Terrorgefahr: Ärzte im Bootcamp

17. Oktober 2016
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Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) warnt vor mehr als 500 gewaltbereiten Personen mit islamistischem Hintergrund in Deutschland. Deshalb suchen Ärzte Rat bei ihren Mediziner-Kollegen in der Bundeswehr. Können sie von deren Erfahrung profitieren?

Leipzig, Würzburg, Ansbach: Längst ist der islamistische Terror in Deutschland angekommen. Aussteiger halten weitere Anschläge für möglich – erst vor kurzem hatte ein mutmaßlicher Terrorist seine Anschlagspläne für die Düsseldorfer Altstadt enthüllt. Während Ermittlungsbehörden nach Verdächtigen suchen, sehen sich Chirurgen mit völlig neuen Herausforderungen konfrontiert. Plötzlich geht es nicht mehr um Auto- oder Sportunfälle, sondern um Verletzungen mit Nagelbomben oder Maschinengewehren. Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und die Bundeswehr bereiten gemeinsam Ärzte auf den Ernstfall vor. Sie setzen auf einen Fünf-Punkte-Plan.

Expertise in der zivilen Welt kaum vorhanden

Hoffmann

Professor Dr. Dr. Reinhard Hoffmann. Quelle: DGU

Dabei geht es vor allem um bundesweite Schulungen für Ärzte – und um die Möglichkeit, von Kollegen mit Erfahrung im Kriegseinsatz zu lernen. Ein erster Schritt: Am 28. September trafen sich Unfallchirurgen und Sanitätsoffiziere zum ersten Meinungsaustausch in größerem Rahmen. Rund 200 Teilnehmer diskutierten verschiedene Perspektiven der präklinischen und klinischen Versorgung von Opfern.

„Die Bedrohung durch Terroranschläge bringt für den Zivilbereich völlig neue Verletzungsmuster: Schussverletzungen durch Kriegswaffen, Explosionsverletzungen durch Nagelbomben, Hieb- und Stichverletzungen in allen Körperregionen durch Stichwaffen“, sagt DGU-Generalsekretär Professor Dr. Dr. Reinhard Hoffmann. Denkbar sind offene Verletzungen bis zu sogenannten Blast Injuries mit Verlust von Körperteilen. „Das hat die DGU veranlasst, eine Überprüfung der medizinischen Kapazitäten durchzuführen.“ Es geht um das Wissen an sich, aber auch um standardisierte, eingeübte Prozesse.

Durch das TraumaNetzwerk DGU® existieren zwar Strukturen, um zivile Unfallopfer flächendeckend zu versorgen. Komplexe Verletzungsmuster nach Terroranschlägen stellen Ärzte und Rettungskräfte jedoch vor neue Herausforderungen. Chirurgen hoffen, von Erfahrungen des Bundeswehr-Sanitätsdiensts zu profitieren.

Tempel

Dr. Michael Tempel. Quelle: DGU

Diese Möglichkeit hält Generaloberstabsarzt Dr. Michael Tempel für durchaus realistisch: „Im Rahmen unserer Einsätze haben wir uns, teilweise auch schmerzlich, eine besondere Expertise bei der Versorgung von polytraumatisierten Patienten mit Schuss- und Explosionsverletzungen erworben, die in der zivilen medizinischen Welt kaum mehr vorhanden ist.“ Gleichzeitig sei man geübt, um mit einem Massenanfall von Verletzten (MANV) umzugehen und mit reduzierten Mitteln zu arbeiten.

Ärzte wünschen sich, Wissen des Bundeswehr-Sanitätsdiensts abzugreifen. Ziel ist es, über das TraumaNetzwerk DGU® Erkenntnisse in alle Traumazentren zu transportieren. Der Initiative gehören mehr als 600 Häuser an. Experten planen nicht nur regionale Informationstage und einen Leitfaden. Sie fordern auch, Notfallübungen zu planen und durchzuführen. Das ist leichter gesagt als getan. Um eine Klinik inklusive mehrerer OPs aus dem laufenden Betrieb zu nehmen, sind schnell 100.000 Euro fällig. Investitionen kommen noch hinzu.

Die Guten rüsten auf

File Tourniquet.jpeg Wikimedia Commons

Mechanisches Tourniquet-Abbindesystem. Quelle: NDNAM / Wikipedia

Schon heute haben Experten Empfehlungen zusammengestellt, um auf mögliche Anschläge besser vorbereitet zu sein. Das bayerische Innenministerium empfiehlt für Rettungsdiensteinsätze bei besonderen Einsatzlagen (REBEL) unter anderem:

Dass es mit weiteren Ausrüstungsgegenständen allein nicht getan ist, zeigen Erfahrungen der Bundeswehr. So gelang es Ärzten nicht immer, Tourniquets richtig zu schließen. Teilweise wurden Blutungen durch die Stauung noch verstärkt. Mittlerweile liegen Handlungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin vor.

Gänzlich unterschiedliche Herangehensweisen kommen mit hinzu. Nach einem Anschlag bleibt keine Zeit, um Patienten vor Ort zu stabilisieren, da „Zweitschläge“ drohen. Ärzte lernen beispielsweise Prinzipien wie „life before limb“ („Leben vor Gliedmaßen“), die im zivilen Arbeitsalltag bislang keine nennenswerte Rolle spielen.

Anlegen eines Tourniquets

Einsatz von Tourniquets bei kritischen Extremitätenblutungen inklusive ABCDE-Schema. Quelle: AGBN

DGU-Experten schlagen Fortbildungen in drei Bereichen vor. Sie empfehlen neben fachlichen Themen auch taktische, strategische und organisatorische Inhalte. Gleichzeitig wollen sie das bestehende TraumaRegister DGU® um ein Schuss- und Explosionsregister erweitern.

79 Wertungen (4.38 ø)
Chirurgie, Medizin

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33 Kommentare:

Gast mit Namen..
Gast mit Namen..

Die Ursachen liegen doch in der Politik der Bundesregierung in Form von vollkommen unkontrollierter Zuwanderung. Die Auswirkungen werden wir schmerzhaft spüren. Die Ordnung und Sicherheit ist nicht mehr gegeben. Wer es nicht glaubt, darf sich gern mit Amtsträgern unterhalten (denen, die tagtäglich in den Einsätzen den Kopf hinhalten).

#33 |
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Wenn hier Meinungen geloescht werden, ist der Blog auf wertlose Propaganda reduziert

#32 |
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Gast
Gast

Sehr geehrte Redaktion,
danke für Ihre Rückmeldung!
Ich bin der Ansicht, dass es rechtens und nicht fremdenfeindlich ist, öffentlich darüber nachzudenken, wie man sich vor einer vom Innenministerium benannten Terrorgefahr zu schützen in der Lage sein könnte. Ich gehe davon aus, dass der größte Anteil der Forumsteilnehmer in einem Beruf tätig ist, der es zum Ziel hat, Menschen zu helfen, zu heilen und Leiden und Sterben so gut es nur geht, fern zu halten. Ich bin der Ansicht, niemand der hier Schreibenden würde humanitäre Hilfe verweigern, jedoch besteht mindestens das gleiche Recht auf Unversehrtheit in jeglicher Beziehung -nicht nur körperlich- auch für uns als Helfer!
Wenn eine potentielle Gefahr von einer Strömung z.B. auch in Form von Überlegenheitsgefühlen -überwertige Ideen!- ausgeht, muss es erlaubt sein zu überlegen, wie man dem präventiv begegnen kann (siehe auch die jüngsten Ereignisse); und ja, das hat durchaus etwas mit Meinungsfreiheit zu tun.

#31 |
  0
Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

Wenn die Ursachen nicht angesprochen werden dürfen, weil diese zu schnell als Fremdenfeindlich & Co. deklariert werden, dann hat man wirklich ein Riesenproblem (vor allem mit Meinungsfreiheit). Vielleicht sollte man da auch über die Phobie der freien Meinungsäußerung nachdenken..

#30 |
  2
Mitarbeiter von DocCheck

Liebe Leser,

vielen Dank für Ihre rege Diskussion zu diesem Thema.

Wir möchten noch mal daran erinnern, dass wir fremdenfeindliche, rechtsextreme, sexistische oder auch homophobe Kommentare auf unserer Plattform nicht dulden. Deshalb behalten wir uns das Recht vor, entsprechende Kommentare zu löschen oder einzukürzen.

Weiterhin wünschen wir Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Ihr DocCheck News Team

#29 |
  13
Dr. med. Joachim Gros
Dr. med. Joachim Gros

Ein schönes Land,für das meine beiden Opas im Ostfront das Leben verloren haben, wurde von derzeitigen Politikern mit Frau Merkel verraten.

#28 |
  5
Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

Auch beine Bemerkung bezüglich des Islams ist spurlos verschwunden, unfassbar.. Bis zur Meinungsfreiheit wird es ein langer und steiniger Weg sein..

#27 |
  3
Gast
Gast

Komisch, der Kommentar, in dem vorgeschlagen wurde, weniger Islam hier anzusiedeln, ist spurlos verschwunden, obwohl es doch in der Überschrift heißt:

“Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) warnt vor mehr als 500 gewaltbereiten Personen mit islamistischem Hintergrund in Deutschland. Deshalb suchen Ärzte Rat bei ihren Mediziner-Kollegen in der Bundeswehr.”

Kann uns die Redaktion diese Reaktion bitte erklären?

#26 |
  3
Michael Riediger
Michael Riediger

[Kommentar wurde wegen beleidigenden Inhalts von der Redaktion gelöscht]

#25 |
  3

#25: Hebammen machen gute Arbeit. Zweifelsohne. Aber sie sind natürlich keine (Fach-)Kolleginnen, denn sie haben nicht Medizin studiert und ebensowenig eine Facharztausbildung absolviert.

#24 |
  8
Gast
Gast

Danke Frau Merkel!!

#23 |
  8
Gast
Gast

#19: Hebammen-Bashing, etwas ganz neues.
Unfassbar.
Natürlich sind Hebammen und Geburtshelfer Kollegen, was denn sonst?
Handlanger-Diener?

#22 |
  8
Dr. med.vet. Stefan Gabriel
Dr. med.vet. Stefan Gabriel

heißt wohl besser : fake-t ?
Mein Denglisch ist auch nicht mehr das, was Bob Dylan mal angestoßen hatte…

#21 |
  1
Dr. med.vet. Stefan Gabriel
Dr. med.vet. Stefan Gabriel

Nee, klar: von den Flüchtlingen kommt doch kein Überfall. Es war ja nur ein EInzeltäter, der sich nur als Flüchtling ausgegeben hatten. Alles Klar!
Die Regierung fakt alles, und die Erde ist eine Scheibe….!
Fakt ist aber, daß Verletzungen aus kriegsähnlichen Szenarien auch bei uns versorgt werden können müssen.
Sorry, aber Verschwörungsgelaber rettet kein einziges Menschenleben !

#20 |
  6
Gast
Gast

Von den Fluechtlingen kommt doch kein Ueberfall, die sind doch nicht so dumm und gefaehrden ihre eigene Sicherheit und Zukunft. Das sind alles gefakte Inszenierungen, um der Regierung die Hand frei zu halten, das durchzusetzen was sie vor haben.

#19 |
  36
Rettungsassistent

Anlage eines Tourniquet ist eine temporäre Maßnahme, schafft Zeit um eine initiale Traumversorgung folgend (C) ABCDE durchzuführen!

Details in Polytrauma S3 der DGU, Seite 125 , veröffentlicht 2011

TQ sind beim Militär US und NATO schon seit mehr als einigen Standard!
Die FW München hat Tourniquet seit 2009, wurde mit mSTaRT eingeführt!

#18 |
  0
Gast
Gast

Na was nützen Strategie und Ausrüstung wenn es kein Personal gibt .Die Rettungsdienste und Krankenhäuser bekommen keinen Nachwuchs und damit überhaupt eine Versorgung stattfinden kann arbeiten die wenigen die es noch gibt am Limit (woran das wohl liegt )!!!Gut es hat nicht in erster Linie mit dem Artikel zu tun doch gebe ich zu bedenken das auch adäquates Personal fehlt das auch die Strategie und die richtigen Hilfsmittel umsetzen kann!

#17 |
  0
Michael Riediger
Michael Riediger

Liebe Kollegin Schuster (#16),
sie scheinen fälschlicherweise zu glauben, dass Tourniquets als “Mode des Monats” Druckverbände ersetzen sollen. Es geht hier jedoch um den Einsatz bei Amputationsverletzungen, die – das mag sie überraschen – auch außerhalb von Kriegs- oder Terrorszenarien vorkommen.

@doc gerit (#17):
Als erster eintreffender Notarzt empfehle ich ihnen zu beten, dass keine sekundären Sprengsätze auf eintreffende Rettungskräfte warten.

@Wilhelm Kemmer (#11):
Da höre ich aber von Rettungsdienstmitarbeitern, die bis vor Kurzem bei der BW waren, anderes. Allerdings denke ich, dass man bei amerikanischen Militärärzten mehr lernen könnte als bei Kollegen von der BW, da die Amis mehr entsprechende Einsätze hatten.

[Kommentar wurde wegen beleidigenden Inhalts von der Redaktion gekürzt]

#16 |
  12
Joachim Bedynek
Joachim Bedynek

… “teilweise wurden Blutungen durch die Stauung noch verstärkt” …
Stauungen verstärken immer die Blutung ! oder das “die” ist zu viel.

#15 |
  0
doc Gerit
doc Gerit

Das klingt sehr interessant, macht auch ein bißchen Angst. Ich, als Allgemeinmediziner wünsche mir ebenfalls mehr Wissen für solche Fälle. Wer weiss denn ob ich nicht erster anwesender Notarzt bin, in einem solchen Fall. Dann möchte ich auch wissen was zu tun ist.

#14 |
  2
Ärztin

Es gibt bereits Richtlinien für die Versorgung polytraumatisierter Patienten. Rettungsteams und Unfallchirurgen sind darauf vorbereitet. Einzig das quantitative Vorhalten von entsprechendem Material für den Masseneinsatz könnte erforderlich sein. Tourniquets finden im regulären Rettungsdienst wegen der Gefahr des Verlustes von Gliedmaßen keine Anwendung und sollten der Versorgung im Krieg vorbehalten sein. Ziel sollte eher sein Rettungsdienst und Standorte nicht weiter auszudünnen. Hier wäre ein angepasdter finanzieller Background eher wünschenswert.

#13 |
  12
Patrick Hall
Patrick Hall

Wie viele tourniquets soll man dabei haben, wenn es einen Anschlag auf einen Berliner Flughafen gibt? Und Hämostyptika nach einem Nagelbombenangriff sind auch toll.
Wir befinden uns (noch) nicht auf einem Kriegsschauplatz in Deutschland. Und bei all den Kommentaren sollte überlegt werden, wie wir diese katastrophale Entwicklung stoppen können. Und dazu ist eine klare politische Haltung auch eines Arztes wichtig.

#12 |
  3
Ärztin
Ärztin

Während meines Studiums ( DDR ) hatten wir drei Wochen Zivilverteidigungs-
lager und während der FA-Ausbildung hatten wir befristet das Fach “Militär-
Medizin”. Ich hätte nicht gedacht, dass das mal wieder so aktuell wird.

#11 |
  0
Dr. med.vet. Stefan Gabriel
Dr. med.vet. Stefan Gabriel

was sind das für Kommentare zu einem elementaren Problem ?
Die Laien staunen und die Fachleute wundern sich …??? [Kommentar wurde von der Redaktion gekürzt]. Die Realität klopft dann nicht nur bei spezialisierten Notfallmedizinern an, wenns mal knallt ! Es ist vernünftig, sich auf solche szenarien vorzubereiten.

#10 |
  2

Wenn es um die Katastrophenmedizin lieber bei Ärzte ohne Grenzen fragen. Bundeswehrärzte kennen die “taktische Chirurgei” selbst nur als graue Theorie. Nach meinen langjährigen Erfahrung in Afghanistan und anderen Krisenzonen ist kaum einer Versorgung von Kriegverletzungen in der Lage.

#9 |
  6
Ärztin

Ich finde es höchst interessant, dass hier von neuen Herausforderungen für Chirurgen gesprochen wird … an vorderster “Front” steht doch immer noch ein Rettungsteam bestehend aus Notarzt und Rettunspersonal! Primär stellt sich da das primäre Problem der zur Verfügung stehenden Resourcen (Tourniquets uvm. ) , ihrer sicheren Anwendung, ggf. der Frage OB in dieser Situation der Einsatz von Schmerztherapeutika überhaupt noch Platz hat und WIE die Eigensicherung eines Rettungsteams aussehen soll…
Die medizinische Versorgung in der Klinik ist dann sicher eine weitere große Herausforderung, steht aber meiner Meinung nach dtl. hinter den sicherheitsrelevanten Fragen für die Ersthelfer zurück!

#8 |
  1
Hebamme

was für Sandkastengeplänkel – liebe ärztliche Kollegen, werdet erwachsen!

#7 |
  68
Gast
Gast

Als ehemaliger Soldat im technischen Sanitätsdienst mir Erfahrung in mehreren Auslandseinsätzen und Ausbildung in der Katastrophenmedizin, finde ich es an der Zeit das in dieser Richtung eine Zusammenarbeit und ein Austausch der Erfahrungen stattfindet. Niemand sollte für seinen persönlichen Einsatz aus Unkenntnis Schaden nehmen müssen….

#6 |
  2
sascha schmadel
sascha schmadel

Oje, Leute

#5 |
  12
Dr. med.
Dr. med.

Gratulation und danke Herr Dr. Möller (Nr.2) zu diesem wahren, treffenden und wahrhaftig qualifizierten Kommentar

#4 |
  11
Andreas Schweizer
Andreas Schweizer

Danke Herr Dr Pöppelmann für Ihren treffenden Kommentar!

#3 |
  119

Hr. Dr. Möller,
Gratulation zu diesem wahrhaft unqualifizierten Kommentar!!
Pegida lässt grüßen…

#2 |
  130

Vielen Dank Frau Merkel!!!

#1 |
  46
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