Keratoconjunctivitis: Bitte nicht im Auge behalten

15. November 2016
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In Nordrhein-Westfalen häufen sich Fälle der hoch ansteckenden „Augengrippe“ Keratoconjunctivitis epidemica. Wie lässt sich das Infektionsrisiko am besten verringern? Und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Juckreiz, gerötete Augen und unangenehme Schmerzen – mit diesen Symptomen suchen Patienten aus NRW derzeit Ärzte auf. Das Gesundheitsamt Bonn sprach Anfang November von mehr als 100 Fällen. Dem Robert Koch-Institut wurden bis Kalenderwoche 39 bundesweit 460 Infektionen gemeldet. Auslöser sind Adenoviren vom Typ 8, 19 und 37 aus der humanen Adenovirus-Spezies D. Sie sind außerhalb des menschlichen Körpers vergleichsweise stabil und langanhaltend infektiös.

Hygiene hilft

Als wichtigsten Übertragungsweg haben Virologen Schmierinfektionen identifiziert. Hier spielen nicht nur Kontaktflächen eine Rolle. Selbst auf Handtüchern, die im Schwimmbad auf dem Boden lagen, gelangen Adenoviren in unseren Körper. Sie machen sich eine typisch menschliche Unart zunutze. Pro Tag reiben wir etliche Male unsere Augen. Zu den Hygienemaßnamen gehört also nicht nur die übliche Reinigung und Desinfektion der Hände. Vielmehr sollte man versuchen, die Augen nicht zu berühren.

Es brennt und juckt

Gelangen dennoch Viren in unsere Augen, treten acht bis neun Tage später charakteristische Symptome auf. Die Krankheit beginnt einseitig. Wenige Tage später wird auch das andere Auge in Mitleidenschaft gezogen. Neben typischen Symptomen wie Tränenfluss, Fremdkörpergefühl, Schwellungen oder Rötung der Bindehaut vergrößern sich benachbarte Lymphknoten.

Antivirale Medikamente bringen bei einer Keratoconjunctivitis epidemica wenig. Augenärzte empfehlen ein sehr altes Präparat, nämlich 1,25-prozentige Jod-Augentropfen in Polyvinylpyrrolidon. Die Herstellungsvorschrift ist im DAC/NRF (NRF 15.13, „Povidon-Iod zur Anwendung am Auge“) zu finden. Ziel ist nicht nur, die Ansteckung des zweiten Auges zu verhindern. Durch eine konsequente Behandlung gelingt es auch, zu verhindern, dass sich Viren weiter ausbreiten.

Bleiben Hornhauttrübungen, sogenannte Nummuli, bestehen, greifen Augenärzte mit Erfolg zum Excimerlaser. Ob immunsuppressive Pharmaka wie Steroide oder Cyclosporin nach der akuten Erkrankungsphase sinnvoll sind, wird gerade untersucht.

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Pharmakologie, Pharmazie

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6 Kommentare:

Stefan Griessinger
Stefan Griessinger

Dtsch Arztebl Int 2011; 108(27): 475-80; DOI: 10.3238/arztebl.2011.0475:

[…]Dagegen zeigte eine nicht-kausale Therapie mit dem antimikrobiellen Povidon-Iod in vitro eine hohe Effektivität in der Elimierung von Adenoviren (e7) und auch im Tiermodell konnte ein Gemisch aus Povidon-Iod und Dexamethason die Viruskonzentration deutlich verringern und die Symptome bessern (e8). Dies konnte in einer kleinen klinischen Studie bestätigt werden (20). Es zeigte sich bei guter Verträglichkeit eine geringe Reduktion der Krankheitsdauer sowie eine etwas reduzierte Nummulihäufigkeit bei lokaler Applikation von Povidon-Iod in Tropfen- oder Gelform (20), so dass Povidon-Iod trotz des Fehlens kontrollierter Studien eine mögliche jedoch unspezifische Therapiealternative darstellt (e9).

[…]Desinfizierendes Povidon-Iod beziehungsweise möglicherweise Ganciclovir zur Reduktion der Viruslast bieten unzureichende Therapieoptionen.

Quelle: http://www.aerzteblatt.de/archiv/96294

#6 |
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Mitarbeiter von DocCheck

Liebe Leser und vor allem, liebe Augenärzte! Vielen Dank für Ihre Kommentare. Die Quelle unserer Informationen ist das DAC/NRF: http://dacnrf.pharmazeutische-zeitung.de/ (nicht frei zugänglich; kostenpflichtig). Wir sind aber dankbar über weitere Ratschläge und Ihre Erfahrungen zu möglichen Therapien. Wir freuen uns, wenn Sie diese hier posten oder die Infos sonst auch gerne an die Redaktion schicken, wir ergänzen es dann im Artikel. Mails bitte an: feedback_news@doccheck.com Viele Grüße aus der DocCheck News Redaktion

#5 |
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Gast
Gast

Leider nicht sehr korrekt recherchiert.
Jod am Auge – bin seit 30 Jahren als Augenärztin
tätig- ich glaube da gib es keinen einzigen Augenarzt,
der es tatsächlich verordnet.
Und das Laser der Hornhaut- Numuli ist sicher das allerletzte
Mittel!!!
Die Therapie ist in der Tat jedoch schwierig.
Über den Nutzen der cortison/Antibiotika haltigen
Augentropfen wird viel gestritten, ein therapeutischer Nihilismus bringt aber
auch nicht den Erfolg.
Auf jeden Fall gehört die Behandlung der Epidemica
In die Hand des AugenArztes.

#4 |
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Die Symptome sind ja wirklich sehr typisch :-(

#3 |
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Weitere medizinische Berufe

Bin auch nicht begeistert – vor allem gibt es viele Jod-empfindliche Menschen, die nicht gut darauf reagieren sondern Allergien dagegen haben!

#2 |
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Dorothee Jost
Dorothee Jost

Schlechter recherchierter Artikel- sie hätten vorher besser mal mit einem Augenarzt gesprochen.ich kenne keinen Kollegen der in dieser Situation mit Jod heute noch therapiert. Excimerlaser ist nach verschiedenen anderen Therapiemöglichkeiten das letzte Mittel der Wahl. Nicht persönlich sondern wirklich Recherche bedingt nicht gut

#1 |
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