Herzkatheter auf Abwegen

9. Februar 2011
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Im DocCheck Adventspräppen haben wir Euch aufgefordert, Eure spannendsten Erlebnisse aus dem Studium zu beschreiben. Lest hier einen der Miniberichte.

Das Studentenleben besteht nicht nur aus Vorlesungen und Auswendiglernen – in der Praxis können Medizinstudenten allerlei spannende Erfahrungen sammeln. Sebastian berichtet von einem Vorfall auf der Kardiologie:

Komplikationen bei der EPU

“Dieses Jahr auf der Kardiologie, bei einer elektrophysiologischen Untersuchung (EPU), kam es auf einmal zur akuten Herzbeuteltamponade, einer schweren intensivmedizinischen Komplikation. Das Herz kann sich nicht mehr ausdehnen und füllen, das Schlagvolumen sinkt, die Herzfrequenz steigt, aber der Blutdruck fällt ab und es kommt zum Schock. Es wurde grade ein ganz neues System zur AF-Ablation und Vorhofmapping (Carto 3) getestet. Ein invasives Verfahren mithilfe der Kathetertechnik. Wahrscheinlich perforierte der Katheter die Herzwand und dadurch kam es zur Tamponade. Der Patient fing plötzlich an ganz unruhig zu werden und zu schwitzen, der Blutdruck fiel ab und die Herzfrequenz wurde schneller. Es musste schnell gehandelt werden.

Binnen weniger Minuten wurde das kleine Katheterlabor immer voller. Auf vielleicht 25m2 standen zwei Oberärzte, der Chefarzt und zwei Schwestern der Kardiologie, ein Anästhesist, seine Gehilfin und der Techniker der Firma. Ich als Student wurde natürlich erstmal in die Ecke beordert.

Für mich war es dennoch sehr beeindruckend dabei zu sein und so eine Akutsituation mitzuerleben. Erst einmal galt es mit dem Ultraschall die Diagnose zu sichern, der musste aber erstmal schnell von der benachbarten Station gebracht werden. Danach versuchte der Anästhesist den Patienten ruhig zu stellen, damit der Chef die Perikardpunktion durchführen konnte. Doch der Patient lies sich nicht so einfach beruhigen, darum mussten wir den Patienten mit Mühe ruhig halten. Bei so vielen Leuten, wurde das sterile Umfeld natürlich schnell mal unsteril und es mussten des öfteren Handschuhe, Kittel oder Tücher gewechselt werden. Insgesamt war das schon eine sehr hektische Situation. Schwer in Worte zufassen, aber sehr interessant mitzuerleben ;-) Der Eingriff wurde natürlich abgebrochen und der Patient auf die Intensivstation gebracht.”

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