Das Herz in der Hand: Kardiologie

16. Februar 2011
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Kardiologie ist Herzenssache. Dr. med Petra Münster erzählt im 3. Teil unserer Facharztreihe, warum sie sich für dieses Fach entschieden hat: "Ich musste mich nach dem Aufstehen noch nie fragen, wofür ich heute zur Arbeit gehe."

Die Kardiologie etablierte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts als eigenständiges Forschungsgebiet der Inneren Medizin. Heute ist der Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie einer von zehn internistischen Schwerpunktdisziplinen. Warum sich Dr. med Petra Münster aus Mainz für die Kardiologie entschieden hat, erzählt sie hier.

Ende des Studiums – und dann?

„Am Anfang meines Studiums hatte ich noch keine Vorstellung, für welche Disziplin ich mich entscheiden würde. Die Auswahl schien erstmal unerschöpflich und ich tat mich schon schwer bei der groben Entscheidung zwischen Chirurgie und Innere. Es war eher so, dass ich jedem Fach, mal abgesehen von der Dermatologie vielleicht, etwas abgewinnen konnte. Es fiel mir schwer eine Disziplin auszuwählen und mich damit anderen Bereichen zu verschließen. Je näher das Examen kam, desto nervöser wurde ich, da mir langsam aber sicher eine Entscheidung abverlangt wurde.“

So erzählt Dr. Petra Münster, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie. Ihr Studium begann sie 1990 in Köln, schloss 1997 ab und promovierte im Bereich der Gastroenterologie. Danach begann sie die Ausbildung zur Internistin in Köln. Anschließend noch 2 Jahre Weiterbildung zur Kardiologin analog der alten Ausbildungsordnung. Mit dem Facharzt wechselte sie – auch aus privaten Gründen – nach Mainz.

Der Wendepunkt

„Mein Promotionsthema war eher aus der Not geboren und hatte weniger mit meinem Interessensgebiet zu tun. Nach dem Studium hab ich mich dann erstmal für die Innere Medizin entschieden. Prinzipiell fand ich die Chirurgie zwar interessant, aber aus praktischen Gründen wollte ich den Internisten vorziehen. Das ewige Stehen, die OP-Kleidung und die vorherrschende straffe Hierarchie haben mir das Fach etwas madig gemacht. Während des zweiten Jahres meiner Ausbildung hatte ich dann endlich ein Aha-Erlebnis, was meinen Fokus im Rahmen der ärztlichen Karriere veränderte. Mein damaliger Oberarzt Dr. Brunert, seineszeichens Kardiologe, war ein sehr begeisternder Mann, mit einem für mich sehr beeindruckendem Wissen und einer großartigen praktischen Begabung. Er schaffte es, den Charakter der Kardiologie in seiner ganzen Breite für mich darzustellen.“

Das Handwerk

„Primitiv fängt es ja damit an, dass man schon bedeutende Diagnostik mit ganz einfachen Mitteln machen kann. Dass, was die Studenten im ersten Klinischen im sog. „Klopfkurs“ lernen, Perkussion des Herzens, der Lunge, die Auskultation dieser Organe, Palpation der Pulse, Einschätzen der Pulsqualitäten etc. erhält im Rahmen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen einen ganz besonderen Stellenwert. Ich fand das sehr beeindruckend, dass dieser Oberarzt mit wenigsten Hilfsmitteln ganze Diagnosen mit feinstem Gehör und Gefühl stellen konnte, ohne auch nur das Ultraschallgerät gestartet zu haben.

Was mich aber letztendlich zur Herzärztin hat werden lassen, waren die großen Schnittmengen zu anderen internistischen Erkrankungen. Als Kardiologe wird man täglich mit Krankheitsbildern konfrontiert, die ihren Ursprung im Herz-Kreislauf-System haben können, z.B. Lebererkrankungen, Lungenerkrankungen und so weiter. Auch Erkrankungen die das Herz affektieren sieht man natürlich oft, so wie Endokrinologie (Diabetes mellitus, Hyperthyreose), Infektiologie (Borreliose, Syphilis, Adenovirenerkrankungen), rheumatische und hämatologische Erkrankungen. Obwohl man sich für Kardiologie entschieden hat, bleibt einem trotzdem eine ganze Palette an internistischen Erkrankungen. Und das, obwohl das Herz an sich auch auf vielen Ebenen etwas zu bieten hat: Elektrophysiologie und Hämodynamik, Notfallmedizin und Langzeitherapie zum Beispiel.

Ein chirurgisch begeisterter Student wird vermutlich wenig Spaß an der internistischen Kardiologie haben, obwohl wir im Rahmen von Schrittmacherimplantationen und Herzkathetern nicht ganz weit vom OP-Betrieb weg sind.“

Fazit

„Abschließend lässt sich sagen, dass ich die Verantwortung in diesem Berufsfeld als große Herausforderung sehe. Ich erinner mich da noch an einen Spruch von meinem damaligen Oberarzt: “Bei anderen Leiden hat man mit der Krankheit zu kämpfen, hier aber mit dem Sterben.” Ich musste mich nach dem Aufstehen noch nie fragen, wofür ich heute zur Arbeit gehe. Die Entscheidung für die Kardiologie hab ich nie bereut.“

Zurzeit ist der Facharzt für Kardiologie an die Facharztausbildung zum Internisten gekoppelt. Nach sechsjähriger Ausbildung und einer bestandenen Prüfung erhält man die Bezeichnung „Facharzt für Innere Medizin Schwerpunkt Kardiologie”.

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