Patientenzufriedenheit: Ein klares Jein

7. Oktober 2016
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Seit gut zehn Jahren befragen Marktforscher im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zufällig ausgewählte Patienten. Diese sind mit Heilberuflern fachlich mehr als zufrieden. Ein genauerer Blick auf die Wartezeiten zeigt jedoch, dass es noch Luft nach oben gibt.

Arzt und Patient – zwei Welten begegnen sich. Jetzt standen 6.113 repräsentativ ausgewählte Personen Rede und Antwort. „Wartezeiten, Kompetenz, Vertrauensverhältnis – Patienten sind mit Ärzten sehr zufrieden“, resümiert die KBV. Ein Blick auf die Ergebnisse zeigt, dass es in manchen Bereichen dennoch hakt.

Zunächst die guten Nachrichten: Patienten haben großes Vertrauen in ihre Ärzte – 51 Prozent kreuzten hier „sehr gut“ und weitere 41 Prozent „gut“ an. Dieser Trend hat sich im letzten Jahrzehnt nicht großartig verändert. Ähnlich ist es aus Sicht von Laien um die Fachkompetenz bestellt: 48 Prozent sprachen von „sehr gut“ und 45 Prozent von „gut“.

Mit der Einbindung in Entscheidungen sind 79 Prozent zufrieden. Die KBV ist von ihren Resultaten jedenfalls begeistert. „Gerne zeichnen Teile der Politik das Bild, dass die ambulante Versorgung im Argen liege und alles schlecht sei. Gegen diesen Populismus setzen wir Fakten: Die repräsentative Umfrage zeigt seit nunmehr einem Jahrzehnt sehr hohe Zufriedenheitswerte“, sagt KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. In anderen Bereichen sieht es weniger gut aus.

01_Vertrauen

Quelle: KBV

Wir warten weiter

Mit den Terminservicestellen machten Politiker Wartezeiten zum großen Thema. Aktuell beurteilt nur einer von zehn Befragten die Zeit zwischen Anfrage und Termin als zu lange. Für 47 Prozent stellte sich diese Frage nicht, da sie keine Wartezeit hatten. Wieviel Zeit tatsächlich zwischen Wunsch und Praxisbesuch vergeht, hängt auch von der Versicherung selbst ab. Kassenpatienten mussten sich im Schnitt deutlich länger gedulden als Privatpatienten. Das zeigt sich vor allem in der Gruppe ohne Wartezeit im Vergleich zu der Gruppe mit mehr als drei Wochen Wartezeit (13 versus sieben Prozent).

KBV 2016_Bericht_final 20160817 2016_Berichtband.pdf

Quelle: KBV

Darüber hinaus fanden Wissenschaftler starke regionale Unterschiede. Im Osten Deutschlands kommen mehr Patienten ohne Termin beziehungsweise ohne Wartezeit bis zum Arzt durch. Gleichzeitig ist der Prozentsatz an Versicherten, die sich drei oder mehr Wochen gedulden müssen, höher.

Weitere Unterschiede ergaben sich von Facharzt zu Facharzt. Hier wird es jedoch schwer, die Zahlen exakt zu interpretieren. Manche Kollegen, etwa Gynäkologen, Dermatologen oder Augenärzte, vergeben Termine zu Vorsorgeuntersuchungen gezielt im Voraus. Bei anderen Fachrichtungen, etwa bei Psychiatern, ist dies deutlich seltener der Fall.

KBV 2016_Bericht_final 20160817 2016_Berichtband.pdf(3)

Quelle: KBV

Doktor? Nein Danke!

Die Folgen überraschen kaum. Rund 23 Prozent aller Befragten gaben an, im letzten Jahr auf einen – aus ihrer Sicht erforderlichen – Arzttermin verzichtet zu haben. Das lag an langen Wartezeiten (19 Prozent Zustimmung) beziehungsweise am Problem, überhaupt einen Termin zu bekommen (sieben Prozent). Weitaus häufiger nannten Befragte aber den eigenen Zeitmangel (38 Prozent) beziehungsweise die deutliche Besserung ihrer Beschwerden. Offen bleibt, wie viele Patienten per Selbstdiagnose und OTCs ihren Beschwerden zu Leibe gerückt sind. Das kann zur Verschlechterung der Grunderkrankung und zu deutlich höheren Kosten für das Gesundheitssystem führen. Nach wie vor geht aber jeder zweite Patient wegen akuter Beschwerden in die Praxis.

Kosten contra Qualität

In diesem Zusammenhang haben Marktforscher auch verschiedene Szenarien abgefragt. An der Frage, ob vor jedem Facharzttermin erst der Hausarzt konsultiert werden muss, scheiden sich die Geister. 54 Prozent halten die Maßnahme für sinnvoll und weitere 43 Prozent lehnen Einschränkungen ab. Einen Wahltarif der GKV mit entsprechenden Einschränkungen würden 65 Prozent akzeptieren, falls sich ihre Beiträge spürbar verringern. Und lediglich 38 Prozent gaben an, tiefer in die eigene Tasche zu greifen, um eine qualitativ hochwertigere Versorgung zu finanzieren.

Hürden bis zum Behandlungszimmer

Bei anderen Investitionen sind einzig und allein Inhaber gefragt. 25 Prozent aller befragten Patienten störten sich am fehlenden barrierefreien Zugang zur Praxis. Tatsächlich hatten nur drei Prozent Probleme vor Ort, etwa durch Treppenstufen, enge Türen oder fehlende Parkmöglichkeiten. Dieser Wert blieb seit 2011 relativ. Unabhängig vom eigenen Gesundheitszustand bewerten 46 Prozent Barrierefreiheit als wichtiges Ausstattungsmerkmal.  Noch lässt der Gesetzgeber bei Ärzten Gnade vor Recht ergehen. Öffentliche Apotheken sind seit mehreren Jahren verpflichtet, Hürden auf dem Weg zum Handverkaufstisch abzubauen. Bis zur Bundestagswahl sind aber keine Vorstöße mehr zu erwarten.

20 Wertungen (4.6 ø)
Gesundheitspolitik, Medizin

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12 Kommentare:

Gast
Gast

Zuerst kam ich in eine Arztpraxis, melde mich nach langem warten in einer großen Menschenschlange dann endlich bei der Arzthelferin an. Von Datenschutz u. Schweigepflicht keine Spur. Alle hinter mir verstehen, was man zur Arzthelferin sagt, dann wartet man stundenlang als Kassenpatient im Wartezimmer. Als ich dann endlich dran kam, traf ich eine eher gelangweilte Arztin an. Sie erkundigt sich so nebenbei, was denn los wäre. Dies in einem eher recht abwertenden Tonfall! Komme nur im Notfall in die Praxis. Hatte seit 2 Wch. Probleme mit der Stirn-/Nebenhöhle. Sie bleibt in ihrem Sessel sitzen, hat mich nicht untersucht, blättert in einem Buch, verschreibt mir ein homeopath. Mittel, da sie weiß, dass ich eher auf solches stehe! Sie blättert in meinen Unterlagen, findet in einem Gutachterschreiben einen Befund u. schreibt in dazu. Dieser hatte mit meiner Krankheit,feststellbar überhaupt nichts damit zu tun! Wurde für kurze Tage krank geschrieben. Erst später lese ich die Krankmeldung genauer, als es mir wieder etwas besser ging. Als ich später, zu ihrem Mann/ebenfalls Arzt mal wieder in die Praxis kam u. auf den Befund der Krankschreibung ansprach, bekam ich folgende Antwort. Sie wären mit jeder Diagnose die sie wo finden dankbar! Habe in der Zwischenzeit die Praxis gewechselt, da man hier nicht nur wegen häufigem Urlaub des Ärzte Ehepaars ständig zu einem Vertretungsarzt kommt, dieser einem dann gar nicht kennt, sondern auch, wenn sie da sind eher herablassend u. so nebenbei mal betreut wurde. Ärzte die Kassenpatienten noch mit großem fachl. Einsatz u. Interesse betreuen gibt es immer seltener

#12 |
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Bürgerin Marina Bausmer
Bürgerin Marina Bausmer

Patientenzufriedenheit setzt sich aus so vielen Faktoren zusammen, auch bei der Apotheke zum Facharzt noch die Wege und in der Zeit die Ungewissheit , wofür der Arzt ja nichts kann. Auch die Auswertung der Untersuchungen beihhaltet einen 2. Termin und auch eventuell danach noch eine Untersuchung , wenn Notwendig.-

#11 |
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Gast
Gast

#8 und 9
Mein Partner (privat) und ich (Kasse) haben bereits vor einiger Zeit einen Test beim Orthopäden gemacht. Ich litt seinerzeit an einer akuten Lumbo-Ischialgie und musste starker Schmerzen wieder einmal ca. 1,5 Stunden warten. Mein Partner (ohne akute Schmerzen) meldete sich während dieser Wartezeit an der Rezeption und wurde bereits nach 20 Minuten (vor mir!) ins Behandlungszimmer gebeten.

#10 |
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Gast
Gast

@ Frau Kühlen: Das kann unterschiedliche Gründe haben und muss nicht immer etwas mit dem Kassenstatus zu tun haben:
-Immungeschwächte Patienten lässt man ungern viel Zeit im Wartezimmer verbringen,
-ebenso Patienten die ansteckend sein könnten,
-Patienten die einen “Notfalltermin” oder schlechte Laborwerte haben, bei denen man damit rechnen muss, sie ins Krankenhaus einweisen zu müssen sollte man wenn möglich auch sofort untersuchen (Sie würden staunen wie oft Patienten vom Rettungswagen mit oder ohne Notarztbegleitung direkt von der Arztpraxis in die Notaufnahme gebracht werden)
– wenn 2 patienten etwa gleich lange warten und man weiss bei einem wird es sehr schnell gehen, aber für den anderen möchte man sich viel Zeit nehmen dann nimmt denjenigen, bei dem es schnell gehen soll meistens zuerst.
-es kann sein dass Patienten bei denen vor dem eigentlichen Arztgespräch noch Untersuchungen anstehen (EKG, Blutentnahme, Blitdruckkontrolle usw.) früher aufgerufen werden, das bedeutet aber nicht dass sie auch den Arzt schneller sehen > ausser die Untersuchungen weisen auf ein dringendes Problem hin.

#9 |
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Gudrun Kühlen
Gudrun Kühlen

In der Statistik fehlt die Wartezeit am Behandlungstag selbst. Hier werden die Angaben für Privat- und Kassenpatienten extrem voneinander abweichen. Eine Stunde Wartezeit trotz eines fest vereinbarten Termins ist für Kassenpatienten nichts Ungewöhnliches. Besonders ärgerlich: Mitmenschen, die deutlich später in die Praxis kommen, werden ohne Erklärung ehr in das Behandlungszimmer gebeten.

#8 |
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Studentin der Pharmazie

Danke Frau Cortes! So sehe ich das auch!

#7 |
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Ich finde das Problem mit der Terminvergabe könnte besser recherchiert werden, hierzu würde ich Herrn v.d. Heuvel gerne ein paar Tips geben, wie die Realität in einer fachärztlichen Kassenarztpraxis aussieht, damit er darüber vielleicht mal berichtet. Patienten machen sich oft Termine gleichzeitig bei mehreren Fachärzten, nehmen dann den Termin, der am schnellsten geht, besitzen aber nicht den Anstand, die anderen Termine abzusagen. Folge: Leerstand, Verdienstausfall. Ruft man dann Patienten auf der Dringlichkeits-Warteliste an, die bei der Anmeldung angegeben haben, ach so schlimme Schmerzen zu haben, bekommt man zu hören: Was fällt Ihnen ein, mich jetzt um 18 Uhr anzurufen? Um Gottes Willen, jetzt kommt meine Serie im Fernsehen, da kann ich unmöglich kommen. Ich bin gerade am Fenster putzen. Meine Nachbarin ist gerade zum Kaffeetrinken da. Da verzweifelt doch jeder normal denkende Mensch. Was soll dieser ganze “Rotz” mit den Terminvergabestellen, solange es solche Patienten gibt? Wir verfahren jedenfalls so, daß solche Patienten einen Vermerk im System bekommen. Die kommen nicht mehr auf die dringliche Warteliste, solange es sich um keinen echten Notfall handelt.

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Bitte waren mit den “Psychiatern” auch die Neurologen gemeint – und mit “Frauenarzt” auch der Geburtshelfer?

#5 |
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Nichtmedizinische Berufe

Gottseidank gibt es in Deutschland freie Auswahl. Manchmal muss man auch einige durchprobieren, bis man den Mediziner seines Vertrauens findet. Aber dann kann man die kompetenten, zugewandten Ärzte auch mit “Gut” bewerten. Aktuelles Beispiel: Komme mit Schmerzen über der Hüfte zu Orthopäde 1. Er versucht , mich einzurenken. Auf meine Frage nach Physiotherapie meint er, dass ich wohl schon genug Kenntnisse hätte. Die Schmerzen werden heftiger. Ich zu Orthopäde Nr. 2 . Der diagnostiziert eine ISG- Blockade und verschreibt Physiotherapie. In der ersten Sitzung (!) kann der Therapeut die Blockade lösen. Warum aber musste ich mich 3 Wochen lang hinkend herumquälen? ( Und das war nix lebensbedrohendes) Orthopäde 2 gute Beurteilung, mein Exorthopäde 1 schlechter. Ist doch klar, oder?

#4 |
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Gast
Gast

Guten Tag,
Sturz 8/16 Termin für MRT 12/16
Fraktur wurde festgestellt!
Ortthopäde hat KG aufgeschrieben ❗️
Zufriedenheit mit Ärzte ❓

#3 |
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“Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul” heißt ein altes Sprichwort. Dafür, dass die durchschnittliche Kassenarztpraxis nur als Draufzahlgeschäft funktioniert, sind die Umfrageergebnisse noch erstaunlich gut. Noch erstaunlicher ist, dass die KVen solche Umfagen überhaupt in Auftrag geben. Was wollen sie damit sagen: “Wir Ärzte arbeiten für Ihr Leben gern – nicht für Ihr Geld, denn da legen wir drauf. Und wenn wir schon drauflegen, dann wollen wir wir wenigstens weiter die Qualität verbessern!-???” Weiteres sh. http://blog.krankes-gesundheitssystem.com/#b=EYjKzwfSCgX5t3jPz2LUiJOItKrjBM5LCIiSiMrLywXWBhLfDMfSiJOIDhj5E0rLywXqBhKUCMvWB3j0tM9qCMvZzw50yxrPB24OktT9y2f0y2GOzsL7Fsj9

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Dr. med. Reinhard Kohlhaas
Dr. med. Reinhard Kohlhaas

Da soll die Politik sich doch mal an die eigene Nase fassen: Soweit ich mich erinnern kann: 1993 hat der damalige Gesundheitsminster Seehofer um Kosten zu sparen gemeinsam mit der SPD die Niederlassungsfreiheit aufgehoben – gegen den Widerstand der Ärzteverbände, die die jetzige Situation genau vorausgesehen haben. Mit dem Argument “Wo ein Angebot ist auch eine Nachfrage” wurden die damaligen Arztzahlen eingefroren. DAs Ergebnis der damals eingeleiteten und von Seehofers Nachfolgerinnen noch verschärften Politik haben wir jetzt. Leider wird diese Entwicklung nie in der Öffentlichkeit kommuniziert.

#1 |
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