Appell: Krebsdiagnose – Ärzte mit Grenzen

7. Dezember 2016
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„Das beste Mittel gegen Krebs ist Wissen. Ich bin davon überzeugt, dass der informierte Patient bessere Chancen in diesem eh schon unfairen Kampf hat. Ich habe konkrete Wünsche an Ärzte und medizinisches Fachpersonal. Deshalb blogge ich.“

Alles begann an einem Dezemberabend, zuhause vor dem Fernseher. Morgens unter der Dusche war mir schon der Knoten in meiner linken Brust aufgefallen und wie das so ist, musste ich ständig daran herum drücken. Der Knubbel befand sich nicht direkt unter der Haut, sondern eher tief in der Brust, ich musste schon stark an mir rumdrücken. Ich suchte meine damalige Gynäkologin auf, die mich erwartungsgemäß zur Mammographie überwies.

Die erste Mammographie

Mein Mann begleitete mich und ich war schon im Wartezimmer hinüber mit den Nerven. Das Prozedere an sich ist bekannterweise unspektakulär. Mir tat die Untersuchung nicht weh, ich kam mir nur ein wenig bescheuert vor, wie ich da stand und das große Mammographiegerät für die Aufnahmen umarmen musste. Die Assistentin bemerkte mein extrem hohes Paniklevel und versuchte mich zu beruhigen. Sie war wirklich sehr lieb und nett und führte mich in das Sprechzimmer. Dort sollte ich auf den Radiologen warten, der sofort zu mir käme, sobald er die Bilder befundet habe. Mir liefen schon dort die Tränen in Bächen die Wangen hinunter. Ich stand unter furchtbarem Druck.

Nie das Bauchgefühl unterschätzen!

Die Tür ging auf und der Arzt kam herein, gab mir die Hand und sagte „Alles gut! Ich gratuliere! Sie haben zu 95 % keinen Brustkrebs!“ Er untersuchte mich noch per Ultraschall und konnte mir auf den Monitor zeigend tausend Argumente liefern, warum das kein bösartiger Brustkrebs sei. Er empfahl mir die Wiedervorstellung zur Tastuntersuchung bei meiner Gynäkologin in drei Monaten. Wenn ich wolle, so sagte er doch eher genervt als motiviert, könnte er aber auch eine Stanzbiopsie durchführen. In meinem Bauch rührte es sich und ich sagte: „Stanzen Sie!“

Diagnose Brustkrebs

1648_Katharina Erkelenz

Katharina Erkelenz © privat

Zwei Tage später sollte das Ergebnis da sein. Ich packte das Erlebnis der Mammographie und der Stanzbiographie komplett zur Seite und vergaß sogar fast, meine Gynäkologin anzurufen und nach dem Ergebnis zu fragen – aber auch nur fast. Ich versuchte also meine Gynäkologin ans Telefon zu bekommen. Mein Sohn lag krank mit hohem Fieber neben mir und weinte, weil es ihm nicht gut ging. Die Arzthelferin fragte mich am Telefon, ob ich nicht vorbeikommen könne – ausgeschlossen mit einem fiebernden Kleinkind! Sie wollte mit nichts rausrücken und ich wurde zusehends nervöser und schrie sie an „Jetzt sagen Sie mir doch endlich, was los ist!“ Nein, das dürfe sie nicht. Frau Dr. würde mich gleich zurück rufen. 5 Minuten später klingelte das Telefon und die Gynäkologin war dran. „Frau Erkelenz, es tut mir leid. Sie haben Brustkrebs.“

Gesunde Skepsis ist lebensnotwendig

Es stellte sich heraus, dass der Radiologe mit seiner Einschätzung völlig danebengelegen hatte. Es war nicht nur „kein Brustkrebs“, auch kein „kleines bisschen Brustkrebs“ – ein dcis oder so – nee, es war volle Pulle Brustkrebs, G3, hormonrezeptorpositiv und her2positiv, 1,1 cm groß. Zufälligerweise fand meine Senologin im Brustzentrum dann noch einen Tumor und später dann noch ein dcis high grade. Es war also richtig viel los in meiner linken Brust. Der Radiologe hatte zu 95 % Unrecht und nur mein Bauchgefühl und mein instinktiver Entschluss zur Stanzbiopsie retteten mir möglicherweise das Leben! Wäre ich – wie vom Radiologen drei Monate später zur Tastuntersuchung zur Gyn gegangen,…mein Gott, ich will es mir nicht ausmalen! Wir alle können es uns aber vorstellen.

1.000 Fragen an Dr. Google

Dass das Hören auf die Instinkte lebenswichtig ist. Dass man auf sein Bauchgefühl hören muss, wenn es einem geradezu ins Gesicht brüllt. Aber das alles hat ja noch nichts mit dem Bloggen zu tun.

Als ich den Befund des Radiologen von meiner Gynäkologin überreicht bekam – es war ein Freitag – und einen Termin im Brustzentrum der Kliniken Essen-Mitte für den folgenden Montag vereinbart hatte, nahm ich mir mein iPad und startete meine erste Konsultation des 24/7 verfügbaren Notfallarztes – wir kennen ihn doch alle – Dr. Google!

Im Internet hört dich keiner schreien

Die ersten Suchergebnisse überfluteten mich mit Infos, mit Foren-Beiträgen, mit Artikeln der Regenbogenpresse, mit Studienergebnissen und mit allerlei Humbug. Ich stand da wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berg und wusste nicht, wo ich ansetzen sollte. Erstmal versuchte ich, alle Begrifflichkeiten des Befundes zu verstehen. Ki67. Das Grading. Was bedeutet her2positiv? Und natürlich: Wie ist meine Prognose?

Ich balancierte auf extrem dünnen Seilen durch das Gewirr an Informationen, wusste nicht, welche Abzweigung ich nehmen sollte, verstand aber Gott sei Dank schnell, dass die Qualität der im Internet verfügbaren Informationen stark variierte. Auf der Seite von Mamazone las ich mich fest und lernte schon mal, dass es mehrere verschiedene Subtypen des Brustkrebses gibt.

Experte im Patient-Sein

Jedenfalls war ich zu meinem ersten Termin im Brustzentrum so gut informiert, dass ich meinen Befund in Teilen verstand und wusste, dass das wichtigste die histopathologischen Angaben waren. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass meine Ärztin mich mit einem Augenzwinkern fragte „Soso, haben Sie am Wochenende mal eben Medizin studiert?“.

Ja, ich gebe zu, mein ausgeprägter „Nerdism“, also mein unablässiger Drang, mich selber über alles zu informieren, nervte meine Ärzte mitunter sicherlich sehr. Schließlich ist es deren Job, sie haben das studiert und schon zigtausende Patienten behandelt und ständig von mir gefragt und angemailt zu werden, ist sicher nicht immer leicht zu ertragen. Aber, bitte verzeihen Sie mir, worum geht es hier denn? Um nichts Geringeres als mein Leben und an dem hänge ich zufälligerweise SEHR.

Unstillbarer Wissensdurst

Das Erlebnis meiner Diagnose, der krasse Irrtum des Radiologen entwickelte in mir ein nahezu zwanghaftes Streben nach Wissen um meine Erkrankung und im weiteren Verlauf nach Wissen um Therapieoptionen, nach Möglichkeiten Nebenwirkungen der Therapien zu lindern und einem Progress vorzubeugen. Unzählige weitere unsägliche Erlebnisse dieser Art bestätigen mich in diesem Tun. Ich werde hier nur von einer Auswahl berichten.

Ich ließ mir meine Chemotherapie aufgrund der langen Fahrtstrecke nicht in meinem Bruszentrum in den Kliniken Essen-Mitte verabreichen, sondern in einer Onkologischen Praxis in meinem Wohnort. Mit meinen Ärzten in Essen hatte ich besprochen, dass ich den ersten Teil der Chemotherapie (vier Mal Epirubicin-Cyclophosphamid) in einem zeitlichen Abstand von nur zwei Wochen bekommen sollte. Ich hatte natürlich nachgelesen und dieses Chemoregime schien das für mich beste zu sein.

Mein Leben in der Chemo-Fabrik

Dies wurde selbstredend in meinem Tumorkonferenzbericht festgehalten und dieser meiner onkologischen Praxis zur Verfügung gestellt. Sowohl beim zweiten, als auch beim dritten Mal blickte ich in die großen Augen der Chemoschwestern. „Wieso sind Sie hier? Bekommen Sie das EC nicht alle drei Wochen?“. „Nein, ich bekomme es alle zwei Wochen – so, wie es in meinem Tukobericht steht!“. „Warum machen Sie das?“. „Weil ich es so will.“ Genervte Blicke, Reaktionen, die darauf schließen ließen, dass man das nicht verstehe.

Die Schwestern waren völlig überlastet. In der Praxis ging es zu wie in einer Chemo-Fabrik. Die Patienten kamen und gingen, wir saßen wie die Hühner auf der Stange in einer Reihe. Die schwerkranken Patienten wurden vom Pflegedienst im Rollstuhl angekarrt, in den Chemosessel (immerhin! Ich musste auch schon drei Stunden auf einem Stuhl sitzen) gekippt und nach ein paar Stunden wieder aufgelesen und wohin auch immer zurückgebracht.

Klar, dass man da die Patienten lieber alle drei Wochen, als alle zwei Wochen zu Gesicht bekommt. Da man viele, viele Stunden an diesen Orten verbringt, sollte es möglich sein, diese halbwegs optisch ansprechend und bequem zu gestalten. Es sollte ein empathischer Umgang mit den Patienten herrschen, geprägt von gegenseitigem Respekt für die Menschen, die dort arbeiten und für die Patienten, die teilweise schon seit vielen Jahren zu diesem Ort kommen müssen.

Vertrauen ist gut, Kontrolle auch

Ein „Highlight“ war auch die falsche Dosierung des Epirubicins. Ich ließ mir den Beutel mit den Zytostatika immer zeigen. Während es in den Kliniken Essen-Mitte Standard ist, den Beutel den Patienten zu zeigen und die Daten abzugleichen („Sie heißen Katharina Erkelenz? Sie bekommen Medikament XY? Sie wiegen 60 Kilogramm oder hat sich da was geändert?“), wurde das in der Praxis nicht gemacht. Da ich aber vor der OP eine Studienchemo bekommen hatte, kannte ich das professionelle Vorgehen in Essen und forderte also ein, dass mir das Medikament gezeigt wurde.

In Essen wurde stets mein Gewicht abgefragt – in der Praxis nicht. Dort wurde von meinem Gewicht bei Erkrankung ausgegangen – 55 Kilo, also 5 Kilo weniger. Das fiel MIR auf, nicht den dort Beschäftigten und ICH musste darauf aufmerksam machen, dass ich doch bitte gerne die korrekte Dosis hätte. Ich bekam keine Entschuldigung, sondern leider erneut nur genervte Blicke. So, als sei es eine Bringschuld meinerseits, immer zu sagen, wieviel ich wiege. Kann es sein, dass ein schwerkranker Patient auch die Arbeit des medizinischen Personals erledigen muss, weil sie es sonst zulässt, dass ihr Leben durch falsche Dosierungen gefährdet wird? Es darf nicht sein, dass man sich als Patient mit diesen Dingen beschäftigen muss! Unnötig, zu erwähnen, dass ich mir seitdem alles zeigen lasse, was mir verabreicht werden soll.

Gut aufgehoben in schweren Zeiten

Ich selber hatte großes Glück mit meinen Senologen in Essen. Es war gut, dass ich in ein zertifiziertes Brustzentrum gegangen bin, denn dort herrscht schon per definitionem eine hohe Qualität in der Patientenversorgung.

Es wäre wünschenswert, wenn jeder überweisende Arzt bei Erstdiagnose dieses seinen Patienten mit auf den Weg geben würde und evtl. auch schon eine gute Empfehlung oder eine verschriftlichte Auswahl an guten Brustzentren bzw. Fachkliniken parat hat, damit sich der Patient nicht darum kümmern muss. Der hat in dem Moment nämlich primär andere Sorgen.

Jeder Patient tickt anders

Ich lernte viele andere Brustkrebspatientinnen kennen und stellte fest, dass es verschiedene Patiententypen gibt:

Typ 1: Der Patient, der seinem Arzt blind vertraut und sich auch gar nicht so sehr für das Drumherum und die medizinischen Details interessiert.
Typ 2: Der Patient, der sich sehr wohl für die medizinischen Details interessiert, diese aber nicht mitgeteilt bekommt und mit der Fülle an Informationen schlichtweg überfordert ist.
Typ3: Der Patient, der sich interessiert und die verfügbaren Infos auszuwerten, aufzubereiten und umzusetzen weiß. Der aus seinen Erfahrungen lernt und diese für sich umsetzen will. Da sortiere ich mich ein.

Beim ersten und dritten Typ Patient gibt es keinen Handlungsbedarf. Aber es ärgert mich immer noch abgrundtief, dass es den zweiten Typ Patient gibt bzw. geben muss, weil keine einheitliche Aufklärungspolitik existiert. Ich habe von meiner Gynäkologin nur den Anruf und dann einen Überweisungsschein bekommen, aber kein Informationsmaterial, keine Broschüre, keinen Flyer. Ich musste googeln und mit den absoluten Basics beginnen.

Mein Eintritt in die Welt der Blogger

Und genau dieses Defizit und meine negativen Erlebnisse (unzählige!) verleiteten mich dazu, mit dem Bloggen zu beginnen. Mein Blog ist primär kein Blog, auf dem ich über meine Krankheit berichte, sondern soll der Weitergabe von nach Sinn und Unsinn gefilterten Informationen dienen.

Mein Brustzentrum in den Kliniken Essen-Mitte, geht wie ganz viele zertifizierte Brustzentren, ganz anders vor, als meine damalige Gynäkologin oder der Radiologe. Man wird dort sofort mit allen notwendigen Infos versorgt – sofern man das möchte – es gibt Broschüren zu jedem relevanten Thema, man kann über mehrere Breast Care Nurses als kompetente Ansprechpartner verfügen und es finden monatliche Patientenveranstaltungen statt, bei denen man zu den verschiedensten Themenbereichen geradezu ausgebildet wird: Therapieoptionen, Berichte von den großen Kongressen, was tun bei Nebenwirkungen, OP-Methoden…

Warum mir Bloggen so wichtig ist

Diesen großen Benefit wollte und will ich an all die anderen Patienten weitergeben, die leider keine so tollen Ärzte und Brustzentren haben.

1648_Titelbild Blog

Facebook-Blog „Krebscocktail“

Während meiner Erkrankung lernte ich eine Handvoll anderer „Nerds“ kennen, schnell wurde eine Whatsapp-Gruppe gegründet, es wurden Infos ausgetauscht, wir sprachen über unsere spezifischen Fälle, unsere Therapien, was am Horizont der Brustkrebsbehandlung neu auftauchte und was wieder verschwand. Es wurde auf Veröffentlichungen im New England Journal of Medicine oder im Journal Onko hingewiesen, Artikel wurden stets geteilt und an diejenige von uns weiter gereicht, für die er von Belang sein könnte. Wir rutschten immer tiefer in die Materie hinein.

Kongresse und Symposien – Information aus erster Hand

Wir verfolgten die Berichte zu den großen Brustkrebs- und Krebskongressen, den ASCO in Chicago und das San Antonio Breast Cancer Symposium. Bei den Live-Übertragungen saß eine Jede von uns daheim vor dem Laptop – miteinander per Whatsapp verbunden – und ich lüge nicht, wenn ich Ihnen sage: Es fehlte nur noch die große Schüssel mit Popcorn. Mit Spannung verfolgten wir den Live Round Table, den Brustkrebs Deutschland regelmäßig am Ende der Kongresse veranstaltet und wir hingen an den Lippen der großen Professoren und bewunderten Renate Haidinger, die Vorsitzende von Brustkrebs Deutschland e.V. und Interviewende für ihren Einsatz für uns Patientinnen. Was hatte Professor Thomssen zum Triple Positiven Brustkrebs gesagt? Spannend auch das Interview mit Professor Hadji zum Vitamin D oder mit Professor Warm zum Vergleich „Brusterhaltende OP versus Mastektomie“. Ich stürzte mich mit einem Seemannsköpper in die wertvolle Informationsflut und versuchte, auf meinem Tauchgang so viele Kenntnisse und Neuheiten wie nur möglich vom Meeresboden aufzusammeln! Wieder an Land betrachtete ich den Schatz und teilte ihn mit den Lesern meines Blogs.

Drama zieht immer – auch beim Bloggen

Ich habe nur eine kleine, feine Leserschar von rund 1.500 Followern, von diesen weiß ich aber, dass sie sich meine Seite anschauen, weil sie Interesse an qualitativ hochwertigen Informationen und Berichten haben und nicht, weil es was zu gaffen gibt. Es ist wirklich so, dass die Like-Zahlen bei manchen Bloggern, die das Schicksal sehr gebeutelt hat, dann in die Höhe schnellen, wenn eine neue Metastase gefunden wurde oder es dem Ende zugeht! Ein Blogger, der heute noch gesund ist, bei dem aber morgen Metastasen gefunden werden und somit als unheilbar gilt, „gewinnt“ damit hunderte neue Leser. Diese haben meistens weder einen persönlichen Bezug zum Blogger, noch zu der Erkrankung, sie verhalten sich aber wie Gaffer bei der Vorbeifahrt an einem Autounfall. Sie verringern das Tempo, um das Elend anschauen zu können. Das ist eine Sache, der ich mit Befremden gegenüber stehe und mit der ich mich nur schwer anfreunden kann.

Mein größtes Anliegen: Informieren

Das beste Mittel gegen Krebs, ist Wissen und ich bin fest davon überzeugt, dass der informierte Patient bessere Chancen in diesem eh schon unfairen Kampf hat, als der uninformierte. Das macht meinen Blog aus.

Es ist mein größter Wunsch, dass ausnahmslos jedem Patienten die gleichen Möglichkeiten der Selbstinformation eröffnet werden, wir mir. Dass ihnen gesagt wird: Schau Dir mal die Seite von Brustkrebs Deutschland an, „Hey, weißt Du, dass es dort alle zwei Wochen eine kostenlose telefonische Sprechstunde zur Zweitmeinung gibt?“, es gibt da ein Magazin für an Brustkrebs erkrankte Frauen, die Mamma Mia, da schau mal rein, das ist sehr interessant und informativ“. Vielen Frauen fehlt in der Akutphase der Erkrankung schlichtweg die Kraft, selber zu suchen, selber zu filtern, zu verstehen und zu hinterfragen. Sie sind dankbar, wenn das jemand für sie macht und wenn sie dieses Wissen nicht erst lange suchen müssen, sondern bequem auf Facebook abrufen können, dort, wo ihre virtuelle Heimat ist.

Was ich mir von Ärzten wünsche

Haben Sie bitte ein Gespür dafür, welcher Patiententyp Ihnen gegenüber sitzt. Ist es der Typ 1, der sich auf Sie und Ihr Können verlässt und der mit allem einverstanden ist, so kann man sich medizinische Details und meiner Meinung nach auch prognostische Aussagen, die mehr verwirren als helfen, sparen. Ist es aber Typ 2 oder 3, dann seien Sie Partner, der zusammen mit seinem Patienten ein Behandlungsteam bildet.

Seien Sie Ansprechpartner für Ihren Patienten, für alle Fragen, die er im Laufe der Erkrankung hat und beziehen Sie auch die Lebenspartner offensiv mit ein. Begegnen Sie fachmedizinischen Fragen und insbesondere Fragen nach bestimmten Optionen niemals mit einem schlichten „Nein“, sondern erklären Sie, warum diese Behandlungsart, diese OP oder auch ein bestimmtes Medikament in diesem Fall nicht in Frage kommen. Motivieren Sie Ihren Patienten, sich alle Fragen vor dem Termin zu notieren und gehen Sie diese gemeinsam durch.

Orientierungshilfe im Internet

Wenn Sie selber keine Antworten wissen, dann nennen Sie bitte gute Quellen (ich wüsste da einen tollen, empfehlenswerten Blog! ;-) Ansonsten sind aber auch die Seiten von Brustkrebs Deutschland, von Mamazone und dem Krebsinformationsdienst sehr gut! Sehr informativ sind auch die Video-Interviews mit den Professoren, die Brustkrebs Deutschland nach den Kongressen zur Verfügung stellt, zum Beispiel hier.

Erreichbarkeit, Zeit, Verständnis

Verheimlichen Sie nicht Ihre Email-Adresse! Meine Ärzte im BZ sind für mich auch auf diesem Weg erreichbar. Das hat unschätzbaren Wert, denn viele Fragen kommen einem immer erst in den Sinn, wenn man den Termin hinter sich hat! Und dann bis zum nächsten Termin in ein paar Wochen oder gar Monaten warten zu müssen, ist schlichtweg unzumutbar.

Kommunizieren Sie mit den Patienten auf Augenhöhe. Die Betroffenen machen die schlimmste Krise ihres Lebens durch, da braucht man nicht auch noch die emotions- und empathielose Kommunikation mit arroganten und gehetzten Ärzten. Ich habe von Ärzten gehört, die ihre Patienten stundenlang warten lassen und ihnen dann eröffnen „Ich habe genau 3 Minuten!“ Die aktuell unangemessene Vergütung des Faktors „Zeit“ für Gespräche, darf nicht zu Lasten des Patienten gehen.

Tauschen Sie sich eng mit den Patienten aus und lernen Sie von den Betroffenen.

Ach, ich habe noch so Einiges zu sagen und an Wünschen zu formulieren! Sie wissen, wo Sie mich finden! Ich erzähle Ihnen gerne mehr….

Ihre Katharina Erkelenz
vom Facebook-Blog „Krebscocktail“.

143 Wertungen (4.57 ø)

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30 Kommentare:

Robert
Robert

Hallo Frau Erkelenz, als Heilpraktiker ist eine Einmischung in die Chemotherapie konsequent zu unterlassen. Wenn der Patient eine supportive komplementäre Behandlung wünscht, dann nur nach Rücksprache mit dem Onkologen.
Von Wunder- und Heilsversprechen distanziere ich mich ausdrücklich.

#30 |
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Gast
Gast

2 Anmerkungen eines “Auch-Onkologen”: Gerade bei den Krebsleitlinien der AWMF gibt es glücklicherweise auch Patientenfassungen, hier für den Brustkrebs: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/032-045OL.html.

Sehr empfehlenswert ist auch das Überlebens-Buch Brustkrebs aus dem Schattauer-Verlag: http://www.schattauer.de/de/book/unser-service/fuer-leser/zusatzmaterial/ueber-lebensbuch-brustkrebs-goldmann-posch/home.html.

#29 |
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Tobias Sambale (save-yourself.de)
Tobias Sambale (save-yourself.de)

Ein guter Bericht, der mich etwas hin- und herreißt!

Ich halte die Medizin für einen gegenseitigen Lernprozess. So ist es nicht der richtige Weg den Arzt zu verteufeln, wenn er einen Fehler gemacht hat. Stattdessen sollte der Arzt seinen Fehler dazu nutzen, in Zukunft anders zu handeln. Gleichzeitig aber, und das ist wichtig, muss ein Patient -und ich mache da vor mir selbst keine Ausnahme- auch einsehen, dass die Medizin fehlerbehaftet ist. Dass es notwendig ist, mit Statistiken und einem klinischen Gefühl zu arbeiten und das dabei (manchmal schreckliche) Fehler passieren, auch wenn wir diese dringend vermeiden müssen.

Mit Fehlermanagementsystemen versuchen wir dem aktuell zu begegnen (so zum Beispiel der Crosscheck von Medikamenten. Das Chemo-Beispiel ist hier sehr passend).

Andernfalls verstoßen wir gegen eines der medizinethischen Gebote, nämlich das der Ressourcenverteilung. Ein gutes Beispiel ist hier die Bildgebung bei Rückenleiden, die zumeist keinen nennenswerten Vorteil bringt, die Gesamtheit der Sozialversicherheiten aber zunehmend belastet. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin kein Freund eines starren Wirtschaftlichkeitsgebotes, nur muss es auch erlaubt sein, minimalinvaisve Entscheidungen zu treffen.

Auf der anderen Seite hat ein Patient das volle Selbstbestimmungsrecht über seinen Körper und seine Gesundheit. Er hat das Recht auf ein Verständnis seines Zustandes und hierfür braucht es BIldung und fachgerechte Aufklärung. Dem steht die Medizin, wie sie vielerorts praktiziert wird, beinahe schon diametral gegenüber.

Den Menschen, die hier nun schimpfen, sei die Frage ans Herz gelegt, wie man den selber als Patient reagieren würde. Ich kenne keinen Arzt, der nicht selbst seine detektivischen Fähigkeiten einsetzen würde, um seinen Zustand zu erforschen. Und das völlig zu Recht…

#28 |
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Katharina Erkelenz
Katharina Erkelenz

#26
Der Radiologe hat aber gesagt, dass ich zu 95% keinen Krebs habe! Er hatte nach der Mammo auch ein Sono gemacht und war überzeugt, es seien benigne Veränderungen! Er sagte zu keinem Zeitpunkt, dass es schlau wäre, zur Sicherheit eine biopsie zu machen. Dieser Wunsch kam zu 100% von mir. Ich war danach erleichtert und glaubte, alles sei gut! Fühlte mich lebendig!
Bis zum übernächsten Tag.

Ich gebe dem Radiologen keine “Schuld”. Ich gebe niemandem “Schuld”, das wäre völliger Blödsinn, würde mich unnötig verbittern und wäre schlecht für mein Karmakonto ;-)

Auch gehöre ich ganz sicher nicht zu der Sorte, die Chemotherapie verteufelt – das Gegenteil ist der Fall! Ich möchte lieber alles bekommen, was helfen könnte. Wäre aber natürlich auch schwachsinn bei den ganzen bekannten und unbekannten Nebenwirkungsspektren. Jedenfalls benötige ich KEINE Mails von Heilpraktikern oder anderen Menschen, die nichts von Chemo halten. Die sind bei mir falsch aufgehoben.

Ich möchte mich ganz besonders für den Kommentar von #1 bedanken. Besseres hätte gar nicht passieren können, dass jemand kommentiert, der zu 100% der von mir mit meinem Artikel gewählten Zielgruppe entspricht!

Allen anderen möchte ich auch für die Kommentare danken. Nur der bilaterale Austausch Arzt – Patient kann aus der Misere führen und ich möchte Ihre Meinung hören.

#27 |
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Der verantwortungsvolle Radiologe wird bei unklarem Tastbefund (den er auch selbst erheben sollte) neben der Mammographie immer eine Sonographie durchführen oder veranlassen, wenn die Mammographie nicht eindeutig ist. Es ist unfair, dem Radiologen die Schuld zuzuschieben. Das ist bei allem Verständnis für die Situation der Patientin ungerecht. Dies wird bei uns so gehandhabt und zwar gleichentages. Keine einzige Patientin hat bei uns länger als einen Tag auf die Diagnose warten müssen, auch wenn sie selbst sie Monate vorher verschleppt hatte.

#26 |
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Gast
Gast

@#19
Ich #12 schrieb “fast schon zwanghaft”. Das ist eben nicht wirklich zwanghaft. .

Wenn auf jeden Arzt, der sich darüber aufregt, dass die Patienten zu viel hinterfragen, ein Patient mit Persönlichkeitsstörung käme, dann bräuchten wir noch viel mehr Ärzte …

Einen hübschen Schneeball gäbe das ;-)

Und mitnichten habe ich “(allen) Ärzten” unterstellt, “sie” würden keine Übersetzungsleistung erbringen, vielmehr habe ich gesagt, dass kein Arzt sein kann/soll, wer sie nicht erbringen will.

#25 |
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Jasmin Newson
Jasmin Newson

Ich bin selber Ärztin und kann ihrer Forderung, dass man die Patienten in Typen einteilen soll und sie dementsprechend behandeln soll, zusprechen. Ich bitte Sie aber auch, uns Ärzte zu verstehen, dass dieses Menschen- in- Typen- einteilen alles andere als einfach ist! Meiner Meinung nach entstehen dadurch sehr, sehr viele Missverständnis bzw. schlechte Meinungen über Ärzte. Die einen fühlen sich mit Infos überfordert, klagen über “abgehobenes Medizinerlatein”, den anderen kann es gar nicht schlau genug sein und man wird alles “dummes, unwissendes Anfängermädel” dargestellt, wenn man versucht, den Sachverhalt einfach zu erläutern.

#24 |
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Gast Lehrerin für Pflegeberufe
Gast Lehrerin für Pflegeberufe

Zitat aus dem Artikel: “…, worum geht es hier denn? Um nichts Geringeres als mein Leben und an dem hänge ich zufälligerweise SEHR.” Ganz genau! Und das rechtfertigt alle Bedürfnisse und Wünsche, Forderungen und Aufforderungen, Maßnahmen, Fragen und Nachfragen, Kontrollen und Entscheidungen. Wer bitte möchte hier allen Ernstes seine Wunden der gekränkten Medizinereitelkeit lecken und diese der Todesangst und dem Kampf gegen die Erkrankung der Patientin entgegensetzen??? Das finde ich tatsächlich armselig. Als ehemalige Krankenschwester in der gynäkologischen Onkologie habe ich etliche Onkologen kennen gelernt und weiß, dass es “solche und solche” gibt. Und wer diesen Artikel als “pauschale Verurteilung aller onkologischen Ärzte” (Zit. #1) verstanden hat, sollte ihn vielleicht besser noch einmal lesen. Denn da stehen ganz konkrete positive Aussagen über gute Erfahrungen der Verfasserin drin! Allerdings sollten sich diejenigen, die sich durch diesen Artikel auf den Schlips getreten fühlen einfach mal fragen, warum sie das tun!

#23 |
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Gast
Gast

Krebs ist einfach ein hochsensibles Thema und jede/r Betroffene, jeder Arzt/in meint es besser zu wissen und zu machen als der Nächste. Das erkenne ich tagtäglich bei Mitpatienten und behandelnden Ärzten.

#22 |
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Reinhard Schrüfer
Reinhard Schrüfer

2011 hatte ich Malignes Melanom-nach OP usw. vierteljahr später Lymphknotenschwellung in der Leiste. Is´nichts so die Experten. Baugefühl sagte da ist´s! – Jetzt Zufallsbefund: Leber übersät mit Hautkrebszellen- inoperabel.
Na dankeschön. Die tolle Medizin wird´s nicht mehr machen. Da hilft nur noch beten. -Hoffentlich.

#21 |
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Gast
Gast

Ach,
ohne journalistische ausgedehnte Übertreibung würden ja viel weniger Menschen die Geschichte lesen. Das macht doch jeder!

#20 |
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Gast
Gast

Ein interessanter, leicht einseitiger und etwas provokativer Bericht.

Histologische Marker (KI-67 u.a.), Tumorstadium (inklusive Grading) histologische Subtypen, Alter, Laborwerte, Vorerkrankungen und psychische Verfassung (hach, was könnte man nicht alles noch aufzählen um nicht in “Vereinfachung” zu verfallen…) fließen zum Glück in jede gemeinsam (Arzt-Patient) getroffene Therapieentscheidung (bei jeder Erkrankung) mit ein, genauso wie eine “Übersetzungsleistung” der Mediziner, jeden Tag 24/7.

Wer unterstellt das würde nicht passieren tut Ärzten unrecht, auch wenn man es nicht hören will. Bei unverstandenen Sachen muss man nachfragen, dass müssen die Ärzte in der Anamnese (Patientebefragung) auch tun.

Die gemeinsam getroffene Therapieentscheidung stets zu hinterfragen halte ich für normal, auf beiden Seiten. Ein “zwanghaftes Misstrauen und Kontrollbedürfnis” (Zitat) halte ich für persönlich jedoch für eine pathologische (nicht-gesunde) Persönlichkeitsstörung. Ich glaube nicht, dass dies einer guten Arzt-Patienten-Beziehung zuträglich ist. Stellen sich sich in ihrem Beruf jemanden vor, eine Kunden oder einen Kollegen, der Sie auf Schritt-und-Tritt kontrolliert und überwacht. Das Ärzte das aufregt (siehe unten) halte ich für normal.

“Ärzte-Bashing” wird in unserer Zeit ja immer “normaler”, vor allem im digitalen Raum. Da spielt auch viel Neid mit, jedenfalls bei den mir bekannten Menschen. Wobei ich nicht sage, dieser Bericht wäre Bashing. Ärzte haben aber halt keine “Facebook-Lobby-Gruppe”, die hier ein realistisches Bild in den Kommentaren posten würde (und die Zeit dafür hätte).
Und das jeder denkt, er könnte selbst alles besser machen, betrifft glaub ich, ganz viele Branchen. Das sollen sich die ehrenwerten Mediziner mal nicht so aufregen. Programmieren, Spiele-Entwicklung, Automobile-Entwicklung, das Handwerk, Design, Marketing usw….

#19 |
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franz laudenbach
franz laudenbach

Hinweisen möchte ich auf:
OPC; OPC ist ein Nahrungsergänzungsmittel!
(Traubenkernextrakt; Rote Trauben wirken stärker).
Robert Franz schreibt in seinem Buch:
OPC-Das Fundament menschlicher Gesundheit, auf Seite 32:
Traubenkernextrakt treibt Krebszellen innerhalb 24 Stunden in den Selbstmord.
Vor Jahren die Hautärztin; Den Dunklen Hautfleck am rechten Auge müssen wir hinsichtlich Hautkrebs überprüfen.
Nach 6 Wochen OPC-Anwendung, war der Dunkle Fleck weg!

Weitere, von Forschern, Professoren in über; 1000 Seiten starken Büchern, beschreiben dass Thema Krebs. Argument im Internet; ‘OPC’.

Seit 1949 weiß man um das Thema, aber niemand kümmert es.
Die Medizin-technische-, die Pharma-Industrie, werkelt weiter.

flc@live.de;

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I. Z.
I. Z.

@#1:
Ihr Vergleich von einer Krebserkrankung mit “Schmerzen am Großzehennagel” ist haltlos und stellt eine schwere Beleidigung von lebensbedrohlich Erkrankten dar, wozu auch Krebspatienten gehören.

Noch schwerwiegender finde ich Ihre Behauptung: “Ein nicht-metastasiertes HR-positives und HER2/neu positives Mamma-Karzinom zu behandeln ist wie Auto fahren. Es gibt einen Standard. Der kann minimal verändert werden. Ab und zu mal am Stoppschild anhalten. Wenn es Zweispurig wird für ein Spur entscheiden. Und das war es.” (kopiert mit Flüchtigkeitsfehlern!)

Sehr aufschlussreich, Ihre Einstellung. Wenn Sie, vermutlich als Arzt – soweit hier erkennbar – nach diesem Prinzip handeln, vereinfachen Sie komplexe Erkrankungen mit all ihren Facetten auf unzumutbare Weise. Denn wenn man eine derart schwere Erkrankung mit einem so vereinfachten Schema angeht und dabei auf technische Befunde reduziert, ohne weitere Faktoren zu differenzieren (Grad von Malignität, z.B. nach ki67 u.a., histologische Subtypen, Alter der Pat., Immunsystem, Vorerkrankungen, psychische Verfassung), kann man einer/m Krebspatientin/en definitiv nicht gerecht werden. Das gilt nicht nur für Brustkrebs. Inzwischen sollte allgemein bekannt und anerkannt sein, dass Krebs ein multifaktorielles Geschehen ist. Da gibt es – zum Glück! – nicht nur eine Abzweigung und nicht nur 2 Spuren, sondern viel mehr sinnvolle Optionen mit nicht nur minimalen Veränderungen, natürlich auch Stop-Schilder, v.a. auch für Chemotherapie unter individueller Berücksichtigung von Nebenwirkungen.

Mit derartigen Vereinfachungen wird ein Arzt am ehesten seinem eigenen Schematisierungsbestreben und Freizeitbedürfnis gerecht. Das soll er dann ehrlicherweise klar sagen, anstatt nach einem stereotypen Schema zu verordnen und dabei zu suggerieren, das sei die einzig sinnvolle und mit gebotener Sorgfalt durchgeführte Therapie, worauf sich Patienten in der Regel verlassen (können sollten).

#17 |
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Medizinische Dokumentarin

Fantastischer Artikel, vielen Dank dafür. Ja, die informierten Patienten sind leider für viele Mediziner immer noch ein Graus, aber wer als Patient schon einmal (oder auch mehrfach) erlebt hat, wie leichtfertig mancher Fehler begangen wird, der schlägt drei Kreuze, dass es Dr. Google gibt. Ich wünsche ihnen alles Gute.

#16 |
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Gast
Gast

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft. Ihr konstruktiver Umgang gepaart mit großer Selbstfürsorge ist beispielgebend. Weiter so!

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Gesundheits- und Krankenpfleger

Ich wünsche Ihnen weiterhin so viel Kraft und Lebenswillen!

#14 |
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Helmut Heckele
Helmut Heckele

Gratulation.Ein guter Artikel. Die Onkologie ist ein zu schwieriges Feld, als dass man hier zu allgemeinen Anschuldigungen greift. Auch andere als arrogant zu bezeichnen weil man selbst “6 Jahre Medizin studiert hat” und anschließend eine FA-Ausbildung durchlief, ist gelinde gesagt armselig. Durch ein paar Jahre Medizinstudium, das zudem Jahre oder Jahrzehnte zurückliegt, wird niemand zum ernstzunehmenden Onkologen. Man möge doch bitte mal nachrechnen wieviele Stunden die Onkologievorlesungen damals ausmachten und wie intensiv man die aktuelle onkologische Literatur verfolgt. Das Maß aller Dinge sollte der Patient sein und nicht irgendwelche dünkelhaften Sprüche.

#13 |
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Gast
Gast

Hallo,

ich bin weder Patient noch Heilberufler, so gesehen “neutral”. Ich finde den Beitrag gut und ich denke er ist für Betroffene hilfreich. Auch ohne Krebsdiagnose habe ich selbst Situationen erlebt, in denen ich mich von (m)einem Arzt falsch- oder zumindest erheblich unterinformiert fühlte, und zumindest in einem Teil der Fälle ist beweisbar, dass es sich nicht nur um ein Gefühl handelte. Auch halte ich es für zulässig, dass ein Patient eine Wunschliste in Richtung Ärzteschaft adressiert. Es bleibt ja auch jedem Arzt überlassen, selbst zu urteilen, was er für angemessen und machbar hält. Der Informationsanspruch des Patienten kennt aus meiner Sicht keine Begrenzung, er darf keine kennen. Hier ist es meines Erachtens auch an den Ärzten, Initiativen zur Bereitstellung qualifizierter Information zu ergreifen oder zumindest zu unterstützen – zum Beispiel ganz einfach dadurch, dass man auf die qualifizierten Informationsquellen aufmerksam macht, damit Dr. Google nicht zum Zuge kommt. Mir hat meine GYN mal gesagt: “Wir machen dieundie OP, können Sie ja mal googlen.” Suboptimal, besser wäre natürlich, sie hätte mir gesagt, _wo_ ich lesen soll.
Wer nur auf Augenhöhe diskutieren will, soll sich der Forschung widmen und das Gespräch mit dem Patienten anderen überlassen. Die Übersetzungsleistung gehört zum Arzt sein einfach dazu. Wer sich nicht leisten will, hat den falschen Beruf. Dass manche Patienten eine fast schon zwanghaftes Misstrauen und Kontrollbedürfnis entwickeln, verlangt vom med. Personal sicher viel Kraft und Geduld – aber so ist das eben mit den “unerwünschten Therapiewirkungen”. Sie gehören dazu – für alle Beteiligten.
“Ob 5 mg mehr oder weniger Epirubicin gegeben werden ist, entschuldigen Sie, unrelevant für Sie.” Wenn dem so ist, hätte das Personal vor Ort das erklären müssen. Noch besser: Es sollte dem Patienten von vornherein erklärt werden, dass sein Gewicht eine Rolle spielt, dass es dabei aber nicht auf jedes Kilo ankommt …

Fazit: Es gibt nicht den perfekten Patienten und es gibt nicht den perfekten Arzt.
Beide Seiten sollten versuchen, sich ineinander hineinzuversetzen. Den Beitrag oben lese ich in diesem Zusammenhang als konstruktiven Vorschlag. Keinesfalls als Pauschalkritik an Onkologen. Und insoweit es tatsächlich Kritik ist: die muss Arzt aushalten, ohne zu “jammern”. “Jammern” ist das Grundrecht des Patienten, den schließlich ist er es, der den Schaden hat.

#12 |
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Gast
Gast

Weiter so! Ich bin zwar selber Ärztin (Psychiaterin), informiere mich aber genauso bei fachüberschreitenden Fragestellungen. Und empfehle es meinen eigenen Patienten. Man hat als Arzt eine Menge Wissen (und das hilft mir, etwas gezielter zu googlen :) ), aber Ziel ist es doch, dass der Patient sowas wie sein eigener Experte wird und mithelfen kann, die optimale individuelle Therapie durchzuführen. Therapieschemata sind ok – so lange man sie nicht als obligatorisch und allheilbringend ansieht, sondern als Hilfsmittel. Jeder Krebs ist anders (selbst bei gleichem Rezeptortatus), Weil der Mensch dahinter ein anderer ist. Auch keine Schizophrenie gleicht der anderen.

Und wenn ich nicht so hartnäckig wäre und verlangen würde, dass manches, was ich selbst recherchiert habe, umgesetzt wird, hätte z.B. mein kleiner Sohn immer noch keine adäquate Asthmatherapie. (Und die Journaleinträge über die “ängstliche Mutter” würde ich am liebsten löschen lassen, denn im Nachhinein hatte ich ganz einfach Recht!)

Ich wünsche Ihnen alles Gute und weiterhin guten Mut!

#11 |
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Gast
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Toller Bericht…. es bedarf genau solcher Patienten die Dinge einmal aus ihrer Betroffenen-Perspektive zu beleuchten… ein Miteinander gegen die Krankheit wird oft leichter wenn Offenheit auch vor allem der Patienten besteht… Wissen ist Macht,denn man erhält nur Antworten wenn man auch die richtigen Fragen stellen kann!

#10 |
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Gast
Gast

Man denke auch nur an die gepanschten Chemos in Bottrop. Tausende Einzelfälle drohen.

#9 |
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Annette Creson
Annette Creson

#1- Ich habe es genauso erlebt. Der Gynäkologe in meinem Fall, der ein Rezidiv nicht erkennt sondern für Narbenwachstum hält. Das Vertrauen, das danach schwerfällt. Und die massenweise Abfertigung in der Onkologie, in meinem Fall in einem Krankenhaus mit angeschlossener Onkologie. Die sogenannte “onkologische Gynäkologin” verfügte über erstaunlich wenig Fachwissen. Ich hab mitten in der Behandlung gewechselt zu einer onkologischen Praxis und fühlte mich wie im Himmel. Ärzte, auch der Chef, denen ich vertrauen konnte, die mich individuell behandelten. In der Fließbandonkologie im Krankenhaus waren Symptome abgefragt worden, nichts wurde unternommen dagegen. In der Praxis wurde mir bei jedem Symptom eine Lösung angeboten. Angeboten, nicht aufgedrängt! Und meine Entscheidungen bzgl. Nachkontrollen und Nachbehandlungen wurden respektiert, auch dann, wenn sie nicht der vorgegebenen Routine entsprachen.
Man bekommt bei Ihnen den Eindruck, dass informierte Patienten Ihnen Angst machen. Warum sonst würden Sie die Autorin herabsetzen mit Ihrer Aussage von den “2-3 Internetseiten”? Es gibt sicher Patienten, die sich Quark aus dem Internet ziehen, aber auch jede Menge, die sich einfach gut informieren. Vielleicht manchmal besser als der Arzt, der ja den ganzen Tag arbeitet und kaum Zeit findet, sich über die neuesten Erkenntnisse schlau zu machen.
Es geht um MEIN Leben und MEINEN Körper. Da gebe ich doch nicht die Verantwortung ab als ob ich mein Auto in die Werkstatt bringe (um bei Ihrem Vergleich zu bleiben):

#8 |
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Gast
Gast

Vieles kann man über die “Todesangst” schreiben, aber wenn man sie nicht selber erfahren muss/musste, nützt auch die bestgemeinteste Empathie der Ärzte nichts.
Bei mir wurde trotz halbjährlicher Kontrolle mit Fotodokumentation ein Melanom übersehen. Meiner Frau war es seit ein paar Monaten aufgefallen und ich hatte den Arzt immer wieder darauf hingewiesen. Da das aber seine Kompetenz in Frage stellte, wurde der Hinweis immer wieder abgewiegelt. Nachdem mir meine Frau mit Scheidung gedroht hatte, hatte ich auf ein Herausschneiden bestanden.
3 Tage später Anruf vom Dermatologen. 2 weitere Tage später Uni-Klinik, volles Programm. Seitdem ist nichts mehr wie es mal war, vor allem das Vertauen in “Vorsorge”. Ach ja, ich hatte diese tolle Vorsorge trotz Krankenversicherung immer privat bezahlt, vor allem die tollen Bildchen.

#7 |
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Gast
Gast

Ich dachte, dass ich meine Geschichte lese! Die Situation eines Krebspatienten wurde sehr gut beschrieben!

#6 |
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Gast
Gast

“Herzlichen Glückwunsch, es ist alles gut”! Das sagte auch mein Arzt nach der Mammographie und ignorierte damit meine bereits der Kollegin gegenüber gemachte Aussage, dass ich einen Knoten in der Brust ertastet habe. Für einen Moment dachte ich, super, raus hier. Ein Glück, dass ich nachgefragt habe! Leider habe auch ich in einem sehr langen Jahr viele weitere negative Erfahrungen während der Therapie machen müssen, die vermeidbar gewesen wären.

#5 |
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Steffen Fachinger
Steffen Fachinger

Nachdem mein Vater an Blasenkrebs starb und meine Mutter Darmkrebs hatte und ich beruflich u.a. mit Pflanzenextrakten zu tun habe (z.B. Curcumin) hatte ich 2010 beschlossen mich mit Krebs, möglichen Auslösern (z.B. Aluverbindungen oder Phosphate etc) sowie möglichen Heil-bzw. Linderungsmöglichkeiten zu beschäftigen. Wie Katharina sagt – Wissen ist verfügbar – muss aber selektiert werden. Oxidation, bzw. Entzündungen sind sehr entscheidend bei Krebs – zu behandeln meist in Kombination von Schul- und Komplementärmedizin.
Manchmal vermisse ich das Verständnis für Naturextrakte bei Ärzten – leider liegt das in der Natur des Studiums der Medizin und – auch wenn es manche nicht hören wollen – an der Gewinnsucht von Pharmafirmen. Pflanzen sind nicht gewinnbringend patentierbar und somit wird leider zu wenig in die Richtung geforscht – Universitäten werden gesponsert von Pharmaunternehmen, aber nicht bei Pflanzenforschung. Ein Arzt in der Charité in Berlin hat mir mal diese Zusammenhänge erklärt – schade.
Derzeit ist der Blog von Katharina Erkelenz in meinen Augen der beste im deutschsprachigen Raum. Up-to-Date und vor allem verständlich.
Großes Lob.

#4 |
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Franzi
Franzi

Vielen Dank für deine recht ausführliche Einschätzung . Und ich kann dir nur recht geben . Meine Klinik hat zum Beispiel keine Breastcare Nurse. Mein Onkologe mag allerdings meine Art, wie ich alles hinterfrage, das hat es leichter gemacht. Trotzdem hatte ich immer wieder das Problem, dass ich in der Bringschuld für Fragen war, die ungefragten Antworten waren für mich einfach zu wenig. Und wer in der Situation noch einen klaren Kopf hat, den kann ich einfach nur bewundern…
Ich empfinde es übrigens absolut nicht als Angriff auf alle Onkologen, sondern als sanfter Hinweis, wo man mit ein wenig Gefühl Patienten beruhigen kann.
Liebe Grüße und eine schöne Vorweihnachtszeit!

#3 |
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Betroffener
Betroffener

#1: Ich denke nicht, dass es sich um eine pauschale Onkologen-Verurteilung geht. Vielmehr wirbt die Autorin für einen empathischen menschlichen Umgang, der in deutschen Arztpraxen und Kliniken oft zu kurz kommt. Ich bin auch nicht der Meinung, dass ein in Frage stellen der Therapie dem Arzt-Patienten-Verhältnis schadet. Meine Erfahrung (CLL) und die meiner Frau (Brustkrebs) ist eher die, dass sich eine signifikant hohe Zahl von Ärzten reflexartig auf den Schlips getreten fühlt, wenn ein Patient es wagt, Nachfragen zu stellen. Spätestens nachdem man mir in einer onkologischen Praxis z.B. versehentlich 5000 mg statt 1000 mg Eisen ohne klare Indikation verabreicht hat (und ich noch heute an den dadurch verursachten Organschäden leide), will ich auch jedes Medikament persönlich sehen, welches mir infundiert wird. Die plumpe und empathiebefreite Art, wie wir beide unsere Krebsdiagnose erhielten, möchte ich hier gar nicht erst thematisieren. Nur so viel, dass die “6 Jahre Studium, 5-7 Jahre Spezialisierung und lange Erfahrung” zwar einen Arzt zum Experten für Krankheiten qualifizieren mögen, nur in Ausnahmefällen allerdings zum Experten für die Seele der Betroffenen. Da ist jede billige Internetseite oft empathischer als so mancher Facharzt. Den Vorwurf der “Arroganz” kann man im Prinzip daher nur zurück geben. Dass wir uns alle (leider) im Hamsterrad der Kosten drehen, rechtfertigt nicht, dem ohnehin schon psychisch gebeutelten Krebspatienten die Kompetenz für sein eigenes (Über-)Leben abzusprechen.

#2 |
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Gast
Gast

Brustkrebs und Todesangst Angst zu haben, ist schlimm. Leider liest sich dieser “Blog” für mich, wie eine pauschale Verurteilung aller onkologischen Ärzte! Der Großteil weiß sehr genau, was er tut, ist auf dem aktuellen Stand und kann auf einen breiten Erfahrungsschatz blicken. Sie sind nicht die einzige Patientin. Ob 5 mg mehr oder weniger Epirubicin gegeben werden ist, entschuldigen Sie, unrelevant für Sie und für die Erkrankung. Und es ist bei weitem nicht so, dass nur der “Prof. Dr.”, als “Super-Experte”, für eine gute Behandlung qualifiziert. Manchmal ist die eigentliche Behandlung sogar schlechter. Es ist wichtig sich für seine eigene Erkrankung zu interessieren. Eine Diskussion auf “Augenhöhe” ist 100-prozentig wünschenswert. Leider kann man 6 Jahre Studium, 5-7 Jahre Spezialisierung und die lange Erfahrung nicht in 20 Minuten Gespräch verpacken und vermitteln. Das ist hoch unrealistisch. Leider wird diese unrealistische Utopie von unserer Politik noch befördert. Eine gesunde Skepsis und 2-3 Nachfragen sind sicher gut und stützen das Arzt-Patienten-Verhältnis. Aber das ständige in Frage stellen der Entscheidungen, weil man 2-3 Internetseiten verfolgt hat, ist einfach nur arrogant und schadet letztlich einer vertrauensvollen Zusammenarbeit. Natürlich kann jeder an die nächste Uniklinik fahren. Nur ist das sinnvoll? Ein nicht-metastasiertes HR-positives und HER2/neu positives Mamma-Karzinom zu behandeln ist wie Auto fahren. Es gibt einen Standard. Der kann minimal verändert werden. Ab und zu mal am Stoppschild anhalten.Wenn es Zweispurig wird für ein Spur entscheiden. Und das war es. 1 von 1000senden von Patientinnen. Wenn alle in die Uni fahren mit ihren Schmerzen am Großzehennagel, bricht das System zusammen. Sie sehen jedesmal einen anderen Arzt, der Sie nicht kennt und die Bedingungen sind eher schlechter.

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