Apparateur, bitte in den OP

26. September 2016
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Der Branchenverband Bitkom bewertet OP-Roboter als eine der wichtigsten Innovationen im Gesundheitswesen. DocCheck hat den Trend unter die Lupe genommen und nachgesehen, wo die Forschung heute steht – und welche Tools bereits im Einsatz sind.

Technologien für den OP der Zukunft: Am Innovationszentrum für Computer-assistierte Chirurgie (ICCAS) arbeiten Ärzte, Ingenieure und Informatiker Hand in Hand. Ihr Ziel ist, Arbeitsabläufe über sinnvolle Automationsprozesse zu optimieren. Gleichzeitig werden digitale Patientenmodelle entwickelt. Mit Assistenzsystemen sollen OP-Verläufe qualitativ und quantitativ verbessert werden – bei sinkendem Stresslevel für das chirurgische Personal. Als Vision wünschen sich ICCAS-Experten ein „chirurgisches Cockpit“ als Assistenzsystem, das Ärzte in allen Prozessen unterstützt.

Reise in die Zukunft

Schon heute zeigen sie im Konzept-Operationssaal der Universität Leipzig, was moderne Technologien leisten. Scheinwerfer ändern ihre Ausrichtung und ihre Lichtfarbe, sobald der Arzt ein Endoskop zur Hand nimmt. Gleichzeitig schlägt die Software weitere Schritte vor und reagiert auf neue Situationen. Die Hoheit bleibt beim Operateur, der aber bestmöglich entlastet werden soll. Um dieses Ziel zu erreichen, spielen digitale Patienten- und Modellprozesse eine zentrale Rolle. Hinzu kommen die multimodale intraoperative Bildgebung sowie die nichtinvasive bildgestützte Chirurgie. ICCAS-Forscher erwarten, dass viele Tools innerhalb von drei bis fünf Jahren verfügbar sein werden.

 

Nierentransplantation: freie Sicht, gute Heilung

Innovative Assistenzsysteme sind schon heute im Einsatz. Mitte Juni gelang es Kollegen am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS), die ersten roboter-assistierten Nierentransplantationen in Deutschland durchzuführen.

 

Universitatsklinikum des Saarlandes Urologie

Roboter-assistierte Nierentransplantationen mit dem daVinci®-System. Quelle: Universitatsklinikum des Saarlandes / Urologie

Patienten profitieren nicht nur vom geringeren Operationstrauma. „So erlauben die gegenüber der offenen Operation deutlich verbesserten Sichtverhältnisse eine subtilere Gefäßnaht beim Anschluss der Blutgefäße des Transplantats an die Blutgefäße des Empfängers“, berichtet Professor Dr. Michael Stöckle. Er ist Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie in Homburg/Saar. „Zum anderen sollten sogenannte Lymphocelen, also Ansammlungen von Lymphflüssigkeit um das Transplantat, bislang eine der häufigsten Komplikationen der Nierentransplantation, deutlich seltener werden.“ Bereits seit 2010 setzen Kollegen Robotersysteme ein, um Nieren von Lebendspendern zu entnehmen.

Pankreaskarzinome: heute OP, morgen Chemo

Auch bei Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse spielen Robotersysteme ihre Stärke aus. Zum Hintergrund: Laut Hochrechnungen des Pancreatic Action Network könnten sich Pankreaskarzinome bis 2030 zur weltweit zweithäufigsten Krebstodesursache entwickeln. Nach fünf Jahren leben nur noch acht Prozent aller Patienten. Forscher arbeiten weltweit an Behandlungsmöglichkeiten, doch der Durchbruch ist fern. Jetzt berichten Chirurgen des Universitätsklinikums Carl Gustav Carius, Dresden, von einer neuen Strategie. Ein Team um Professor Dr. Jürgen Weitz, Direktor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, hat jetzt das daVinci®-OP-System bei Pankreaskarzinomen eingesetzt. „Um die Überlebenszeit und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern, ist eine möglichst schonende Operation sehr wichtig“, so Weitz.

Nach konventioneller Entfernung des Bauchspeicheldrüsenkopfes erhalten lediglich 40 bis 60 Prozent aller Patienten die Chemotherapie wie geplant, häufig aufgrund eines nicht ausreichenden Allgemeinzustandes. Weitz: „Neben der chirurgischen Entfernung des Tumors entscheidet ein früher Beginn und das vollständige Verabreichen der Chemotherapie mit darüber, wie gut Krebszellen außerhalb der Drüse überleben können und damit auch über das Langzeitüberleben der Patienten.“ Er berichtet von einer 68-jährigen Patientin, bei der Genesungsvorgänge um ein Drittel verkürzt wurden. Beim Roboter sind lediglich mehrere kleine Schnitte erforderlich.

Urologie: Zahlen des Erfolges

Deutlich mehr Erfahrungen haben Urologen mit roboterunterstützen Prostata-OPs. Kollegen am UKS blicken auf mehr als 4.000 Eingriffe per Assistenzsystem zurück. Ihr Roboter daVinci® schnitt hinsichtlich der Operationssterblichkeit und der Sterblichkeit signifikant besser ab. Der Trend ist nicht mehr zu stoppen. Erfahren Sie mehr auf der MEDICA 2016!

45 Wertungen (3.18 ø)
Chirurgie, Forschung, Medizin

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1 Kommentar:

Günter Wagner
Günter Wagner

…..so stelle ich mir anwendungsorientierte Innovation vor. Sie fördert Neues und hilft in diesem Falle auch dem Menschen.

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