Gicht: Süßes gibt dir Saures

31. Oktober 2016
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Die Aufnahme von zu viel Fruktose kann das Gichtrisiko erhöhen. Doch nicht Obst und Gemüse sind daran schuld, sondern zahlreiche Fruchtgetränke, die große Mengen des Monosaccharids enthalten. Doch es bestehen auch Zweifel an der jetzt veröffentlichten Studie.

In der westlichen Welt zählt Gicht neben Typ 2-Diabetes zu den häufigsten Stoffwechselerkrankungen. Rund ein bis zwei Prozent der Bevölkerung oder 950.000 Menschen in Deutschland leiden daran – Tendenz steigend. Nicht immer lösen purinreiche Lebensmittel oder Alkohol das „Zipperlein“ aus. Jetzt zeigt Joseph Jamnik, University of Toronto, welchen Einfluss Fruktose hat.

Dosisabhängige Zusammenhänge

Im Rahmen einer Metaanalyse wertete er die wissenschaftliche Literatur aus, fand aber nur zwei geeignete Studien. Dazu gehörte die „Nurses’ Health Studie“ mit 78.906 Krankenschwestern und 22 Jahren als Follow-up. Die „Health Professionals Follow-up Study“ mit 46.393 Ärzten und zwölf Jahren Folow-up, kam hinzu. Schließlich lagen Daten zu 755 Männern und 778 Frauen vor, bei denen im Beobachtungszeitraum Gicht diagnostiziert worden war.

Jamnik korrigierte Störfaktoren wie das Alter, den BMI, die Kalorienaufnahme, Vorerkrankungen und Pharmakotherapien. Trotzdem fand er dosisabhängige Zusammenhänge zwischen der Aufnahme von Fruktose und dem Gichtrisiko. Für Patienten, die rund 12 % ihrer Gesamtenergie über Fruktose deckten, erhöhte sich das Risiko um 62 %. Jamnik zog Patienten, die nur rund 7 % ihrer Gesamtenergie über Fruktose deckten, als Vergleich heran.

Fragen über Fragen

Eigentlich wollte der Wissenschaftler im nächsten Schritt Korrelationen zwischen der Fruktoseaufnahme und dem Harnsäurespiegel untersuchen. Er fand jedoch keine geeigneten Studien, sondern lediglich Zusammenhänge aus dem Tierexperiment. Bekannt ist, dass der Fruktose-Metabolismus zur Steigerung der körpereigenen Purin-Synthese führt. Ähnlich wie Alkohol hemmt das Monosaccharid außerdem die renale Harnsäure-Ausscheidung.

Damit bleibt es bei, wie der Forscher schreibt, „geringgradiger“ Evidenz. Jamnik kann einen Bias durch externe Faktoren zwar nicht ausschließen, er rät trotzdem zum maßvollen Konsum fruktosehaltiger Getränke. Das American College of Rheumatology warnt in erster Linie vor gesüßten Energy-Drinks, Limonaden oder Fruchtsäften. Große Obstmengen sind eher unwahrscheinlich.

27 Wertungen (4.37 ø)
Forschung, Pharmazie

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3 Kommentare:

Dipl.oec-troph.J.Ritschel
Dipl.oec-troph.J.Ritschel

Herrn Bedynek möchte ich kurz antworten und seinen sehr interessanten Hinweis auf den Link vor Allem an die Studierenden der Medizin zu richten! Ernährungsbedingte Zusammenhänge werden meiner Kenntnis nach dort immer noch nicht schwerpunktmäßig angeboten, sind aber in vielen Fällen unmittelbar mit krankheitsrelevanten Themen gekoppelt. Für angehende Chemiker oder Biochemiker -das unterstelle ich mal- sind diese funktionellen Abläufe schon fast”Basics”.
Und : die Grundregeln zur ausgewogenen, saisonalen Ernährung werden auch hier wieder bestätigt! Wir ernähren uns sonst weiterhin zu kalorienreich- egal ob zu fett oder zu zuckerhaltig…

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Joachim Bedynek
Joachim Bedynek

Die von Dr. Schätzler angegebenen Links finde ich hervorragend geeignet zur Motivation von Biologie-Chemie-Leistungskursschülern und natürlich für Biochemie-Studenten, da sie den Zusammenhang und die grundlegende Bedeutung von den in der Schule behandelten chem. Verbindungen im Bezug zur Praxis zeigen.

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