Gestatten, Dr. Grabsch

28. Februar 2011
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Geht es um sexuellen Missbrauch, stehen derzeit meist Angehörige zweier Berufsgruppen im Fokus – Lehrer und Geistliche. Doch auch Therapeuten können zum potenziellen Täter werden. Die Dunkelziffer gilt als groß, denn zu viele Betroffene sind im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos.

An drei Patientinnen soll angeblich ein 50-jähriger Mediziner „sexuelle, missbräuchliche Handlungen“ vorgenommen haben, meldete kürzlich die „Augsburger Allgemeine“. Zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe „wegen sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses sowie Körperverletzung“ wurde im Juli 2010 ein 54-jähriger Allgemeinmediziner vom Amtsgericht Tiergarten verurteilt.

Nur Schätzungen zur Häufigkeit

Über die Häufigkeit von Missbrauch durch Therapeuten gebe es für Europa keine verlässlichen Daten, schreiben Irina Franke und Professorin Anita Riecher-Rössler von den Psychiatrischen Kliniken in Basel. Schätzungen beruhten auf einer kanadischen Umfrage von 1991. Danach sei in Deutschland von etwa 165.000 Betroffenen jährlich auszugehen, „die einen sexuellen Übergriff und eine sexuell gefärbte Handlung oder Bemerkung durch eine Fachperson aus dem Gesundheitswesen erlebten“.

Haftstrafen bis zu fünf Jahren

Definiert wird „professioneller sexueller Missbrauch“ (PSM) nach Angaben von Franke als eine sexuelle Handlung „im Rahmen von fachlichen Auftragsverhältnissen bzw. Beziehungen“. Dazu zählten zum Beispiel: vaginale Penetration, genitale Stimulation, Berühren von Geschlechtsorganen, Küssen und auch voyeuristische oder exhibitionistische Handlungen, Zeigen pornografischen Materials, sexistische verbale Äußerungen sowie Frotteurismus (ein Frotteur ist ein Mensch, der sich sexuell stimuliert, indem er sich an anderen Menschen reibt, etwa in überfüllten U-Bahnen).
Laut §174c Strafgesetzbuch können solche Handlungen mit Freiheitsstrafen von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft werden.

Fast jeder ein potenzielles Opfer

Opfer solcher Handlungen kann im Grunde jeder werden, der einen Therapeuten oder eine Therapeutin aufsucht. Nach Daten aus den USA und den Niederlanden sind überwiegend Frauen die Opfer von Männern (in bis zu über 90 Prozent der Fälle), deutlich seltener ist ein Mann Opfer einer Frau. Wenn Frauen die Täter sind, ist das Opfer laut Franke allerdings fast immer ebenfalls eine Frau. Motive der Täter oder Hintergrund der Tat können persönliche Lebensumstände „in Kombination mit ethischen Defiziten in der Berufsauffassung“ oder psychische Störungen sein. In mehr als der Hälfte der PSM-Fälle leide der Täter unter einer oder mehreren gravierenden psychischen und/oder psychosexuellen Störungen. Oft, so Franke, bestehe ein ausgeprägter Narzissmus.

Große Wiederholungsgefahr

Laut der Münchener Ärztin für Psychosomatische Medizin Dr. Veronika Hillebrand sowie dem Diplompsychologen Benedikt Waldherr aus Landshut kommt sexueller Missbrauch nicht, wie manchmal angenommen, nur oder überwiegend in der Psychotherapie vor. Auch in „anderen Bereichen der Medizin, zum Beispiel bei Frauenärzten oder Allgemeinärzten gebe es das Phänomen des sexuellen Missbrauchs professioneller Beziehungen in ‘erstaunlich hohem Ausmaß'”. Die Quote an Wiederholungstaten liege bei 80 Prozent. In aller Regel seien Männer die Täter bei den Wiederholungstaten.

Schwerwiegende Folgen – für die Opfer

„In ca. 90 Prozent der PSM-Fälle erleidet das Opfer erhebliche und anhaltende Schäden“, erklärt Franke. Die seelischen Folgen für die Opfer können gravierend sein. Sie reichen von Scham, Schuldgefühlen, einem die Täter schützenden Sprachverlust (auch durch eine zeitweise Störung des motorischen Sprachzentrums) bis hin zu völligem sozialen Rückzug und sogar Suiziden. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Patientin oder ein Patient darüber spricht, sei gering. Nur wenige Betroffene gingen juristisch gegen die Täter vor, so auch Privatdozentin Dr. Christiane Eichenberg von der TU Ilmenau. Wenn es doch zu einer Anzeige kommt, dann gilt wohl generell, was kürzlich die Journalistin Susanne Graf in der „Berner Zeitung“ zur Situation in der Schweiz geschrieben hat: „Nimmt eine Patientin Anstoß am Verhalten ihres Arztes, kann sie bei der Ärztegesellschaft ein Standesverfahren in Gang setzen. Doch die Wirkung ist oft dürftig. Wenn ein Arzt sich vergreife, habe er von der Standeskommission der FMH (Berufsverband der Schweizer Ärzteschaft, Anm. der Redaktion) nur wenig zu befürchten, sagen Kritiker.“ Auch Franke trifft hier eine recht harte Aussage: „Es gibt kaum Möglichkeiten für betroffene Patienten, angemessene therapeutische und juristische Unterstützung zu finden.“ Denn noch immer erscheine der Umgang mit PSM durch eine „anhaltende Tabuisierung und mitunter auch Verharmlosung charakterisiert“ zu sein.

Eine 2009 veröffentliche Umfrage unter den Mitgliedern der „World Psychiatric Association“ zum Vorhandensein einer staatlichen Gesetzgebung und Positionierung der jeweiligen psychiatrischen Gesellschaften sowie zum Vorhandensein von spezifischen Regularien habe da wenig Erfreuliches offenbart: Nur 51 Prozent der befragten Fachgesellschaften aus 109 Ländern hätten sich an der Umfrage beteiligt. Die Hälfte der Teilnehmer gab laut Franke an, in ihrem Land gebe es keine unmittelbare Meldepflicht, wenn ein Arzt von sexuellen Übergriffen eines Kollegen erfahre. Nur ein kleiner Teil der Fachgesellschaften habe mitgeteilt, dass für Opfer und/oder Täter eine Behandlung zur Verfügung stehe. Deutschland war 1998 das einzige europäische Land, das mit dem §174c StGB ein Verbot jeglichen sexuellen Kontaktes in einer Psychotherapie gesetzlich verankerte. Allerdings sei „das Vorhaben, auch andere ärztliche Disziplinen in das Gesetz einzuschließen“, gescheitert.

Null-Toleranz ein Muss

Eine Positionierung der Ärzteschaft, vor allem der psychotherapeutisch tätigen Ärzte, erscheine daher sehr wichtig. Wichtige Ziele außer einer Sensibilisierung seien Prävention, Richtlinien zum Umgang mit Opfern und Tätern sowie Integration der Thematik in die medizinische Aus- und Weiterbildung sowie in den öffentlichen Diskurs. Notwendig seien eine Meldepflicht, strukturierte Beratungs- und Hilfsangebote sowohl für die Opfer wie für die Täter. Und: Wie in Kanada, den USA, Neuseeland und Australien müsse „die Aufrechterhaltung einer Null-Toleranz-Haltung durch die Rechtsprechung verankert und gewährleistet werden“ – so wie bei jeder anderen Straftat eben auch.

135 Wertungen (3.79 ø)
Allgemeinmedizin, Medizin

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18 Kommentare:

Es sollte sehr hellhörig auf die Opfer eingegeangen werden! Opfer können aber auch die Ärzte/Therapeuten ect. sein!
Ärzte (Frauenärzte) tun gut daran PatientIn nicht ohne anwesende HelferIn zu untersuchen. Es ist halt ein schwieriges Thema, welches es schon immer gab.

#18 |
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Horst Rieth
Horst Rieth

ich bin der meinung, wenn es um die physische und/oder psychische integrität von personen geht, muss die überwachung per video einer op oder sitzung standard sein, im interesse aller beteiligter.
nur auf ausdrücklichen wunsch beider kann eine solche massnahme unterbleiben.
wehret den anfängen!
schützt das vertrauensverhältnis!
liefert euch nicht aus!

#17 |
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Prinzipiell den Verdacht der ÄK melden, beim 2. Mal ist er/sie dann dran, auch wenn das Opfer seinen Namen ncht preisgab!

#16 |
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Diana Will
Diana Will

Ich finde es sehr wichtig, dass sich die Öffentlichkeit mehr dafür interessiert, was da teilweise in psychotherapeutischen Praxen abläuft. Unter der Hand erfährt man im Kollegenkreis manchmal schon Haarsträubendes. Auch von Patienten wird manchmal von sehr abstrusen Psychotherapietechniken berichtet.
Wichtig finde ich zunächst einmal, dass die Krankenkassen auf die Angebote der Patientensprecher hinweisen, damit Betroffene wissen, an wen sie sich erst einmal wenden können. Auch Beratungsstellen prüfen zunächst einmal anonym, wenn Vorfälle bekannt werden.
Natürlich muss auch geprüft werden, in wie weit die Vorwürfe berechtigt sind. Ungerechtfertigte Angriffe können einen Therapeuten beruflich ruinieren.
Größtmögliche Offenheit erscheint mir da sehr sinnvoll zu sein, vor allem in brisanten Fällen, ggf. die Begleitung durch Vertrauenspersonen, Helfer oder bei Kindern und Jugendlichen tw. auch der Eltern.
Geschütz werden müssen hier beide Seiten, die Patienten und die Therapeuten und das funktioniert nur, wenn man Probleme von Anfang an klar anspricht und den Patienten animiert, dies auch zu tun. Aufklärung darüber, was in einer Therapie passieren kann und darf und was nicht, z.B. durch einen Flyer der Krankenkasse, oder durch Infomaterial aus der Praxis.
Bei Vorliegen eines Übergriffes würde ich mir ebenfalls viel Offenheit wünschen, im Sinne einer “Null-Toleranz”-Haltung. Es darf kein Verstehen geben, oder eine zweite Chance. Wer seine verantwortungsvolle Position in einer Psychotherapie derart für seine Interessen ausnutzt, ist meiner Meinung nach, ethisch und moralisch für diesen Berufsstand nicht tragbar. Aberkennung der Approbation und Berufsverbot durch eine Ethikkommission der jeweiligen Kammern, nach ausreichender Prüfung, versteht sich, halte ich für ein absolutes MUSS.
Und wer derartige Straftaten kollegial deckt, sollte zumindest deutlich spürbar abgemahnt werden.

#15 |
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Alfred Frohn
Alfred Frohn

Inhaltlich wurde viel und fundierter gesagt, als ich das tun könnte. Dennoch ist die Psychotherapie aus diversen Gründen ein Herzensthema. Das ist der Grund, warum ich mich – sonst hier spärlich vertreten – zu Wort melde.

Hier beschränke ich mich auf eine Allgemeinkritik an Doc-Check, die das zunehmend reißerische, “Bild”-Zeitungs-ähnliche Aufmachen von Artikeln betrifft, die eigentlich seriöser und wissenschaftlich fundiert aufbereitet und dargeboten gehören!

Das betraf zuletzt “Schwester klaut Arztkittel” und nun diesen Artikel. Das finde ich manchmal unerträglich, und die Zuschriften hier spiegeln einen ähnlichen Trend wieder.

Das im Artikel besprochene Thema ist in seinen Grundzügen ja so neu auch nicht…

#14 |
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Diplompsychologe Axel Lohse
Diplompsychologe Axel Lohse

Mir stellt sich die Frage, inwieweit der Autor des Artikels in seiner undifferenzierten Art und Weise wie hier darüber geschrieben wird, einmal Rundumschlag, dieses Thema mißbraucht.
Die Psychotherapie in Deutschland beschränkt sich im Wesentlichen in den Richtlinienverfahren PA, TP, VT auf ‘Kopfarbeit’. Das heißt es werden Erkenntnismöglichkeiten geschaffen aus denen später Kenntnisse werden können. Ziel von PT sollte jedoch immer sein, neue Verhaltensweisen zu lernen, das heißt neue Erfahrungen zu machen, dann ergibt PT einen Sinn. Menschen die zur PT kommen, haben seltener Verstandes- oder Verständnispropleme. Es sind die emotionlaen Probleme, die ihnen das Leben schwer und manchmal unmöglich machen. Emotionalität und Sexualität liegen spätestens im Erwachsenenalter eng beieinander. Wo will man/frau die Grenze ziehen, wie sollen Erfahrungsräume geschaffen werden, um neue emtotionale Erfahrungen zu machen. Um Mißverständnissen vorzubeugen, sexueller oder anderweitiger (therapeutischer) Mißbrauch ist nicht tolerabel, weder juristisch noch therapeutisch. Die therapeutische Abstinenzregel gilt m. E. nicht nur für die Sexualität.
In Deutschland werden PT-Verfahren die körperlich-emotionlae Selbstferfahrung ermöglichen, wie beispielsweise die Bioenergetik, kassenrechtlich nicht zugelassen. Andere Verfahren wie beispielsweise die Tiergestützte Therapie, die körperlich-emotionale Erfahrungen zulässt, ohne in den Generalverdacht des sexuellen Mißbrauches zu geraten, haben es äußerst schwer, sich in Deutschland zu entwickeln oder gefördert zu werden.
Bitte Herr Dr. Kron, wenn Sie Ihren Artikel um Vorschläge erweitern, wie konstruktiv mit dem Thema umgegangen werden kann, dann wäre er hilfreich, so ist es eine Generalklage gegen alle therapeutisch Tätigen und wenig hilfreich, weder für Patienten, die nur verunsichert werden, noch für die Kollegen, die ernsthafte Arbeit betreiben und hier mit den Schwarzen Schafen der Zunft, die es sicher gibt, gleichgesetzt werden.
Ich bitte um Ihre Stellungnahme!

#13 |
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Der Artikel ist zu reisserisch aufgemacht, da stimme ich Kol Junghärchen zu.
Es klingt wie ein ” Bams ” Artikel zur Aufforderung ” zum Tanz” Hetrz jagd auf Therapeuten ?
Ansonstren muss jede Art von Berührung vom Händedruck bis zu körperlichen Schilderungen mit Patienten definiert und besprochen sein.
Was ich von traumatisiertne Patientinnen schon an ” ´trickreichen Händedrücken” geschildert bekam verführt zu manchen Neudefinitionen von Mißbrauch.
Diese “Berührungen ” in der Therapie zu besprechen öffnet Möglichkeiten Mißbrauchsverletuzungen sozusagen ” vom Alltäglichen aus” anzugehen und die Verletzungen schrittweise in therapeutische ” Einzelheiten ” aufgegleidert ertragbar zu machen.
Aber bitte nicht in BAMS art…

#12 |
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Medizinphysiker

@Frau Kreilos: natürlich Anzeige! Warum nicht? Vermutlich sind Sie nicht das einzige Opfer, wenn jedes Opfer Anzeige erstattet wird es eng für den Täter!
@Bettinger: es wird doch einen Zahnarzt geben, der korrekt mit den Patienten umgeht, einfach wechseln!

#11 |
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Eberhard Krämer
Eberhard Krämer

Heikles Thema. Übergriffe hat es immer gegeben seit Hippokrates, der deswegen den nämlichen Eid forderte.Betroffene haben immmer eine schwerere Last zu tragen als die Täter, sie müssen es beweisen ! Eine Anzeige ist immer unmittelbar nach den Vorkommnissen geboten.Dies sit auch für die evtl. zu Unrecht beschuldigten Täter wichtig.
Aber auch von Seiten der Mediziner sollten Verdachtsfälle von Körperverletzungen bei Patienten und Kindern anzeigepflichtig werden.

#10 |
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Moin allerseits, Kollege Riebschläger ich versteh Sie nicht,
Nähe ist ein wichtiges Instrument meines ärztlichen Handelns,

sicher ist es schwierig Nähe und Distanz im der richtigen Relation zueinander zu bringen, ich bin zumindest kein Computer, ich habe Gefühle und ich teile diese…
Ganz wichtig ist die sprachlosigkeit überwinden und es gibt keine Entschuldigung für Missbrauch !
Schönen Tag noch

#9 |
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Ich habe Erfahrung mit disesen “Vergreifungen” als ich tating ware in Prag als Vorsitzende der Revisionabteilug der Tschechisehn Aerztekammer. Diese Falle sind immer gut gedeckt und schwer zu entfalten. Wir haben aber nimmer die Stellung der falschen “Kollegialitat” genommen. Ich halte dieses Benehmen fur besonders hasslich und fur den ganzen Arztrstand sehr schadlich.
Von der anderen Seite, wie konnte Frauenarzt eigentlich eine Praxis betreiben, wen, anhand der Definition (sihe oben) auch ein “Berühren von Geschlechtsorganen” als Missbrauch definiert ist?
Hier muss zum grossem Vorsicht raten !
Sonst – dieser Problem war hier immer in der Geschichte, vor Jahrhunderten wurde das durch eine Blutrache gellost, heute haben einen Anwalt stattdessen…

#8 |
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Medizinjournalistin

Ich kenne einige verbale beleidigende Attacken von Zahnärzten und deren Personal. Hier tut nicht nur Aufklärung not, sondern es fehlt an geeigneter Information, wo und wie konkrete Hilfe zu erwarten ist. Ich habe festgestellt, dass viel zu viel darüber gesprochen wird, aber zu wenig für die Hilfesuchenden getan wird. Wenn auch noch Psychotherapeuten, Ärztekammern und Krankenhäuser nicht in der Lage sind, Hilfestellung zu geben, dann ist ein Stück Menschlichkeit und Menschenwürde verloren gegangen.

#7 |
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Keine Toleranz – weder für die Taten noch für diesen “Artikel”. Unerträglich, wie hier alles miteinander vermengt wird – und im Verlauf auch noch jeder “Therapeut” unter Generalverdacht gerät.

Unter der Headline “Dr. Grabsch” direkt ein Bildausschnitt von Sigmund Freud. Weiter geht es mit einem laufenden Gerichtsverfahren gegen einen osteopathisch tätigen Mediziner und mit einem augenscheinlich abgeschlossenen Gerichtsverfahren gegen einen Allgemeinmediziner.

Direkt im Folgeabsatz: Schätzungen einer kanadischen Umfrage 1991 nach vorangegangener medialer Sensibilisierung der Bevölkerung zu sexuellem mißbräuchlichem Verhalten von THERAPEUTEN: 3% der 11 Mio. Befragten hatten nach eigenen Angaben eine sexuell gefärbte Handlung oder Bemerkung von einem Therapeuten erlebt, 1% einen sexuellen Übergriff.

(Wir sind uns darüber einig, dass jeder einzelne Übergriff ein Übergriff zu viel ist!)

Die Definition dessen, wer oder was denn in dieser Befragung alles als “Therapeut” wahrgenommen wurde, erfolgt hier nicht, aber dafür im folgenden Absatz die Definition von “PSM” – die keine Eingrenzung auf therapeutische Beziehungen vorzunehmen scheint (wie jemand in diesem Definitionszusammenhang noch auf “Professionell” gekommen sein mag, bleibt mir ein Rätsel).

“Fast jeder ein potenzielles Opfer” ist dann die Unterüberschrift des Folgeabsatzes. Eben 2 Absätze vorher in Kanada zwischen 1986 und 1991 etwa 3%, in diesem Absatz schon “fast jeder”? Sobald man einen Therapeuten aufsuche, könne man “im Grunde” Opfer solcher Handlungen werden. Aus meiner Sicht eine ungerechtfertigte, überzeichnete, über alle Fakten ausgeweitete Verunglimpfung von Therapeuten und therapeutischen Beziehungen (eine Beziehung in der sexueller Mißbrauch welcher Art auch immer vorkommt, ist nie professionell geschweige denn therapeutisch!). Wenn (aus erklärten Gründen) keine Statistiken vorliegen, darf man nicht einfach unsubstantiierte und undifferenzierte Aussagen treffen.

Einmal auf Weltreise (wir waren erst in Deutschland, danach in Kanada) gehts in die Schweiz zur schweizerischen Ärzteschaft und den dortigen Verhältnissen.

Dann nochmal die ganze Welt befragt und verglichen – und schließlich das Fazit. Nachdem es vorher um Allgemeinmediziner, Osteopathen, Therapeuten allgemein, Ärzte allgemein ging – jetzt also sollen sich vor allem psychotherapeutisch tätige Ärzte positionieren.

Hiermit positioniere ich mich als psychotherapeutisch tätiger Arzt und schließe mich den im letzten Absatz des “Artikels” genannten Zielen ausdrücklich an.

Dennoch bin ich nicht bereit, die Unschärfen und gefährlichen Verallgemeinerungen dieses “Artikels” kommentarlos hinzunehmen. Unerträglich für mich, wie hier Ländergrenzen, Beziehungsgrenzen, fachliche Abgrenzungen, wissenschaftliche und journalistische Grundsätze unbeachtet bleiben.

#6 |
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Anne-Madeleine Kreilos
Anne-Madeleine Kreilos

Bin selber Opfer eines sexuellen Übergriffes eines Psychotherapeuten geweorden, mit dem ich wegen einer PTBS nach sex. Mißbrauch (!) in Kontakt war. Ich habe seitdem eine Verschlechterung meines Zustandes erfahren und bin jetzt (5 Jahre nach diesem Vorfall) noch immer betroffen.

Mir wurde abgeraten, etwas zu unternehmen, da keinerlei Beweise vorlagen. Ich hätte mir gewünscht, einen Ansprechpartner zu haben, der mich beraten und ggf. bei einer Anzeige unterstützt hätte.

#5 |
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Selber habe ich an dem Skandal teilhaben können, wie ein Prof. und Oberarzt an einer Uni-Klinik mehrere Patientinnen missbraucht hat (bzw. haben soll, das Verfahren wurde wohl wegen Formfehlern eingestellt). Dramatisch fand ich, wie dieser “Kollege” trotz diverser Vorwürfe von mehreren (>8) Patientinnen sowohl vom Klinik-Direktor als auch anderen Oberärzten/Innen gedeckt wurde!! Eine Schande für die ganze Klinik, da hätten sie auch selber “zugreifen” können… Null Toleranz für alle Beteiligten! Aber ich stimme auch dem Kollegen F.Bode zu… ungerechtfertigte missbräuchliche Anschuldigungen (Stichwort: Borderline-Patientinnen) schweben immer drohend im Raum und können einen Ruf ruinieren! Ein zweischneidiges Schwert…

#4 |
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Klar positionieren. Klare Situationen schaffen. Abgrenzen. In bestimmten Situationen Assistenzpersonal mit in die Untersuchungssituation einbinden.
Dokumentieren. Und lieber ein bißchen zu viel Distanz als zu wenig!

#3 |
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Aber wer schützt den Arzt vor ungerechtfertigten Anschuldigungen. Patientenkontakt nur noch mit Zeugen oder Videoaufzeichnung?

#2 |
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Bin sehr dafür,das auf diesen Gebiet etwas mehr getan wird.

#1 |
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