Candida auris: Wiedersehen ohne Freude

16. November 2016
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Für die medizinische Fachwelt ist Candida auris längst kein Unbekannter. Vor sieben Jahren erstmals in Asien nachgewiesen, lehrt der gegen sämtliche Arzneimittel resistente Hefepilz seitdem Kliniken das Fürchten. Jetzt ist er auch in den USA angekommen.

Candida auris ist ein Pilz, der häufig in Krankenhäusern auftritt und sich in offenen Wunden, im Blut und in Ecken und Ritzen des Ohrs ausbreitet. Problematisch dabei ist: C. auris kann sich allen Medikamenten, die man für gewöhnlich zur Bekämpfung von Pilzen verwendet, widersetzen.

Auris und die Ausnahme

Nachgewiesen wurde C. auris erstmals im Jahr 2009 im Ohr eines japanischen Patienten, der an einer Infektion erkrankt war. Der Pilz gehört zur Gruppe der Candida. Normalerweise breitet sich diese Art von Fungus im Darm von kranken Menschen mit geschädigtem Immunsystem aus. Es bildet sich eine Kolonie, die sich dann weiter entwickelt und das geschwächte Immunsystem angreift.

Auris verhält sich anders. Der Pilz verbreitet sich häufig in Krankenhäusern und springt dort von Patient zu Patient. Laut einem Bericht der US-Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) führten zwei Ausbrüche in Krankenhäusern dazu, dass sich mehr als 60 Patienten infizierten. Seit Juni dieses Jahres wurde der Pilz außerhalb Japans bereits in acht anderen Ländern registriert.

Ein Hefepilz und vier Todesfälle

Hinzu kommt, dass man den Fungus kaum von den ungefährlichen Candida-Arten unterscheiden kann. Laut einer Studie aus dem Vorjahr erfolgen weder Diagnose noch Behandlung von C. auris schnell genug, das macht eine Infektion mit dem Fungus so gefährlich.

Dreizehn Fälle wurden bisher gemeldet. Die sieben vom CDC untersuchten wurden zwischen Mai 2013 und August 2016 entdeckt. Davon wiesen 71 Prozent eine Resistenz auf. „Alle Patienten befanden sich in einem kritischen Zustand und waren durchschnittlich länger als 18 Tage stationär aufgenommen, als bei ihnen Candida Auris diagnostiziert wurde,“ heißt es im CDC-Bericht. „Vier infizierte Patienten starben; es ist unklar, ob die Tode mit der Infektion an C. auris zusammenhängen oder ob es an anderen gesundheitlichen Beschwerden lag.“

Prävention wichtiger denn je

Die tatsächliche Infektionsrate ist wahrscheinlich viel höher als die offiziell registrierte, vermuten die Forscher. Deshalb betonen die Experten, wie wichtig es sei, eine Lösung für das immer größer werdende Problem der resistenten Erreger in Krankenhäusern zu finden. Ärzte werden dazu angehalten, strikte antimykotische Protokolle zu führen.

Eine Ausbreitung der Pilzkrankheit in Deutschland sei derzeit nicht zu befürchten, so die Einschätzung des Nationalen Referenzzentrums für Invasive Pilzinfektionen in Jena. Nach wie vor stellen Infektionen durch C. auris hierzulande eine Rarität dar, hieß es weiter.

Originalpublikation:

Draft genome of a commonly misdiagnosed multidrug resistant pathogen Candida auris
Sharanya Chatterjee et al.; BMC Genomics, doi: 10.1186/s12864-015-1863-z; 2016

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1 Kommentar:

B.A Cathrin Zajber
B.A Cathrin Zajber

Und das Infektionen mit C. auris in Deutschland eine Rarität bleiben weiß das Nationale Referenzzentrum woher genau, wenn “Goldie” nicht von normalen Candidasen zu unterscheiden ist?

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