Parkinson: Höhere Eisenwerte als Risikosenker?

13. Juni 2013
Teilen

Erhöhte Eisenwerte wurden bislang als ein möglicher Risikofaktor für die Parkinsonerkrankung angesehen. Mithilfe einer statistischen Methode und Daten der bislang größten Anzahl an Parkinson-Testpersonen weltweit, hat nun eine Forschergruppe neue Erkenntnisse gewonnen.

„Unsere Studie zeigt erstmals, dass erhöhte Eisenwerte im Blut das Risiko, an Parkinson zu erkranken, verringern können und nicht – wie aufgrund der früheren Studien angenommen – ein Risikofaktor sind“, fasst Irene Pichler, Forscherin am EURAC-Zentrum (Zentrum für Biomedizin der Europäischen Akademie Bozen), zusammen.

Die Frage nach dem Zusammenhang

Die Studie greift zum einen auf Daten von rund 22.000 Menschen aus der gesunden Bevölkerung aus Europa und Australien zurück. Anhand ihrer Proben und Daten wurden die drei wichtigsten genetischen Varianten, welche die Höhe der Eisenwerte steuern, ausfindig gemacht. Darauf aufbauend gingen die Forscher der Frage nach, ob erhöhte Eisenwerte im Blut – abhängig von den drei Genvarianten – mit der Parkinsonerkrankung zusammenhängen. Sie stützten sich dabei auf Daten von mehr als 20.000 Parkinsonpatienten, die ihnen Studienpartner weltweit zur Verfügung stellten.

Nachweisbarer Einfluss

Das Ergebnis der Forschergruppe zeigt, dass die Genvarianten bzw. die dadurch gesteuerten Eisenwerte im Blut tatsächlich einen nachweisbaren Einfluss auf die Parkinsonerkrankung haben: Das Risiko für Parkinson sinkt mit einem höheren Eisengehalt im Blut, und zwar um 3 % für je 10 µg (Mycrogramm) Eisen mehr pro Deziliter Blut. „Studien zum Zusammenhang zwischen den Bluteisenwerten selbst und Parkinson konnten bislang keine schlüssigen Ergebnisse liefern“, erklärt Irene Pichler. Daher habe die Forschergruppe auf eine statistische Methode zurückgegriffen, die hiermit erstmals bei Parkinson angewendet wurde, die so genannte „Mendelian randomization“: eine Methode, bei der genetische Varianten, die einen Einfluss auf Blutwerte haben, an Stelle der Blutwerte selbst auf einen kausalen Zusammenhang zu einer Krankheit hin untersucht werden – in diesem Fall die für die Bluteisenwerte hauptverantwortlichen drei genetischen Varianten anstatt der Bluteisenwerte selbst im Zusammenspiel mit Parkinson.

Weitere Studien notwendig

„Wenn die genetischen Varianten, die die Bluteisenwerte beeinflussen, auch einen Einfluss auf das Risiko haben, aufgrund der Eisenwerte an Parkinson zu erkranken, kann man von einem Zusammenhang zwischen Bluteisenwerten und Parkinson ausgehen“, sagt Pichler und resümiert, dass „auf der Grundlage dieses Ergebnisses zur Zeit noch keine Empfehlungen gemacht werden können. In weiteren Studien gilt es nun zu klären, welche biologischen Mechanismen genau dahinter stecken und warum höhere Eisenwerte vor Parkinson schützen können.“

Originalpublikation:

Serum Iron Levels and the Risk of Parkinson Disease: A Mendelian Randomization Study
Irene Pichler et al.; PLOS Medicine, doi:10.1371/journal.pmed.1001462; 2013

37 Wertungen (3.49 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

4 Kommentare:

Andrea Bevc
Andrea Bevc

PUTIN -SanTa FE.

#4 |
  0
Heilpraktiker

Aus einer gefundenen Korrelation zwischen einigen Genvarianten, die sich auf den Eisenhaushalt auswirken, und dem Parkinson-Risiko den Schluss zu ziehen, dass eine Kausalbeziehung zwischen Eisen und Parkinson besteht, scheint mir etwas gewagt. Wer sagt uns denn, dass sich die besagten Genvarianten nicht auch noch auf andere Arten auf den Organismus auswirken und die Parkinson-Connection aus solchen Bereichen kommen könnte?

#3 |
  0

Liebe Frau Blume, offensichtlich handelt es sich um den Parameter “Eisen im Serum” (siehe Titel der Studie “Serum iron levels ans the risk of….”).
Allerdings ist der Parameter Fe im Serum nicht wirklich gut geeignet, um die Versorgung mit Fe zu überprüfen, da es sich ja intrazellulär befindet. Geeigneter wäre hier Eisen im Vollblut. Indirekte Parameter sind auch nicht ganz störungsfrei, das Ferritin zum Beispiel kann seinen Level ja aus verschiedenen Gründen ändern (Entzündungen usw.).
Für den Eisenmangel scheint Hepcidin als Parameter der neueren Generation geeignet.
Zusammenhang Parkinson und Eisen: Parkinson basiert auf Schädigungen in der Substantia nigra (den “kleinen grauen Zellen”, um es einmal mit Hercule Poirot zu sagen :-). Diese sind grau wegen des erhöhten Gehalts an Fe. Und Fe ist äußerst oxidationsfreundlich, weswegen man hier durchaus auch von einer Schädigung durch ROS ausgehen darf. Interessant. Gibt man dem Patienten ausreichend hohe Mengen an UbiquinoneQ10 (stärkstes Antioxidans in der fettigen Phase), dann sieht man signifikante therapeutische Effekte.
Wie kommt es zur vermehrten ROS Bildung in dieser Region? Eine Möglichkeit bestünde in einer Autoimmunopathie.
Aude sapere!

#2 |
  0
Heide Blume
Heide Blume

“Eisenwerte im BLut”?
Was denn:
Trensferrin?
Ferritin?
Fe im Serum?
Fe im Vollblut?
Heide Blume

#1 |
  1


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: