Rentner haben’s nicht (pflege)leicht

20. Oktober 2016
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In Deutschland unterscheiden sich die Kosten für stationäre Altenpflege regional sehr stark. In fast der Hälfte der Städte reicht das durchschnittliche Einkommen der Senioren über 80 Jahre nicht, um professionelle Versorgung in Anspruch zu nehmen.

Wie wird vor Ort gepflegt: durch Angehörige, ambulante Dienste oder stationär? Wie ist die Erreichbarkeit der stationären Pflegeeinrichtungen? Wie wird die Qualität der Pflege in der Region bewertet? Welche Leistung bekommt man für sein Geld? Diese Fragen werden im aktuellen Pflegeinfrastruktur-Bericht aufgegriffen, der im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt wurde.

Nordosten vs. Südwesten

In puncto Pflegekosten ist ein deutliches Gefälle erkennbar: Im Nordosten müssen sich Senioren weniger um die Finanzierung eines Pflegeheimplatzes sorgen als im Südwesten Deutschlands. 

In den Kreisen von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Baden-Württemberg sowie in den Stadtstaaten übersteigen die Pflegekosten das durchschnittliche Jahreseinkommen der über 80-Jährigen zum Teil deutlich.

Stationäre Pflege: Gegen Jahresende wird es finanziell knapp

Bundesweit reicht in 44 Prozent der Kreise das Durchschnittseinkommen der alten Menschen rechnerisch nur für maximal elf Monate stationärer Pflege. In einem Viertel der Kreise liegt die durchschnittliche Kaufkraft sogar so niedrig, dass die über 80-Jährigen nur maximal zehn Monate stationäre Pflege pro Jahr finanzieren können.

Die Folge: 2013 mussten bundesweit 41 Prozent der Pflegebedürftigen zusätzlich Sozialhilfe beantragen. “Ob Pflegebedürftige durch Angehörige, einen ambulanten Dienst oder im Heim versorgt werden, hängt auch vom Einkommen der Pflegebedürftigen ab”, sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Die aktuelle Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen geringerer Kaufkraft der über 80-Jährigen und einem überproportionalen Anteil von Angehörigenpflege. 

In den ostdeutschen Bundesländern, Schleswig-Holstein und weiten Teilen Niedersachsens ist die durchschnittliche Kaufkraft der Senioren mehr als ausreichend, um die stationären Pflegekosten zu tragen. In einem Fünftel der Kreise könnten sie sich theoretisch sogar 13 Monate Pflege und mehr pro Jahr leisten.

Pflegekräfte leiden unter Lohnschere

Ein Grund für das Gefälle zwischen Nordost und Südwest sind die Unterschiede bei der Bezahlung der Altenpflegekräfte. Die Bruttoentgelte lagen 2013 zwischen 1.714 Euro und 3.192 Euro im Monat. Die im Norden und Osten Deutschlands günstige Bilanz zwischen Kaufkraft und Pflegekosten geht somit zu Lasten der Fachkräfte. Sie werden hier deutlich schlechter bezahlt als im Westen und Süden, wo das Einkommen der Pflegekräfte fast doppelt so hoch ist.

Neben den Tarifpartnern, die für eine angemessene und verbindliche Bezahlung sorgen müssen, ist auch die Politik gefragt. Denn: „Noch fehlt eine Lösung, wie sich die Leistungen der Pflegeversicherung so weiterentwickeln lassen, dass Altenpflegekräfte leistungsgerecht bezahlt werden, ohne die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen finanziell zu überfordern“, so Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Bertelsmann Stiftung.

Offene Fragen

Die Datenlage ist an dieser Stelle allerdings unzureichend und lückenhaft. So stehen Informationen über Pflegeberatung, niedrigschwellige Angebote, Tages- oder Kurzzeitpflege nicht zur Verfügung, weshalb diese Themenbereiche in der Studie nicht betrachtet werden konnten. 

Der Report Pflegeinfrastruktur bildet regionale Unterschiede zu ausgewählten Aspekten der pflegerischen Versorgung ab.

14 Wertungen (4.29 ø)

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7 Kommentare:

Karin Donner
Karin Donner

Natürlich haben Sie alle ein bischen Recht: es geht so nicht, das weiss ich auch. Manchmal ist es ganz gut wenn man die Probleme aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden. Und etwas Humor hilft immer.

#7 |
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Gast
Gast

Fr. Donner so einfach geht es nicht, wie sie sich dies vorstellen. Die AIDA legt an u. ich gehe nicht davon aus, dass sie nach der Kreuzfahrt versterben! Also müssen sie von Bord. Wo gehen Sie dann hin, wenn sie gebrechl. werden? Falls sie erneut bei der nächsten Fahrt mitfahren möchten, falls dies lückenlos gehen würde, bräuchten sie Jemanden, der Ihnen hier hilft. Falls sie dement werden sollte, o. bettlägrig, kann ich mir kaum vorstellen, dass das Personal sie an Bord haben möchte. Auch das über Bord werfen im Todesfall, geht nicht so einfach, denke Sie sind darüber informiert! Noch kl. Anmerkung: Arbeite seit vielen Jahren in einem Pflegeheim im Süden Deutschlands, oft über meine Kräfte, -ohne Pausen u. noch nach der Arbeit, nur damit die Bewohner gut versorgt sind, da es immer wieder vor kommt, dass dies in der realen Zeit nicht möglich ist. Überstunden werden nur selten bezahlt! Mein realer Lohn, ist trotz langer Betriebszugehörigkeit 2415,01 Euro Brutto. Dann können Sie sich selber ausrechnen was Netto mit vielen Abzügen bei Steuerklasse I rauskommt! Von über 3000Euro, wie man immer wieder liest keine Spur. Würden Sie für dieses Gehalt bei solch einem Einsatz arbeiten?

#6 |
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Gast
Gast

Wenn ich meinen Wohnraum so vermieten würde wie es den Pflegeheime von unserem Gesetzgeber gestattet wird, könnte ich wegen Mietwucher belangt werden.

#5 |
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Gast
Gast

#3 sehe ich ganz genauso. Alternativ könnte Frau Donner auch in ihrem Wolkenkuckucksheim wohnen bleiben.

#4 |
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Gast
Gast

Hallo Frau Donner,

schön wäre es, wenn dies so funktionieren könnte. Ihre Argumente haben aber ein paar nicht unwesentliche Fehler, die den Preisunterschied zwischen “Gesundheitssystem” und Aida ausmachen:

Allgemein:
135 Euro pro Tag entsprechen einer Rente von über 4000€ monatlich. Die wollen erstmal verdient sein. Dann kommen noch die von Ihnen angeführten 65 Euro hinzu. Macht eine Monatsrente von über 6000 Euro. Ich gehe also davon aus, dass in Ihrer Rechnung der größte Teil der Bevölkerung auf Sozialhilfe angewiesen sein wird.

Problem 1: Die Aida muss man bezahlen können. Sozialhilfeanträge nehmen die, meiner Meinung nach, nicht an.
Problem 2: Die ärztliche Versorgung auf der Aida ist nicht kostenlos, sondern relativ teuer. Bei Verbringung an Land explodieren diese förmlich (Ausland ist in erster Linie Privatabrechnung).
Problem 3: Alle Mitarbeiter sind freundlichen, aber keine Pflegekräfte.

Darüber hinaus gibt’s noch etliche weitere Probleme. Das unser Pflegesystem nicht das beste der Welt ist, möchte ich nicht in Frage stellen. Ich würde aber durchaus die Frage stellen wollen, wie die altersgerechte Versorgung in den von Ihnen angeführten Kontinenten wohl aussieht?

Pflegepersonal will gerecht bezahlt werden, altersgerechte Wohneinheiten wollen finanziert sein, eine Grundversorgung muss sichergestellt sein. Alles Probleme, die die Aida nicht hat.

Wenn Sie die Pflege für kleineres Geld haben wollen, warum sprechen Sie nicht mal mit Altenpflegekräften und erzählen diesen, dass die zuviel Geld bekommen würden. Auf den Ausgang der Diskussion wäre ich jedenfalls gespannt.

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Gast
Gast

Frau Donner, das ist herrlich geschrieben!

#2 |
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Karin Donner
Karin Donner

“Ich gehe nicht ins Altersheim!” !!!
Wenn ich mal alt bin, ziehe ich auf ein Kreuzfahrtschiff. Die Gründe dafür hat mir unser „Gesundheitssystem“ geliefert: Die durchschnittlichen Kosten für ein Altersheim betragen 200 EUR pro Tag. Ich habe eine Reservierung für das Kreuzfahrtschiff “Aida” geprüft und muss für eine Langzeitreise als Rentner oder Rentnerin 135 EUR pro Tag zahlen (kein Witz !!!). Nach Adam Riese bleiben mir dann noch 65 EUR pro Tag übrig […..!!!]
1. Ich habe mindestens 10 freie Mahlzeiten, wenn ich in eines der Bordrestaurants wackele, oder mir das Essen vom Room Service auf das Zimmer, also in die Kabine, bringen lasse. Das heißt in anderen Worten: Ich kann jeden Tag der Woche mein Frühstück im Bett einnehmen.
2. Die “Aida” hat drei Swimmingpools, einen Fitness-Raum, freie Benutzung von Waschmaschine und Trockner und sogar jeden Abend Shows.
3. Es gibt auf dem Schiff kostenlos Zahnpasta, Rasierer, Seife und Shampoo.
4. Das Personal behandelt mich wie einen Kunden, nicht wie einen Patienten. Für 15,00 € Trinkgeld extra pro Tag lesen mir die Stewards jeden Wunsch von den Augen ab.
5. Alle 8 bis 14 Tage lerne ich neue Leute kennen.
6. Fernseher defekt ? Glühbirne kaputt ? Die Bettmatratze ist zu hart oder zu weich? Kein Problem! Das Personal wechselt es kostenlos und bedankt sich für mein Verständnis.
7. Frische Bettwäsche und Handtücher jeden Tag sind selbstverständlich und ich muss nicht einmal danach fragen.
8. Wenn ich im Altersheim falle und mir eine Rippe breche, dann komme ich ins Krankenhaus und muss gemäß der neuen Krankenkassenreform täglich dick draufzahlen. Auf der “Aida” bekomme ich den Arzt kostenlos.
9. Ich habe noch von keinem Fall gehört, bei dem zahlende Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes vom Personal bedrängt oder gar misshandelt worden wären. Auf Pflegeheime trifft das nicht im gleichen Umfang zu!!!
10. Nun das Beste: Mit der “Aida” kann ich nach Südamerika, Afrika, Australien, Japan, Asien… wohin auch immer ich will. Darum sucht mich in Zukunft nicht im Altersheim, sondern “just call shore to ship”. Auf der “Aida” spare ich jeden Tag 50 EUR und muss nicht einmal mehr für meine Beerdigung ansparen. Mein letzter Wunsch ist dann nur: Werft mich einfach über die Reling. Das ist nämlich auch kostenlos!!!

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