längeren Zeitraum verschrieben? Weil die Pille ein unglaubliches Risikopotential bietet und die Patientin eigentlich untersucht werden muss bevor ein Folgerezept ausgestellt werden darf. Nur weil deutsche Frauenärzte die Nachteile der Pille verschweigen und die Patenten trotz, von der Pille verursachtem, zB Brustkrebs weiter mit Rezepten versorgen anstatt ihre Pflicht zu tun kommt es überhaupt zu solchen schwachsinnigen Diskussionen. Nicht nur eine Online-Praxis sollte die Zulassung verlieren, sondern alle Ärzte die ungesehen risikobehaftete Medikamente ungesehen verschreiben können auch gleich zu machen. Der Blickwinkel dieses Artikels ist meines Erachtens nach komplett falsch.

#8 |
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Die Patienten wissen schon was sie wollen. Ein Antibiotikum weil das Näschen läuft und laasen sich das Rezept im Ausland ausstellen.. Schon wieder ein Artikel voll daneben

#7 |
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Weitere medizinische Berufe

Nachtrag: Sie schreiben: “Dass sich Gesundheitspolitiker wieder einmal nicht an den Bedürfnissen von Patienten orientieren, zeigt eine aktuelle Studie.”

Das zeigt aber wieder mal nur wie einseitig und kurzsichtig Sie recherchieren und schreiben, denn es dürfte maximal heißen: “Dass sich Gesundheitspolitiker wieder einmal nicht an den Bedürfnissen von manchen Patienten orientieren, zeigt eine aktuelle Studie.”

Etwas wird nicht wahrer, nur weil Sie die Datenlage vorsätzlich, wiederholt und fahrlässig flasch interpretieren. Nicht “die Patienten” wollen das, nur “manche Patienten” wollen das.

Schrecklich und immer schrecklicher, dass so ein Geschreibsel in diesem Forum geduldet wird.

#6 |
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Dr. Wolfgang Schiedermair
Dr. Wolfgang Schiedermair

Leider ein inhaltlich reichlich einseitiger Beitrag, gespickt mit dem Beleg auch Fachtermini nicht sprachlich richtig einsetzen zu können (z. B. lex = lat. fem. Gesetz)
Die Argumentation ist zwar in sich schlüssig, ähnelt aber mehr einer dialektischen Vorgehensweise als einer Argumentation.
Schade um den Speicherplatz.

#5 |
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Weitere medizinische Berufe

OMG – es hört einfach nicht auf das unqualifizierte, durchsichtig parteiische, zu kurz gedachte und schlecht interpretierte Geschreibsel eines M v d H.

Man könnte ja auch mal überlegen, Herr van den Heuvel, warum in der Beurteilung der Onlineangebote der Gesundheitsversorgung ein so starkes Altersgefälle zu verzeichnen ist. Früher hieß es, das die Jüngeren einfach internetaffiner wären, als die Alten. Das dürfte nun wohl wirklich Schnee von gestern sein, wenn man sich Internetnutzerstudien so anschaut.

Warum also? Vielleicht kann man sich so einen durchweg digitalen Umgang mit Medizin und Pharmazie nur wünschen, so lange man gesund ist und außer der Packung Kopfschmerzmittel, der Pille und dem Grippemittel nichts braucht.
Wenn es dann aber mal soweit ist, dass das nicht mehr ausreicht, dann ist das Geschrei groß, wenn die Vor-Ort-Strukturen kaputt sind.

Das glauben Sie nicht Herr van den Heuvel!?!
Ich lade Sie, und das ja nicht zum ersten Mal, zu uns in die Apotheke ein. Dann könnten Sie mal schauen, wie valide und belastbar die tollen Internetrecherchen der Patienten sind, wieviel Aufklärungsbedarf am Ende einer Online-Beratung noch übrig bleibt und wie froh Patienten über einen persönlichen Kontakt sind, wenn sie dann mal wirklich krank sind. Das gilt im Übrigen gleichermaßen für Arztpraxen und Apotheken.

Und bevor Sie jetzt mit dem Argumet ankommen, dass der Patient/Kunde ja mündig sei und selbst entscheide, was ihm lieber ist, möchte ich zu bedenken gebenn, dass unser ganz hervorragendes (und zugegebenerweise sicher nicht ganz billiges) Gesundheitssystem so nur haltbar ist, wennn es weiterhin bei einem Mix verschiedener Patienten, Erkrankungen und Medikationen bleibt. Schwer krank, leicht erkrank, chronisch, akut, lifestyle, Grundbedarf, hochpreisig, niederpreisig, mit großem oder kleinem Beratungsbedarf usw.
Das nennt man im Übrigen Solidarsystem. Googlen Sie das Wort doch einfach mal. Seine Bedeutung scheinen Sie ja bisher nicht zu kennen. Bequemlichkeit und Ersparnis geht Ihnen ja wohl deutlich vor Vorausschau und Nachhaltigkeit. Das ist entweder fahrlässig, kurzsichtig oder einfach nur dumm. Suchen Sie es sich aus.

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Barbara Berninger
Barbara Berninger

Wieder einmal ein unqualifizierter Beitrag des Herrn v. H. ?!!

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Anonymer Altphilologiker
Anonymer Altphilologiker

_Die_ “Lex DrEd”, bitte sehr. :D

“Bei Antibiotika gegen eine viral ausgelöste Bronchitis würden lediglich 30 Prozent der Studienteilnehmer telemedizinischen Rat einholen.”
Ja, was soll man dazu sagen? Ist “bei Antibiotika gegen eine bakterielle Superinfektion einer viral ausgelösten Bronchitis” gemeint?

#2 |
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Erwin Müller
Erwin Müller

Bei allem Respekt, Herr van den Heuvel, haben Sie sich einmal durch die DrFred’schen Klick-Bögen durchgeklickt (und 30Euronen für das Rezept gelöhnt), um Ihre Pille zu bekommen? THROMBOSE ist kein(!) Spiel – schauen Sie sich bitte mal die Foren zum Thema “Risiko Pille” an und die Berichterstattung “Bayer vs. Drospi-Geschädigte”. Könnten Sie das mit Ihrem Gewissen vereinbaren? Ich nicht.

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