Psychotherapie: Reden statt schlucken

19. September 2016
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Die derzeit verfügbaren Medikamente können die Symptome psychischer Störungen nicht dauerhaft lindern. Psychologische Betreuung wäre ein weit effizienterer und nebenwirkungsfreier Ansatz, legt nun eine umfangreiche Studie nahe.

Medikamente helfen langfristig nicht gegen psychische Störungen – diese Meinung vertreten die Bochumer Psychologen Prof. Margraf und Prof. Schneider der Ruhr-Universität. In zahlreichen Studien haben sie Daten zusammengetragen, die eine nachhaltige Wirkung von Psychopharmaka infrage stellen, teils sogar negative Folgen bei längerer Einnahme dokumentieren.

Dauerhaft wirksamer seien laut dem Forscherteam Psychotherapien. Die Autoren fordern, psychische Krankheiten nicht allein auf biologische Ursachen zu reduzieren, sondern Forschung zu biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren besser zu verzahnen.

Kurzfristiger Effekt

Margraf und Schneider trugen zahlreiche Belege zusammen, die gegen eine nachhaltige Wirkung von Psychopharmaka sprechen. Das Fazit: Medikamente gegen Depression, Angststörungen und das Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätssyndrom wirken nur kurzfristig. Setzt der Patient sie ab, kehren die Symptome zurück. Ähnliche Befunde vermuten die Autoren auch für Schizophrenie-Medikamente.

Nebenwirkungen vs. Verhaltenstherapie

Eine langfristige Einnahme der Arzneien könne sogar negative Folgen haben, etwa ein gesteigertes Risiko für eine chronische Erkrankung oder erhöhte Rückfallraten. 



Psychotherapien wie die Kognitive Verhaltenstherapie erzielen laut den Autoren hingegen langfristig deutlich besser anhaltende Effekte. „Das Hauptproblem mit der Psychotherapie sind nicht die Wirksamkeit oder Kosten“, sagt Silvia Schneider. „Es ist die mangelnde Verfügbarkeit.“ Während Psychopharmaka schnell verabreicht werden könnten, müssten Betroffene oft lange auf einen Therapieplatz warten.

Biologische Konzepte reichen nicht

Die Bochumer Psychologen befassen sich in ihrem Artikel auch mit der Frage, warum es nach 60 Jahren intensiver Forschung keine besseren Therapieoptionen gibt. Verantwortlich ist ihrer Meinung nach die weit verbreitete Vorstellung, psychische Störungen könnten sich allein mit biologischen Konzepten erklären lassen.

„Es ist heute Standard, den Patienten und der Öffentlichkeit zu erzählen, dass ein aus dem Lot geratenes Neurotransmittersystem die Ursache für psychische Erkrankungen ist“, erklärt Jürgen Margraf. Dabei sei nach wie vor nicht klar, ob dieses Phänomen Ursache oder Folge sei. Soziale Faktoren dürften nicht vernachlässigt werden. Auch die starren Kategorien von „krank“ und „gesund“ seien bei psychischen Störungen mit ihren vielen unterschiedlichen Ausprägungen nicht hilfreich, so Schneider und Margraf.

Weniger Chemie, mehr Psychotherapie

Die Autoren fordern, die Forschung zu biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren besser zu verzahnen und den engen Blick auf mögliche biologische Ursachen zu weiten. Große Pharmaunternehmen müssten das Marketing im Bereich Psychopharmaka zurückfahren. Außerdem sollten Betroffene schneller Zugang zu psychotherapeutischen Angeboten bekommen.

Originalpublikation:

From neuroleptics to neuroscience and from Pavlov to psychotherapy: More than just the “emperor’s new treatments” for mental illnesses?
Jürgen Margraf et al.; EMBO Molecular Medicine; doi: 10.15252/emmm.201606650
; 2016

38 Wertungen (3.89 ø)

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32 Kommentare:

Gast
Gast

Um KRITIK an bestehenden therapeutischen Verfahrensweisen zu üben, wurde sich gerne die Zeit genommen, LÖSUNGSANSÄTZE zu erörtern scheint auf kein Interesse zu stoßen.
Kein Wunder, dass im Artikel kritisch angemerkt wurde, man habe in den vergangenen 60 Jahren kaum weitere Therapieoptionen gefunden.

Erfolge erzielt man durch lösungsorientiertes Handeln und nicht durch Klagen und Kritisieren.
MfG

#31 |
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Gast
Gast

ok, weiterhin kein Lösungsansatz für gangbare Therapien. Ich werfe jetzt mal selber einen neuen Ball ins Spielfeld. Vorhin wurde die Notwendigkeit aufgezeigt, an die Botenstoffe im Gehirn heranzukommen, möglichst ohne dass derPatient Medikamente schlucken muss. Lesen Sie mal. Ich hätte mir gewünscht, das so etwas von seiten eines (Sport) Mediziners eingebracht wird, mgl. samt Erfahrungswerten aus eigener Praxis, aber die verbringen ihre Zeit wahrscheinlich eher nicht am PC, sondern sind draußen. Beim Sport. ;-)

http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/psychotherapie-sport-hilft-bei-psychischen-erkrankungen-a-938242.html

S.P. HP Psych

#30 |
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Gast
Gast

“(….)Es geht auch nicht darum wissenschaftlich sauber nachgewiesene mono- oder multikausale Ursachen für Störungen aus dem nicht validen F-Spektrum des ICD 10 zu finden,
Sondern Ursachen beim EINZELNEN zu finden und die zu beseitigen und nicht im übertragenen Sinne “Bauchweh” zu diagnostizieren wie es in großen Teilen der psychatrischen Diagnostik geschieht.(…)”

Oder sagen wir statt “Bauchweh” mal “Fieber”, das hat, verglichen mit der psychiatrischen Diagnosgebung, ja durchaus Ähnlichkeit – dann stellt sich ja jedesmal die Frage – warum habe ich das Fieber? Kann und muss ich die Grunderkrankung behandeln? Muss, und wenn ja, ab wann, das Fieber gesenkt werden? Und am besten womit? Besteht Ansteckungsgefahr? Meldepflicht? Macht die Grunderkrankung eine stationäre Behandlung erforderlich? Usw.
Genau diese Fragen muss sich jeder Psychiater ja auch stellen. Warum hat der Patient psychotische Symptome? Muss ich die behandeln? Am besten wie?
(Das wir Schizophrenie zur chronischen Psychose sagen, bedeutet ja nicht, dass alle “schizophrenen Patienten dieselbe Krankheit haben).
Und ja, nicht alle Psychosen müssen neuroleptisch behandelt werden. Und nicht alle stationär. Stimmenhören ist keine Straftat. Aber es gibt sie, die schwer psychisch Kranken, deren Leben sehr plagsam ist, die für sich oder andere gefährlich sind. Und die zu krank sind, um psychotherapeutische Interventionen mitzumachen. Ein Grossteil ist dankbar für medikamentöse Behandlung. Ein kleiner Teil nicht. Daraus generalisierende Schlussfolgerungen über die Psychiatrie und den Psychiater im Allgemeinen abzuleiten, ist für niemanden hilfreich.
Bei sorgfältiger Anamneseerhebung, Patientenbegleitung/-beobachtung, gegenseitigem Respekt und Interesse an einer konstruktiven Diskussion lassen sich für die meisten Patienten Lösungen finden. Das können Psychopharmaka sein. Oder Psychotherapie. Oder beides. Oder noch viel mehr. Studien, die die Wirksamkeit des einen mit dem anderen in der Psychiatrie vergleichen, haben das Problem, dass man eben doch oft Äpfel mit Birnen vergleicht. Die “schizophrenen ” Symptome von Patient 1 können eine ganz andere Ursache haben als die vo Patient 2.

#29 |
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Gast
Gast

Unsere gesamte Kultur, Ethik, Moral und auch die Grundlagen des Strafrechts haben ihren Ursprung in der christlichen Religion. Schauen Sie sich allein die 10 Gebote an.
Und einen anderen Menschen zu morden, ist eindeutig keine “gesunde” Handlung.
Aber das nur nebenbei.
Ja, es geht darum, die Ursachen einer psychischen Beeinträchtigung zu finden und zu beseitigen, da bin ich ganz bei Ihnen.
Konsens besteht doch auch darin, dass Menschen ganz locker dazu in der Lage sind, Beeinträchtigungen bei ihren Mitmenschen hervor zu rufen. Und oftmals weiß man auch einfach gar nicht, wo etwas seinen Ursprung hat. Vielleicht ist das auch nicht wichtig. Die Frage (des Artikels) ist: Was heilt (am besten oder überhaupt)? Psychotherapie, KVT ist gut, aber nicht genug Therapieplätze vorhanden. Gleichzeitig werden aber fehlende Fortschritte nach 60 Jahren Forschung beklagt, kann also die allein seligmachende Lösung nicht sein. Haben Sie etwas anzubieten?

#28 |
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Das Strafrecht beruht auf einer allgemeinen Vereinbarung in bestimmten Kontexten etwas zu tun oder zu unterlassen und dieses Tun oder Unterlassen mit Strafe zu sanktionieren. Nicht mehr und nicht weniger.
Mit Gesund oder Krank hat das nicht das geringste zu tun,

„Da gab es vier Jahre lang ganze Quadratmeilen Landes, auf denen war der Mord obligatorisch, während er eine halbe Stunde davon entfernt ebenso streng verboten war. Sagte ich: Mord? Natürlich Mord. …
Kurt Tucholsky

Es geht auch nicht darum wissenschaftlich sauber nachgewiesene mono- oder multikausale Ursachen für Störungen aus dem nicht validen F-Spektrum des ICD 10 zu finden,
Sondern Ursachen beim EINZELNEN zu finden und die zu beseitigen und nicht im übertragenen Sinne “Bauchweh” zu diagnostizieren wie es in großen Teilen der psychatrischen Diagnostik geschieht.

#27 |
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Gast
Gast

Dann sind wir jetzt an dem Punkt, an dem wir uns fragen müssen, ob das Verwahrlosen und Verrohen lassen der eigenen Persönlichket ein psychiatrisch relevantes Geschehen ist, oder sich zwingend und unumkehrbar aus Erziehung und life events ergibt. Das Ergebnis ist allerdings das gleiche: Es erschafft Opfer und es ist strafrechtlich relevant, also eindeutig unerwünscht.
Die Frage danach, ob es wissenschaftlich sauber nachgewiesene mono- oder multikausale Ursachen für Störungen aus dem F-Spektrum des ICD 10 gibt, bleibt. Und immernoch das Interessanteste und Relevanteste: Wenn Menschen gezwungenermaßen mit Traumatisierungen und Beschädigungen aller Art rechnen müssen, solange sie auf dieser Erde leben -auch die Natur selbst ist grausam-, wie helfen wir, die Folgeschäden zu heilen?

#26 |
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Gast #24,
Das man mit der Vergangenheit nicht leben, damit gebe ich Ihnen recht,
Das es ungesund sein kann ständig darin zu rühren, sehe ich auch so.
In diese Richtung gibt es auch Studien,
Wenn man allerdings eine Traumatisierung hat die mit Dissoziationen einhergeht, weil der Hippocampus nicht mehr in der Lage ist implizites und explizites Gedächtnis zusammenzufügen, und jeder Trigger wie bei einer klassischen Konditionierung einen Alarmzustand mit vielfältiger Symptomatik, wie Sprachverlust, Bewegungsmuster usw. auslöst weil die Amygdala ganze Teile des Gehirns lahmlegt und die Selbstregulierung nicht mehr funktioniert
wie hier
https://cip-medien.com/wp-content/uploads/2001-1-11-Kapfhammer1.pdf
beschrieben,
kommen sie mit dem was Sie schreiben keinen Millimeter weiter.
Da müssen sie an das Trauma.
Siehe u.a “Das verfolgte Selbst” von O. van der Hart

Und wenn jemand der in der o.g, Situation ist, auch noch eine Zwangsbehandlung erfährt, ist mit großer Wahrscheinlichkeit Ende Gelände.
Dann machen sie mit gar nichts mehr was.

#25 |
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@gast #23
Müssen wir uns damit abfinden, dass solche Ereignisse zur Spannbreite normalen menschlichen Verhaltens liegen?
Ja das sind die menschlichen Abgründe. oder wollen sie alle diejenigen die Straftaten begehen, im Nachhinein zu psychisch Kranken erklären?
Dann müssen sie im Umkehrschluss in der Argumentation von Gast #21 ALLE Menschen prophylaktisch in die Psychiatrie einsperren.
Es sind Werte die man für sich setzt ob man bestimmte Dinge tut oder nicht tut. Und die sind bei Menschen verschieden.
Freiheit ist jene kleine Bewegung die aus einem völlig gesellschaftlich bedingten Wesen einen Menschen macht der nicht in allem das darstellt was von seinem Bedingtsein herrührt. So wurde aus Jean Genet ein Dichter, obwohl er ganz dazu bedingt war, ein Dieb zu werden.
J.P. Sartre

#24 |
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Gast
Gast

” Psychologische Betreuung wäre ein weit effizienterer und nebenwirkungsfreier Ansatz, legt nun eine umfangreiche Studie nahe. ”
“Margraf und Schneider trugen zahlreiche Belege zusammen, die gegen eine nachhaltige Wirkung von Psychopharmaka sprechen. Das Fazit: Medikamente gegen Depression, Angststörungen und das Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätssyndrom wirken nur kurzfristig. Setzt der Patient sie ab, kehren die Symptome zurück. Ähnliche Befunde vermuten die Autoren auch für Schizophrenie-Medikamente.”
Ich bin sehr weit davon entfernt, zynisch zu sein, es geht doch vielmehr darum TROTZ ALLEM einen Weg zu finden, ein lebenswertes Leben für sich erschaffen zu können, und dabei zu helfen ist doch das Anliegen.
Fest steht für mich, dass niemand gerade Furchen einer Lebensspur ziehen kann, der den Blick permanent nach hinten gerichtet hält. Nichts wird dadurch geheilt oder ungeschehen gemacht, im ungünstigsten Fall findet eine ständige Retraumatisierung statt. Eine gerade Furche zu ziehen, benötigt eine Vision, ein Ziel am Horizont. Dabei zu helfen, Kraft zu geben und den Kopf oben zu behalten, das ist meine Aufgabe als Therapeut, gerade aus dem MitGEFÜHL heraus, aber ohne MitLEID.
S.P.

#23 |
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Gast
Gast

Sie hatten keine psychiatrische Diagnose. Müssen wir uns damit abfinden, dass solche Ereignisse zur Spannbreite normalen menschlichen Verhaltens liegen?
Oder bekamen sie im Nachhinein eine Diagnose, welche sich evtl. sogar strafmindernd auswirkte?

#22 |
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Und da zündet einer an Asylbewerberheim an,
der andere fährt bei einem illegalen Autorennen einen Radfahrer zu Tode,
ein anderer beteiligt sich an einer Hetzjagd auf Asylbewerber,
Der nächste entführt eine junge Frau, um den Vater zu erpressen und erwürgt sie, weil sie ihn erkannt hat
Der andere erschlägt eine junge Frau weil sie ihm eine paar Widerworte gegeben hat.
Die Anderen erschlagen einen Jungen Mann auf offener Straße
keiner davon hatte eine psychiatrische Diagnose
Von denen die auf einen Knopf drücken, dass ihnen völlig unbekannte Menschen sterben und von denen die dazu in Deutschland die Anlagen dazu zur Verfügung stellen einmal ganz abgesehen, Stichwort (Drohnen)
und von denen die sowas
https://de.wikipedia.org/wiki/Abu-Ghuraib-Folterskandal
veranstalten auch.
Mengele war auch nicht psychisch krank.
und die, die hier
https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_T4
mitgemacht haben waren Psychiater.

Menschen mit psychiatrischer Diagnose sind nicht gefährlicher als Menschen ohne psychiatrische Diagnose. siehe u.a.
http://openthedoors.de/de/

Der Satz
”Welches Kind hätte nicht Grund, über seine Eltern zu weinen?”
ist für eine Frau die von Ihrem Vater über Jahre missbraucht wurde und für den Rest ihres Lebens sowas
https://cip-medien.com/wp-content/uploads/2001-1-11-Kapfhammer1.pdf
erlebt nur zynisch.

#21 |
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Gast
Gast

Herr Bischoff, meiner Auffassung nach sehen Sie die Situation nicht unrichtig, aber leider zu einseitig aus Patientensicht. Gerade in den letzten Tagen -möglicher Weise sensibilisiert durch das Thema- fand ich gehäuft Nachrichten über Menschen, die anderen Schaden zufügen bis hin zum Tode: Da wird jemand vor die U-Bahn geschubst, ein kleines Mädchen misshandelt und stirbt an den Folgen, die Verwandtschaft schaut tatenlos zu, ein Mann dringt mit einer Pistole in ein Klassenzimmer ein, nimmt einen kleinen Jungen als Geisel, da tötet jemand einen anderen Menschen, lebt scheinbar noch Tage neben diesem und nimmt sich dann selbst das Leben (Wissensstand von heute morgen), u.s.w., u.s.f.. Ich denke, dass es nicht einseitig um den Schutz von psychisch Beeinträchtigten gehen kann, sondern dass die Sorge auch dahin gehen muss, dass diese nicht selber neue Opfer produzieren. Ausgehen muss man dazu erst einmal vom worst case, was doch aber eine ganz normale und alltägliche Angelegenheit ist; auch ein Arzt zu dem ich mit Kopfschmerzen komme, wird als erstes klären, ob etwas bösartiges i.w.S. dahintersteckt, bevor er mir Entspannungsmethoden empfiehlt. Wenn über psychische Probleme als mögliche Spätfolge von Traumatisierungen (im Kindesalter) spricht, muss zwingend ein Interessensschwerpunkt auf dem Schutz potentieller “Neuopfer” liegen, aber auch darin, herauszuarbeiten, was Menschen vor dauerhafter Traumatisierung bewahrt; wodurch sie stark werden, Stichwort “Resilienzforschung”. F. Nietzsche:”Welches Kind hätte nicht Grund, über seine Eltern zu weinen?” Wer hätte denn nicht Grund, über die ganze Welt zu weinen? Was macht den einen an Schwierigkeiten und Ungerechtem wachsen und lässt den anderen verzweifeln? Klar ist: Es kommt nichts von selbst, jeder muss arbeiten und (mit sich) kämpfen. Deshalb ist Psychotherapie oft Nacherziehung und Vermittlung neuer Wege wo die alten nicht zum Ziel führten. Grüße S.P., HP Psych

#20 |
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@ Hans von Tade,#19
Ich bin kein Teil der Antipsychiatrie-Bewegung. Ich habe allerdings etwas gegen Pfuscher die ich für eine Gefahr für die Volksgesundheit halte.

Ich kenne auch sehr gute Psychiater
Angefangen bei Martin Zinkler in Heidenheim über Michaela Amering in Wien über Andreas Heinz in Berlin zu Martin Bührig in Bremen Nord um nur einige zu nennen. Sie werden es nicht glauben bei einigen von denen hole ich mir sogar einen Rat.

Ich war u.a. mehrere Jahre mit einer Frau mit der Diagnose F20.0 zusammen, Die war weder “komisch” noch “gefährlich”, wenn auch nicht immer einfach.Ich bin im Übrigen auch heute noch mit Ihr befreundet.
Auch alle Anderen die ich mit dieser Diagnose kenne sind weder “komisch” noch “gefährlich” wenn man sich die Mühe macht Ihr Verhalten aus Ihrer Lebensgeschichte zu verstehen.

Ich war Mitglied in der Leitliniengruppe Schizophrenie.
Soviel dumme Arroganz und Narzissmus auf einem Haufen habe ich noch nie erlebt. Konstruktive Arbeit war mit dieser “Elite” der Psychiater nicht möglich.
Manche konnten es nicht mal ertragen wenn man Ihnen widersprochen hat.
Bei manche habe ich mich gefragt wie diese promoviert oder habilitiert wurden, weil ihnen die Grundlagen der wissenschaftlichen Methodik völlig fremd war.

Kein einziger meiner Links war “Antipsychiatrisch”
oder wollen sie Thomas Insel den Direkter des National Institut of Mental Health der Vereinigten Staaten von Amerika Antipsychiatrie unterstellen.

bla bla
Ist das für Sie ein konstruktiver Dialog
Konstruktiv bedeutet für Sie, offensichtlich wenn man IHNEN recht gibt.

bla bla ist für Sie offensichtlich auch die Aussage des UN-Sonderberichterstatter über Folter Juan Ernesto Méndez.
Als Psychiater steht man natürlich über der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und über der UN Behindertenrechtskonvention.
An Arroganz fehlt es Ihnen nicht.

#19 |
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Hans von Tade
Hans von Tade

@ Johannes Georg Bischoff

“Ich behaupte, dass ich im Wissen über Psychopharmakabehandlung einem Psychiater, dessen Fortbildung im wesentlichen aus dem Besuch von Werbeveranstaltungen der Pharmaindustrie besteht zumindest nicht unterlegen bin.”

Sie wissen ja sehr viel über die Fortbildung von Psychiatern.
Wenn es in der Antipsychiatrie-Bewegung wenigstens mal produktive Kritik geben würde und nicht immer dieses ständige: “bla bla Pharma-Industrie..blabla Schlimme Vergangenheit…blabla….Zwangsbehandlung”.
Meine Erfahrung: Manchen Patienten kann man mit Neuroleptika helfen ein angenehmeres Leben zu führen als mit ihren psychotischen Symptomen. Manchen nicht. Viele sind Dankbar. Wenige Nicht. Diese findet man dann häufig im Internet.
Und für die aller meisten Kritiker , die selber keine Patienten sind, hört die Beschäftigung mit psychisch Kranken auf sobald diese ihnen zu sehr zur Last fallen oder “Gefährlich” / “Komisch” werden. Dann ist die böse Psychiatrie auf einmal gut genug.

#18 |
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@ Professor Dr.med Gerhard Buchkremer
Depressionen kehren dann nach entsprechenden Belastungen zurück, wenn ich in der Therapie nicht gelernt habe mit diesen Belastungen umzugehen.

Das Unglück beginnt in dem Moment, wo die eigenen Erwartungen mit der Wirklichkeit in einen unauflösbaren Widerspruch geraten.

#17 |
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@ Christoph Tsirigiotis

Zitat
The weakness is its lack of validity. Unlike our definitions of ischemic heart disease, lymphoma, or AIDS, the DSM diagnoses are based on a consensus about clusters of clinical symptoms, not any objective laboratory measure. In the rest of medicine, this would be equivalent to creating diagnostic systems based on the nature of chest pain or the quality of fever. Indeed, symptom-based diagnosis, once common in other areas of medicine, has been largely replaced in the past half century as we have understood that symptoms alone rarely indicate the best choice of treatment.

Patients with mental disorders deserve better.

Es ist eine Bankrotterklärung wenn ich weiß, dass meine “Diagnostik” nicht valide ist, (das heißt meine “Messinstrument” misst nicht was es zu messen vorgibt) und ich damit nichts anderes als esoterische Kaffeesatzleserei betreibe, noch weitermache als wäre nichts gewesen.

Und was ist mit den Patienten, die man aufgrund dieser nicht validen Diagnostik, teilweise zwangsweise, zu Wracks therapiert hat, zahlt man denen Schadenersatz.

#16 |
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“Schizophreniekranken ging es 1900 genauso gut wie 1994”
Wenn sie keinem Psychiater in die Hände gefallen sind.

Die Behandlung war damals natürlich noch Menschenverachtender

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Psychiatrie#Wissenschaftliche_Psychiatrie_bis_1945

als heute,

http://www.klinikbewertungen.de/klinik-forum/erfahrung-mit-psychiatrisches-krankenhaus-emmendingen

#15 |
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@#11:
Es ist also eine Bankrotterklärung der Psychiatrie, wenn traditionelle Krankheitsbegriffe im Licht neuer Studien überarbeitet und verbessert werden (das nämlich geht durchaus aus den von Ihnen zitierten Artikeln hervor).
Wissenschaft ist nicht die absolute Erkenntnis, die durch nichts und niemand mehr zu erschüttern ist, sondern das Arbeiten mit Modellen und Theorein, die aus empirischen Daten abgeleitet wurden und immer falsifizierbar sind. In diesem Sinne sind die neuen Ansätze in der psychiatrischen Diagnostik gute Wissenschaft, da sie falsifizierte frühere Modelle durch besser zu den Daten passende ersetzen.

#14 |
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Psychotherapeut

@Dr. med. Ines H?nicke
Ich glaube, hier sind wohl eher somatische Nebenwirkungen gemeint.
Selbstverständlich hat Psychotherapie Nebenwirkungen!
Nehmen wir beispielsweise eine Patientin, deren Selbstfürsorge sich in den letzten Monaten deutlich verbessert hat. Die kriegt dann wahrscheinlich Probleme mit ihren sozialen Systemen (Mutti, Ehemann, Arbeit…). Wo gehobelt wird… ;)

#13 |
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Wie kann man behaupten, Psychotherapie wäre ein “nebenwirkungsfreier Ansatz”?
Alles was wirkt, kann auch Nebenwirkungen (oder nennen wirs halt unerwünschte Wirkungen) auslösen.
Chronische Krankheiten verlangen auch manchmal dauerhafte (medikamentöse) Behandlung. Und wieso ausgerechnet eine Krankheit der Psyche nicht auch die Krankheit eines Organs sein DARF, kann ich nicht verstehen.
Ansonsten steht viel Richtiges im Artikel…und selbstverständlich gibt es leider eine Unterversorgung mit Psychotherapie für psychisch Kranke.

#12 |
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@Hans von Tade #10

Es gibt durchaus Psychologen, wie auch, mich deren Studienschwerpunkt war Neuropsychologie und Psychophysiologie.
Dazu gehört u.a auch die Wirkung von Giften und Medikamenten aller Art auf das Gehirn.
Eine meiner Studienleistungen war die Wirkung von Neuroleptika, die ich auch aus einer “Behandlung” vor 28 Jahren aus eigener Erfahrung kenne.
Ich behaupte, dass ich im Wissen über Psychopharmakabehandlung einem Psychiater, dessen Fortbildung im wesentlichen aus dem Besuch von Werbeveranstaltungen der Pharmaindustrie besteht zumindest nicht unterlegen bin.

Es gibt auch durchaus der Psychologen die sich während des Studiums mit Psychiatrie beschäftigt haben, u.a, Stavros Mentzos oder auch Karl Leonhard, die völlig andere Ansätze gelesen habe.

Es gibt auch Psychologen die kennen diese Artikel

http://link.springer.com/article/10.1007/s00115-011-3255-1

http://link.springer.com/article/10.1007/s00115-008-2418-1

http://www.nimh.nih.gov/about/director/2013/transforming-diagnosis.shtml

die nichts anderes als eine Bankrotterklärung der Psychiatrie sind.

Wie sagt eine befreundete Frau mit psychiatrischer Diagnose über Psychiater.

1. Es ist vollkommen sinnlos mit denen zu reden, weil sie nur Symptome in eine Krankheitsbild einordnet ohne nach der Ursache zu suchen.

2. Wenn man nur einen Hammer hat ist jedes Problem ein Nagel.

Wie man durch das das Dauerherumpfuschen im Hirnstoffwechsel mit Neuroleptika eine “seelische Belastbarkeit” herstellen will ist mir ein Rätsel. Ich empfehle da immer einen Selbstversuch.

Das heißt nicht dass Neuroleptika als Notfallmedikament nicht Ihre Berechtigung haben können. Bei einem Delir ist Haldol ein Segen.

#11 |
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Hans von Tade
Hans von Tade

Der Artikel von Herrn Margraf (übrigens ein Psychologe mit sicherlich sehr viel Ahnung in Psychopharmakotherapie) ist ein Paradebeispiel dafür, wie man mit dem Zusammenpuzzeln schlechter Studien und waghalsiger Aussagen (“Schizophreniekranken ging es 1900 genauso gut wie 1994”) viel Aufmerksamkeit erregen kann (oder zumindest möchte). CBT (Kognitive Verhaltesntherapie) als Heilung für Alles. Ja, selbst der wahnhafteste Mensch mit einer Psychose lässt sich heilen! Das auch Psychotherapie bestimmte Vorraussetzungen an den Patienten, seine seelische Belastbarkeit und Introspektionsfähigkeit stellt, fällt in den meist schön vorselektierten Psychotherapie-Studie leicht unter den Tisch.

#10 |
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Ärztin

“Ähnliche Befunde vermuten die Autoren auch für Schizophrenie-Medikamente….” Ja natürlich, wer hat denn je das Gegenteil behauptet? Man kann Absetzversuche machen…aber…

Auch sonst frage ich mich ernsthaft was an dem ganzen Inhalt des Artikels neu ist…Das ist allgemein bekannt, nur in der Realität wartet der Patient mindestens 6Monate auf n Therapieplatz, dann bekommt er vielleicht ne Kurzzeittherapie…die ist dann auch oft…einfach zu kurz…

#9 |
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#8: Ganz meine Ansicht! Welche Alternativen sehen Sie?

#8 |
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Holistisch, bio-psycho-soziale Betrachtungsweise soll weiterhelfen? Ja, ja! Da fehlt aber es doch noch ganzheitlich, kybernetische, neuronal quervernetzte Therapiealternativen anzubieten.

#7 |
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franz laudenbach
franz laudenbach

Lang-zeitliche Behandlung mit Psychopharmaka bringt mehr als schwere bis schwerste Erkrankungen. Tod innerhalb maximal 20 Jahren, ist quasi sicher gestellt.
Warum das so ist:
Psychopharmaka friert die Herzfrequenz, dauerhaft auf ein Minimum ein.
Herzfrequenzen < 50, vermutlich < 45 – 40, sind z.B Risperidon/Risperdal bedingt Standard.
Schon bei einer Mini-Pille Risperidon senkt sich der Blutdruck auf; /< 84/

#6 |
  7

#4: Ernst gemeinter Beitrag?

#5 |
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Vera Domann
Vera Domann

Ich denke, dauernde Geldnot, kann psychische Probleme auslösen, was nützt ne Therapie für 10.000de, damit kann sich der Psvchiater zwar einen neuen 911er kaufen (mehrer Pat.) aber die traurige dunkle arme Welt bleibt beim Pat.. Ein sehr ungewöhnlicher Ansatz vielleicht, aber sollte man mal darüber nach denken. Manchen wäre bestimmt mehr geholfen, das man den für 10 000 zB ein Auto kauft, was der Pat. braucht, als ne genau so teuere Psycho Therapie?

#4 |
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Professor Dr.med Gerhard Buchkremer
Professor Dr.med Gerhard Buchkremer

Leider stimmt auch das Gegenteil. Rezidivierende depressive Episoden kehren auch nach Psychotherapie bei entsprechenden Belastungen zurück. Außerdem remittieren viele depressive Phasen bei einer Kombination von Psychotherapie und Pharmakotherapie schneller.

#3 |
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Hat lange gedauert,
aber es ist nie zu spät.

#2 |
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Die psychotherapeutische Versorgung sollte m. E. weiter verbessert werden. Ein einseitig biologisch-reduktionistisches Krankheitsverständnis scheint unangebracht; die Forderung nach einer mehr holistischen, bio-psycho-sozialen Betrachtungsweise von (nicht nur psychiatrischen) Krankheitsursachen ist nach der aktuellen neurobiologischen Befundlage uneingeschränkt zu unterstützen.

#1 |
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