Knieschäden: Immer der Nase nach

27. Oktober 2016
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Knorpelzellen aus der Nase eignen sich offenbar gut, um Knorpelschäden im Kniegelenk zu heilen. Im Rahmen einer kleinen Studie konnten mittels dieser Methode bereits gute Ergebnisse ohne unerwünschte Nebenwirkungen erzielt werden.

Forscher sind einer vielversprechenden Behandlungsmethode auf der Spur: Werden aus der Nasenscheidewand Knorpelzellen entnommen, können diese im Labor zu einem funktionsfähigen Gewebe gezüchtet werden. Damit lässt sich beschädigtes Knorpelgewebe im Kniegelenk ersetzen und somit heilen. Eine klinische Phase-I-Studie bestätigt nun erste Erfolge dieser Therapie.

Behandlung der Gelenke: nach wie vor problematisch

Knorpelschäden in Gelenken sind schwierig zu therapieren. Davon betroffen sind nicht nur ältere Menschen als Folge von jahrelanger Abnützung, sondern auch jüngere nach Verletzungen oder Unfällen. Behandlungen sind kompliziert und oft mit Risiken verbunden, beispielsweise kommt es manchmal zu dauerhaften Schmerzen und einer eingeschränkten Beweglichkeit des betroffenen Gelenks. Dies kann in weiterer Folge dazu führen, dass das Gelenk durch ein künstliches ersetzt werden muss.

Ein Näschen für die optimale Behandlung

Eine klinische Phase-I-Studie des Deparments Biomedizin an der Universität Basel zeigt jetzt eine erfolgversprechende Alternative auf: Knorpelzellen aus der Nase eignen sich laut den Experten hervorragend, um Knorpelschäden im Kniegelenk zu heilen. Die Studie weist nach, dass die Sicherheit und Machbarkeit der Behandlungsmethode gegeben sind und sich im Kniegelenk Reparaturgewebe bildet, das dem natürlichen Knorpel sehr ähnlich ist. In der Selbsteinschätzung der Patienten zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Beschwerden.

Implantate ohne Nebenwirkungen

Zwei Verfahren kamen zum Einsatz: Zum einen verwendeten die Forscher Knorpelzellen aus der Nasenscheidewand, da diese bessere Regenerationseigenschaften aufweisen als Gelenkknorpel. Zum anderen implantierten sie keine Zellen, sondern funktionsfähiges Gewebe, das zuvor im Labor gezüchtet wurde.

Das beschädigte Knorpelgewebe am Knie wurde also durch das herangewachsene und zugeschnittene Gewebe aus der Nase ersetzt. Dabei gelang es, für alle Patienten ein Implantat herzustellen, das die typischen Eigenschaften eines Knorpelgewebes am Kniegelenk aufweist. Bei niemandem wurden nach der Implantation unerwünschte Nebenwirkungen festgestellt, die vom Transplantat herrühren könnten.

Weitere Studien geplant

Es handelt sich um erste Zwischenergebnisse – an der Studie nahmen zehn Patienten unter 55 Jahren mit schweren Knorpeldefekten im Kniegelenk teil. Alle wiesen posttraumatische Knorpelschäden mit einer Größe von zwei bis sechs Quadratzentimetern auf. Patienten mit Arthrose wurden nicht in die Studie aufgenommen.

Weil die Zahl der Studienteilnehmer zu gering ist, um eine verlässliche Aussage über die Wirksamkeit zu treffen, wird eine internationale, multizentrische Phase-II-Studie folgen.

Originalpublikation:

Nasal chondrocyte-based engineered autologous cartilage tissue for repair of articular cartilage defects: an observational first-in-human trial

Marcus Mumme et al.; Lancet, doi: 10.1016/S0140-6736(16)31658-0; 2016

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Chirurgie, Medizin, Orthopädie

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