Tasmanische Teufelsmilch: Antibiotikatherapie 2.0?

27. Oktober 2016
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Forscher aus der Heimat der Beuteltiere haben herausgefunden, dass Peptide in der Muttermilch des Tasmanischen Teufels resistente Bakterien getötet haben. Sie forschen nun weiter und wollen daraus neue Antibiotika entwickeln.

Ein Forscherteam der University of Sydney behauptet, eine neue Wunderwaffe gegen multiresistente Keime entdeckt zu haben: die Muttermilch des Beuteltiers, auch Tasmanischer Teufel genannt. Das Besondere an der Flüssigkeit sind die enthaltenen Peptide. Sie können selbst extrem widerstandsfähige Bakterien abtöten.

Laut einer britischen Studie sind multiresistente Keime ein schwerwiegendes Problem, das über die nächsten Jahrzehnte immer gravierendere Folgen haben wird. Die Untersuchungen legen nahe, dass bis 2050 bis zu zehn Millionen Menschen an nicht therapierbaren Erregern sterben werden.

Beuteltiere wirbeln Bakterien-Forschung auf

Das Interesse an neuen Wirkstoffen ist deshalb groß. Die neueste Hoffnung sind Peptide, die in der Muttermilch von Beuteltieren vorkommen. Untersucht werden derzeit Wallabies, Opossums und Koalas – am meisten vorangeschritten sind die Studien aber beim Tasmanischen Teufel.

Er und seine Artverwandten unterscheiden sich von allen anderen Säugetieren durch ihr spezielles Immunsystem. Die Tiere tragen ihre Babys bis sie fertig entwickelt sind im Beutel, dort befindet sich auch eine Vielzahl an Bakterien. „Wir glauben, dass dies zu einer Ausbreitung der Peptide bei den Beuteltieren geführt hat“, sagt Emma Peel, Co-Autorin der Studie.

Auf der Suche nach dem Super-Antibiotikum

Im Gegensatz zum Menschen produzieren Beuteltiere deutlich mehr dieser antimikrobiellen Peptide. Im Rahmen der Studie analysierte das Forscherteam das Erbgut des Tasmanischen Teufels und stellte die Moleküle künstlich her. In Tests töteten sie eine Vielzahl von Bakterien, darunter auch resistente.

Als die Forscher das Zusammenwirken der Peptide mit 25 unterschiedlichen Bakterienstämmen und Pilzen untersuchten, stellten sie fest, dass die Verbindungen sogar den gefährlichen Staphylococcus aureus töten, der unter anderem Auslöser für Lebensmittelvergiftungen, Pneumonien und das Toxic Shock Syndrome sein kann.

Außerdem zerstörten die besonderen Moleküle auch die für Harnwegsinfektionen verantwortlichen Enterokokken und den seltenen Candida krusei sowie den gefährlichen Cryptococus Gattii, der sogar bei Menschen mit stabilem Immunsystem eine Kryptokokkose auslösen kann.

Tasmanischer Teufel: Beinahe unverwüstlich

Die Widerstandsfähigkeit führen die Experten auf die rauen Umstände zurück, unter denen Beuteltiere zur Welt kommen: Schließlich werden sie in einem sehr frühen Entwicklungsstadium geboren und leben dann in einem „dreckigen“ Beutel, der reich an Pathogenen ist.

Peel und ihr Team testeten die Milch und analysierten sie. Dabei fanden sie sechs natürlich auftretende antimikrobielle Peptide der Familie der Cathelicidine – wir Menschen besitzen nur eines. Diese wirken drei bis sechs Mal so effektiv gegen eine Vielzahl von Pilzen wie herkömmliche Medikamente.

Zwei der Peptide wurden als besonders wirksam gegen Bakterien eingestuft: Saha-CATH5 und 6 haben ein breites Spekrum an antibakterieller Aktivität und sind dazu imstande problematische menschliche Pathogene zu töten.

Hoffnungsträger mit Potenzial

Aktuell wird getestet, ob synthetische Versionen der Power-Moleküle sicher bei Menschen angewendet werden können. „Diese Peptide töten Superbazillen und haben das Potenzial, in der Zukunft als Antibiotika zum Einsatz zu kommen“, erklärt Peel und gibt einen Ausblick auf weitere Projekte: „Der nächste Schritt in unseren Forschungen ist, herauszufinden, ob diese Peptide auch Krebs bekämpfen können.“

Originalpublikation:

Cathelicidins in the Tasmanian devil (Sarcophilus harrisii)
E. Peel et al.; Scientific Reports, doi: 10.1038/srep35019; 2016

16 Wertungen (4.5 ø)
Forschung, Medizin, Pharmazie

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2 Kommentare:

Mitarbeiter von DocCheck

Vielen Dank für den Hinweis.

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Ihr DocCheck News Team

#2 |
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Besserwisser (sorry)
Besserwisser (sorry)

Der Artikel ist behandelt ein hochspannendes Thema, das aus gleich mehreren wissenschaftlichen Standpunkten interessant ist.

Aber wer auch immer den Artikel geschireben hat: Da ist wohl ein bisschen was rucheinandergegangen:
Beispiele: eel und ihr Team testeten das Genom der Milch – > Milch hat kein Genom
Ein Fungizid ist etwas das Pilze tötet. Das Wort wird konsequent im flaschen Zusammenhang benutzt.
“Diese Peptide sind tötende Superbazillen” – Das wird Frau Peel mit Sicherheit nicht so gessagt haben, denn das wäre schlicht Nonsense ;-)
Ich nehme an das original Zitat lautet: “These peptides are killing super bugs…”. killing ist hier Verb, nicht Adjektiv.

#1 |
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