Benzos und Opioide: Risiko auf Rezept

9. September 2016
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In den USA gehen immer mehr unerwünschte Arzneimittelwirkungen auf Benzodiazepine plus Opioide zurück. Mitunter werden die Präparate sogar vom gleichen Arzt verschrieben. Die FDA setzt auf deutlichere Warnhinweise für Health Professionals und Patienten.

Apotheker warnen seit Jahren davor, Opioide mit Benzodiazepinen zu kombinieren. Sedierung und Atemdepression gelten als gefährliche Kombination. Fallberichte kommen nicht nur aus dem Drogenmilieu. Auch der bestimmungsgemäße Gebrauch birgt etliche Risiken. In Beipackzetteln oder Fachinformationen weisen Hersteller auf die Gefahr hin, allerdings ohne durchschlagenden Erfolg, wie kürzlich veröffentlichte Zahlen belegen.

Ärzte am Pranger

Catherine S. Hwang von der US Food and Drug Administration (FDA) fand heraus, dass Ärzte zwischen 2002 und 2014 deutlich häufiger Opioide (plus acht Prozent) oder Benzoidiazepine (plus 31 Prozent) verordnet hatten. Zeitgleich stieg die Zahl an Patienten mit Opioid-Therapie plus Benzodiazepin-Gabe von 6,8 auf 9,6 Prozent. In jedem zweiten Fall kämen die Verordnungen sogar vom gleichen Arzt, berichtet Hwang. Sie kritisiert angesichts des zunehmenden Trends vor allem Mediziner und warnt vor schwerwiegenden Interaktionen.

Willkommen in der Notaufnahme

Christopher M. Jones, er forscht ebenfalls für die FDA, hat weitere Fakten veröffentlicht. Wenig überraschend stieg die Zahl an Interaktionen zwischen 2004 und 2011 stark an: bei missbräuchlicher Anwendung von 11,0 auf 34,2 pro 100.000 Personen, bei bestimmungsgemäßer Anwendung von 0,6 auf 1,7 pro 100.000 Personen. Damit nicht genug: Bei jedem dritten Todesfall durch Opioide fanden Mediziner Benzodiazepine im Blut.

Die FDA schlägt Alarm

Jetzt greift die FDA zu weiteren Maßnahmen. Sie fordern von Herstellern sogenannte Black-Box-Warnungen (boxed warnings): eine Möglichkeit, um vor schwerwiegenden Nebenwirkungen zu warnen. Betroffen sind Fachinformationen und Beipackzettel von rund 400 Rx-Präparaten. Ob entsprechende Hinweise ausreichen, wird sich zeigen, sobald neue statistische Zahlen vorliegen.

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4 Kommentare:

Nichtmedizinische Berufe

Schwierig nicht als oberschlau zu erscheinen, wenn solcherart und andere Risiken für einen Patienten wegen routinierter Selbsteinholung von Informationen bekannt sind und andererseits nicht mit Schuldvorwürfen konfrontiert zu werden, wenn so etwas als Patient nicht gemacht wird, um nicht als unangenehmer, wissender Patient vor dem Arzt dastehen zu wollen.

Ich wähle dann trotzdem den gehassten Nerd, wenn ich wie in dieser Sache einer rezidivierenden Myelonkompression wegen wiederholten Implantatversagens, mich dann ebenso über die dann gut wirksamen Opiatersatze selbst informiere und ich dann auch das Management des Wiederabsetzens nach der operativen (Wieder)Beseitigung der Ursache immer wieder gut und ohne jegliche Probleme im Griff behalte.

Psychopharmaka bleiben bei mir ohnehin immer! außen vor, selbst wenn diese schon recht leichtfertig zu oft von Ärzten ausgegeben werden und es mir völlig egal ist, wie unbeliebt auch immer ich mich mit solchen ja schon richtigen Aussagen mache, solche kritischen Töne anderswo mehrfach ebenfalls so von fachlicher Seite her erklingen…

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Krankenpflegehelfer

Für ein Drittel der an Angsterkrankung leidenden Patienten gibt es keine wirksame Therapie.
Max-Planck-Institut für Psychiatrie vom 20. Januar 2016 – Quelle: http://www.psych.mpg.de/2138003/PM1555_Chen_Anxiety_Dmnt
Bevor man Medikamente oder gar einen Berufsstand verteufelt, sollte man sich zunächst Mal um eine angemessene Alternative bemühen. Auf dem Gebiet der Anxiolytika gab es in den vergangen 70 Jahren keine erwähnenswerte Innovation! Ist das nicht peinlich?
Eins ist mal sicher eine ganze Generation von Erwerbsunfähigkeitsrentnern würde es sicher sehr schätzen, wenn es auf diesem Gebiet eine seit Dekaden überfällige Weiterentwicklung gebe.

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Nichtmedizinische Berufe

Ich gebe meine Medikamente in den Wechselwirkungsfinder im Internet ein und hatte einmal wirklich eine gefährliche Nebenwirkung ( für Interessierte: war die Trias Opioid, Antidepressivum und Antiikonvulsivum ). Den Arzt darauf angesprochen, meinte er, dies käme äußerst selten vor. Nun denn…..

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Dr. med. Walter Müller
Dr. med. Walter Müller

Wenn der gleiche Arzt Benzodiazepine und Opioide verordnet dann sollten ihm die Risiken bewußt sein bzw sollte er es unterlassen. Wenn verschiedene Ärzte Opioide und Benzodiazepine verordnen, dann erhebt sich die Frage, ob die Ärzte die Medkiamentenanamnese gründlich erhoben haben oder ob der Patient nicht bewußt die Medikation des anderen Arztes verschwiegen hat.
Aufgabe der Berufsverbände und Ärztekammern wäre es, verstärkt in Fortbildungsveranstaltungen die Interaktionen der verschiedenen Medika- mente zu beleuchten. Bei mehr älteren Patienten und mehr Erkrankungen summieren sich auch die Präparate, die eingenommen werden sollen. Ein Ranking bei mehreren Medikamenten , welches denn auch ganz abgesetzt werden kann , könnte ein wenig Abhilfe schaffen.

#1 |
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