Cortison-Ersatz: Der gelbe Engel

17. November 2016
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Entzündungen werden häufig mit Cortison behandelt. Es unterstützt das Protein Gilz, das wiederum Entzündungsprozesse unterbindet. Nun konnte nachgewiesen werden, dass Kurkumin eine ähnliche Wirkung hat. Im Gegensatz zu Cortison beeinflusst es die Zellprozesse aber nicht.

Kurkuma ist Hauptbestandteil in jedem Currypulver. Schon lange werden dieser Gewürzmischung heilende Kräfte nachgesagt. Insbesondere für den Kurkuma-Inhaltsstoff Kurkumin, der für die typisch gelbe Curry-Farbe verantwortlich ist, belegen verschiedene Studien eine heilende Wirkung.

„Wir konnten nachweisen, dass Kurkumin nicht nur unspezifisch wirkt, sondern ganz gezielt eine anti-entzündliche Wirkung entfaltet. Anhand von Versuchsreihen an Zellmodellen können wir belegen, dass das Gewürz, genau wie Cortison, gezielt das Protein Gilz beeinflusst. Gilz steht für Glucocorticoid-induzierter Leuzin Zipper“, erklärt Alexandra K. Kiemer, Professorin für Pharmazeutische Biologie an der Universität des Saarlandes.

Gilz geht, die Entzündung kommt

Gilz spielt für das Immunsystem des Menschen und insbesondere auch bei Entzündungsprozessen eine zentrale Rolle. Das Protein unterbindet normalerweise Entzündungsreaktionen. „Kommt es im Körper zu einer Entzündung, verschwindet dieses Protein jedoch“, erläutert Kiemer. Gilz geht, die Entzündung kommt.

„Bei einer Entzündung bauen die Immunzellen das Molekül ab“, erklärt Dr. Jessica Hoppstädter, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Professor Kiemer und Erstautorin der aktuellen Studie. Cortison-Präparate wirken unter anderem dadurch, dass sie das Protein Gilz induzieren. Sie führen jedoch in vieler Hinsicht zu Veränderungen in der Zelle und haben nicht unerhebliche Nebenwirkungen.

Die Saarbrücker Forscher konnten belegen, dass Kurkumin eine ähnliche Wirkung wie Cortison hervorruft, jedoch ohne Zellprozesse zu beeinflussen, die typischerweise mit den Nebenwirkungen von Cortison verbunden sind. „Kurkumin führt ebenfalls dazu, dass speziell Gilz induziert wird, jedoch mit einem ganz anderen Mechanismus als Cortison“, fasst Hoppstädter zusammen.

Basis für künftige Medikamente

In Zellkulturen brachten die Pharmazeuten hierzu Kurkumin zusammen mit einem Stimulus unter anderem auf Zellen auf, in denen das Protein Gilz genetisch ausgeschaltet war. Ohne Gilz verschwand die entzündungshemmende Wirkung von Kurkumin fast vollständig.

Das Forschungsergebnis bedeutet jedoch nicht, dass einfaches Currypulver Entzündungen heilen kann. „Solche Konzentrationen an Kurkumin kann man durch Verzehr nicht erreichen“, klärt Hoppstädter auf. Hinzu kommt, dass Kurkumin schlecht wasserlöslich ist und daher schlecht vom Körper aufgenommen wird.

„Es handelt sich hier um Grundlagenforschung, aber diese könnte die Basis dafür sein, künftig Medikamente zu entwickeln, die keine oder weniger Nebenwirkungen als Cortison haben“, erklärt Professor Kiemer. Dieses Ergebnis könnte in Zukunft dazu beitragen, neue nebenwirkungsarme Medikamente gegen Krankheiten wie Morbus Crohn zu entwickeln.

Originalpublikation:

Induction of Glucocorticoid-induced Leucine Zipper (GILZ) Contributes to Anti-inflammatory Effects of the Natural Product Curcumin in Macrophages
Jessica Hoppstädter et al.; Journal of Biological Chemistry, doi: 10.1074/jbc.M116.733253; 2016

44 Wertungen (4.55 ø)

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13 Kommentare:

Gast
Gast

Curcumin-Loges ist glaube ich so aufbereitet dass es lipophil und gut verwertbar ist. Es gibt also ein entsprechendes Fertigarzneimittel. Übrigens Herr Becker: Lesen Sie noch einmal in den gängigen Lehrwerken für Phytomedizin nach, da finden Sie auch eine vergleichsweise gute Studienlage.

#13 |
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Clara B
Clara B

Einige Effekte konnten in mehr als 2000 im PubMed veröffentlichten Studien nachgewiesen werden . Beim Institut für Rechtsmedizin der Uni Freiburg gibt es eine deutsche Zusammenfassung unter „Publikationen“ .
https://www.uniklinik-freiburg.de/rechtsmedizin/forschung/phytomedizin.html
Falls überhaupt jemals ein Curcuminpräparat auf den deutschen Markt kommen soll, müssen vorher wohl noch ein paar Moleküle verdreht werden.
Das Problem mit der Wasserlöslichkeit wurde vom Ayurveda bereits vor Jahrhunderten in der Küche gelöst- leider nicht patentierbar.
Bisher hatte ich gedacht, Curcuma sei eher Mitochondrienfutter, es kann mir aber wohl nicht schaden, zusätzlich etwas D- Ribose in die goldene Milch zu tun.

#12 |
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Christian Becker
Christian Becker

@Gast 9
Kurkuma ist keine Therapie, sondern erstmal eine Pflanze.
Inhaltsstoffe dieser Pflanze haben positive Effekt auf entzündliche Prozesse.
Eine evidente (evidenzbasierte?) Therapie wird draus, wenn nicht nur an Zellen, sondern in Anwendungsstudien ein klinischer Effekt bei Behandlung mit Kurkuma jenseits von Placebo festgestellt werden kann.
Leider gibt es häufig schöne in-vitro-Effekte (bei Phytopharmaka ebenso wie bei synthetischen), die dann aber klinisch irrelevant sind.

Es ist zumindest aber mal ein Ansatz vorhanden, dass aus Kurkuma(-extrakten etc.) ein Therapeutikum gewonnen werden kann.

#11 |
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Gast
Gast

Wiedermal eine Ur-alt-Meldung mit Zukunftsaussichten im Konjunktiv.

#10 |
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Gast
Gast

Also ist Kurkuma eine evidente phytopharmazeutische Therapie?

#9 |
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Gast
Gast

Dr.Fritzsche: Bitte beschreiben Sie die postulierte hepatotoxische Wirkung näher, in allen gängigen Lehrwerken für Phytomedizin wird nur eine hepatoprotektive Wirkung beschrieben. Vielleicht sollte man sich erst belesen und dann kommentieren bevor man falsche Informationen verbreitet?

#8 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

zu Clara B.
ich kenne keine Fibromyalgie bei der nicht Entzündungsprozeße( meist aus dem Zahnbereich) vorliegen , begleitet von Schwermetallintoxikationen ( DIMAVAL) ,einer Mitochondriopathie u. Hormonproblemen

#7 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

danke,Frau Hoppstädter,
natürlich freue ich mich über die Bereicherung.
Meine Überlegung war ( Frage an Sie ) , ob über Transkriptionsfaktoren wie CREB eine direkte Einflußnahme erfolgt im Zusammenhang mit der ATP- Produktion in den Mitochondrien o. nur indirekt über die Bereitstellung v. ATP

#6 |
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Dr. med. Gunter Gronauer
Dr. med. Gunter Gronauer

hat also der Starkoch A.Schubeck recht, daß er immer Kurkuma zum Kochen empfiehlt

#5 |
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Dr. med. Danny Fritzsche
Dr. med. Danny Fritzsche

….aber CAVE: Hepatotoxizität …

#4 |
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Clara B.
Clara B.

Danke Frau Hoppstädter!
Jetzt kann ich noch besser verstehen, warum Curcuma bei mir und einigen anderen in unserer Fibromyalgieselbsthilfegruppe positive Effekte v.a. auf
Energie und Stimmung hat, wenn auch in der Mainstreammedizin
noch das Dogma herrscht, FM sei eine chronische nicht-entzündliche
Erkrankung unbekannter Ursache.

#3 |
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JH
JH

Guten Tag Herr Dr. Stute,
Es ging uns ja nicht darum, ob Curcumin anti-entzündlich wirkt – da stimme ich Ihnen zu, das ist schon sehr lange bekannt. Vielmehr haben wir einen neuen Wirkmechanismus beschrieben, nämlich die Induktion von GILZ. Dieser Mechanismus trägt wesentlich zur anti-entzündlichen Wirkung bei, ist aber nicht allein verantwortlich – das wurde z.B. an GILZ Knockout Makrophagen gezeigt, in denen die Curcumin-Wirkung verringert, aber nicht aufgehoben war.
Da GILZ nicht unbedingt Gegenstand der Mainstreamforschung ist, war GILZ-Induktion als Wirkprinzip von Curcumin bisher unbekannt.
Viele Grüße
Jessica Hoppstädter

#2 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

die Verwendung u. Wirkung von Curcumin ist doch nichts wirklich Neues. Aggarwal ,Uni Texas hat es bereits vor Jahren umfassend
beschrieben u. seine Bedeutung bei inflammatorischen Prozeßen .Heinrich Kremer bei Tumorvorgängen .diabetische Folgen.usw.Selber habe ich vor Jahre die mittlere Wellenlänge bestimmen lassen , um die Verwendung bei photobiologischen Vorgängen zu ermitteln ( Phoptodynamische Therapie ).
Auch ist C. ein wichtiges Polyphenol , um die Zellkommunikation zu verbessern , bs. die Abläufe in der Atmungskette der Mitochondrien ; insbes. den Übergang Komplex III /IV , der im Tumorgeschehen bs. wichtig ist .

aber schön das die Mainstreamforschung nachlegt .

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