Hypertonie: Der Druck wächst

29. November 2016
Teilen

Weltweit leiden mehr und mehr Patienten an Bluthochdruck. Von Wissenschaftlern einst als Krankheit der Wohlstandsgesellschaft bewertet, findet jetzt eine Verschiebung zu ärmeren Ländern statt. Über die Gründe kann man derzeit nur spekulieren.

Hypertonie entwickelt sich zum weltweiten Problem, berichtet Majid Ezzati vom Imperial College London. Zusammen mit Kollegen hat er 1.479 Studien mit Daten zu 19,1 Millionen Erwachsenen ausgewertet. Seine Analyse umfasst den Zeitraum zwischen 1975 und 2015.

Unterschiede je nach Kulturkreis

Hatten im Jahr 1975 noch 594 Millionen Menschen Werte über 140/90 mmHg, so waren es in 2015 bereits 1,13 Milliarden. Dieses Phänomen führt Ezzati primär auf demographische Tendenzen zurück: Die Bevölkerung wächst weltweit. Relativ betrachtet ist der Anteil sogar gesunken. Litten 1975 noch 29,5 Prozent der Männer an arterieller Hypertonie, waren es 2015 nur noch 24,1 Prozent. Ähnliche Trends gibt es der Studie zufolge bei Frauen. Hier verringerte sich der Wert von 26,1 auf 20,1 Prozent.

Gut versorgt, gut eingestellt

Dabei gibt es regionale Unterschiede. Majid Ezzati berichtet von rückläufigen Trends in Deutschland, Australien, Schweden und Japan. Ein Vergleich des Bundes-Gesundheitssurveys 1997–1999 und der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland 2008–2011 (DEGS1) führt zu ähnlichen Resultaten. In der Altersgruppe 18 bis 79 ist der mittlere Blutdruck bei Frauen um sieben mmHg gesunken, bei Männern waren es drei mmHg. Gleichzeitig stieg die Zahl an Bürgern mit optimalen Werten. Es bleibt nicht bei den guten Nachrichten. In vielen Gegenden Südasiens und Afrikas leiden Einwohner immer häufiger an Bluthochdruck.

Erklärungen gesucht

Als Erklärung führen die Autoren zwei Argumente an. In reicheren Ländern haben Patienten Zugriff auf medizinische Leistungen. Ärzte versorgen Patienten vollumfänglich mit Antihypertonika. Obwohl viele Präparate mittlerweile als preisgünstige Generika erhältlich sind, haben viele Menschen in ärmeren Gegenden keinen Zugriff auf Pharmaka.

Damit nicht genug: Wer sich gesünder ernährt, senkt auch das Risiko, Bluthochdruck zu entwickeln. Große Mengen Salz, wie sie zum Konservieren verwendet werden, sind schädlich. Majid Ezzati fand auch Hinweise, dass eine mangelhafte Ernährung zu Beginn des Lebens das Risiko erhöhe, später Bluthochdruck zu entwickeln.

8 Wertungen (2.5 ø)
Forschung, Pharmazie

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

1 Kommentar:

Vgl. dazu meinen aktuellen Blog-Beitrag:
“Die Interpretation von weltweit erhobenen Daten zu Prävalenz, Inzidenz, Untersuchung, Diagnose und Therapie der Hypertonie ergab in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ ebenso verwirrende wie widersprüchliche Ergebnisse. Beim Lesen habe ich den Eindruck gewonnen, dass hier nur vorgefasste Meinungen reproduziert und willkürliches Auslassen von Fakten praktiziert wurden…”
http://news.doccheck.com/de/blog/post/5111-schwarz-auf-weiss-hypertensiologisch-tacheles/

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: