Trabectedin bei Rippenfellkrebs: Segen der Karibik

4. November 2016
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Den Wirkstoff Trabectedin, der ursprünglich aus der karibischen Seescheide gewonnen wurde, setzen Onkologen schon bei vielen Krebsarten erfolgreich ein. Eine präklinische Studie zeigte nun, dass das Chemotherapeutikum auch bei Rippenfellkrebs wirkt.

Rippenfellkrebs (malignes Pleuramesotheliom) zählt zu den selteneren Krebserkrankungen. Die Tendenz ist allerdings steigend. Rippenfellkrebs gilt als eine sehr aggressive Krebserkrankung, die mit Asbest in Zusammenhang gebracht und standardmäßig mit einer Kombination aus Chemotherapie, Chirurgie und Strahlentherapie behandelt wird.

Da die Tumorart häufig Resistenzen gegen Chemo- und Strahlentherapie entwickelt, ist die Prognose sehr schlecht. Um die Therapieoptionen beim Pleuramesotheliom zu verbessern, wurde 2008 am Comprehensive Cancer Center der Medizinischen Universität Wien (CCC) eine interdisziplinäre Forschungskooperation initiiert, die sich der präklinischen Entdeckung und Entwicklung von Therapeutika für das maligne Pleuramesotheliom beschäftigt.

Wirkstoff aus der karibischen Seescheide

Forscher am CCC und des Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien (AKH) entdeckten nun eine neue Therapieoption für Rippenfellkrebs. In einer präklinischen Studie konnte sowohl in der Zellkultur als auch im Tiermodell gezeigt werden, dass das Chemotherapeutikum Trabectedin auch bei Rippenfellkrebs wirkt. Dieser Wirkstoff wird für Therapiezwecke synthetisch hergestellt und in der Klinik unter anderem bereits erfolgreich bei bösartigen Tumoren des Weichteilgewebes und bei Eierstockkrebs eingesetzt.

Der Wirkstoff kommt ursprünglich in der karibischen Seescheide, einem im Meer lebenden Manteltier, vor. Erste Zwischenergebnisse einer klinischen Studie aus Italien bestätigen die Resultate und zeigen, dass eine Überführung der Ergebnisse in der Klinik möglich ist.

Kombination verbessert Wirkung

Die Forscher rund um Walter Berger, stellvertretender Leiter der Instituts für Krebsforschung der Medizinischen Universität Wien, und Alireza Hoda, Klinische Abteilung für Thoraxchirurgie der Universitätsklinik für Chirurgie, konnten bereits in früheren Arbeiten nachweisen, dass Trabectedin sehr gut gegen Tumorzellen wirkt, gesunde Zellen des Rippenfells aber nur wenig beeinflusst. Des Weiteren konnten sie deutliche Synergien mit Cisplatin, einem Standardtherapeutikum, nachweisen.

Um mögliche weitere Kombinationstherapien mit Trabectedin zu entwickeln, wurden Genom-Signaturen von Zellen, die empfindlich auf die Gabe von Trabectedin reagierten mit Zelllinien verglichen, die weniger sensitiv waren. Berger erklärt: „Wir konnten mit bioinformatischen Mitteln zeigen, dass die vermehrte Bildung des Proteins bcl-2, das den Zelltod verhindert, die Wirksamkeit von Trabectedin vermindert.“ Folglich behandelten die Wissenschafter die bösartigen Zellen mit einer Kombination aus Trabectedin und den bcl-2 Hemmstoffen Obatoclax und Venetoclax.

„Wird Trabectedin mit diesen bcl-2 Hemmern kombiniert, zeigt sich eine deutliche Verbesserung bei der Vernichtung der bösartigen Rippenfellkrebs-Zellen. Trabectedin scheint daher eine neue, wirksame und sichere Therapieoption bei dieser Erkrankung zu sein“, so Hoda.

Originalpublikation:

Trabectedin Is Active against Malignant Pleural Mesothelioma Cell and Xenograft Models and Synergizes with Chemotherapy and Bcl-2 Inhibition In Vitro
Mir A. Hoda et al.; Molecular Cancer Therapy, doi: ; 2016

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