Libido: Der Letzte macht das Licht an

2. November 2016
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Männer mit einer sexuellen Dysfunktion wurden mit einer Lichttherapie behandelt. Die Bestrahlung mit einer Beleuchtungsdosis von 10.000 Lux am frühen Morgen erhöhte den Testosteronspiegel und steigerte ihre Libido. Eine fixe Idee oder ein vielversprechender Ansatz?

Dass Mann nicht in Stimmung kommt kann die unterschiedlichsten Ursachen haben. Doch es gibt Licht am Ende des Tunnels für lustlose Herren. Licht macht glücklich. Das ist zunächst mal keine neue Erkenntnis. Über den Sehnerv wird die Epiphyse angeregt, das Glückshormon Serotonin auszuschütten. Gleichzeitig wird die Ausschüttung von Melatonin gehemmt, dies steigert die sexuelle Stimmung durch erhöhte Testosteronausschüttung. Eine Lichttherapie, wie sie bei der Behandlung von Depressionen angewandt wird, soll nun auch dabei helfen, die Libido wieder anzuregen. Italienische Mediziner berichten von ersten Erfolgen bei Männern, die unter Testosteronmangel leiden.

Es wurde eine kleine Testgruppe von 38 betroffenen Personen ausgewählt und diese einer 2-wöchigen Lichttherapie unterzogen, welche aus einer morgendlichen 30-minütigen Bestrahlung mit weißem Licht bestand. 19 Personen erhielten dabei eine Beleuchtungsdosis von 10.000 Lux, die Kontrollgruppe wurde mit nur 100 Lux bestrahlt. Vor und nach der Behandlungsperiode ermittelten die Mediziner den Testosterongehalt im Blut der Probanden. Zusätzlich erfolgte eine subjektive Einschätzung der sexuellen Zufriedenheit durch die Testpersonen selbst.

Zu Beginn der Behandlung bewerteten die Personen beider Testgruppen ihre sexuelle Zufriedenheit auf einer Skala von 1-10 durchschnittlich mit 2. Die mit hoher Luxstärke bestrahlten Probanden gaben diesbezüglich nach 2-wöchiger Behandlung durchschnittlich einen Wert von 6,3 an. Für Personen der Kontrollgruppe betrug die sexuelle Zufriedenheit nach 2 Wochen einen Wert von 2,7.

Unabhängig davon konnte eine etwa 70%-ige Erhöhung des Testosteronspiegels im Blut der intensiv bestrahlten Personen festgestellt werden. Der Testosterongehalt im Blut der Kontrollpersonen hingegen blieb unverändert. Die Forscher vermuten daher einen Zusammenhang zwischen der verstärkten Testosteronproduktion und der größeren sexuellen Zufriedenheit.

Noch einiges im Dunkeln

Testosteron wird hauptsächlich im Hoden und in kleinen Mengen in der Nebennierenrinde synthetisiert. Dafür verantwortlich ist das im Hypophysenvorderlappen gebildete zur Gruppe der Gonatotropine gehörige Lutropin (luteinisierendes Hormon, LH). Schon 2003 konnte in einer Studie die lichtabhängige Exkretion von LH gezeigt werden. LH wird reguliert durch Prolaktin, einem ebenfalls in der Hypophyse synthetisierten Hormon. Prolaktin folgt hierbei dem Tag-Nacht-Rhythmus des Melatonins, welches den schlaffördernden Gegenspieler des Stimmungsaufhellers Serotonin darstellt. Für die Ergebnisse der aktuellen Studie besteht der Erklärungsansatz darin, dass durch die Lichteinwirkung weniger Melatonin freigesetzt und die Prolaktinbildung verringert wird. Dies wiederum führt zu einer reduzierten Lutropinhemmung und einer gesteigerten Testosteronfreisetzung. Der exakte biochemische Mechanismus jedoch, welcher nach der Lichttherapie zum Testosteronanstieg führt, ist bisher nicht vollständig aufgeklärt.

Testosteronersatz mit Licht und Schatten

Die hier vorgestellte Studie umfasst nur eine geringe Anzahl beteiligter Testpersonen. Daher sind noch keine gesicherten Aussagen über die therapeutische Wirksamkeit der Methode möglich. Jedoch handelt es sich um einen vielversprechenden Ansatz, der mit weniger Nebenwirkungen verbunden ist als die bisher üblichen Therapieverfahren bei Testosteronmangelerscheinungen.

Derzeitige Therapien erfolgen nach gründlicher Diagnostik und Ausschluss von Kontraindikationen gemäß den Leitlinien für die Behandlung von Hypogonadismus der European Association of Urology (EAU) durch Testosterongabe in Form von Kapseln, Tabletten, Pflastern, Injektionen oder Gelen, sogenannten Testosteronersatztherapien. Die Verabreichung oraler Testosteronpräparate gilt als eine der sichersten Darreichungsformen. Nur selten treten Nebenwirkungen auf und der Testosteronspiegel lässt sich kontrollierbar auf physiologische Konzentrationen anheben.

Nicht an die Therapie denken

Jedoch sind mehrere tägliche Dosierungen bei gleichzeitiger Einnahme fettreicher Nahrung erforderlich. Häufige Darreichungsformen sind auch Testosteroninjektionen oder Gele. Die transmuskuläre Injektion erfolgt abhängig von der Schwere des Testosteronmangels als lang oder kurz wirksames Depotpräparat. Bei Präparaten mit kurzer Wirkungsdauer muss die Behandlung alle 2-3 Wochen erneuert werden. Ein Zeitraum von 10-14 Wochen kann mit länger wirksamen Injektionen überbrückt werden. Dass der Patient für längere Zeit nicht an die Behandlung denken muss, ist sicher ein wesentlicher Vorteil dieser Therapie. Zudem kann bei Verabreichung der kurz wirksamen Dosis schnell auf eventuelle unerwünschte Nebenwirkungen reagiert werden.

Nachteilig ist jedoch, dass die Testosteronwirkung häufig direkt nach der Verabreichung der Injektion übermäßig ansteigt und nach einiger Zeit dann plötzlich spürbar abnimmt. Aufgrund fehlender Erfahrungswerte können zudem die Intervalle der Injektionen nicht exakt bestimmt werden, sodass die Patienten am Ende eines Intervalls in ein „Testosteronloch“ fallen können, was mit Stimmungsschwankungen und Hitzewallungen einhergeht.

Unkomplizierter hingegen ist die Anwendung von Testosterongelen. Bei regelmäßiger Anwendung kann ein normaler und gleichbleibender Wert erreicht werden, und bei auftretenden Nebenwirkungen ist es möglich, die Behandlung sofort zu unterbrechen. Dafür muss bei der Anwendung mit Hautirritationen gerechnet werden, und der Kontakt Dritter mit dem aufgetragenen Gel muss vermieden werden.

Alles nur Kopfsache?

Libidoverlust hat nicht immer nur körperliche Ursachen. Neben den beschriebenen hormonbedingten Störungen sind es häufig auch psychische Gründe, die das sexuelle Verlangen mindern. So können Depressionen, Angststörungen, Stress oder traumatische Erlebnisse Auslöser sein, die die Lust auf Sex hemmen. Psychotherapeutische Ansätze, die beispielsweise in Paartherapien tiefgehende emotionale Konflikte des Einzelnen mit sich selbst oder mit dem Partner zu lösen versuchen, sind hierbei sicher der symptomatischen Behandlung mit Antidepressiva vorzuziehen.

Doch im Rahmen von Akuttherapien zur Überwindung depressiver Episoden und zur Überbrückung des Wartens auf die Psychotherapie ist der Einsatz von Psychopharmaka unter Umständen sinnvoll (siehe auch aktueller Artikel: Der Antidepressiva-Reflex). Allerdings haben die dabei häufig verwendeten selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer den Nachteil, dass sie zwar für eine stimmungsfördernde Serotoninanreicherung sorgen, aber andererseits auch die Libido negativ beeinflussen. Hier versucht man durch Kombination der medikamentösen Behandlung mit der Lichttherapie erhöhte Melatoninspiegel zu verhindern, denn diese sind ursächlich für verringerte Testosteronwerte und den damit verbundenen Libidoverlust.

Eine echte Alternative?

Somit scheint die morgendliche Bestrahlung mit weißem Licht eine echte Alternative zur Behandlung von Personen mit vermindertem sexuellen Verlangen darzustellen. Sei es in Kombination mit Antidepressiva oder als alleinige Therapie bei Testosteronmangel. Für diese Form der Therapie spricht zudem, dass sie tolerierbarere Nebenwirkungen aufweist als Testosteronersatztherapien.  Die häufigsten Begleiterscheinungen sind Kopfschmerzen, Augenirritationen und Übelkeit. In selteneren Fällen kommt es besonders bei Patienten, welche mit Antidepressiva behandelt werden, zu manischen Zuständen.

Daher sollte natürlich auch hier der Behandlungsplan immer zuerst mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden. Dies gilt ganz besonders für Personen mit Vorerkrankungen der Augen oder einer Hautkrebsgeschichte.

71 Wertungen (4.27 ø)

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15 Kommentare:

Sehr geehrter Damen und Herren,
Entschuldigung für die urlaubsbedingte späte Antwort.

Die Studie wurde, wie schon richtig bemerkt, lediglich vorgestellt und nicht als Publikation veröffentlicht. Daher gibt es keine Downloadversion. Dies ist sicher auch dadurch bedingt, dass die Anzahl der untersuchten Personen ohne Frage viel zu gering für gesicherte Aussagen ist.
Über die Farbtemperatur des eingesetzten Lichts wurden durch die Autoren keine Angaben gemacht.

#15 |
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Gast
Gast

Ich finde es gar nicht gut, daß den Herren Keller – wiederholt – und Dr. Stute nicht geantwortet wird, was den Eindruck erweckt, es ginge einzig um den eigenen Kommentar bzw. darum, etwas selbstdarstellerisch loszuwerden.

#14 |
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Dr. med. Roland Hunecke
Dr. med. Roland Hunecke

Laecherliche Studie (n=38!)
Immerhin aus Italien!
War Berlusconi beteiligt?

#13 |
  3
dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

Sorry , Herr Schätzler, wir hätten doch die Lösung ,wenn wir wüßten ,welcher de-sexualisierte Vollzug uns welche Stoffe aktiviert.
Um vor Progesteron mit Gynäkomastie, Laktorrhoe zu warnen u.die ATP -funktion zu verstehen , brauchst halt a bisserl.

#12 |
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Mitarbeiter Industrie

Machen Sie doch einfach einen Selbstversuch:
Dazu ist ein 20W LED-Strahler mit möglichst weiss bis blauweissem Licht für ca. 25€ geeignet, der morgens um eine Zeit, in der Sie (nicht unbedingt gerne) aufstehen wollen, über eine Zeitschaltuhr betätigt wird und mehr oder weniger direkt das Bett anstrahlt.
Da brauchts keinen teuren Therapie-Strahler, um einen guten Start zu haben.

#11 |
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Dipl. Psychologe Rainer Keller
Dipl. Psychologe Rainer Keller

Hallo Herr Schätzler,
d.h. die Studie wurde lediglich vorgestellt und ist nicht downloadmäßig veröffentlicht. Falls sie Ihnen vorliegt, wäre es schön, wenn Sie den download irgendwie möglich machen könnten. Das Gleiche gilt auch für den Autor, Herrn Engelmann. Besten Dank im Voraus

#10 |
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Eine äußerst schwachbrüstige Studie mit gerade mal 38 Versuchspersonen: „Light therapy as a treatment for sexual dysfunction; focus on testosterone levels“, D. Koukouna et al.; Beitrag zum Kongress des European College of Neuropsychopharmacology in Wien 2016. http://www.ecnp-congress.eu/
Es ist eine kleine Studie. Daher können wir zum jetzigen Zeitpunkt dieses Verfahren noch nicht als Therapie empfehlen“, sagte Andrea Fagiolini von der Universität von Siena, der Leiter des Forscherteams. Dies berichtet Joachim Czichos unter dem Titel “Lichttherapie für Sexmuffel –
Bestrahlung mit hellem Licht am frühen Morgen erhöht den Testosteronspiegel und steigert die Libido bei Männern mit mangelndem sexuellen Verlangen”
http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Lichttherapie_fuer_Sexmuffel1771015590221.html
Da sich sexuelle Dysfunktionen i. d. R. bis auf die Autoerotik im interaktiven, partnerbezogenen Kontext bio-psycho-sozial manifestieren, sind Variablen für ihr Auftreten extrem vielfältig. Einige Kommentatoren versuchen hier, speziell die männliche erektile Dysfunktion und die sexuelle Dysfunktion allgemein auf monokausale Ursachen herunterzubrechen.
Als Beispiele Austern als Aphrodisiakum, Progesteron (cave: Gynäkomastie, Laktorrhoe!), DHEAS Dehydroepiandrosteron, ATP etc. Das führt bei komplexen sexuell interaktiven Verhaltensproblemen und -Konflikten auch mit viel Licht nicht zu Erhellung der Hintergründe bzw. zu zielführend-indikationsgerechten Forschungsergebnissen. Außerdem: “Die menschliche Sexualität de-sexualisiert sich selbst durch ihren gelebten Vollzug” (Prof. Martin Dannecker, persönliche Mitteilung). MfG

#9 |
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Armin Eckers
Armin Eckers

Die beste Therapi ist eine partnerin, die Spass am Sex und am Abwechslungsreichtum hat und zu immer neuen Taten inspiriert.

#8 |
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Dr. rer. nat Uwe Tittmann
Dr. rer. nat Uwe Tittmann

Ich denke, daß man zB. einmal Austern probieren könnte, das scheint sehr gut zu wirken. Das mit den Austern ist kein Witz: es funktioniert in den meisten Fällen, das möchte ich einmal behaupten. Jeder kann es mal versuchen.
Ansonsten ist eine Lichttherapie vermutlich aussichtsreich, da intensives Licht unsere Grundstimmung sehr positiv verändert. Das Problem sind blutdrucksenkende Medikamente, denke ich, die eine normale Libido schwer machen.

#7 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

weniger Melatonin : dann schlafe ich auch schlechter u. bin unruhiger.
besser geht es mit Progesteron , das fast immer im Mangel ist u. DHEA- Gabe
und die Mitochondrienfuktion muss unterstützt werden ; ohne ATP geht gar nichts

#6 |
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Nichtmedizinische Berufe

Was ist mit den negativen Nebenwirkungen vieler Medikamente auf die Libido? Das betrifft Schmerzmittel, viele blutdrucksenkende Mittel u. a. Wenn man nachfragt, ob der Betreffende informiert wurde, erfährt man nur, dass weder Arzt noch Apotheker etwas gesagt hätten. Eine vorzeitig abnehmende Libido kann schon zur ernsten Gefährdung von Partnerschaften führen. Sich damit zu beschäftigen, muss kein “Schwachsinn” sein, obwohl in diesem Falle die Studie in der Tat noch etwas schwach ist.

#5 |
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Alfons Koenig
Alfons Koenig

Wieviel Kelvin hat den das weiße Licht?

#4 |
  4

Es gibt offenbar in der Medizin keinen Schwachsinn, über den nicht auch noch eine sogenannte Studie (38 Italiener !!) erstellt und auch noch veröffentlich wird!!!

#3 |
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Gast
Gast

Also ab sofort morgentliche Lichttherapie vornehmen, resp. jetzt in der dunklen
Jahreszeit. Nötigenfalls mit kompetentem Arzt über Alternativen sprechen.
Gutes Gelingen und viel Erfolg….Euer JD aus Bemerode

#2 |
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Dipl. Psychologe Rainer Keller
Dipl. Psychologe Rainer Keller

Hallo Herr Engelmann, könnten Sie bitte die Quelle, wo die Studie zu finden ist, nennen ? Besten Dank

#1 |
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