Diabetes: Infektionen an der Leine

14. Oktober 2016
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Gemessen am Bevölkerungsdurchschnitt leiden Patienten mit Typ 2-Diabetes häufiger an Infektionen. Eine aktuelle Studie zeigt: Mit einer guten glykämischen Kontrolle gelingt es ihnen, Viren, Bakterien oder Pilze in Schach zu halten.

Schlechte HbA1C-Werte führen bei Typ 2-Diabetikern nicht nur zu Neuropathien, Mikroangiopathien, Nephropathien oder Retinopathien. Aufgrund des herabgesetzten Immunstatus leiden Patienten häufig an Infektionserkrankungen. Julia Hine von der University of Surrey in Guildford, Großbritannien, wollte wissen, welchen Einfluss die Stoffwechsellage in diesem Zusammenhang hat.

Risikofaktor Stoffwechsel

Hine wertete Daten des Research and Surveillance Centre am Royal College of General Practitioners aus. Sie fand 34.278 Menschen mit Typ 2-Diabetes. Zum Vergleich zog sie Aufzeichnungen von 613.052 Patienten ohne diese Stoffwechselerkrankung heran. Sie teilte Diabetiker in eine Gruppe mit guter (HbA1c < 53 mmol/mol, unter 7,0 Prozent), mäßiger (HbA1c 53–69 mmol/mol, 7,0 bis 8,5 Prozent) und schlechter glykämischer Kontrolle (HbA1c > 69 mmol/mol, über 8.5 Prozent) ein. Gleichzeitig erfasste die Forscherin Infektionen des oberen Atemtrakts, der Lunge, der Haut und des Urogenitaltrakts. Alle Infektionskrankheiten waren mit Ausnahme von Herpes simplex bei Diabetikern häufiger zu finden. Besonders deutliche Zusammenhänge zeigten sich über alle Gruppen hinweg bei Genital- und perinealen Infektionen mit 40,8 versus 18,6 Fällen pro 1.000 Personenjahre.

In der Gruppe mit schlechter glykämischer Kontrolle litten Patienten signifikant häufiger an Bronchitiden, Pneumonien, Haut- und Weichteilinfektionen, Harnwegsinfekten sowie Genital- und perinealen Infektionen. Einflüsse auf Infektionen der oberen Atemwege oder des Darms fand Julia Hine nicht. Entgegen anfänglichen Vermutungen gab es auch keine Assoziation des HbA1c-Werts und der Rate an grippeähnlichen Erkrankungen.

Vielfältige Erklärungsansätze

Warum schlechte Stoffwechselparameter Patienten anfälliger für Infekte machen, hat den Autoren zufolge mehrere Gründe. Als Erklärung führen sie eine schlechtere Durchblutung von Geweben an, sollte es bereits zu Mikroangiopathien gekommen sein. Gleichzeitig werde die Immunantwort gehemmt. Und nicht zuletzt könnten hohe Glucosewerte in den oberen Gewebsschichten Infektionen begünstigen.

Für Apotheker bleibt als Herausforderung, bei Diabetikern, die aufgrund von Infektionen häufig OTCs erwerben, eine schlechte glykämische Kontrolle in Erwägung zu ziehen. Betroffene sollten sich beim Diabetologen vorstellen.

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Forschung, Pharmazie

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