Herzinfarkt-Prävention: Zweifel an Kombitherapie

23. September 2016
Teilen

Zur Vorbeugung eines weiteren Herzinfarkts steht seit Anfang des Jahres der Wirkstoff Ticagrelor bereit, der mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure kombiniert wird. Eine Dossierbewertung des IQWiG widerlegte nun einen Zusatznutzen durch Ticagrelor. Die Rückkehr zur Monotherapie?

Der Wirkstoff Ticagrelor ist seit Februar 2016 für Erwachsene zugelassen, die vor mindestens einem Jahr einen Herzinfarkt hatten und bei denen ein hohes Risiko für einen erneuten Herzinfarkt oder Schlaganfall besteht.

Ticagrelor wird dabei gemeinsam mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS) eingesetzt. Bei seiner Anfang Juli 2016 veröffentlichten Dossierbewertung hatte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zeigen können, dass Ticagrelor einen geringen Zusatznutzen im Vergleich zur alleinigen Gabe von ASS aufweist.

Zusatznutzen nicht belegt

Unter Einbezug von zusätzlichen Auswertungen, die der Hersteller im Stellungnahmeverfahren beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eingereicht hat, kommt das Institut nun zu folgendem Ergebnis: Ein Zusatznutzen sei nicht belegt, da positive Effekte durch negative infrage gestellt werden.

Weiter heißt es: Es tauchten lediglich Daten zu schweren Blutungen auf. Zu nicht schweren Blutungen, die klinisch aber relevant sind, fehlten die Daten hingegen. Die Ergebnisse der vom Hersteller nachgereichten Auswertungen fallen zu Ungunsten von Ticagrelor aus: Weil diese Blutungen deutlich häufiger auftreten als unter der ASS-Monotherapie, sieht das IQWiG hier einen Beleg für einen höheren Schaden mit dem Ausmaß „beträchtlich“.

Negative Effekte überschatten positive

Hinzu komme, dass Daten zur Lebensqualität fehlen. Dabei habe dieses Zielkriterium gerade bei der koronaren Herzkrankheit (KHK) eine hohe Bedeutung, erst recht angesichts von Nebenwirkungen wie etwa der Dyspnoe. Die überarbeitete Fassung der Nationalen Versorgungsleitlinie chronische KHK nennt die „krankheitsbezogene Lebensqualität“ bei den Behandlungszielen an erster Stelle.

Da zum einen für einen zusätzlichen Endpunkt ein höherer Schaden belegt sei, zum anderen keine Daten zur Lebensqualität vorliegen, werden die positiven Effekte, u. a. bei Sterblichkeit und Folgekomplikationen, durch die negativen Effekte infrage gestellt. In der Gesamtschau lasse sich daher aus den Daten kein Zusatznutzen von Ticagrelor plus ASS im Vergleich zur ASS-Monotherapie ableiten, so das IQWiG.

Originalquelle:

Ticagrelor zur Prävention nach Herzinfarkt: Nachgereichte Daten stellen Zusatznutzen infrage
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG); 2016

15 Wertungen (3.07 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.



Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: