HPV: Die Hin-und-Her-Impfung

17. Juni 2013
Teilen

Die breite Berichterstattung in den Medien über mögliche starke Nebenwirkungen und sogar Todesfälle bei HPV-Impfungen zeigten Wirkung: die Impfquote ging zurück. Aus Australien werden nun wieder neue Erfolge der HPV-Impfung vermeldet: Bei Frauen unter 21 Jahren gingen Genitalwarzen um mehr als 90% zurück.

Die Impfung gegen Humane Papillomviren wird in Deutschland seit 2007 von der Ständigen Impfkommission für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren empfohlen. Begleitet von einer gut ausgerichteten Medienkampagne und der Euphorie, das Risiko für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs um etwa 70 Prozent senken zu können, lief die Impfung recht gut an. Doch 2008 formierte sich Widerstand. Eine Reihe von Wissenschaftlern und Medizinern hinterfragten die Impfung und deren Potential kritisch. Die breite Berichterstattung in den Medien über mögliche (verschwiegene) starke Nebenwirkungen und sogar Todesfälle zeigten Wirkung: die Impfquote ging zurück.

Doch inzwischen sind einige Jahre vergangen und die Studien, die im Anschluss an die Phase III-Studien der Hersteller begonnen wurden, liefern Ergebnisse. Ebenso wie die Feldstudien, die beispielsweise in Australien durchgeführt werden, wo die Impfquote bei Mädchen zwischen 83 Prozent für die erste und noch bei 73 Prozent für die dritte Impfdosis liegt. Die Raten der höhergradigen Dysplasien (CIN) am Gebärmutterhals, also der Vorstufen für Gebärmutterhalskrebs, sind in Viktoria, Australien, rückläufig. Professor Dr. Peter Hillemanns, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Medizinischen Hochschule Hannover, stellt klar: „Wir wissen, dass die Impfung hochwirksam ist. Höhergradige Dysplasien treten seltener auf und wir gehen aufgrund der Daten weiter davon aus, dass bis zu 70 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs verhindert werden können!“ Zudem gibt es bislang keine Belege dafür, dass andere onkogene Virustypen, welche nicht in den Impfstoffen enthalten sind, jetzt verstärkt auftreten. Nun sind im BMJ neue Daten aus Australien über die Häufigkeit der Kondylome, durch HP-Viren hervorgerufene Warzen im Genitalbereich, publiziert worden.

Die Autoren werteten den Zeitraum vor Beginn des Impfprogrammes (von Januar 2004 bis Juni 2007) aus und verglichen die Häufigkeit von Genitalwarzen mit dem Zeitraum ab Juli 2007 bis Ende 2011. Bei den unter 21-jährigen Mädchen und Frauen ging die Häufigkeit der Kondylome um über 90 Prozent zurück, bei Geimpften trat keine einzige Warze auf. Bei den 21 bis 30-jährigen Frauen trat eine Reduktion um 72 Prozent auf. Auch die Jungen und Männer profitierten offensichtlich durch die Herdenimmunität. Sie werden zwar in Australien nicht explizit geimpft, doch bei den unter 21-Jährigen verringerte sich die Häufigkeit von Feigwarzen um über 80 Prozent, bei den 21 bis 30-Jährigen profitierte noch jeder Zweite. Die Prävalenz von Kondylomen liegt bei einem Prozent. Ein Rückgang von 90 Prozent steuert bei einer so hohen Durchimpfungsrate schon in Richtung Ausrottung der Genitalwarzen.

Impfung stärker nachgefragt

In Deutschland hingegen liegen die Impfraten nach Schätzungen zwischen 30 und maximal 50 Prozent. An eine Ausrottung bestimmter Virustypen oder Herdenimmunität ist bei diesen Raten nicht zu denken. Doch Prof. Hillemanns beobachtet, dass langsam Mütter und Jugendliche verstärkt nach der Impfung fragen: „Die Phase, in der die HPV-Impfung, auch in den Medien, stark kritisiert wird, haben wir hinter uns gelassen. Die Nachfrage nimmt deutlich zu. Dass der Impfstoff sicher ist und nicht zu Todesfällen führt, wie anfangs befürchtet wurde, konnte inzwischen ebenfalls gezeigt werden. Doch die größten Erfolge gibt es in Ländern mit etablierten Schulimpfprogrammen, wie beispielsweise in Australien, England und einigen skandinavischen Ländern“. Dann liegen die Impfquoten bei 80 Prozent und darüber. Das haben wir in Deutschland nicht. Hier soll sich jede Frau/jedes Mädchen selbst ein Bild machen und entscheiden, ob sie die Impfung für sinnvoll hält.

Informationen über die Impfung im Internet

Doch aus welchen Quellen beziehen die Eltern und Jugendlichen ihre Informationen? Richtig, zu einem großen Teil aus dem Internet. Eine Untersuchung in Spanien hat sich die im Netz zu HPV verfügbaren Informationen angesehen. Dazu haben die Forscher 14 verschiedene Kombinationen von Suchbegriffen (auf Spanisch) zu HPV und der HPV-Impfung getestet und die angezeigten Seiten bewertet. 72 Prozent der untersuchten Seiten äußern sich positiv zur HPV-Impfung. Die Menge und Tiefe der Informationen variiert dabei stark. 28 Prozent der Seiten raten von der HPV-Impfung ab. Die häufigsten Informationstypen sind dabei Blogs und Foren. Es versteht sich von selbst, dass die Informationen hier häufig unvollständig, subjektiv und eventuell veraltet sind. Daneben fehlen häufig Literaturangaben und Zitate sowie weiter Kriterien, welche die Glaubwürdigkeit erhöhen. Die Autoren der Studie folgern, dass Google natürlich nicht dafür gemacht ist, von einem wissenschaftlichen Standpunkt bessere Informationen besser zu listen.

Daher können typische Suchanfragen uns zu wenig fundierten Meinungsäußerungen führen. In wieweit die Situation mit deutschen Internetseiten vergleichbar ist, kann hier nicht geklärt werden. Doch eine einzige Suche zeigt auch hier in diese Richtung. Gibt man bei Google als Suchwort „HPV-Impfung“ ein, so erscheinen auf der ersten Seite auch Beiträge der Seiten impfschaden.info und zentrum-der-gesundheit.de, wo nach eigenen Angaben „unzensierte Informationen aus den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Naturheilkunde“ gibt. „In den angeschlossenen Shops finden Sie hochwertige natürliche Produkte, die Ihnen helfen sollen, Ihre Gesundheit zu stabilisieren“. Wissenschaftlich fundierte Informationen für Eltern, Jugendliche und junge Frauen sollten daher im Internet präsent sein, um ein objektives Bild über die HPV-Impfung zu vermitteln.

Auch Reduktion anderer Krebsarten?

Auch wenn es hierzu noch keine gesicherten Daten gibt, so mehren sich die Hinweise, dass die HPV-Impfung auch andere Krebserkrankungen im genitalen und anogenitalen Bereich verringern könnte. Sogar ein Einfluss auf Krebserkrankungen des Mund– und Rachenraumes, die in 30 bis 40 Prozent durch HP-Viren ausgelöst werden, wird diskutiert.

Insgesamt betrachtet sind die Langzeitdaten zur HPV-Impfung vielversprechend und scheinen zu bestätigen (und teilweise sogar zu übertrumpfen), was die Zulassungsstudien gezeigt haben. In welchem Umfang sich die Rate an Gebärmutterhalskrebsfällen reduzieren wird, kann erst in einigen Jahren bis Jahrzehnten abgeschätzt werden. Durch die GAVI-Alliance kommt der Impfstoff nun auch in die Regionen der Erde, wo er am dringendsten gebraucht wird – in die Länder der dritten Welt, wo 85 Prozent der weltweiten Todesfälle durch Gebärmutterhalskrebs auftreten.

143 Wertungen (3.62 ø)
Gynäkologie, Medizin, Onkologie

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

17 Kommentare:

Medizinjournalistin

Aktuell : Japan stoppt die HPV Impfung,hier:
http://ajw.asahi.com/article/behind_news/social_affairs/AJ201306150057
und:
“Gegen Genitalwarzen ist die Impfung wirksam”, bestätigt auch die Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Mühlhauser von der Universität Hamburg. “Das ist schön. Aber dafür ist die Impfung nicht da.” Die ungefährlichen, aber oft unangenehmen Genitalwarzen werden nur von einem der beiden verfügbaren Impfstoffe bekämpft, der zugleich gegen die Virustypen HPV-6, HPV-11, HPV-16 und HPV-18 wirkt. ” (http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/hpv-impfung-ein-erster-erfolg-1.1656011)
Und so weiter und so fort. Bis hierhin: http://www.praxis-dr-meinhold.de/fileadmin/user_upload/fuer_sie_gelesen/impfung/stiko/STIKO_Bietigheimer_Zeitung_Gute_Verbindungen_zu_den_Herstellern_100108.pdf.

Die teuerste Impfung ever und eine der komplikationreichsten Impfungen. Wirkung ist fraglich.
Na dann…

#17 |
  1
Dipl.-Med. Maik Ebert
Dipl.-Med. Maik Ebert

Sehr geehrter Herr Dr. Pohlmann (#7),
bei der von Ihnen beschriebenen Versuchsanordnung würde weder ein positives (Ca) noch ein negatives (kein Ca) Ergebnis irgend etwas BEWEISEN. Für einen eindeutigen Beweis nach einer derartigen Versuchsanordnung müssten wir ALLE einflussnehmenden Faktoren kennen und beeinflussen.
Sollten wir dazu in der Lage sein?

#10: “mit Chemie vollpumpen” ist zwar unter bestimmten Voraussetzungen ein universelles Totschlag-Argument, wir sollten aber in unserer Wortwahl (auch in derartigen Blogs) etwas ausgewogener sein (was bleibt uns sonst noch für eine Steigerung angesichts 30% rauchender Jugendlicher)

#16 |
  0

@Herr Lakowski
http://de.wikipedia.org/wiki/Heilpraktikergesetz (Stand 19.6. 07:10)
“Das Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung (Heilpraktikergesetz) vom 17. Februar 1939 regelt die Voraussetzungen zur Führung der Berufsbezeichnung „Heilpraktiker“ und enthält Ordnungswidrigkeits- und Straftatbestände. Vormals war die Ausübung der Heilkunde in der Reichsgewerbeordnung geregelt (nach den Grundsätzen der sog. Kurierfreiheit). Die Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz vom 17. Februar 1939 regelt die Voraussetzungen der Genehmigung, unter anderem die amtsärztliche Überprüfung.

Dieses Gesetz hat, in veränderter Form, weiterhin Gültigkeit in der Bundesrepublik Deutschland.”

#15 |
  0
hansjörg lakowski
hansjörg lakowski

@ Dr.Heissler,
zu Ihrer werten Kenntnismahme.
Nicht die Nationalsozialisten haben den Heilpraktiker wie Sie sagen gesetzlich verankert, sondern die BRD.
Das sog. Heilpraktikergesetz war erlassen worden, um den Beruf aussterben zu lassen.
Heute ist er lebendiger denn je.
Wozu das wohl gut sein sollte?
Nun, viele Patienten werden diese Frage ohne lange Überlegungen beantworten können.

#14 |
  0
Gesundheits- und Krankenpflegerin

Soviel zum Individuum ‘Mensch’! In der Forschung sind wir alle gleich…ich bin ja so Dankbar, dass die ‘Impf-pflicht’ abgeschafft wurde!
Kann sich die Forschung nicht mal auf das Problem ‘Diagnostik’ konzentrieren!?!????
Wer sagt denn, dass all’ unsere Jugendlichen gefährdet sind?
Hätten wir mehr bezahlbare Möglichkeiten der Diagnostik, könnte man sich einige Impfungen ersparen!!!!
…Und wieder werden ‘alle’ in einen Sack gestopft!
Ich finde Prävention im Sinne von Vorsorgeuntersuchungen wesentlich sinnvoller!

So lange es keine offizielle Langzeitstudie gibt, wird meine Tochter nicht geimpft!! Gut, daß sie erst 7 ist. Mein Mann und ich, wir sind uns einig: wenn überhaupt, dann nur nach ausführlicher Information und -noch viel wichtiger: sie muss es selbst wollen!!! – Vielleicht gibt es bis dahin ja aussagekräftige Ausschlussdiagnostiken!?!?!?

Ich bin eigentlich Befürworter für Impfungen, aber sinnvoll und überlegt sollten sie sein!!!!!!!!! Danke

#13 |
  0
Nichtmedizinische Berufe

Liebe Leser,

vielen Dank für Ihr Feedback. Die Abstracts zu den Studien finden Sie als Verlinkungen im Fließtext und nun auch noch einmal hier:

http://www.bmj.com/content/346/bmj.f2032

http://www.landesbioscience.com/journals/vaccines/article/25057/

Viele Grüße

Ihr DocCheck News-Team

#12 |
  0

Naja in Deutschland ergeht man sich halt gerne in Naturmystik. Alles angeblich natürliche ist gut. Ich frage mich warum wir in Häusern und nicht in Höhlen wohnen und unser Wasser aus dem Bach schöpfen. Dieser Hang zu irrationalem Quatsch ist sehr befremdlich. Dabei könnten wir es besser wissen. In Deutschland haben ja von 1933- 1945 solche Mystiker geherrscht, die übrigens auch den Heilpraktiker gesetzlich verankert haben. Das grandiose Scheitern dieser Ideologie kann man heute noch in jeder deutschen Stadt bestaunen.

#11 |
  0
Dipl. Biol. Thorsten Walter
Dipl. Biol. Thorsten Walter

Danke Dr. Pöhlmann für diese klaren Worte!
Vielleicht sollte auch mal mehr Geld in die Untersuchung von krebserregenden Nitrosaminen aus Kondomen und den genannten Schleimhautveränderungen investiert werden anstatt die (junden) Menschen mit Chemie voll zu pumpem. Selbst DocCheck berichtet alle paar Wochen wieder Neuigkeiten aus der Grundlagenforschung des Immunsystems. Fazit: Wir wissen eigentlich gar nichts über die Funktionen dieses hochkomplexen Systems und maßen uns dennoch an, es therapieren zu wollen.

#10 |
  0
Petra Danner
Petra Danner

Auch mir fehlen hier genaue Zahlen, um das Verhältnis nachvollziehen zu können.
Die ersten geimpften Mädchen dürften jetzt etwa 23 Jahre als sein. In diesem Alter sind weder Feigwarzen noch ein Pap IV sehr häufig. Worauf basieren die Zahlen der Langzeitstudie?
Für mich nicht überzeugend.

#9 |
  0

@Hr. Dr. Pöhlmann:
würden Sie sich und Ihre Familie als Probanden zur gezielten Infektion mit den Viren zur Verfügung stellen? Wenn Sie Recht haben, kann ja nichts passieren…

#8 |
  0
Dr. med Horst Pöhlmann
Dr. med Horst Pöhlmann

Vielleicht legt endlich einmal jemand einen DIREKTEN Virusnachweis vor: Das (hypothetische) Virus (lat. Gift) wird einem kranken Organismus entnommen, kultiviert, eindeutig identifiziert und dann auf einen gesunden Organismus übertragen, der dann die gleiche Krankheit bekommen muss. Bis dahin sind krankmachende Viren ein Denkmodell. Dann könnte man auch gleich noch die Placebo kontrollierte Doppelblindstudie zum Nachweis einer positiven Impfwirkung vorlegen. warum hat das bis heute niemand getan? Hoffentlich lassen sich möglichst viele dieser empfehlenden Ärzte impfen damit die Dummen endlich weniger werden. Ein Impfschutz ist bis heute noch für keine Impfung nachgewiesen – siehe oben. Der letzte Satz soll wohl aussagen, dass 85% der Frauen, die ein Cervix Ca haben in den Ländern der 3. Welt sterben. Bei uns allerdings auch, wenn man lange genug wartet, werden es dann sogar 100%. Da ich in Australien lebe, habe ich Gelegenheit, die Impffolgen zu sehen. An der verwaschenen Sprache kann man die geimpften Frauen unschwer erkennen. Quecksilber, Formaldehyd und Sqalene ist doch das, was jeder Mensch braucht, um gesund zu bleiben!

#7 |
  1
Student

Stimme dem zu, die Impfempfehlung sollte dringend auch endlich für Jungs erweitert werden!

#6 |
  0
Stephan Holz
Stephan Holz

Das Fehlen der Quellen ist extrem schade; gerade im Bezug auf die Angeblichen Todesfälle vermisst man diese schmerzlich.

#5 |
  0

Zu einem solchen Artikel gehören auch solide Quellenangaben – wo sind die? Welche Autoren, welche Arbeit, wo publiziert? Wieviele Patienten in Zahlen usw Solide Recherche sieht anders aus.

#4 |
  0
Regine Reusch
Regine Reusch

Es wird Zeit, die Impfempfehlung auf die Jungs zu erweitern. Sie sind ebenso von Genitalwarzen, anogenitalen und oro-pharyngealen Tumoren betroffen und können schließlich auch als Überträger fungieren.

#3 |
  0

…und Kehlkopf,siehe Michael Douglas ,Statement u.Berichte aktuell in der Weltpresse!

#2 |
  0
Heilpraktikerin
#1 |
  0
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: