Strophanthin: Gut oder alter Hut?

21. Januar 2011
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Bei Patienten mit Herzleiden war das aus dem Schlingstrauch Strophanthus gewonnene Strophanthin jahrzehntelang das Mittel der Wahl. In den letzten 30 Jahren verschwand die Substanz fast vollständig aus dem Anwendungsrepertoire der Kliniken. Zu Recht?

Die Wirksamkeit von Strophanthin ist unbestritten. Auch klassische Schulmediziner wie Professor Erland Erdmann, Gründer des Herzzentrums der Universität zu Köln, hegen daran keine Zweifel. „Die Substanz wirkt auf die so genannte Natriumpumpe in den Zellen, dadurch reichert sich die Natriumkonzentration an. Das führt zu einer stärkeren Kontraktion der Herzmuskulatur und verlangsamt den Puls. Das ist gut nachgewiesen, das steht in allen Lehrbüchern.“ Darauf verweist auch der Wissenschaftsjournalist Volkmar Schwabe. In einem Beitrag für „Comed“, einer Fachzeitschrift für Komplementär-Medizin, zitiert er unter anderem aus dem 1975 erschienenen Standardwerk „Rationelle Therapie in der Inneren Medizin“. Demnach sei bei „akut auftretender Herzinsuffizenz Strophanthin als Mittel der Wahl einzusetzen“.

“Ein gutes Medikament”

Schwabe beruft sich in seinem Beitrag in weiten Teilen auf Rolf-Jürgen Petry, Verfasser des Grundlagendwerks „Strophanthin, die Fehlbeurteilung eines außergewöhnlichen Medikaments“. Nach ausführlichen Recherchen und Gesprächen mit Komplementär-Medizinern wie dem Münchner Heilpraktiker Franz X. Kohl kommt er zu dem Schluss: „Spätestens ab dem Lebensalter 50 sollte die orale g-Strophanthin-Gabe D 4 zur Prophylaxe und zum Notfalleinsatz gehören.“ Erland Erdmann widerspricht dieser Darstellung nicht grundsätzlich. Sein Zugang zu der umstrittenen Substanz ist pragmatisch. „Strophanthin“, sagt er, „ist ein gutes Medikament.“ In den 70er Jahren forschte er intensiv an Herzglykosiden. Er untersuchte mehr als 50 ähnliche Substanzen auf ihre Tauglichkeit für die Therapie bei Herz-Kreislauferkrankungen. Digitalis-Präparate wie Digoxin und Digitoxin und Strophanthin seien in ihrer Wirksamkeit kaum voneinander zu unterscheiden. Seine Erkenntnis: „Die Wirkung ist bei allen vergleichbar. Die Unterschiede liegen in den Details.“

Ein solches Detail ist die unterschiedliche Resorption bei oraler Einnahme. Sie liegt laut Erdmann bei Digitoxin bei rund 90 Prozent, bei Strophanthin hingegen nur bei fünf Prozent. „Das ist ein Problem“, sagt Erdmann. „Ist man vorsichtig und gibt wenig, hat man möglicherweise keine Wirkung. Gibt man viel, besteht die Gefahr der Intoxikation.“ Strophanthin sei also nur mit der Spritze vernünftig dosierbar. „Digoxin kann man in Tabletten geben. Das ist einfach praktikabler.“

Intravenös oder oral

Für Schwabe ist das ein unzureichendes Argument. Er verweist auf ein Standard-Lehrbuch für Innere Medizin. Intravenös verabreicht, so heißt es dort, wirke Strophanthin schneller als Digitoxin und Digoxin: „Es eignet sich daher besonders zur Behandlung der schweren, akuten Links- und Rechtsinsuffizienz.“

Nicht nur die intravenöse, auch die orale Gabe von Strophanthin bzw. g-Strophanthin sei sinnvoll, so Schwabe weiter, um schweren Herzerkrankungen schon im Ansatz vorzubeugen. Er selbst nehme es täglich. „Das schrittweise Aus einer offensichtlich lebensrettenden natürlichen Substanz“ ist für ihn schlicht: „Ein Skandal.“ Erdmann sieht das entspannter. Seine Meinung: „Die heutigen Präparate sind besser. Wer will, kann zu Strophanthin zurückgehen. Aber das ist umständlicher.“

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41 Kommentare:

Also, nun muß doch der Viechdoctor mal meckern. Liebe Ärzte worüber wird hier eigentlich diskutiert?
Ein “Medizinjournalist” (Qualifikation?) hat nicht mal selbst recherchiert sondern beruft sich auf die Recherche eines anderen Journalisten. Dieser beruft sich auf irgend einen Heilpraktiker und ein altes Buch über Innere Medizin (1975). In diesem Buch wird Strophanthin für CHRONISCHEN Herzinsuffizienz empfohlen. Und ist das nicht toll: der Journalist ist zu dem Schluß gekommen, daß wir ab 50 alle zur PROPHYLAXE und beim NOTFALLeinsatz Strophanthin nehmen sollen. Gut daß wir nun erleuchtet wurden.

Medizinisch unzusammenhängend, unlogisch und schlecht recherchiert. Das wohl mieseste was ich bisher bei Doccheck gelesen habe.

Auch ich als Tierarzt kenne Strophanthin als sinnvolles, da schnelles Akutmedikament. Aber was die orale Gabe (Bioverfügbarkeit?) mir für Vorteile gegenüber anderen Herzglycosiden bringen soll konnte mir noch keiner plausibel machen.
Und jetzt mal ehrlich: bei aller Pharmaindustrie – Lanitop kostet ja nun auch nicht die Welt. Das Geld sollte wohl nicht der Grund sein statt dessen Strophanthin zu verwenden.

Und dürfen Heilpraktiker tatsächlich Herzglycoside verabreichen?

Was mich als Tierarzt mal wirklich interessieren würde: bei uns werden Herzglycoside eigentlich schon sehr lange nicht mehr als das Mittel der Wahl für die Herzinsuffizienz angesehen. Wenn es der ACE-Hemmer denn nicht tut: gibt es in der Humanmedizin kein Pimobendan?

#41 |
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Dr. med. Brita Dirschinger
Dr. med. Brita Dirschinger

Ein unglaublich schlechter Artikel.

#40 |
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Um gleich in medias res zu gehen, denn in keine der Beiträge befaßt sich mit der Frage, warum die perorale Gabe, sowie die i.v oder i.m. Injektion, weitgehend die Strophantin-Medikation “ausbremst”(ca.40% der Wiksamkeit gehen verloren), während Digitalis oder Digitaloide die volle Wiksamkeit entfalten.
Dabei liegt der Vorteil der Strphantine gegenüber den Digitalis-Glykosiden, bei annähernd gleichartiger pharmakologischen Wirkung, in dem fast augenblicklich einstellendem Effekt. Deshalb fand auch Srophantin bei der akuten Herz- und Kreislauf insuffzens besonders Anwendung, während das Indikationsgebiet der Digitalisglykoside, vorwiegend der chronischen Her-und Kreislaufschwäche vorbehalten bleibt.
Hier nur so viel! Bei der Untersuchung der anatomischen Verhältnisse der unteren Rektalregion bis kurz oberhalb der Plika tranversa, also 10-15 cm oberhalb des Anus, ergab sich, dass dieser Abschnitt zum Abflußgebiet der unteren und mittleren Haemorrhoidalvenen gehört, die in weiterem Verlauf über die Vena hypogastrica,, in die Vena cava inferior münden. “Bereits 1906 hat Albert Fraenkel die Bedeutung von Strophantin erkannt und die i.v. Therapie eingeführt”
– Inzwischen liegen zahlreiche Arbeiten vor, die sich mit klinisch – kreislaufanalytischen Prüfungen hierzu befassen. Auch Grüße an die OMA, H.K.

#39 |
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Um gleich in medias res zu gehen, denn in keine der Beiträge befaßt sich mit der Frage, warum die perorale Gabe, sowie die i.v oder i.m. Injektion, weitgehend die Strophantin-Medikation “ausbremst”(ca.40% der Wiksamkeit gehen verloren), während Digitalis oder Digitaloide die volle Wiksamkeit entfalten.
Dabei liegt der Vorteil der Strphantine gegenüber den Digitalis-Glykosiden, bei annähernd gleichartiger pharmakologischen Wirkung, in dem fast augenblicklich einstellendem Effekt. Deshalb fand auch Srophantin bei der akuten Herz- und Kreislauf insuffzens besonders Anwendung, während das Indikationsgebiet der Digitalisglykoside, vorwiegend der chronischen Her-und Kreislaufschwäche vorbehalten bleibt.
Hier nur so viel! Bei der Untersuchung der anatomischen Verhältnisse der unteren Rektalregion bis kurz oberhalb der Plika tranversa, also 10-15 cm oberhalb des Anus, ergab sich, dass dieser Abschnitt zum Abflußgebiet der unteren und mittleren Haemorrhoidalvenen gehört, die in weiterem Verlauf über die Vena hypogastrica,, in die Vena cava inferior münden. “Bereits 1906 hat Albert Fraenkel die Bedeutung von Strophantin erkannt und die i.v. Therapie eingeführt”
– Inzwischen liegen zahlreiche Arbeiten vor, die sich mit klinisch – kreislaufanalytischen Prüfungen hierzu befassen. H.K.

#38 |
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Michael Erren
Michael Erren

“Strophantus-Glykoside haben ihre ursprüngliche Bedeutung weitgehend verloren. Wegen der schlechten Resorbierbarkeit bei oraler Applikation, die unter 5% liegt, ist die z.T. noch immer durchgeführte orale Strophantin-Behandlung abzulehnen. Die im Prinzip wirksame intravenöse Strophantin-Gabe kann in den meisten Fällen durch die gefahrlosere orale Applikation von Digitalis-Glykosiden ersetzt werden”.
So ist zu lesen in: Ernst Mutschler, Arzneimittel-Wirkungen;Stuttgartv 1996.
Vielleicht ist das nicht der Weisheit letzter Schluß. Eventuell müßte man die orale Wirksamkeit neu überprüfen. Im Laufe meiner 40-jährigen Erfahrung als Offizinapother kann ich behaupten, dass viele außer Gebrauch gekommene Medikamente durchaus wirksam waren und ihren festen Platz im Arzneischatz hatten, nicht nur bei Außenseitern.Die Gründe des Verschwindens sind sehr vielfältig und rational oft nicht nachvollziehbar. Neue Paradigmen sind die veralteten von morgen, auch in der Therapie.

#37 |
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Kristina Walker
Kristina Walker

Danke für den Artikel und auch die interessanten Kommentare.
Ich stimme Herrn Guggenbichler zu – meine eigene private Erfahrungsstatistik hat mich bisher nie im Stich gelassen.

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@28Sie haben leider recht: Richard Smith, ehemaliger Herausgeber des ‘Britisch Medical Journal¿ ging so weit zu sagen, dass die evidenzbasierte Medizin der verlängerte Arm der Marketingabteilung der Pharmaindustrie sei. Smith R. Medical journals are an extension of the marketing arm of pharmaceutical companies. PLoS Med 2005; 2: 138. Epub 2005 May 17. http://www.plosmedicine.org/article/info:doi/10.1371/journal.pmed.0020138

#35 |
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@24 Eigene Erfahrung ist sehr wohl evidenzrelevant! EBM hat drei Grundpfeiler der Evidenz, nämlich
1.Die praktische Erfahrung aus der Lebenswirklichkeit des Arztes
2.Die praktische Erfahrung aus der Lebenswirklichkeit des Patienten
3.Die statistische Auswertung einer größeren Anzahl an Erfahrungen, die ein oder mehrere Ärzte an Patienten gemacht haben.
Auch evidenzbasierte Medizin ist gehalten, Weizsäckers Diktum anzuerkennen: ¿Die Beweiskraft eines einzelnen Falles [ist] an sich nicht geringer als die einer Statistik vieler Fälle. (¿) Zählen und messen ist nicht an sich exakter als richtig übersetzen, richtig deuten.¿
Weizsäcker, Victor von.:Die Medizin im Streit der Fakultäten. Vortrag. Universität Heidelberg 1946. In: Weizsäcker, Victor (2008) : Warum wird man krank? Ein Lesebuch, herausgegeben von Wilhelm Rimpau, Suhrkamp Frankfurt/M., S. 252-271

#34 |
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Dr.h.c. Wolfgang Kuther
Dr.h.c. Wolfgang Kuther

Ich ziehe aus dem Artikel und aus den zahlreichen Kommentaren die Schlussfolgerung, dass es bei den alten, als auch bei den neuen Medikamenten, sowohl gute und schlechte gab und gibt. Vermutlich ist die Zahl der “schlechten” Medikamente bei neueren Präparaten sogar prozentual höher als bei den alten. Dies kann man allein daran erkennen, dass zahlreiche neu und hochgepriesene Medikamente, heimlich und leise wieder in der Versenkung verschwunden sind, nicht wenige wegen “tödlicher Nebenwirkungen”.
Ein Medikament zu verurteilen, nur weil es in der homöopathischen Potenz D4 Wirkung zeigt – die ja eigentlich nur eine Placebowirkung sein kann (lt. div. Studien) – lässt auf absolute Hörigkeit gegenüber der Pharmaindustrie schließen.
Das Alte bietet die Chance zu Neuem, umgekehrt wird kein Schuh daraus.

#33 |
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Ruthild Szybalsky
Ruthild Szybalsky

Gut, dass die Diskusion um Strophantin wieder in Gang kommt!
Wenn es nichts getaugt hätte, würde man sich heute nicht mehr darüber unterhalten!
Ich kann nur sagen, ich nehme es selbst seit einiger Zeit und bin überzeugt von der Wirksamkeit.
Als Krankenschwester und mit eigenen Beschwerden wie Tachyarrhytmie und Hypertonie bin ich dankbar dafür, dass ich einen Arzt gefunden habe, der es mir verschreibt! Es geht mir sehr gut mit oral eingenommenen Kapseln Strodival! Ich wünsche allen Hausärzten den Mut, dieses Mittel wieder auf zu greifen und ihren Patienten zu verschreiben!

#32 |
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Martin Bergmann
Martin Bergmann

Ein fürchterlicher Artikel! Die Gabe eines homöopathischen Medikaments wird durch ein schulmedizinisches Lehrbuch aus den 70er Jahren begründet. Keine einzige pathophysiologische Überlegung, keine (welche auch?)Studie. Hoffentlich ein einmaliger Tiefpunkt von DockCheck.

#31 |
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erinerungen an meine Zeit als psaktischer Arzt

#30 |
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Laut Artikel soll also jeder! über 50 als Prophylaxe Placebo D4 bekommen, und dieses “Medikament” auch noch zur Notfalltherapie eingesetzt werden. Zitiert wird eine komplementär-medizinische ” Fachzeitschrift” und ein völlig veraltetes ” Standardwerk” von 1975!!!!!!!!!!
Selten einen solchen Schwachsinn gelesen.

#29 |
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Eberhard Krämer
Eberhard Krämer

Die Reaktionen auf diesen Artikel zeigen, wie sehr die Pharma die Medizin beeinflußt. Stroph war für Akutfälle immer gut wirksam.Aber wohl zu preiswert.

#28 |
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Bei akutem Links- (ja nicht bei Rechts-!!!)Herzversagen wirkt Strophantin i.v. nicht selten Wunder. Daß man sich zu solchem Wunder fallweise über eine halbe Stunde unter fortlaufender Erfolgs- und Pulskontrolle bis an Spitzendosen von 1/2 bis 3/4 mg herantasten muß paßt allerdings nicht zur gängigen 5-Minuten-Betreuung.
Auch die Kunst des Übergangs auf (die optimale) orale Anschlußmedikation von Digitoxin ist im heutigen medizinischen Alltag wohl zu viel verlangt.

#27 |
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Ärztin

Hallo Frau Grigoleit,
Sie haben noch viele Jahre zu studieren, bevor Sie mal etwas Erfahrung bekommen!

#26 |
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D.O., BSc. Stephan  Klemm
D.O., BSc. Stephan Klemm

Fast interessanter den Verlauf zu lesen als den Artikel selbst. Danke an die Autoren!

#25 |
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Dr. med. Ulrich Schneider
Dr. med. Ulrich Schneider

Nach 40 Jhren Hausarzttätigkeit ( ist natürlich “wissenschafftlich” nicht evident ),kann ich die ausgezeichnete Wirkung von Strophantininjektionen nur bestätigen.Die cardialen und auch neurologischen Wirkungen konnten immer wieder bestätigt werden .Das Totschweigen eines so wirksamen Medikamentes ist mir bis heute unerklärlich.

#24 |
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Strophantin oral wird so schlecht resorbiert dass gerade D4 und höhere Potenzen in der Hand des Fachlaien keinen größeren Schaden anrichten können. Mit sowas läßt sich gefahrlos Kohle machen. Die Natur ist klüger: das kranke Herz strengt sich schon an so gut es kann, es braucht sowenig wie ein kranker Gaul die Peitsche die es antreibt im Gegenteil(“its to wipe a dead horse” E. Sonnenblick, 1984). Es braucht Entlastung. Erdmann’sche Altersmilde hilft nicht.

#23 |
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Es sollte doch durch Studien und andere Untersuchungen festzustellen sein, ob es wirklich ein sinnvolles Medikament ist. Die orale Gabe scheint ja wohl wirklich kaum sinnvoll zu sein !

#22 |
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Geschäftsführer Hans-Heinrich Jörgensen
Geschäftsführer Hans-Heinrich Jörgensen

@Maja
Nein so war es nicht!

Die Frage ist ja nicht: Strophantin oder Digitalis?
Die Frage ist: Cardiopression oder Aktivierung mit Glykosiden.

#21 |
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Die Anwendung von g-Strophantin i.v. widerspricht sicher der heutigen Auffassung einer effektiven Pharmakotherapie zur nachhaltigen Verbesserung der Pumpfunktion des Myokards. Als medizinisch halbgebildeter Sohn eines “alten” Hausarztes erlebte ich allerdings in den 60er und 70 er Jahren, dass zahlreichen linksherzinsuffizienten Patienten durch eine zweimal jährliche 2-Wochen “Kur” mit 1/8 Kombetin jeden zweiten Tag über eine lange Strecke geholfen werden konnte. Die subjektive Beschwerdebesserung führte zu einer regelrechten Nachfrage dieser Therapie. Ähnliches erlebe ich heute weder beim Einsatz von Betablockern oder Diuretika. War das alles nur Schalartanerie?

#20 |
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Dr. med. ERNST  H. Tremblau
Dr. med. ERNST H. Tremblau

ich könnte mit eigenen klinichen Erfahrungen prunken will mich als Nervenarzt ohne alle “schulmedizinische” Borniert-
heit auf reine Gedankenkritik der Modewandlung beziehen.
Ja ! Sie haben richtig gelesen ! Auch in der Medizin gibt
es Moden.- So lange auch in der Wissenschaft die Weltmacht
von der politischen Macht abhängt bestimmt diese auch die
jeweils herrschende Mode. Wir wurden massiv über den
gro0en Teich hinweg nach dem letzten großen Krieg belehrt,
daß wir in Europa zu viel Strophantin und Digitoxin gäben
und wurden auf die Gefahr hin nicht für “back wood” gehalten zu werden gezwungen teure Betablocker etc. zu geben.Wer mit Lungenoedem Sterbende erlebt hat kann besser verstehen was ich hier schreibe.- Und nun kommt
mein Hauptstatement: Niemand hat bisher gefragt,ob vielleicht die Nordamerikaner zu wenig “Stroph” und “Digi” gäben ? Gibt es dazu hier eine Meinung ?
Ich bin gespannt.- SUAVITER IN MODO FORTITER IN RE
Herzlich Ihr eht

#19 |
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Dr. med. Albrecht  Morgenroth
Dr. med. Albrecht Morgenroth

Vor 30 Jahren war Strophantin ein überzeugendes Medikament bei jedem HI-Notfall, ebenso Strodival, oral genommen.
Weil es billig ist, gibt es heute keine Lobby, die daran verdienen kann – jedoch sollten wir Ärzte nicht auf alte und bewährte Medikamente verzichten.

#18 |
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Bei evidenzbasieerten Metastudien ist eine solche Pauschalbehauptung nicht angemessen.

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Dr. med. Wolfgang Reinke
Dr. med. Wolfgang Reinke

Die Leitlinien sind manchmal auch Leidlinien, die leider von anderen Interessen als dem grundärztlichen geprägt sein können. Meine umfängliche persönliche Erfahrung zeigt, dass über die angeblich nur Stunden dauernde Wirkung des Strophanthins hinaus weit längerer Benefit bewirkt werden kann!! Prinzip eine Insuffizienzbesserung bewirkt längerfristigen “Rundlauf” des Herzens mit auch weiteren positiven Folgen z.B. auch zerebral. Bei einigen Formen der Kardiomyopathie gibt es nichts ähnlich Wirksames usw. Einsatz also zumeist iv und viel vereinzelter sinnvoll. Ein enormer therapeutischer Verlust für die Patienten ist das Geschehene!

#16 |
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Zur “Intoxikation” schreibt Petry, dass suicidale Einnahmeversuche von 900mg zu keinerlei Gefährdung führten.
Strophanthin = Ouabain entspricht einem körpereigenen Hormon und ist eben kein Digitalis.

#15 |
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@1,11-Na ja, flott, intellektualisiert und verstärkt studiengläubig kann man als Studentin ruhig auch sein.Tranig wäre schlimmer und die Erfahrungen kommen ja eh noch “wie von selbst”
Ich denke die Handhabung im heutigen “Managementstil” wäre extrem schwierig-auch wegen des kleinen therapeutischen Fensters-und in die Routine nicht leicht zu integrieren.In der Hand des Geübten und des Compliance Geschulten gibt es sicher dankbare Indikationen für das Strophantin.Ein Massenpräparat wird es wohl nicht mehr werden.

#14 |
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Dr Joachim Gartzke
Dr Joachim Gartzke

Nicht nur bei HI auch bei der Sauerstofftherapie nach Ardenne hat sich Strophantin als gut bewährt. Nur schade, damit kann die Pharmaindustrie massig verdienen.

#13 |
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Martin Vierl
Martin Vierl

Was kommt heraus wenn ein Medizinjournalist seine Informationen aus einem medizinjournalistischen Artikel bezieht? Ein Artikel im wissenschaftlichen Aquaplanning.
Hier werden persönliche Überzeugungen Dritter als Fakten dargestellt. Ausserdem werden die allopathische und die homöopathische Anwendung durcheinandergewürfelt. Selten habe ich schlechtere Artikel lesen dürfen, selbst bei DocCheck.

#12 |
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Was weder im Artikel von Herrn S.Züger, noch von den Kommentatoren erwähnt wird, das ist die Tatsache, dass g-Strophantin i.v. appliziert die Hirnleistung alter Patientinnen und Patienten objektiv verbessert. Als frisch gebackener Assistent machte ich diese Erfahrung immer wieder, denn es gehörte zu meiner Aufgabe im Tagesdienst wie im Spätdienst mit dem g-Strophantin 1/8 mg auf dem Spritzentablett die Runde zu machen und die alten herzkranken Patienten zu versorgen. Nach einigen Tagen schon erlebte ich diesselben Patienten in einer geistigen Frische, dass ich nur habe staunen können.-

Dass Strophantin neben der Ökonomisierung der Herzauswurfleistung auch eine Verbesserung der kognitiven Hirnleistung bringt, ist 1978 u.a. durch eine Studie an der Neurologischen Universitätsklinik Wien belegt worden.

Hehe Frau Maja Grigoleit, als Student/In haben Sie flotte Sprüche drauf ;-) ..und sonst noch was? So manch wertvolle klinische Erfahrung der alten Medizinergeneration lernen Sie wohl nicht mehr – von wem denn auch?

#11 |
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Dr. med. Hans-Georg Aberle
Dr. med. Hans-Georg Aberle

Zu den Zeiten, als ich mein Staatseamen machte (1970) und während der folgenden internistischen Ausbildung waren Strophantin und Digitalisprodukte bei der Herzinsuffizienz Mittel der Wahl! Strophanthin gehörte damals in gede Notfalltasche. Wegen der schlechten und unzuverlässigen Resorption war es nur als iv-Gabe anzuwenden und hatte einen dadurch beschränkten Einsatz bei der akuten bzw. dekomp. HI. Digoxin hatte wegen der guten oralen Resorption sein Einsatzgebiet bei der chron. HI. Sigitoxin mit seiner deutlich verlängerten Halbwertszeit war damals bei Tachykardien und schnellen Rhythmusstörungen das Mittel der Wahl, unterstützt durch den pos. inotropen Effekt.
Allerdings bewegt sich der therapeut. Effekt bei den Digitalisprodukten in einem engen Dosisfenster, die Möglichkeit der Über-und Unterdosierung ist rel. hoch und patientenabhängig. Klar ist auch, daß diese Medikamente heute aufgrund der möglichen Toxizität es schwer hätten, bei einer Neuzulassung die entsprechenden Hürden zu nehmen. Ob die heute angewandten Herzmedikamente tatsächlich so übelegen sind, wie oben erwähnt, wage ich zu bezweifeln.Von den Kosten her sind insbes. Digitalisprodukte nicht zu unterbieten!

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Elke Morsbach
Elke Morsbach

Vielen Dank für das interessante Themen und die ehrlichen Beiträge, werde sie weiter neugierig verfolgen, habe auch das Buch von Petry verfolgt und finde seine Arbeit beeindruckend. Das Vergessen könnte ja auch beabsichtigt sein aus finanziellen Aspekten.

#9 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Ganz toll die Beiträge !

Man besinnt sich wieder auf bewährte Arzneimittel, die zudem noch billig sind.
Genau so ist es mit Metformin und Trapenal geschehen, verteufelt, dann wieder entdeckt, zum Leidwesen der Pharmaindustrie, die sich damit nicht die Taschen voll stopfen kann.
Schön, wenn noch mehr solcher Beiträge bei “DocCheckNews” erscheinen würden. Auch so kann man etwas gegen die Kostenexplosion im Gesundheitswesen tun.
Zu Beitrag Nr. 1: Erst mal Erfahrung sammeln, mehr Bescheidenheit gegenüber Medizinern die jahrzehnte lang Erfahrung haben und lernen, lernen, lernen…

#8 |
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Liebe Frau Girgoleit,

leider sind die Dinge nie so einfach. Ihr Zitat spiegelt die Universitätsmedizin der letzten 20 Jahre wider. Vieles vermeintlich eindeutige verliert diesen Status bei genauem Hinsehen.

Bedenken Sie, so manch geschmähtes Medikament erhebt sich wie Phönix aus der Asche, siehe Lachgas. Seit bekannt ist, das es analgetische Effekte über die Anwendungsdauer hinaus gibt, hat sich mancher Kritikaster zum Neuanwender gemausert.

Bei aller Seriosität und Hochachtung vor Prof. Erdmann, lassen wir´s gespannt auf uns zukommen, heißt überraschen!

#7 |
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Dr Hugo Keller
Dr Hugo Keller

Der chron.Links-Myocardschaden ist weitverbreitet und ist das Hauptindikationsgebiet von Strophathin.Es kann nur noch oral in magensaftresistenter Form oder als Zerbeisskapsel in sublingualer Form angewendet werden.Das Präparat heisst Strodival.Es wird von unzähligen Ärzten auch selbst angewendet,vor allem auch in Richtung Infarktverhütung.
Leider hat man es fertiggebracht,dass es als Ampullen in Deutschland nicht mehr im Handel ist.Man kann es aus Italien importieren.
Das Buch von Petry,Strophanthin,die Fehlbeurteilung eines aussergewöhnlichen Medikamntes-Vorwort von Prof.Hans Schaefer ist jedem Kollegen sehr zu empfehlen.

#6 |
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Wenigstens den Wirkstoffnamen sollte man richtig schreiben…
Das gilt für den Verfasser wie auch die Kommentatoren.

#5 |
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B.Sc. Ina ter harmsel
B.Sc. Ina ter harmsel

Mein Motto: Altes Bewärtes behalten und neues erst Mal testen. Von neue Präparte sind die Nebenwirkungen oft grösser als die (oft gekaufte) “wissenschftliche” Wirkungen.
Beide hat seine Berechtigung, aber es gibt in den meisten Fällen genau so viel Studien rpo als Contra.

#4 |
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Strophantin ist ein sehr effizientes Medikament und nicht nur bei der manifesten Herzinsuffizienz wirksam, sondern auch bei latenter Insuffizienz welche über die gewöhnliche Diagnostik noch nicht erkennbar ist, aber klinisch eine Symptomatik vorliegt z.B. Antriebsschwäche.
Außerdem gilt für Strophantin wie für alle anderen Nedikamente dass sie synergistisch einzusetzen sind. Nicht alle Probleme könne mit einem Medikament gelöst werden.

#3 |
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dr. dieter zimmer
dr. dieter zimmer

Bravo,, beide wirksubstanzen sind jahrzentelang bewährt und leider in vergessenheit geraten.
die pharmaindustie hat natürlich kein interesse, sind die präparate doch in der regel spottbillig und nicht profitabel

erfinden wir lieber was modernes und ändern hier und da ein molekül und verkaufen es als revolutionar zu sündhaft teuren preisen

das ist moderne medizin!!!

#2 |
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Studentin der Humanmedizin

War das nicht so, dass Digitalis bei Herzinsuffizienz zu geben so ist, als schubste man die Oma die Treppe runter und sagt: Olle wat rennste so? Wird es nicht einen Grund haben, das Digitalis und Verwandte aus den Leitlinien der Herzinsuffizienztherapie verschwunden sind… War es nicht so, dass Studien gezeigt haben, dass zwar kurzfristig die Symptome der HI gebessert werden, aber das Gesamtüberleben schlechter wird? Nicht jedes alte Medikament ist auch gut.

#1 |
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