Schau mir in die Augen, Kleines!

2. Februar 2011
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Das Sehen ist für viele Menschen einer der wichtigsten Sinne überhaupt. Doch kann es dabei viele Störungen und Probleme geben, die die Sehkraft beeinträchtigen. Für die Diagnostik und Therapie stehen neben den Augenärzten auch Orthoptisten bereit.

Probleme mit dem Sehen können nicht nur durch die bekannte Kurz- oder Weitsichtigkeit entstehen, die sich relativ problemfrei mit einer korrigierenden Brille oder Kontaktlinsen beheben lassen. Doch wie sieht es aus, wenn ein Nystagmus oder Schielen die Ursache für mangelnde Sehkraft sind?

Damit diese Patienten die richtige Diagnose und Therapie bekommen können, gibt es den Beruf des Orthoptisten. Eigentlich könnte man auch von der„OrthoptistIN“ reden, da die Mehrzahl der berufstätigen Orthoptisten weiblich sind. Die Berufsbezeichnung leitet sich übrigens aus dem Griechischen ab, Orthoptik bedeutet übersetzt „Geradesehen“.

Auch wer seine medizinische Zukunft nicht im augenärztlichen Bereich sieht, einige nachfolgende Infos und ein Grundwissen über die Existenz und die Aufgabenbereiche der Orthoptistinnen können sicher nicht schaden fürs ärztliche Allgemeinwissen:

Ausbildung

Damit man die Berufsbezeichnung im Namen führen darf, ist in Deutschland eine dreijährige schulische Ausbildung nötig, die an sogenannten Fachschulen für Orthoptik absolviert wird. Diese sind den Universitäten bzw. den Universitätskliniken angeschlossen.
Zugangsvoraussetzung für die Ausbildung ist neben der gesundheitlichen Eignung mindestens der Realschulabschluss. In der Ausbildung selbst erlernen die angehenden Fachkräfte unter anderem viele grundlegende anatomische und physiologische Aspekte, wobei der Schwerpunkt auf Orthoptik/Pleoptik und praktischer Ausbildung liegt. Eine Akademisierung der Ausbildung, wie in anderen Staaten bei Berufen im Gesundheitssystem üblich, wird langfristig angestrebt, so dass auch ein Bachelor- bzw. weiterführender Mastertitel erworben werden kann.

Am Ende der Ausbildung steht, wie bei anderen Gesundheitsfachberufen auch, eine staatliche Prüfung. Diese beinhaltet neben dem üblichen schriftlichen und mündlichen auch einen praktischen Teil. Dabei werden den Prüflingen zwei unbekannte Patienten zugeteilt, bei denen Diagnose und Therapievorschläge zu erstellen sind.

Berufsbild

Im Beruf selbst hat die Diagnose von verschiedenen augenärztlichen Erkrankungen einen hohen Stellenwert. Gerade Kleinkinder werden häufig bei entsprechenden Hinweisen auf mögliche Erkrankungen präventiv untersucht, da eine Behandlung in jungen Lebensjahren deutlich günstigere Erfolgschancen besitzt, als wenn erst bei Jugendlichen oder Erwachsenen eingegriffen wird. Ein typischer Fall wäre die Diagnose und Therapie von Schielen bei Kindern. Hierbei werden dann eine Reihe von diagnostischen Verfahren durch die Orthoptistin durchgeführt, bei denen unter anderem untersucht wird, welche Schielform vorliegt, wie groß der Schielwinkel ist und wie die beiden Augen bei der Wahrnehmung zusammenarbeiten. Erst wenn diese Informationen vorliegen, kann man sich Gedanken über eine Therapie machen.
Je nach Altersgruppe der Patienten gibt es unterschiedliche Tests zur Feststellung der Sehtüchtigkeit, so dass auch schon Säuglinge entsprechend untersucht werden können.

Immer ältere Patienten

Aber auch an den Orthoptisten geht der demografische Wandel nicht vorbei, denn verstärkt sind nicht nur Kinder, sondern auch beispielsweise Menschen mit Sehschäden bei neurologischen Erkrankungen oder Schlaganfällen unter den Patienten. Hierbei spielen Reha-Maßnahmen eine große Rolle, so dass Verluste in der Wahrnehmung bzw. Sehkraft kompensiert oder vermindert werden können. Dazu wurden Reha-Sehtrainings erarbeitet, bei denen versucht wird, durch verschiedene Übungen die verbliebene Sehkraft bei alltäglichen Tätigkeiten (Sehen, Lesen, räumliche Orientierung) besser nutzen zu können. Es kann ein merklicher Zugewinn an Lebensqualität für einen Schlaganfall-Patienten seien, wenn er wieder einen Text lesen kann, ohne ständig in der Zeile zu „verrutschen“.

Augenärzte und Orthoptistinnen arbeiten eng zusammen, damit ein optimales Ergebnis für den Patienten erreicht wird. So werden Diagnose und Schritte der Therapie besprochen und entschieden.

Fazit

Als Fazit lässt sich festhalten, dass Orthoptistinnen einen interessanten Beruf im augenärztlichen Spektrum haben. Sie arbeiten direkter und näher am Patienten als der behandelnde Arzt und sorgen somit dafür, dass die getroffenen Therapieentscheidungen auch wirklich beim Patienten ankommen und umgesetzt werden. Durch ihr breitgefächertes Einsatzgebiet haben die Orthoptisten einen klaren Stellenwert und sind schwer aus der Ophthalmologie wegzudenken.

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Allgemein

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