Pränataldiagnostik: Alle Macht dem Abstrich

11. November 2016
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Forscher zeigen jetzt, wie sich aus normalen Zervix-Abstrichen fetale Zellen isolieren lassen. Darin finden sie Hinweise auf Erbkrankheiten oder Schwangerschaftsrisiken. Welchen Mehrwert ihr Verfahren für die Praxis hat, ist offen.

Schon zu frühen Schwangerschaftsphasen lösen sich fetale Zellen von der Plazenta ab. Diese Erkenntnis hatte bislang wenig praktischen Nutzen. In Zervix-Abstrichen störte die hohe Zahl mütterlicher Schleimhautzellen. Nur eine von 2.000 Zellen ist ein sogenannter Trophoblast und kommt vom Feten. Zwei Veröffentlichungen zeigen jetzt, welches diagnostische Potenzial in normalen Abstrichen stecken könnte.

Der Magnet macht’s

Sascha Drewlo aus Detroit hat zusammen mit Kollegen ein Verfahren entwickelt, um Trophoblasten zu isolieren. Die Zellen tragen auf ihrer Oberfläche das Humane Leukozyten-Antigen G (HLA-G) als Marker. Beschichtete Drewlo magnetische Nanopartikel mit einem Antikörper gegen HLA-G, konnte er fetale Zellen abtrennen. Der Forscher nennt sein Verfahren trophoblast retrieval and isolation from the cervix (TRIC).

In einer Studie untersuchte er Abstriche von 20 Frauen mit seiner neuen Methodik. Sie waren in der 5. bis 19. Gestationswoche. Nach der Trophoblasten-Präparation folgten Sequenzierungen. Dabei stammten 85 bis 99,9 Prozent aller Gene vom Feten selbst. Mit etwas verbesserter Methodik könnte ein Pap-Abstrich zur Pränataldiagnostik ausreichen, schreiben die Autoren. Ergebnisse lägen schon in der fünften Gestationswoche vor, sprich deutlich früher als bei der Chorionzottenbiopsie oder bei der Amniozentese – und ohne jedes Risiko für Mutter oder Kind. Ob TRIC marktübliche Bluttests auf Trisomien ersetzen kann, ist aber fraglich.

Verräterische Proteine

Deshalb bringt Sascha Drewlo noch einen weiteren Aspekt in das Gespräch. Isolierte er Zellen per TRIC, konnten Forscher außerdem Proteine im Zytoplasma analysieren. Sie spiegeln die Genexpression wider. Ziel sei, Risiken wie eine Präeklampsie oder intrauterine Wachstumsstörungen früh zu erkennen, schreibt der Wissenschaftler. Weitere Studien müssen jetzt zeigen, welche Informationen sich aus Trophoblasten tatsächlich ableiten lassen.

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