Reha-Handschuh: Weiche Schale, weicher Kern

6. Oktober 2016
Teilen

Roboterhandschuhe werden in der Therapie bereits eingesetzt und sollen dabei helfen, Hände wieder beweglich zu machen. Nun gibt es einen weichen, völlig metallfreien Robotic Glove, der in der Hand-Rehabilitation neue Standards setzen könnte.

An der National University of Singapore wird zur Zeit an einem fleißigen Händchen gearbeitet: Es ist ein Roboterhandschuh, der in der Rehabilitation zum Einsatz kommen soll. Er bietet Patienten, die aufgrund von Verletzungen oder Nervenstörungen wie etwa durch einen Schlaganfall oder muskuläre Dystrophie, in ihren Handbewegungen eingeschränkt sind, neue Therapiemöglichkeiten. EsoGlove soll dabei helfen, die Hand wieder funktionsfähig zu machen.

Leicht und weich

Roboterhandschuhe finden in der Therapie bereits Verwendung, dieses Modell unterscheidet sich von anderen Tools allerdings durch einige neue Features: Der Apparat ist extrem leicht und darüber hinaus völlig metallfrei: Der ganze Handschuh besteht aus weichen Materialen – vorwiegend Stoff. Die eingebauten Sensoren können Muskelsignale interpretieren und sich an natürliche Bewegungsabfolgen der menschlichen Hand anpassen.

Bewegt wird der Handschuh durch einen Kontrollmechanismus. Die Technologie basiert auf dem sogenannten functional Magnetic Resonance Imaging System (fMRI) – eine Kombination aus Elektromyographie und Radiofrequenz-Identifikation. Bei dieser innovativen Methode werden die Aktoren durch Druck in Gang gesetzt: Die Aktoren füllen sich stoßartig entlang der Finger mit Luft, dadurch lassen sich die künstlichen Gelenke biegen, strecken und drehen.

Jeder Aktor funktioniert separat und kann einzelne Finger bewegen. An den Fingergelenken des Handschuhs befinden sich integrierte DTG-Sensoren, die die Kinematik der Hand analysieren, damit der Handschuh sie ausführen kann – entweder durch Muskelsignale oder durch kontralaterales „Vormachen“ mit der anderen Hand.

Überall griffbereit

Um die Funktionen der Hand wieder neu zu lernen, ist das wiederholte Greifen, Festhalten und Loslassen von Gegenständen wichtiger Teil des Rehabilitationsprogramms. Diese Übungen sind sehr zeitintensiv und meist nur im klinischen Setting möglich.

Da der Handschuh portabel ist, könnten Patienten in Zukunft autonom und überall trainieren. Alltägliche Bewegungsabläufe wie beispielsweise einen Kugelschreiber in die Hand nehmen oder eine Tasse halten können Patienten ohne Hilfe von anderen ausführen.

Zukunftsvision

Seit Februar führen die Experten klinische Tests mit dreißig Patienten durch, um den Handschuh zu optimieren. Das Forscherteam hofft, dass der Robotic glove zukünftig dazu beitragen kann, die Gehirnaktivität in Hinsicht auf motorische Leistungen während der Hand-Rehabilitation besser zu verstehen und herauszufinden, welchen Einfluss Tools wie der EsoGlove auf die Gehirnstimulation haben.

6 Wertungen (3.83 ø)
Forschung, Medizin

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: