Neonatologie: Nasenspray gegen Hirnschäden

19. September 2016
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Kommt ein Kind weit vor dem Termin auf die Welt, sind Hirnschädigungen durch Infektionen und Minderdurchblutung häufig. Stammzellen aus der eigenen Nabelschnur könnten möglicherweise vor lebenslangen Entwicklungsstörungen bewahren.

Die Geburt ist ausgestanden, das Neugeborene abgenabelt. Normalerweise wird die Nabelschnur dann mit dem Mutterkuchen entsorgt. Dabei könnte man die Stammzellen aus dem Nabelschnurgewebe unmittelbar nutzen – etwa um Hirnschädigungen bei Frühgeburten zu behandeln.

Das ist der Ansatz des Forschungslabors Pränatale Medizin am Inselspital in Bern.

 In einer Studie am Tiermodell konnten die Mediziner zeigen, dass die Stammzellen aus der Nabelschnur tatsächlich schädliche Prozesse im Gehirn stark mindern können. Konkret geht es um die Entwicklung einer schweren Hirnschädigung, der sogenannten Cerebralparese mit lebenslanger Behinderung, die vermieden werden könnte. Die Studie zeigt, wie der Therapieeinsatz funktionieren könnte.

Schritt 1: Stammzellen aus der Nabelschnur gewinnen

Nabelschnurgewebe wurde mit dem Einverständnis der Mütter in seine Bestandteile zerlegt und daraus Stammzellen isoliert. Die gewonnenen Stammzellen kultivierten die Forscher im Reagenzglas und stellten ein Transplantat her. Aufgabe der Zellen sollte sein, die Hirnschädigung weitgehend zu verhindern und die Markscheiden der Nervenbahnen zu schützen.

Schritt 2: Durch die Nase Stammzellen ins Gehirn einpflanzen

Die gewonnenen Zellen wurden Versuchstieren in einer Art Nasenspray verabreicht: 600.000 Zellen, verteilt auf zwei Pumphübe pro Nasenloch. Statt die Zellen also direkt ins Gehirn zu pflanzen, ließ die nichtinvasive Methode die Stammzellen von selbst direkt entlang der Riechbahn in die geschädigten Zonen wandern.

 Tatsächlich konnte die Studie zeigen, dass die injizierten Zellen im Gehirn ankommen und die Nervenverbindungen zwischen den Hirnhälften und dem Rückenmark fördern.

Zellendosis und Therapiezeitpunkt noch unklar

Für eine künftige Stammzelltherapie von Hirnschädigungen, die um die Geburt entstehen, ist das ein erster Durchbruch. Weitere Studien werden nun die beste Dosierung der Zellen und den idealen Zeitpunkt zur Verabreichung bestimmen, bevor klinische Studien an Neugeborenen folgen.

Originalpublikation:

Intranasal Delivery of Umbilical Cord-Derived Mesenchymal Stem Cells Preserves Myelination in Perinatal Brain Damage.
B. Oppliger et al.; Stem cells dev.; doi: 10.1089/scd.2016.0027; 2016

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