Haben wir 1.300 Krankenhäuser zu viel?

28. Oktober 2016
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Experten plädieren dafür, drei von vier Kliniken in Deutschland zu schließen. Statt 1.600 kleiner soll es 330 große Krankenhäuser mit modernster Ausstattung geben. Denn: Kliniken arbeiteten weder wirtschaftlich noch im Sinne des Patienten. Der Vorschlag stößt auf Kritik.

Deutschland hat zu viele kleine Krankenhäuser, die dem Patienten zu wenig bieten, kritisieren Forscher der Nationalen Akademie für Wissenschaften. Viel effizienter als die 1.600 allgemeinen Krankenhäuser, die es im Moment gibt, seien 330 Großkliniken, erklären sie in ihrem Diskussionspapier „Zum Verhältnis von Medizin und Ökonomie im deutschen Gesundheitssystem“. Dabei orientieren sich die Wissenschaftler am dänischen Modell mit einem Krankenhaus pro 250.000 Einwohner.

Das deutsche Gesundheitssystem kostet viel Geld. In Deutschland waren es 2015 rund 11 % vom BIP, die für Leistungen im Gesundheitswesen beansprucht wurden. Dieser Wert liegt deutlich über dem der durchschnittlichen OECD-Quote von 9%.

Die Autoren betonen, wie wichtig Fortschritte in der Medizin sind  sowie ein Gesundheitssystem, das allen zugänglich ist. Sie stellen zur Diskussion, ob die Ressourcen mit Blick auf die Qualität der medizinischen Versorgung im internationalen Vergleich gut eingesetzt sind.

So argumentieren die Autoren

Die Schrift umfasst acht Thesen zur Weiterentwicklung zum Wohle der Patienten und der Gesellschaft. Als Ausgangssituation vergleichen die Autoren das Gesundheitssystem in Deutschland mit dem Dänemarks: „Die dänische Krankenhausstruktur ist das Resultat einer landesweit abgestimmten Reform, die für rund 1.000 Euro pro Kopf der Bevölkerung viele kleinere ältere Krankenhäuser durch wenige neue ersetzt hat.“

Dass sie mit ihren Forderungen auf Widerstand stoßen, ist den Wissenschaftlern bewusst: „Die in Deutschland überproportional hohe Zahl von oft schlecht ausgestatteten Krankenhäusern trifft auf rechtliche Rahmenbedingungen, die die Schließung einzelner Häuser erschweren, ja fast unmöglich machen. Nicht zuletzt ist der Eingriff in die vorhandenen Krankenhausstrukturen politisch unattraktiv: beispielsweise werden mögliche Schließungen aufgrund von Widerständen vor Ort oft nicht durchgeführt.“

In der Tat stoßen diese radiken Ideen auf Kritik: „Die Vorschläge haben nichts mit der Versorgungswirklichkeit zu tun“, zitierte Spiegel Online den Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Die momentane gesundheitliche Versorgung sei hochwertig, mit einer Reform würde man auch nicht mehr einsparen als jetzt.

Das vollständige Diskussionspapier finden Sie hier.

26 Wertungen (4 ø)

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9 Kommentare:

Ärztin

Nirgens in Europa……

#9 |
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Ärztin

Wer meint dass wir zu viele Krankenkassen haben kann ja in die AOK gehen.
Klüger als die Konkurrenz abzuschaffen wäre die Strukturen der Kassen zu beleuchten und zu hinterfragen. Auch die Vergleiche mit anderen Ländern machen nur Sinn wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dort mit denen von Deutschland übereinstimmen. In Deutschland ist die Wirtschaft “reich“. Und der Bürger? Morgens in Europa klafft die Schere so weit wie in Deutschland.

#8 |
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Gast
Gast

Wieviele Krankenkassen haben wir zuviel?
Könnte man…

#7 |
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Nichtmedizinische Berufe

Zum Beispiel Dänemark ( ich wohne an der dänischen Grenze) Die ambulante Versorgung mit Haushaltshilfen, Sozialarbeitern, Gemeindeschwestern etc. von älteren Menschen gerade auf dem Land ist mit Deutschland nicht zu vergleichen.
Was macht ein älterer Herr beispielsweise in Brandenburg mit einem Schlaganfall? Muss der dann 100 km nach Berlin fahren?
Es ist richtig, dass man das Gesundheitssystem verbessern könnte, nur allein das KOSTET zunächst mal Geld und spart nix ein, was die Politiker sich so vorstellen.

#6 |
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Gast
Gast

Es wäre schön, wenn Gesundheitspolitik mal nicht von Eierköpfen bestimmt würde, die fern der Praxen und Krankenhäuser in ihren Büros sitzen…

#5 |
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Dr. Manfred Bohn
Dr. Manfred Bohn

Schrott!

#4 |
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Nichtmedizinische Berufe

Welche EXPERTEN wollen Kliniken schließen?
Besser wäre es, Kliniken wieder in staatliche Hände zu legen!
Nur so wird unser Gesundheitssystem wieder gesund!
Durch die Privatisierung wurde alles nur noch viel teurer.
Ärzte bekamen die OP-Wut! Es wurde unsinnig operiert, wie wir alle wissen!
Jede OP bringt Gewinn für diese privaten Unternehmen, die nach kaufmännischen Regel geführt werden und nicht nach medizinischen Regeln.
Eine Studie die aus medizinischer Sicht erstellt wird, würde dieses belegen!
Unseren Patienten würde es auch besser gehen, da bin ich mir ganz sicher.
Deutschland ist nicht das Ausland, wer die Medizin damit vergleicht, macht Fehler!

Nicht jedes Bundesland ist ein Flächenland!
Geschlossen ist schnell, eröffnet wohl kaum!

Fehldiagnosen, OP-Wut, Hygienefehler müssen behoben werden!
Mehr Personal, Fachpersonal muß besser bezahlt werden.
Mehrarbeit muß begrenzt werden.

Wenn alle diese Punkte behoben sind, kann man daran gehen, und ältere Kliniken schließen, aber nicht weil diese unwirtschaftlich sind, sondern weil sie nur gering ausgelastet sind!

#3 |
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Hermann Wollschläger
Hermann Wollschläger

Ich wünsche allen, die für 330 große Kliniken plädieren, dass sie sich mal in so eine Großklinik einweisen lassen und spüren, wie fabrikartige Behandlung, Hygiene und überbordende Bürokratie funktioniert.
Viel Spaß

#2 |
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Keine Ahnung, aber gut, dass wir darüber gesprochen haben!
Auch nach Ansicht der eigentlich nur und ausschließlich für die Sicherstellung der a m b u l a n t e n vertragsärztlichen Versorgung zuständigen Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gebe es in Deutschland 500 Krankenhäuser zu viel: “Heute gibt es über 2000 Krankenhäuser. So viele brauchen wir sicher nicht. Schaut man ins Ausland, würde eine Zahl von 1500 wohl ausreichen”, sagte KBV-Vorstandschef und niedergelassener Orthopäde Dr. med. Andreas Gassen der “Rheinischen Post”.
http://ftp.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/bedarfsplanung/article/920931/kbv-chef-gibt-500-kliniken-deutschland.html
Die altehrwürdige, versnobt-verstaubte “Leopoldina” schreibt dazu in einem 8-Thesen-Paper mit dem monomanen Titel “Nationale Empfehlungen – Zum Verhältnis von Medizin und Ökonomie im deutschen Gesundheitssystem (2016)” ebenso dilettantisch wie bildungsfern: “Die Medizin hat die Aufgabe, Krankheiten – soweit möglich – zu heilen, zu lindern und ihnen vorzubeugen. Der Patient muss sich darauf verlassen können, dass Ärzte und das medizinische Fachpersonal nur entsprechend dieser Aufgabe handeln.”
http://www.leopoldina.org/de/publikationen/detailansicht/publication/zum-verhaeltnis-von-medizin-und-oekonomie-im-deutschen-gesundheitssystem-2016/
Dabei “vergisst” die Leopoldina völlig, dass das ärztliche Motto “RETTEN, HEILEN, LINDERN, SCHÜTZEN” lauten muss. Vergleichbar mit dem globalen Leitmotiv aller Feuerwehren: “Retten, Löschen, Bergen, Schützen”
http://www.feuerwehrverband.de/fileadmin/Inhalt/SERVICE/Allgemein/DFV-Informationen_Signet_DJF.pdf
Die Leopoldina will uns Ärztinnen und Ärzten in Klinik und Praxis allen Ernstes eine Arbeitsplatzbeschreibung mit “Krankheiten – soweit möglich – zu heilen, zu lindern und ihnen vorzubeugen” andienen, in der die eminent wichtige und klinisch besonders relevante Rettungs-, Intensiv- und Notfallmedizin schlichtweg unterschlagen wird?
Mein Vorschlag zur Güte, nebst einer herrlichen Satire über “Neuronale Dysfunktion” bei der Leopoldina vom Kollegen Peter Glocker in der Ärzte Zeitung: http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/versorgungsforschung/article/922394/experten-kliniksektor-aufgeblaeht.html#comment
Jedes Mitglied der Leopoldina wird dazu verdonnert, mindestens 25 Folgen von “Emergency Room” mit George Clooney als Dr. Green anzuschauen oder die 3 Bücher “Mount Misery”, “The House of God” und “Doctor Fine” von Samuel Shem zu exzerpieren. Erst dann könnten sie mit uns Ärztinnen und Ärzten auf Augenhöhe debattieren.

#1 |
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