Uni-Rankings: Wer Rang und Namen hat

16. Januar 2013
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Für Abiturienten, Studienumsteiger und Unimitarbeiter stellt sich an bestimmten Punkten die Frage: Welche Uni entspricht meinen Bedürfnissen und ist die Beste für mich? Diverse Rankings versuchen Antworten zu geben, wir haben uns für Euch umgesehen.

Seit mittlerweile acht Jahren gibt das “TIMES Higher education”-Ranking des gleichnamigen britischen Wochenmagazins Auskunft, welche die 50 besten Universitäten in unterschiedlichen Fachrichtungen seien. Deren Reihenfolge kommt dabei durch die Erhebung und Auswertung 13 unterschiedlicher sogenannter “Performance indicators” aus 5 Kategorien zu Stande.

Im Bereich “Lehre” wird zum Beispiel das Verhältnis von Studenten zu Lehrpersonal berechnet, während in der Kategorie “Wissenschaft” unter anderem erhoben wird, wie viele Arbeiten pro Universitätsmitarbeiter veröffentlicht wurden. Zur Erstellung eines Parameters in der Sparte “industrielle Finanzierung” werden die Drittmittelzuschüsse gegen das akademische Personal skaliert. Um den Aspekt der “internationalen Ausrichtung” vergleichbar zu machen, wurde für dieses Ranking die Ratio internationaler zu einheimischen Studenten berechnet. Zur Erstellung eines “Performance indicators” der 5. Kategorie “Citations” wird in den Datenbanken eines großen Medienkonzerns der vergangenen 6 Jahre danach recherchiert, wie oft die Studie eines Universitätsmitarbeiters von Wissenschaftlern weltweit zitiert wurde.

Diese Auflistung wurde stets in Kooperation mit der Firma Quacquarelli Symonds (QS) erstellt, bis diese 2010 die Zusammenarbeit auflöste und sich in Form eines eigenen Rankings, des “QS World University Rankings“, diesbezüglich selbstständig machte. Das international tätige Bildungs- und Karrierenetzwerk erstellt seine Rangliste anhand von Umfragen unter Akademikern und Arbeitgebern sowie aus Daten zu Zitierungen wissenschaftlicher Publikationen.

Der Dritte im Bunde

Ein weiteres großes weltweites Ranking veröffentlicht seit dem Jahr 2003 die Shanghaier Jiatong Universität. Einmal jährlich erscheint deren “Academic Ranking of world universities”, weitläufig auch Shanghai Ranking genannt. Das Abschneiden der Universitäten in diesem Ranking hängt davon ab, wie viele Nobelpreise beziehungsweise Fields-Medaillen deren Bedienstete oder Alumni erhalten. Ein weiterer Faktor ist die Anzahl der Publikationen, die im Science Citation Index, geführt werden. Hier wiederum werden Arbeiten, die im Nature oder Science Journal erschienen sind, stärker gewichtet als andere.

Im deutschsprachigen Raum ist, neben zahlreichen Universitätsvergleichen unterschiedlicher Tages- und Wochenzeitschriften wie dem Handelsblatt oder dem FOCUS, wohl das vom Zentrum für Hochulentwicklung (CHE) ausgearbeitete und in der Online-Ausgabe der “ZEIT” erscheinende Hochschulranking das bekannteste. Nach kostenloser Registrierung ist diese online frei verfügbar.

Das Modell, dessen sich das CHE bedient, besteht aus 9 Kategorien – “Studium und Lehre”, “Ausstattung” und “internationale Ausrichtung” sind 3 davon. Diese unterteilen sich wiederum in mehrere Untergruppen. Das Ranking fußt einerseits auf Fakten – die CHE-Mitarbeiter analysieren unter anderem die Daten der Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich. Andererseits wird auf subjektive Meinungen, gewonnen durch Fragebögen, zurückgegriffen.

Mehrdimensionale Auswertung

Letztendlich sind in dieser Liste die Universitäten nicht nach Plätzen gereiht, sondern zu einer Spitzen-, Mittel- und Schlussgruppe zugeteilt. Die Universitäten werden zudem strikt fachbezogen gelistet, es wird keine Aussage über die Universität als Ganzes getätigt. Des Weiteren wird mehrdimensional ausgewertet, um die Stärken und Schwächen einer Universität innerhalb eines Faches zu veranschaulichen – die medizinische Fakultät der Universität Freiburg beispielsweise befindet sich in der Subkategorie “Betreuungsrelation” in der Schlussgruppe, liegt jedoch was die “Forschungsreputation” anbelangt obenauf.

Wer schauen möchte, wie andere Studenten ihre Hochschule einordnen, kann dies auf dieser Seite tun. Aus den abgegeben Bewertungen wird eine Ranking-Reihenfolge generiert.

Unter die Oberfläche

Oxford. Harvard. Cambridge. California. Washington. Bildet man einen Querschnitt durch die Ranglisten, befinden sich global betrachtet dort die besten medizinischen Universitäten – im deutschprachigen Raum sind es die Universität Heidelberg, die Ludwig-Maximilians-Universität München sowie die Universität Zürich.

Aber: Ist es denn nicht oberflächlich, eine Universität durch das Studieren eines Rankings zu bewerten? Das Ideal einer Universität, ihre Studenten als mündige und verantwortungsbewusste Individuen in die Arbeitswelt zu entlassen, kann doch nicht gemessen werden. “Bevor ich zu studieren begann, habe ich mir gar kein Ranking angeschaut. Rückblickend würde ich das jetzt schon machen, irgendwie muss man ja die Qualität der Universitäten vergleichbar machen – und wer sich nicht selbst handelt, hat es immer leicht, das bereits Geschehene zu kritisieren”, so die Meinung eines Studienkollegen. “Idealerweise macht man sich selbst vor Ort ein Bild.” Doch diese Möglichkeit bietet sich sicherlich auch nicht immer.

Unterschiedliche Gewichtung

Die Güte der verschiedenen Universitätsrankings wird in den Medien und akademischen Kreisen heiß diskutiert: Im “Times Higher Education-Ranking” zum Beispiel, werde der “Citations”-Parameter zu stark gewichtet, die QS-Auflistung wiederum würde sich zu sehr auf Umfragen verlassen, das Shanghai-Ranking bevorzuge Universitäten, aus denen viele Nobelpreisträger hervorgegangen sind – dieser Blog widmet sich intensiv den einzelnen Ranglisten. Der Verband deutscher Soziologen verweigert gar die Teilnahme am CHE-Ranking, selbige Empfehlung hat der Verband deutscher Historiker seinen Mitgliedern ausgesprochen.

Dieser Artikel berichtet darüber, dass das CHE erhebliche Methodenfehler machen würde. Die Fallzahl der Studentenbefragung bezüglich der Qualität der Lehre sei mit großteils weniger als 30 zu gering, genauso wie die niedrige Rücklaufquote von 20 %. Außerdem stelle sich bei Erhebung subjektiver Parameter die Frage, inwiefern Studenten des 3. Semesters überhaupt Aussagen bezüglich der Qualität der Lehre treffen könnten. Die Ersteller des CHE Rankings würden in dem Versuch, nicht quantitative Parameter messen zu wollen, ihre Einfältigkeit beweisen.

Es zeigt sich also, dass es eine Fülle verschiedener Universitätsrankings gibt. Diese verwenden teils sehr unterschiedliche Methoden, die man stets kritisch hinterfragen sollte, ebenso wie die Aussagekraft dieser Ranglisten.

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