Kalzium-Präparate: Schleichende Verkalker

16. November 2016
Teilen

Viele Menschen greifen zu Kalzium-Supplementen, um ihren täglichen Bedarf zu decken. Die Präparate erhöhen laut einer neuen Studie aber das Risiko für atherosklerotische Veränderungen und somit auch für Herzerkrankungen. Besser eignet sich kalziumreiche Ernährung.

Etwa ein Kilogramm Kalzium befindet sich im menschlichen Körper. Ungefähr 99 Prozent davon sind im Knochen als Hydroxylapatit (Ca5[PO4]3OH) gebunden. Daneben ist der Mineralstoff an der Reizweiterleitung in Nervenzellen, an der Blutgerinnung sowie an der Muskelkontraktion beteiligt. Wie viel Kalzium der Körper benötigt, hängt hauptsächlich von dem Bedarf des Knochenstoffwechsels ab. In der Regel liegt dieser zwischen 800 und 1200 mg pro Tag. In der Schwangerschaft und Stillzeit sowie nach der Menopause kann er aber schon mal 1500 mg täglich betragen. Diesen Bedarf kann man entweder mit einer kalziumreichen Ernährung oder über spezielle Supplemente decken. Laut den Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft steigt mit zunehmenden Alter auch die Anzahl der Männer und Frauen an, die Kalzium in Form von Tabletten zuführen. So sollen in der Gruppe der 65- bis 80-Jährigen etwa 21% der Männer und 30% der Frauen Kalzium-Präparate schlucken.

Frühere Forschungsergebnisse

Zweifel an der positiven Wirkung der Kalzium-Präparate wurden erstmals im Jahr 2010 publik. Eine Arbeitsgruppe um Ian Reid von der neuseeländischen University of Auckland hatte damals elf Studien mit insgesamt 12.000 Patienten ausgewertet. Ihr Fazit: Kalzium-Supplemente sollen das Herzinfarktrisiko um 30 Prozent erhöhen – und das unabhängig von Geschlecht, Alter und der Art des Präparats. Wenn also 1.000 Menschen aufgrund einer Osteoporoseerkrankung fünf Jahre lang Kalzium in Form von Tabletten zu sich nehmen, kann dies statistisch zwar 26 Knochenbrüche verhindern, jedoch erleiden 14 Teilnehmer mehr einen Herzinfarkt, 10 mehr einen Schlaganfall und 13 Menschen versterben mehr als in der Gruppe, in der die Menschen kein Kalzium eingenommen hatten. Problematisch bei dieser Auswertung war allerdings, dass bei den untersuchten Studien eigentlich Faktoren wie Knochendichte und Bruchrate untersucht worden waren. Herzinfarkte dagegen hatten die Autoren nur als Nebenwirkung erfasst.

Auch andere Forscher widmeten sich dem Thema Kalzium. US-Forscher aus Bethesda (Maryland) beispielsweise werteten im Jahr 2013 in einer prospektiven Kohortenstudie Daten von 388.000 US-Amerikanern aus. Laut dieser waren in der Kalzium-Supplementations-Gruppe nach 12 Jahren 20 Prozent mehr Männer verstorben als in der Kontrollgruppe. Keinen Zusammenhang zwischen Dosis und Todesfälle aufgrund kardiovaskulärer Ereignisse fanden die Wissenschaftler, wenn das Kalzium nur über die Nahrung aufgenommen wurde. Grund hierfür sei, dass der dauerhaft hohe Kalziumspiegel eine Ablagerung von Kalziumphosphat in den Gefäßen fördere, so die Vermutung der Wissenschaftler. Andere Studien wiederum fanden keine Hinweise dafür, dass das Risiko atherosklerotischer Erkrankungen durch Kalzium-Tabletten erhöht wird.

Daten mittels Fragebogen und Computertomografie

Female, Woman

Studienautorin Dr. Erin Michos. Mit freundlicher Genehmigung der John Hopkins Medicine

Die Gruppe um Erin Michos von der John-Hopkins-Universität untersuchte nun, wie sich Kalzium-Präparate auf die Bildung von Plaques auswirken. Die Daten erhielten sie aus der multiethnischen Atherosklerose-Studie, einem langjähriges Forschungsprojekt mit über 6.000 Teilnehmern, bei der unter anderem auch die John-Hopkins-Universität beteiligt gewesen war. Finanziert wurde die Studie von dem National Heart, Lung, and Blood Institute und gefördert von dem National Center for Research Resources und dem National Institute of Neurological Disorders and Stroke.

Von den 6.000 Teilnehmern hatten etwa 2.700 Personen zu Studiengebginn im Jahr 2000 Fragen zu ihren Ernährungsgewohnheiten beantwortet und angegeben, ob und welche Medikamente sie einnahmen. Zudem waren die Kalziumablagerungen in den Koronararterien am Anfang und am Ende der Studie (nach zehn Jahren) gemessen worden. Grund hierfür ist, dass Kalziumsalze wie Kalziumkarbonat ins Gewebe eingelagert werden können. Die Einlagerung in Knochen oder Zähne beispielsweise ist ein physiologischer Vorgang. Wird der Mineralstoff jedoch in Gefäße eingelagert, können sich atherosklerotische Plaques bilden. Erkrankungen wie Herzinfarkt oder plötzlicher Herztod sind die Folge.

Hinweis auf erhöhtes Risiko für Plaques durch Kalzium-Präparate

Je nachdem, wie viel Kalzium die Teilnehmer täglich über die Nahrung oder in Form von Tabletten zu sich nahmen, wurden die Teilnehmer einer von fünf Gruppen zugeteilt. Für ihre Auswertung berücksichtigte die Gruppe um Erin Michos auch demografische (unter anderem Alter, Geschlecht, Rasse) und Lifestyle-Faktoren, die das Risiko von Herzerkrankungen erhöhten (unter anderem Blutdruck, Blutzucker, Raucher, Gewicht). Anschließend verglichen sie die Teilnehmergruppe mit der höchsten Kalziumeinnahme (mehr als 1400 mg täglich) mit der, die am wenigsten dieses Mineralstoffes zu sich nahmen (weniger als 400 mg pro Tag).

Durchschnittlich nahmen die Teilnehmer der kalziumreichen Gruppe etwa 2100 mg und die der kalziumarmen Gruppe etwa 300 mg des Mineralstoffs zu sich. Laut den Autoren war das Risiko verkalkter Koronararterien bei den Teilnehmern, die mehr als 1400 mg Kalzium zu sich nahmen, um durchschnittlich 27 Prozent niedriger. Somit sei auch das Risiko für Herzerkrankungen um 27 Prozent unwahrscheinlicher.

24723322860_72d650399a_o

Grünes Gemüse wie beispielsweise Brokkoli, Hasel- und Paranüsse sowie Milchprodukte enthalten viel Kalzium und sollen laut der Studie das Herz schützen © Anka Albrecht, flickr

Im nächsten Schritt berücksichtigten die Wissenschaftler, wie das Kalzium zugeführt worden war: über die Nahrung oder in Form von Tabletten. Insgesamt nahmen 46 Prozent der Studienteilnehmer Kalzium-Präparate ein. Wieder berücksichtigten die Wissenschaftler bei ihrer Auswertung sowohl demografische als auch Lifestyle-Faktoren.

Das Ergebnis: Die Menschen der Supplementations-Gruppe hatten ein um 22 Prozent höheres Risiko für Kalziumeinlagerungen in den Koronararterien. Bei den Teilnehmer, die sich kalziumreich ernährten (über 1000 mg pro Tag), konnten die Forscher das niedrigste Risiko für die Entwicklung von Herzkrankheiten nachweisen. Laut dem Ko-Autor Anderson von der Universität North Carolina würden diese Ergebnisse zeigen, dass der menschliche Körper auf ein Supplement anders reagiere als auf den „natürlichen“ Mineralstoff und dieses auch unterschiedlich verwende. Die Wissenschaftler äußerten die Vermutung, dass das Kalziumsalz in den Supplementen der Grund für die unterschiedlichen Ergebnisse sei. Möglich wäre aber auch, dass durch die Einnahme von Tabletten dem Körper eine große Menge des Mineralstoffs auf einmal zugeführt würde.

Limitationen der Studie

„Basierend auf den Ergebnissen können wir unseren Patienten mitteilen, dass eine herzgesunde Diät mit kalziumreichen Lebensmitteln nicht schädlich zu sein scheint; sie könnte sogar das Herz schützen. Jedoch sollten Patienten vor einer geplanten Kalziumeinnahme unbedingt mit ihrem Arzt sprechen, ob sie diese überhaupt benötigen und welche Dosierung die richtige ist,“ so das Fazit der Studienautorin Erin Michos.

Anzumerken ist, dass Studien, bei denen die Teilnehmer nur zu Beginn und zu Ende befragt sowie zweimal computertomografisch untersucht werden, nicht sonderlich exakt sind. Zudem bleibt unklar, wie Kalzium-Präparate die Plaquebildung fördern. Denn der Kalzifikation liegen nämlich andere Prozesse zugrunde, die schließlich zu einer Einlagerung des Mineralstoffes in die Gefäße führen – und das auch, wenn die Kalziumkonzentration im Blut normale Werte aufweist. Die gefundenen Zusammenhänge stellen daher lediglich Assoziationen dar. Der Mechanismus müsste erst noch bewiesen werden.

118 Wertungen (4.64 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

24 Kommentare:

Nichtmedizinische Berufe

Die Artikel werden meistens in den ersten 1-3 Tagen nach Publikation rege diskutiert. Heute ist schon der 9. Tag. Vielleicht schaut doch noch jemand rein.

Zu #20. Im Prinzip ist das so schon richtig, aber weniger als ein Drittel des Calciums wird im Darm aufgenommen. Häufig dürfte es noch weit weniger sein. Wenn auch der pH-Wert des nüchternen Magens gegen 0 strebt, so steigt er bei vollem Magen auf 3-4. Freie HCl liegt ja nur in geringer Konzentration vor: 0,5-1%. In der Speise vorhandene Oxalate, Phytate u. viele andere hemmen die Ca-Aufnahme. Der Homo sapiens hat sich einst auch von Aas ernährt. Da brauchte er noch einen stabilen und hohen Säuregrad im Magen wie auch heute bei den Aas-fressenden Tieren. Die Genetik des H. sapiens hat sich seitdem nur wenig verändert. Ausnahmen z. B. Pigmentierung im Zuge der Migration in Klimagebiete arm an UV-Strahlung. Auch gibt es immer mehr Menschen mit zu hohem als zu niedrigem Magensaft-pH-Wert. Der wird ja heute kaum noch gemessen. Ein Gastroenterologe sagte mir, er hätte praktisch nur Fälle mit zu viel Magensäure. Nach Einnahme von PPI lassen die Schmerzen mehr oder weniger lange nach. Das ist dann eine Frage der Dosis. Tatsache ist aber, dass bei freiliegendem oder entzündetem Epithel Schmerzen auch bei einem pH-Wert von 4 und höher auftreten. Auch dann helfen PPI. Auch erhöht z. B. Ca-Carbonat die Arterienverkalkung bei Hämodialyse-Patienten (Braun et al. 2004). Auch sind Ca-Präparate ohne Vitamin D ohne Nutzen, sie erhöhen sogar das Risiko für die Bildung von Nierensteinen, nicht etwa das Vitamin D! Schlechthin vertragen auch nicht alle Menschen alle Ca-Präparate gleich gut. Weil eben die Ca-Aufnahme vornehmlich im Darm erfolgt, und da sind die Bedingungen eben wieder anders. Dort wird die Ca-Aufnahme durch Vitamin D aktiv gegen einen Gradienten gefördert. Die Nahrung enthält im allgemeinen ausreichend viel Calcium, das bei guter Vitamin D-Versorgung aktiv aufgenommen wird. Eine zusätzliche Supplementierung mit Calcium ist dann eher schädlich.

Zu #22. Vieles ist nun schon gesagt. Doch wenn bei jüngeren Menschen und bei gesunden (was wir so unter gesund betrachten) Erwachsenen ein Vitamin D-Spiegel von 20 – 30 ng/ml zur Aufrechterhalten der Ca-Aufnahme und des Knochenstoffwechsels in der Regel ausreichend ist, so sollten ältere Menschen, vor allem wenn sie an Entzündungen leiden (auch silent inflammations), schon auf einen Vitamin D-Spiegel von >50 ng/ml bedacht sein. Es lohnt sich, auch in das Buch von Raimund von Helden reinzuschauen.

Zu #21 und #23. Ich habe vor einigen Tagen zur Frage Vitamin K2 smeine Gedanken geäußert. Das ist doch nicht so, weil „… wie in den USA angenommen“, sondern weil es dazu internationale wissenschaftliche Literatur gibt. Es mutet schon komisch an, wenn ein Arzt, dem ich nach Vitamin K2 fragte, entsetzt mit den Worten reagierte wir empfehlen allen älteren Menschen blutverdünnende Präparate und sie wollen Vitamin K einnehmen. Da sind ja in Ihrem Alter Thrombosen usw. vorprogrammiert. Nur ist es aber so, dass Vitamin K2 nun wirklich mit der Blutgerinnung gar nichts zu tun hat. Bei solcher Meinung kann man eben nicht diskutieren. Ich möchte nicht falsch verstanden werden, und das allen Ärzten unterschieben. Andererseits weiß ich aber, da ich dann verschiedentlich nachgefragt habe, dass es kein Einzelfall ist. Ja, auch aus den Inhalten dieser Diskussion zu dem Artikel lässt sich auf die Situation des Kenntnisstandes über Vitamin K2 schließen.

#24 |
  0

Und was sagen die sogenannten Mediziner zu der Einnahme von Vitamin K2 MK 7?
Damit das Kalzium, das bei Vit. D Einnahme vermehrt durch die Nahrung aufgenommen wird, auch in die Knochen kommt?

#23 |
  1

Leider vertage ich keinen Broccoli, keine Nüsse und auch keine Milchprodukte. Woraus soll ich das Calcium entnehmen, wenn ich nicht zuführe. ich bin Fachapotheker und 68 Jahre alt. In meinen FoprtbildungsZyklen wurde mir empfohlen Ca** einzunehmensonst erleide ich den Oneschenkelhalsbruch, wie viele meiner Geschechtsgenossen.

#22 |
  0
Dr Jutta Etscheidt
Dr Jutta Etscheidt

Es ist ein paarmal angesprochen, aber nicht weiter verfolgt worden:
Ist Vit. K2 wirklch verantwortlich dafür, wohin das Calcium transportiert wird?
Falls ja – wie in den USA angenommen – wäre dies ja schon die Lösung des Problems.

#21 |
  1
Dr. E. Stamm
Dr. E. Stamm

zu #2 und einigen anderen Kommentaren:
ob Calcium als Ca-gluconat, -carbonat oder einem anderen, aber dissoziirbaren Ca-salz in den Magen gelangt, ist für eine Ca-aufnahme völlig unerheblich. Mit der großen Menge Magensäure HCl steht dem spätestens im Magen in das Ion Ca2+ dissoziirte Ca-Salz ein so großer Überschuß an Chloridanionen gegenüber, daß es gleichgültig ist, mit welchem Anion es ursprünglich in den Magen gelangt ist. Und aufgenommen wird das Ca doch nur als Ion Ca2+.
Nochmals: Das zum Ca-salz ursprünglich gehörige Anion ist völlig nebensächlich, denn nach der Ionenbildung verliert es sich – zum im Vergleich nur spurenmäßg vorliegende z.B.Gluconat-ion – im riesigen Überschuß der Chloridionen der Magensäure. Ohnehin ist nur das Ca2+-ion wirksam, das Anion (ob organischer oder anorganischer Natur) ist für die Ca-Aufnahme unwichtig.

#20 |
  0

Unterlassen sie (insbesondere sg. “gäste”) endlich mal dieses undifferenzierte “schulmediziner/ärzte/hausärzte” – bashing. ich bin alles drei und habe mich die letzten 10 jahre beinahe täglich zum thema mikronährstoffe, hormone, darmmikroökologie etc fortgebildet (u.a. bei gröber, römmler, hertoghe, bieger, reckel etc. und via pubmed, greenmedinfo etc) und es gilt immer mehr der satz “scio nescio” – viele alternativmediziner, komplementärmediziner, heilpraktiker, homöopathen und andere vodookünstler sollten ganz bescheiden bleiben, die klappe nicht so weit aufreissen wenn es um die o.a. themenkomplexe geht – vieles haben wir noch nicht annähernd verstanden! übrigens: alle erkenntnisse kommen letzlich aus der universitäten forschung (wird aber dann oft bedauerlicherweise nicht in der arztpraxis umgesetzt,
da oftmals einfach die notwendige behandlungszeit von den GKV nicht bezahlt
wird).

#19 |
  4

Wer kennt nicht Calcium-SANDOZ® und seine schier unhaltbaren Werbeversprechen?
Dieses Calcium-D-gluconat begleitete jahrzehntelang den 2. Weltkrieg, die Hungerjahre, den Wiederaufbau, das Wirtschaftswunder und die Entwicklung von der Industrie- bzw. Produktionsgesellschaft zum modernen post-industriellen Dienstleistungs-Zeitalter.

Mein Kollege, der ausgewiesene internistische Osteologe (DVO) Prof. Dr. med. Johannes Pfeilschifter, bringt es allgemein verständlich auf den Punkt: “ein Mann oder eine Frau, die weniger als 500 Milligramm Calcium zu sich nehmen würden, haben ein höheres Bruchrisiko. Wie kann ich das vermeiden? Durch Zufuhr von Calciumprodukten mit der Nahrung. Da kann ich als Faustregel die so genannte 300-er-Regel anwenden: Eine Scheibe Käse hat 300 Milligramm Calcium, ein Glas Milch hat 300 Milligramm Calcium, zwei Joghurts haben etwa 300 Milligramm Calcium. So kann man sich ungefähr ausrechnen, wie viel Calcium ich mit der Nahrung zuführe und viele Männer und Frauen trinken auch calciumreiches Mineralwasser, dass auch eine wertvolle Calciumquelle ist.
http://www.frag-den-professor.de/transcript/mitschrift-32/

Die Firma Novartis® (1996 fusionierte Sandoz® mit Ciba®-Geigy® zu Novartis) mit ihrer Generika-Linie und HEXAL® als Vertrieb für Calcium-Sandoz® Forte 500 mg, Brausetabletten, Calcium-Sandoz® Fortissimum 1000 mg, Brausetabletten schreibt mit Stand März 2015 immer noch irreführend: “Wirkstoffe: Calcium (als Calcium-D-gluconat – Calciumlactat (2:3) 2 H2O, Calciumcarbonat). Anwendungsgebiete: Vorbeugung und Behandlung eines Calciummangels, Unterstützung einer speziellen Therapie zur Vorbeugung und Behandlung einer Osteoporose (Knochenschwund), zusätzlich zu Vitamin D3 zur Behandlung der Rachitis (Erweichung des im Wachstum befindlichen Knochens bei Kindern) und Osteomalazie (Erweichung von Knochen bei Erwachsenen). Enthält Natriumverbindungen; Zusätzl. für -500 mg: Sorbitol, Glucose. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!” http://www.calcium-sandoz.de/

Historisch gesehen, produzierte die Aktiengesellschaft Chemische Fabrik vormals Sandoz seit 1895 das fiebersenkende Mittel Phenazon (Antipyrin®), das von der Deutschen Firma Hoechst® 1896 zum dreifach wirksameren Aminophenazon (Pyramidon) weiterentwickelt wurde (jetziges Metamizol = Novalgin®). Zwischen den Weltkriegen wurden dann von der SANDOZ-AG Gynergen® (1921) und Calcium-Sandoz® (1929) auf den Markt gebracht.

Dafür, wie man mit einem eigentlich wertlosen Calcium-Präparat (Milch-Allergiker, Laktose-Intolerante und Käse-Feinde mögen mir verzeihen) zu Einfluss, Ansehen, Ruhm, Reichtum und Macht kommen kann, gibt es übrigens ein vor-mittelalterliches Beispiel: Salzburg hatte es mit einem gewaltigen Intrigen-, Werbe- und Eroberungsfeldzug geschafft, sogar den Ostfriesen, die das Jod-haltige Nordsee-Meersalz sozusagen vor der Haustüre hatten, z. T. mit Gewalt einzutrichtern, dass sie gefälligst das extrem teure, Jod-freie Steinsalz aus dem Salzbergwerken um Salzburg herum zu kaufen hätten. So kam die in Austria allgegenwärtige, endemische Struma (“Kropf”) nicht nur zu den Ostfriesen, sondern wurde in alle Welt exportiert. Das bayrische “Bad Reichenhaller Spezialsalz” hatte dann ebenfalls absolut jodfrei zur Struma-Verbreitung beigetragen (heute natürlich mit Jodzusatz!).

#18 |
  6
Thomas Suchomel
Thomas Suchomel

@#16: “…ein Glas Milch hat 300 Gramm Calcium…”???

Sie meinen sicher 300 Milligramm, oder?

#17 |
  0

Wer kennt nicht Calcium-SANDOZ® und seine schier unhaltbaren Werbeversprechen?
Dieses Calcium-D-gluconat begleitete jahrzehntelang den 2. Weltkrieg, die Hungerjahre, den Wiederaufbau, das Wirtschaftswunder und die Entwicklung von der Industrie- bzw. Produktionsgesellschaft zum modernen post-industriellen Dienstleistungs-Zeitalter.

Mein Kollege, der ausgewiesene internistische Osteologe (DVO) Prof. Dr. med. Johannes Pfeilschifter, bringt es allgemein verständlich auf den Punkt: “ein Mann oder eine Frau, die weniger als 500 Milligramm Calcium zu sich nehmen würden, haben ein höheres Bruchrisiko. Wie kann ich das vermeiden? Durch Zufuhr von Calciumprodukten mit der Nahrung. Da kann ich als Faustregel die so genannte 300-er-Regel anwenden: Eine Scheibe Käse hat 300 Milligramm Calcium, ein Glas Milch hat 300 Gramm Calcium, zwei Joghurts haben etwa 300 Milligramm Calcium. So kann man sich ungefähr ausrechnen, wie viel Calcium ich mit der Nahrung zuführe und viele Männer und Frauen trinken auch calciumreiches Mineralwasser, dass auch eine wertvolle Calciumquelle ist.
http://www.frag-den-professor.de/transcript/mitschrift-32/

Die Firma Novartis® (1996 fusionierte Sandoz® mit Ciba®-Geigy® zu Novartis) mit ihrer Generika-Linie und HEXAL® als Vertrieb für Calcium-Sandoz® Forte 500 mg, Brausetabletten, Calcium-Sandoz® Fortissimum 1000 mg, Brausetabletten schreibt mit Stand März 2015 immer noch irreführend: “Wirkstoffe: Calcium (als Calcium-D-gluconat – Calciumlactat (2:3) 2 H2O, Calciumcarbonat). Anwendungsgebiete: Vorbeugung und Behandlung eines Calciummangels, Unterstützung einer speziellen Therapie zur Vorbeugung und Behandlung einer Osteoporose (Knochenschwund), zusätzlich zu Vitamin D3 zur Behandlung der Rachitis (Erweichung des im Wachstum befindlichen Knochens bei Kindern) und Osteomalazie (Erweichung von Knochen bei Erwachsenen). Enthält Natriumverbindungen; Zusätzl. für -500 mg: Sorbitol, Glucose. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!” http://www.calcium-sandoz.de/

Historisch gesehen, produzierte die Aktiengesellschaft Chemische Fabrik vormals Sandoz seit 1895 das fiebersenkende Mittel Phenazon (Antipyrin®), das von der Deutschen Firma Hoechst® 1896 zum dreifach wirksameren Aminophenazon (Pyramidon) weiterentwickelt wurde (jetziges Metamizol = Novalgin®). Zwischen den Weltkriegen wurden dann von der SANDOZ-AG Gynergen® (1921) und Calcium-Sandoz® (1929) auf den Markt gebracht.

Dafür, wie man mit einem eigentlich wertlosen Calcium-Präparat (Milch-Allergiker, Laktose-Intolerante und Käse-Feinde mögen mir verzeihen) zu Einfluss, Ansehen, Ruhm, Reichtum und Macht kommen kann, gibt es übrigens ein vor-mittelalterliches Beispiel: Salzburg hatte es mit einem gewaltigen Intrigen-, Werbe- und Eroberungsfeldzug geschafft, sogar den Ostfriesen, die das Jod-haltige Nordsee-Meersalz sozusagen vor der Haustüre hatten, z. T. mit Gewalt einzutrichtern, dass sie gefälligst das extrem teure, Jod-freie Steinsalz aus dem Salzbergwerken um Salzburg herum zu kaufen hätten. So kam die in Austria allgegenwärtige, endemische Struma (“Kropf”) nicht nur zu den Ostfriesen, sondern wurde in alle Welt exportiert. Das bayrische “Bad Reichenhaller Spezialsalz” hatte dann ebenfalls absolut jodfrei zur Struma-Verbreitung beigetragen (heute natürlich mit Jodzusatz!).

#16 |
  10
Nichtmedizinische Berufe

Es geht etwas durcheinander, wie es mir erscheint. Deshalb kurz ein paar Betrachtungen aus biologischer Sicht.
Vor dem Übergang zum Leben auf dem Lande wurden immer genügend Calcium-Ionen (weiterhin immer Ca) über die Oberfläche der Organismen aufgenommen.
Nach dem Übergang auf das Land erforderte die Ausbildung des Skeletts eine dramatische Erhöhung des Ca-Bedarfes, gleichzeitig enthielten das Süßwasser und die Nahrung aus dem Süßwasser (auch Bodenwasser ist kein Wasser aus dem Ocean) sehr geringe Mengen an “verfügbarem” Ca.
In der Evolution setzte sich eine sehr exakte Regulation des Ca-Spiegels in einem sehr engen Bereich durch, um die vielseitigen Funktionen des Ca zu erfüllen.
Die wichtigsten Regulatoren des Ca-Spiegels: Vitamin D (weiterhin D3) und Vitamin K2. D3 ist erforderlich für die aktive Ca-Aufnahme, K2 für die Verteilung von Ca zwischen den Weichteilen und den Knochen.
Das Ergebnis einer Ca-Supplementierung hängt damit von D3 und K2 ab. Bei einem D3-Defizit wird sich eine Ca-Supplementierung in der Regel positiv auswirken. Bei einem hohen D3-Spiegel (>> 150 ng/ml !)kann eine Ca-supplementierung zu einer Ca-bedingten (nicht D3-bedingten) Hyperkalzämie führen. Bei einer gesunden Ca-reichen Diät (dürfte in der Regel auch Vitamin K enthalten; bei Erreichen des K1-Normalwertes im Blut wird das überschüssige Hormon in K2 umgewandelt) ist ein positiver Ca-Effekt zu erwarten.
Leider ist hier nicht Raum diese Zusammenhänge ausreichend tiefgründig und überschaulich zu behandeln. Ich bitte auch um Verständnis, dass ich manche Studien etwas zurückhaltend beurteile. Wie kommt es zu den vielen Widersprüchen zwischen den Ergebnissen vieler Studien und auch Metastudien? Ich arbeite auf der Grundlage naturwissenschaftlicher Originalarbeiten.

#15 |
  4

Was die einen als “Schulmedizin” zu schmähen trachten, bezeichne ich als Wissenschaftliche Medizin!

“Ich hab nichts dagegen, wenn mein Arzt die Schule besucht hat” – Dieter Nuhr, Kabarettist.

#14 |
  1
Chemiker

#2 Was Sie da erzählen, geht aber ein wenig an den Naturwissenschaften vorbei.
#3 Auch wenn es mich nicht persönlich trifft: Ersetzen Sie “Schulmediziner” durch “Mediziner”. “Schulmedizin” ist nämlich herabsetzend gemeint.

#13 |
  2
Gast
Gast

Ernährungsempfehlungen vom Hausarzt “sehr-wohl ”
@2 / 3 / 4 / 9
Super Artikel weil offen Darlegung der bisherigen nachprüfbaren Ereignisse.
@ Dr Sabine Dettling : “aber welcher Schulmediziner (“Hausarzt”) kann zum Themenkomplex “Ernährungsmedizin & Vitalstoffe” kompetent urteilen und beraten?”
Gerade Schulmediziner halten sich oft mit unerprobt vorgetragenen Ernährungsbotschaften und phrasenartig als ganzheitlich bezeichneten wenig substantiell belegten Glaubensäußerungen zurück und beraten nicht “extrem” und dadurch weniger schädlich, sowohl physiologisch als auch psychologisch.
Nicht ohne Grund ist die Lebenserwartung in Ländern mit schulmedizinischer Gesundheitsausrichtung so hoch und wird durch zunehmende Wissensbausteine wahrscheinlich weiter steigen.
Daher “behandle ich weiterhin nach dem zur Zeit gültigen wissenschaftlichem Irrtum” und nicht nach esoterischen Heilseingebungen.
Hausarzt, Allgemeinmediziner, Sportmedizin, NHV,

#12 |
  1
Dr Elke Schäfer
Dr Elke Schäfer

Wichtig wäre hier auf die Zusammenhänge Vit D plus K2 einzugehen.
Außerdem ist eine Kuhmilchlastige Ernährung immer ein Ca- Räuber.

#11 |
  5
BI Bernd Rathgeber
BI Bernd Rathgeber

Noch einer :)
Wie sehen Sie alle die Supplementierung von Vitamin K2 in Bezug auf Plaque?

#10 |
  3
BI Bernd Rathgeber
BI Bernd Rathgeber

Ich muss dazu mal kurz folgende Frage in den Raum stellen:
Was ist der unterschied ob ich Brokkoli oder Sesam kaue oder ab und zu eine niedrig dosierte Kalziumtablette aus dem DM?
Ich denke da muss man abwägen. Sportler vor allem auch Hobby-Sportler und Arbeiter die viel geschwitzt haben, hatten in den 60zigern und 70zigern of schlechte Zähne, weil ihnen Mineralstoffe gefehlt haben. Die Profis wussten schon immer um die Nahrungsergänzungsmittel.
Kann mir bitte jemand hierzu Feedback geben. Danke L.G.

#9 |
  4
Weitere medizinische Berufe

“dass eine herzgesunde Diät mit kalziumreichen Lebensmitteln nicht schädlich zu sein scheint; sie könnte sogar das Herz schützen.”

sonst dürfte man sie dann nicht mehr herzgesund nennen..

#8 |
  1
Dr. Christian Scheifele
Dr. Christian Scheifele

Wird der Mineralgehalt des Trinkwassers mit bei der Ernährung berücksichtigt? Mineralwässer können >500mg/l Calcium enthalten …

#7 |
  4

@Gast – die Art der Zufuhr ist in der Tat interessant – aus der Pädiatrie weiß ich, dass flüssige Darreichungsformen (Brausetabl., “Frubiase” – früher sehr beliebt) vermieden werden sollen zugunsten von – wenn z.B. eine Rachitistherapie dies erfordert – Kautabletten. Grund: Die rasche Aufnahme führt zu Calciumspiegelspitzen im Serum, die renal korrigiert werden. D.h. es gibt sehr kalziumreiches Pipi, was der Knochengesundheit der Kanalratte zuträglich ist, der des Patienten jedoch weniger und was das Nephrokalzinose-und Nierensteinrisiko steigert.

#6 |
  0

@ #3:

Die Antwort ist ganz einfach: Der “Schulmediziner” bestimmt den Calcium-Wert im Serum. Liegt kein Calcium-Mangel vor, benötigt der Patient keine Substitution!

Dies entspricht übrigens auch den osteologischen Leitlinien.

#5 |
  3
Dr. med. Susanne Bihlmaier
Dr. med. Susanne Bihlmaier

Wertvolles Nahrungskalzium findet sich z.B. in Gomasio, dem Sesamsalz, das in ganz Asien nachweislich für bessere Knochen sorgt, als wir im Westen es mit angeblich so gutem Kalziumlieferanten Kuhmilch versuchen. Ganz einfach selbst herzustellen: 10 Teile ungeschälter Sesam, 1 Teil Salz. Sesam fettfrei leicht anrösten in einer Pfanne, danach mit Salz vermörsern, vermahlen (Hochleistungsmixer, Kaffeemühle). Schmeckt nicht aufdringlich nach Sesam, sondern rundet harmonisch ab. Gibt es auch fertig zu kaufen, dann bitte glutamatfreies wählen.

#4 |
  12
Dr. Sabine Dettling
Dr. Sabine Dettling

Schön wäre, wenn die Schulmedizin endlich mal in großen Zusammenhängen anfangen würde zu denken und zu forschen. “Jedoch sollten Patienten vor einer geplanten Kalziumeinnahme unbedingt mit ihrem Arzt sprechen, ob sie diese überhaupt benötigen und welche Dosierung die richtige ist“ – gut gemeinte Empfehlung, aber welcher Schulmediziner (“Hausarzt”) kann zum Themenkomplex “Ernährungsmedizin & Vitalstoffe” kompetent urteilen und beraten?

#3 |
  20
Gast
Gast

Wäre interessant zu wissen welche Calciumverbindungen eingenommen wurden.
Dass die Gruppe bei der das Calcium aus der Nahrung kam nicht betroffen ist lässt vermuten, dass es sich um industriell hergestellte organische Verbindungen wie das sehr beliebte Calciumcitrat, die in der Natur so nicht vorkommen, handelt. Diese werden nämlich nicht als Calciumverbindungen erkannt und das Calcium quasi als blinder Passagier in die Zellen geschleust. Da verwundert es nicht, dass es so zu Gewebeverkalkungen jeglicher Art kommt.

#2 |
  9
Gast
Gast
#1 |
  7
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: