Influenza 2016/17: Auf in die nächste Runde

25. November 2016
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In Deutschland zirkulieren bereits die ersten Grippeviren. So beurteilen Experten der Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert Koch-Institut die aktuelle Lage. Zu wenige lassen sich bisher impfen. Noch ist es nicht zu spät.

Grippeviren sind im Anmarsch. In der Kalenderwoche 45 hat sich die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen leicht erhöht. Das Nationale Referenzzentrum für Influenza (NRZ) hat in 44 von 98 Sentinelproben respiratorische Viren nachgewiesen. Davon waren 31 positiv für Rhinoviren, acht für RS-Viren, drei für Adenoviren und zwei für Influenza A(H3N2)-Viren. Laut Infektionsschutzgesetz (IfSG) wurden 45 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das Robert Koch Institut (RKI) übermittelt. Das entspricht dem zu erwartenden Level für November.

Europäische Daten

Karte Influenza-Diagnostik

Aktivität akuter respiratorischer Erkrankungen in Deutschland für die Woche 45/2016. Quelle: RKI / Arbeitsgemeinschaft Influenza

Weitere Informationen kommen aus TESSy (The European Surveillance System). Auch hier sprechen Experten von einem „für diese Jahreszeit üblichen Niveau“: Von 734 Sentinelproben sind elf positiv auf Influenza getestet worden, davon zehn auf Influenza A und eine auf Influenza B. Seit der 40. Kalenderwoche zirkulieren in erster Linie Influenza A-Viren mit dem Subtyp A(H3N2).

Weltweit auf der Hut

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet vor allem in Kuba von zirkulierenden Influenza A(H3N2)- und Influenza B-Viren. Mehr positive Nachweise von Influenza A(H3N2)-Viren werden aus Französisch-Guayana berichtet. Auch in Laos, Thailand, Kambodscha und in Südchina sind Influenza-Viren aktiv.

Vom 17. bis zum 30. Oktober meldeten Influenza-Referenzzentren weltweit 2.215 positive Nachweise, davon 84 % Influenza A (meist A(H3N2)) und 16 % Influenza B (70 % zur Victoria-Linie, 30 % zur Yamagata-Linie).

Impfmüdigkeit besteht nach wie vor

Zurück nach Deutschland. Aktuelle Daten sollten Risikopatienten eine Warnung sein. Das RKI rät vor allem älteren Menschen, chronisch Kranken und Schwangeren, sich impfen zu lassen. Für diese Gruppen kann eine Infektion schnell bedrohlich werden. So gab es 2015/2016 bundesweit etwa 4,1 Millionen grippebedingte Arztbesuche, 16.000 grippebedingte Krankenhauseinweisungen und mehr als 21.000 Todesfälle. Nur jeder dritte Senior ließ sich zuletzt impfen – ein rekordverdächtig niedriger Wert.

Seit Monaten setzen das RKI und die Bundeszentrale für gesundheit­liche Aufklärung (BZgA) deshalb auf Kampagnen. Ob sie Erfolg hatten, wird sich in einigen Monaten zeigen.

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Forschung, Pharmazie

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1 Kommentar:

Vgl. dazu brandaktuell im Deutschen Ärzteblatt
“MEDIZIN: Originalarbeit – Antivirale Arzneimittel bei saisonaler und pandemischer Influenza – Ein systematisches Review
Antiviral medications in seasonal and pandemic influenza—a systematic review
Dtsch Arztebl Int 2016; 113(47): 799-807; DOI: 10.3238/arztebl.2016.0799 von
Lehnert, Regine; Pletz, Mathias; Reuss, Annicka; Schaberg, Tom und mein Kommentar dazu:

Licht ins Dunkel der Neuraminidase-Debatte?
Einer Metaanalyse vom 29. 1. 2015 online in THE LANCET zu Folge, von Joanna Dobson et al. unter dem Titel “Oseltamivir treatment for influenza in adults: a meta-analysis of randomised controlled trials” publiziert, gefördert von der Pharmaindustrie-unabhängigen MUAGS [“Funding – Multiparty Group for Advice on Science (MUGAS) foundation”], bringt Licht in die verworren-widersprüchliche Datenlage um Oseltamivir als Neuraminidase-Hemmer.
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(14)62449-1/fulltext
Frühere Cochrane-Publikationen vs. Neuraminidasehemmer waren voreingenommen und tendenziös in ihren pseudowissenschaftlichen Argumentationen: Eine BMJ-Publikation “Oseltamivir for influenza in adults and children: systematic review of clinical study reports and summary of regulatory comments” (BMJ 2014; 348 doi:http://dx.doi.org/10.1136/bmj.g2545) vom 10.4.2014 stammt von Tom Jefferson et al.:
Von 23 Literaturangaben beziehen sich 13 auf konkrete Autoren, 10 stammen von Institutionen. In keinem Fall wird eine Placebo-kontrolliert, doppelblinde, randomisierte, kontrollierte (RCT)-Studie zu Oseltamivir zitiert oder diskutiert. Die gesamte BMJ-Publikation bleibt auf der Meta-Ebene von zitierten Metaanalysen. Die Literaturstelle Nr. 13 von Jefferson et al. “Neuraminidase inhibitors for preventing and treating influenza in healthy adults: systematic review and meta-analysis.” BMJ2009;339:b5106 kam zu für Oseltamivir u n d Zanamivir überraschend p o s i t i v e n Ergebnissen [“The efficacy of oral oseltamivir against symptomatic laboratory confirmed influenza was 61% (risk ratio 0.39, 95% confidence interval 0.18 to 0.85) at 75 mg daily and 73% (0.27, 0.11 to 0.67) at 150 mg daily. Inhaled zanamivir 10 mg daily was 62% efficacious (0.38, 0.17 to 0.85). Oseltamivir for postexposure prophylaxis had an efficacy of 58% (95% confidence interval 15% to 79%) and 84% (49% to 95%) in two trials of households.”].Dieser Widerspruch wurde von den Autoren selbst n i c h t mehr angesprochen und ausdiskutiert.
Eine 2. BMJ-Publikation “Zanamivir for influenza in adults and children: systematic review of clinical study reports and summary of regulatory comments” (BMJ 2014; 348 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.g2547) vom 10.4.2014 stammt mit Tom Jefferson als Co-Autor vom fast gleichen Autorenteam: Hier stammt die Literaturstelle Nr. 1 ebenfalls von Jefferson et al. mit den für Oseltamivir u n d Zanamivir p o s i t i v e n Ergebnissen.
Die bisherigen meta-analytischen Metaebenen-Analyse von Metaanalysen sind kein wissenschaftlich legitimiertes Vorgehen. Konkrete, Placebo-kontrollierte, randomisierte RCT-Studien zur Wirksamkeit und/oder Nichtwirksamkeit von Neuraminidasehemmern müssen vorgelegt, kritisch analysiert und gewichtet werden.
Denn was tun, wenn ein klinisch perakuter Influenza-Fall vor uns in der Praxis steht? Was mit ungeimpften, direkten Kontaktpersonen machen?
Wohlgemerkt, ich schreibe hier n i c h t über die derzeitigen Heerscharen von Patienten mit “Schnupfen”, “Erkältung”, katarrhalisch infizierten unteren und oberen Atemwegen, “grippalen Infekten”. Im englisch-sprachigen Raum aus Verlegenheit “common flu”, “common cold” oder “influenza-like-illness” genannt. Sondern über die im HxNx System an den verschiedenen Influenza-Varianten Erkrankten. Nur und ausschließlich dabei besteht u. U. die Indikation zur Tamiflu® oder Relenza® Therapie, um den klinischen Verlauf abzumildern, abzukürzen. Die konsequente Durchimpfung meiner Patienten/-innen ergänzt die Herdenimmunität, so dass meine Tamiflu®-Therapien nur äußerst selten eingesetzt werden mussten.
In den letzten Influenza-Saisons 2014/15 und 2015/16 hatte ich weniger als je 10 Neuraminidase-Hemmer Therapie-Fälle, u. a. eine hochbetagte, multimorbide und immobile Patientin mit Pneumonie-Anamnese, die bei schwerer klinisch eindeutiger Influenza-Symptomatik mit Oseltamivir von mir erfolgreich behandelt wurde. Vgl. dazu “Comment – Influenza: the rational use of oseltamivir” von H. Kelly und B. J. Cowling http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(15)60074-5/abstract

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