Kranke Hörnchen: Lepra bei Nagern entdeckt

23. November 2016
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In Großbritannien wurden rote Eichhörnchen entdeckt, die Lepra-Erreger in sich trugen. Mittels Untersuchungen der DNA fanden Forscher heraus, dass die Tiere sich mit Lepra-Bakterien infiziert hatten, die im Mittelalter auch unter Menschen in England und Dänemark grassierten.

Lange ging man davon aus, dass Lepra nur den Menschen betrifft. Trotzdem wurden die Erreger vor einigen Jahren bei Gürteltieren in Amerika nachgewiesen. Jetzt fanden Forscher der University of Edinburgh und der ETH Lausanne heraus, dass auch viele rote Eichhörnchen auf den Britischen Inseln an Lepra erkrankt sind.

In diesem Kontext war bisher immer die Rede von Mycobacterium leprae. Im Jahr 2008 wurde neben M. leprae ein weiterer Krankheitserreger bei zwei an der Krankheit verstorbenen Menschen identifiziert: Mycobacterium lepromatosis. Beide Bakterien wurden nun auch bei roten Eichhörnchen in Großbitannien festgestellt.

Inselkrankheit: Lepra bei Eichhörnchen

Über zehn Jahre lang untersuchten die Experten insgesamt 110 tote rote Eichhörnchen auf den Britischen Inseln, davon beobachteten sie an 13 Tieren die für Lepra typischen Symptome wie Hautläsionen, Schwellungen und kahle Stellen im Fell. Im Zuge einer DNA-Untersuchung konnten bei 34 Kadavern Leprabakterien festgestellt werden.

Leprae vs. Lepramatosis

Das Spannende: Auf der Brownsea Island waren alle 25 leprakranken Tiere mit Mycobacterium leprae infiziert. Sämtliche Kadaver aus anderen Gebieten in England, Irland und Schottland wiesen ausschließlich M. lepramatosis auf. Es ist noch unklar, wie sich die Tiere mit M. lepromatosis oder M. leprae anstecken konnten. Bei der Population der roten Eichhörnchen ist ein Rückgang beobachtbar, ob der mit den identifizierten Lepra-Infektionen in Zusammenhang steht, ist aber ungewiss.

Phylogenetische Vergleiche des M. lepromotosis, der in den Eichhörnchen gefunden wurde, mit zwei Bakterienstämmen von leprakranken Menschen aus Mexiko zeigten, dass es einen gemeinsamen Vorfahren vor 27.000 Jahren gegeben haben muss.

Bei Untersuchungen des Erbguts der mit M. leprae infizierten Eichhörnchen hingegen kamen die Wissenschaftler zu einem anderen Ergebnis: Der Bakterienstamm ist bis ins Mittelalter zurückzuführen. Der in zwei Menschenleichen (aus dem Mittelalter) gefundene M. leprae ist jenen der Nagetiere von Brownsea Island sehr ähnlich. Die Annahme der Forscher ist, dass sich diese zwei Bakterien vor ca. 1.500 Jahren auseinanderentwickelt haben.

Lepra: Leider ein Überlebenskünstler

M. leprae bei Nagetieren in England war für die Forscher ein unerwarteter Fund, denn Lepra war auf den British Isles bereits vor Jahrzehnten längst ausgerottet. Dass man die Bakterine nun in Eichhörnchen fand, zeigt, dass ein Pathogen lange in der Umgebung weiterbestehen kann, nachdem es aus dem menschlichen Reservoir entfernt wurde. Unklar ist, ob sich Mensch und Tier im Mittelalter gegenseitig mit der Krankheit infiziert haben. Durch die Ähnlichkeit der analysierten Bakterien, ist davon allerdings auszugehen.

Originalpublikation:

Red squirrels in the British Isles are infected with leprosy bacilli

Charlotte Avanzi; Science, doi: 10.1126/science.aah3783; 2016

17 Wertungen (4.71 ø)

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2 Kommentare:

Mitarbeiter von DocCheck

Lieber Thomas,
das klingt spannend, schick uns das Foto gerne an feedback_news@doccheck.com! :)

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Thomas Oberle
Thomas Oberle

Bei einem Aufenthalt im September dieses Jahres in Washington, USA fiel mir ein rotes Eichhörnchen vor dem Museum of American Indians auf, welches an einem Spare rib-Knochen knabberte. Ich fotografierte den putzigen Fleischfresser. Beim späteren Betrachten der Fotos bemerkte ich am rechten Oberschenkel des Tieres eine kahle Stelle und eine deutliche Schwellung.
Jetzt frage ich mich, ob u. U. auch in den USA Lepra-tragende Eichhörnchen existieren?
Bei Interesse kann ich gerne die Bilder als .jpg-Dateien zur Verfügung stellen.

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