Babynahrung: Soll Spuren von Nüssen enthalten!

4. Oktober 2016
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Erdnüsse, Eier und Gluten: Das frühe Integrieren dieser Nahrungsmittel in den Speiseplan von Babys steht im Zusammenhang mit einem niedrigeren Allergierisiko. Diese Erkenntnis legt nahe, den aktuellen Ansatz der Allergieprävention neu zu überdenken.

In Deutschland erlebt jedes dritte Kind bereits im Säuglingsalter eine allergische Reaktion. Und auch danach zählen Allergien zu den häufigsten chronischen Leiden.

In puncto Ernährung betrifft das vorrangig die Lebensmittel Kuhmilch, Soja, Eier, Weizen, Nüsse, Erdnüsse (zählen zu den Hülsenfrüchten), Sesam, Fisch und Meeresfrüchte.

Ein britisches Forscherteam um Despo Ierodiakonou vom Imperial College London führte eine Studie zu Allergenen in Babynahrung durch. Das Ergebnis: Die Allergene könnten die Entwicklung von Allergien verhindern, wenn man sie richtig dosiert und zum optimalen Zeitpunkt in den Ernährungsplan integriert.

Außerdem fanden sie heraus, dass der frühe Verzehr von Gluten nicht mit einem erhöhten Risiko zusammenhängt, zöliakische Erkrankungen zu entwickeln.

Was sollen Babys essen? Trends kommen und gehen

Das Thema Ernährung bei Babys ist mit viel Unsicherheit verbunden. Die Regeln scheinen sich immer wieder zu ändern. Ein Beispiel: In Australien wurde Eltern in den frühen Neunzigern empfohlen, bestimmte Lebensmittel wie Eier und Erdnüsse zu vermeiden, um das Allergierisiko zu senken. Die Vorgaben basierten auf Studien, in denen untersucht wurde, wie sich Allergien bei Kindern entwickeln, wenn Mütter während Schwangerschaft und Stillzeit auf Allergene verzichten.

Diese Studien werden mittlerweile infrage gestellt, denn es wurde nicht berücksichtigt, dass jene Eltern, die hinsichtlich Allergien familiär vorbelastet sind, sich eher an Empfehlungen halten als diejenigen ohne Vorbelastung. Dadurch wurde das Ergebnis beeinträchtigt. Neue Studien untermauern diesen Punkt.

Allergene mit eigenen Waffen bekämpfen

Interessanterweise scheint das frühe Beifüttern von allergenhaltigen Speisen bei Babys im Alter von ca. sechs Monaten vor allergischen Reaktionen gegen genau diese Lebensmittel zu schützen. Das ergab die Studie der britischen Forscher: Sie ergänzten den Ernährungsplan von Babys im Alter von vier bis sechs Monaten mit Eiern; Kinder zwischen vier und elf Monaten bekamen regelmäßig Erdnüsse zu essen.

Diese Aussage muss allerdings kritisch hinterfragt werden, da mehrere Studien herangezogen wurden, die unterschiedlich gestaltet waren und in ihrer Qualität variierten. Einige davon bargen das Risiko der Voreingenommenheit, da manche Teilnehmer und Forscher wussten, wer Ei- oder Erdnuss-haltige Speisen erhalten hatte.

Außerdem gibt es noch viele andere Aspekte, die im Zusammenhang mit Allergien berücksichtigt werden müssen. Tatsache ist, dass die Wahrscheinlichkeit, an einer Allergie zu leiden, zu großen Teilen erblich ist. Allerdings gibt es auch andere Faktoren, die Einfluss darauf haben, wie Umweltfaktoren, das Mikrobiom, der Vitamin-D-Level, die Anzahl der Geschwister und ob man mit Haustieren zusammenlebt. Welche Rolle diese Punkte tatsächlich spielen, versuchen Forscher immer noch herauszufinden.

Bis dahin raten Experten, das Zeitfenster des ersten Lebensjahres bei Kindern zu nutzen und Lebensmittel wie Erdnüsse und Eier regelmäßig in den Speiseplan einzubauen, um das Allergierisiko einzuschränken.

Originalpublikation:

Timing of Allergenic Food Introduction to the Infant Diet and Risk of Allergic or Autoimmune Disease
Despo Ierodiakonou et al.; JAMA, doi:10.1001/jama.2016.12623; 2016

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1 Kommentar:

Jyr Gen
Jyr Gen

In Südindien lernte ich Mütter kennen, die ihren Kindern einfach, wenn sie selbst gegessen haben, immer ein bisschen vom gut gekauten Speisebrei mit dem Zeigefinger in den Mund gestrichen haben. Zuerst bekommen die Kinder dort Muttermilch und dann sofort normales Essen – aber gut gekaut. Neurodermitis ist dort kein Thema.

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