Elektro vs. Chemo: Wohl oder übel?

25. Januar 2011
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Die fast nebenwirkungsfreie nicht-invasive Elektrotherapie war in einer Phase III-Studie bei Patienten mit Glioblastom mindestens ebenso wirksam wie Chemotherapie. Neue Daten zeigen jetzt, welche Patienten auf die Elektrotherapie besonders gut ansprechen.

Trotz einiger Fortschritte bei der Arzneimitteltherapie bleibt das Glioblastom eine der fatalsten Tumordiagnosen überhaupt. Kein Wunder, dass eine Studie, die im vergangenen Sommer bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO 2010) vorgestellt wurde, einige Aufmerksamkeit erregte. Im offenen, randomisierten Phase III-Design war eine von extern durch die Schädelkalotte applizierte Elektrostimulation zumindest ebenso gut wie Chemotherapie in einem Kontrollarm, in dem den betreuenden Ärzten die Auswahl der jeweiligen Chemotherapie freigestellt war.

Dauerstrom durch die Schädelkalotte

Das Elektrostimulationssystem, das in dieser Studie zum Einsatz kam, war das NovoTTF-System des israelischen Herstellers NovoCure. Es handelt sich um ein tragbares, batteriebetriebenes Gerät, das wechselnde elektrische Felder geringer Intensität generiert. Die elektrischen Felder werden über Elektroden an der Kopfhaut appliziert. Das Konzept ist, dass die elektrische Energie, die mehr oder weniger kontinuierlich appliziert wird, die Proliferation der Tumorzellen stört und auf diese Weise das Fortschreiten des Tumors bremst.

An der beim ASCO 2010 vorgestellten Studie hatten 237 Patienten mit rezidiviertem Glioblastoma multiforme teilgenommen. 120 Patienten wurden ausschließlich mit der Elektrostimulation behandelt, die übrigen mit der jeweils bestmöglichen Chemotherapie, wobei die exakte Auswahl der Therapie dem behandelnden Arzt oblag. In der Intention to treat-Analyse lag das Gesamtüberleben in der Gruppe mit Elektrostimulation bei 6,6 Monaten, in der Kontrollgruppe mit Chemotherapie bei sechs Monaten, was statistisch kein signifikanter Unterschied war. In der Per-Protokoll-Population war der Unterschied mit 7,8 versus 6,1 Monaten noch deutlicher und hier auch statistisch signifikant. Die Einjahresüberlebensraten lagen bei 23,6 beziehungsweise 20,8 Prozent. Und auch bei der Zeit bis zum Therapieversagen gab es einen deutlichen, nur knapp nicht signifikanten Trend zugunsten der Elektrostimulation.

Besseres Ansprechen bei günstigerer Prognose

Erwartungsgemäß war die Verträglichkeit der Elektrostimulation deutlich besser als die der Chemotherapien. Außer Hautreaktionen gab es nicht viel zu berichten, während in der Kontrollgruppe, abhängig vom gewählten Therapieschema, hämatologische und andere Toxizitäten auftraten. So eindrucksvoll der Effekt der Therapie in dieser Studie aber auch aussah, so schwer taten sich Experten bei der Einordnung des Ergebnisses. Ein Grund war, dass trotz des im Trend besseren Gesamtüberlebens nur bei 12 Prozent der Patienten ein objektives Ansprechen des Tumors nachweisbar war.

Die neuen Daten aus Subgruppenanalysen, die jetzt beim Kongress der Society for NeuroOncology im kanadischen Montreal vorgestellt wurden, waren vor allem deswegen mit großer Spannung erwartet worden: Wovon hängt es ab, ob ein Glioblastompatient auf die Elektrostimulation anspricht oder nicht? Ein wichtiger Faktor scheinen gewisse prognostische Faktoren zu sein. Bei Patienten mit einem guten Karnofsky-Performance-Status, bei Patienten unter 60 und bei Patienten mit dem ersten bis dritten Rezidiv war der Vorteil der Elektrotherapie gegenüber Chemotherapie ausgeprägter als bei anderen Patienten. Das mediane Gesamtüberleben lag hier bei 8,8 gegenüber 6,6 Monaten, das Einjahresüberleben bei 35 gegenüber 20 Prozent. Ausgeprägter war der Nutzen der Elektrotherapie im Hinblick auf das Gesamtüberleben auch bei Patienten, die nicht auf eine Bevacizumab-Therapie angesprochen hatten. Der Grund dafür ist unklar.

Wird „Elektrotherapie plus Temozolomid“ zum neuen Standard?

Nun hat sich beim Glioblastom auch jenseits der Elektrotherapie einiges getan. Vor allem die Etablierung von Temozolomid als ein neuer Standard ist hier zu nennen. Passend dazu läuft seit 2009 eine weitere Phase III-Studie bei Glioblastompatienten, in der Temozolomid mit einer Kombination aus Temozolomid und Elektrostimulation nach dem Novo-TTF-Verfahren verglichen wird. Sollte sich hier ein Vorteil für die Kombination zeigen, dann dürften die Rufe nach einer Änderung der derzeitigen Leitlinien vermutlich nicht mehr lange auf sich warten lassen.

80 Wertungen (4.21 ø)
Medizin

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6 Kommentare:

Birgit Hörger
Birgit Hörger

Eine ANtwort auf die Frage der Krankenschwester, die eine wirksame Therapie für Keloide sucht. Mit der Mikrostromtherapie, auch Biostimulation genannt, ist eine solche Behandlung möglich, man brauch ein bißchen Geduld und einen guten Therapeutne. Im INternet werden diese unter Mikrostromportal aufgeführt. Viel Glück. Birgit HÖrger

#6 |
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Das sind gute Aussichten bei dieser Krankheit und

gibt Hoffnung auf Heilung oder Besserung.

#5 |
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Krankenpflegehelferin

Ich lese andauern von Böseartigen Krebs Behandlung, gibt es schon gute Behandlung von Keloid?
Meine Tochter von lange Zeit Eine Operation mit zusätzliche Bestralung bekommen weil die Ärzte Hoffnung mir gegeben hat.Aber nach einige Monaten sind alle Keloide so Groß und Dick und Schmezlich.Die ca 1 bis 2 Cm große Keloid werden bis 5–6 Cm groß geworden, als Mädchen könnte sie keine modische Kleider mehr anziehen, ich wünsche es mir daß ich dursch diese DocCheck eine gute Information bekommen, wo ich meine Tochter behandeln lassen können aber mit Erflgt nich noch schlimmer werden, Dankeschon

#4 |
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Angesichts der niedrigen Gesamtüberlebensrate von 1/5 der Patienten nach einem Jahr finde ich die Daten nicht überzeugend. Beim metastasierten Melanom ergibt sich ähnlich unabhängig von dser Behandlung eine 1JÜZ von 1/5.

Es stellt sich deshalb die Frage, ob hier nicht zwei unwirksame Methoden verglichen wurden. Zeigen beide Gruppen nicht vielmehr einen Spontanverlauf?

#3 |
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Endlich, viel versprechende Aussichten, wir müssen uns von dem Druck der Farmaindistrie lösen und an die Patienten denken, den mit Giften kann man keinen gesund machen!

#2 |
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Medizinjournalist

Elektrotherapie gegen Krebs hat eine lange Geschichte. Bereits in der erste Englische Ausgabe der Lancet (1880) wird davon berichtet wie Krebspatienten nach einen Blitzeinschlag den Krebs losgeworden sind. Der Amerikaner Royal Raymond Rife hat angeblich bereits in der 30er Jahre Resonanztherapie erfolgreich gegen Krebs angewendet.

Heute gibt es viele Beispiele erfolgreiche Krebsbehandlungen mit Strom und Frequenzen.

In Deutschland hat vor allem Oncotherm nachweislich sehr gute Erfolge bei Gehirntumore mit Onkothermie (eine Kombination von Hyperthermie und Frequenzmodulation).

In Australian hat Dr. John A.G. Holt, MB, ChB, FRCS, FRCR, DMRT, DobstRCOG viele Tausende Patienten mit einer Kombination von 434 MHz Radiowellen und anschließende Röntgenstrahlen erfolgreich behandelt.

Weitere interessanten Artikel zum Thema:

Ultrasound Cancer Treatment Kills Tumors in Mice
LONDON Jan 29, 2003 (Reuters)

Pulsed Field Assisted Chemotherapy
James E. Bare

Nanosecond pulsed electric fields cause melanomas to selfdestruct
Frank Reidy Research Center for Bioelectrics, Old Dominion University – BioElectroMed Corp. – Eastern Virginia Medical School, Norfolk, VA, USA

Electric fields have potential as a cancer treatment
Johanna Miller – Physics Today, http://www.physicstoday.org, August 2007

Tumor blood flow modifying effects of electrochemotherapy: a potential vascular targeted mechanism
Institute of Oncology Ljubljana, University of Ljubljana, Faculty of Electrical Engineering, Ljubljana, Slovenia – Published: Radiol Oncol 2003; 37(1): 43-8.

Effects of Mechanochemically Activated Doxorubicin and 40 MHz Frequency Irradiation on Human A-549 Lung Carcinoma Cells
Institute of Oncology, Academy of Medical Sciences of Ukraine, Kyiv, UkraineKavetsky Institute of Experimental Pathology, Oncology and Radiobiology, National Academy of Sciences of Ukraine, Kyiv, UkraineInc., Miami, Florida, USA

Disruption of Cancer Cell Replication by Alternating Electric Fields
Eilon D. Kirson, Zoya Gurvich, Rosa Schneiderman, Erez Dekel, Aviran Itzhaki, Yoram Wasserman, Rachel Schatzberger, and Yoram Palti

Amplitude-modulated electromagnetic fields for the treatment of cancer: Discovery of tumor-specific frequencies and assessment of a novel therapeutic approach
Journal of Experimental & Clinical Cancer Research 2009, 28:51 doi:10.1186/1756-9966-28-51

Control of Ehrlich Tumor Growth by Electromagnetic Waves at Resonance Frequency (In Vivo Studies)
Department of Biophysics / Department of Clinical Pathology, Cairo University, Egypt – Publisher: Taylor & Francis, Volume 24, Number 1 / 2005, Pages: 9 – 21

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