(Alkohol-) Probleme bei der Reproduktion

9. September 2016
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Unfreiwillige Kinderlosigkeit kann viele Gründe haben. Bei der Suche nach Erklärungen werden Mediziner nicht immer fündig. Jetzt fanden Forscher heraus, dass hoher Alkoholkonsum hinter Unfruchtbarkeit stecken kann.

Unfruchtbarkeit ist in den westlichen Industrienationen nicht selten. Jedes sechste Paar hat Probleme bei der Erfüllung des eigenen Kinderwunsches, und jedes vierte Paar braucht mehr als zwölf Monate, bis die Frau schwanger wird. Zehn Prozent arbeiten sogar zwei Jahre am Nachwuchs, und drei bis vier Prozent bleiben dauerhaft kinderlos, obwohl sie gerne Kinder hätten. Ellen Mikkelsen von der Universität Aarhus fand jetzt eine mögliche Erklärung, die bislang kaum beachtet wurde: Alkohol.

Ein Toast auf die Schwangerschaft

Mikkelsen zufolge konsumieren Frauen in Dänemark, die schwanger werden möchten, sieben oder mehr alkoholische Getränke pro Woche. Sie untersuchte eine Kohorte mit insgesamt 6.120 Frauen. Von ihnen wurden zwei Drittel während der Studie schwanger. Erst ab der Grenze von 14 alkoholischen Getränken pro Woche – anders ausgedrückt zwei pro Tag – sah die Forscherin negative Einflüsse auf die Kinderlosigkeit. Die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, verringerte sich um 18 Prozent. Ihre Assoziation war statistisch nicht signifikant. Nur 75 Teilnehmerinnen konsumierten derart große Alkoholmengen. Das ist aber nicht die entscheidende Fragestellung.

Null Promille für alle

Ellen Mikkelsen verweist vielmehr auf Überlegungen der Centers for Disease Control and Prevention, Atlanta. Eine Untersuchung von Erstklässlern ergab, dass unter 1.000 Kindern sechs bis neun phänotypische Merkmale des fetalen Alkoholsyndroms (FAS) aufweisen. Und sogar 3,6 Prozent zeigten Anzeichen fetaler Alkoholspektrum-Störungen (FASD) – ein Sammelbegriff leichter bis schwerer Ausprägungen.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, befragten Forscher 5.601 Frauen im fruchtbaren Alter als repräsentative Stichprobe. Von allen Teilnehmerinnen, die nicht verhüteten, gaben 7,3 Prozent an, sie hätten im letzten Monat Alkohol getrunken und ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt. Das entspricht – hochgerechnet auf die gesamte Bevölkerung – etwa 3.3 Millionen US-Amerikanerinnen. Viele Frauen würden ihre Schwangerschaft in den ersten Wochen nicht bemerken und weiter Hochprozentiges konsumieren, schreiben CDC-Wissenschaftler.

Deshalb fordern sie für Bürgerinnen ohne Verhütung beziehungsweise ohne sexuelle Enthaltsamkeit ein generelles Alkoholverbot.

26 Wertungen (3.85 ø)
Forschung, Pharmazie

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10 Kommentare:

Gast
Gast

der versoffene Vater wird aber auch keinen besonders intelligenten Nachwuchs zeugen! Ich denke nicht,dass das ausschließlich die werdende Mutter betrifft,die weder rauchen noch trinken sollte.Es ist schließlich nicht ihr Eigentum,dieses heranwachsende Leben sondern soll doch mal ein eigenständiger Mensch werden welcher ein selbstverantwortliches Leben führen möchte und sollte.

#10 |
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Gast
Gast

#8 Beliebter Aphorismus unter Studenten : Trink …Bier, dann steht er Dir. :)

#9 |
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pharmafix
pharmafix

Und was ist mit den Männern ,die wesentlich mehr Alkohol
trinken in jedem Lebensalter und die sich auf Unfruchtbarkeit
erst untersuchen lassen, wenn sonst alles stimmt.

#8 |
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Ärztin
Ärztin

Die Diskussion auf Frauen mit Kinderwunsch zu lenken halte ich für wenig zielführend > es wird in Deutschland generell viel zuviel getrunken und zwar von allen Altersgruppen, Geschlechtern und Bevölkerungsschichten! Er ist zu billig und zu leicht verfügbar. Und alle haben die Schäden zu tragen, seien es nun Ungeborene, Unfallopfer, verzweifelte Angehörige, besorgte Eltern, geschlagene Ehepartner, vernachlässigte Kinder, die Beitragszahler ….

Ein verantwortungsbewussterer und wohldosierter Umgang mit dem Genussmittel Alkohol würde uns allen guttun.
Heisst das man würde jeder Frau die sicher ist nicht schwanger zu sein und derzeit mit der Pille verhütet zu einem bedenkenlosen Komasaufen raten?

Die meisten Frauen mit Kinderwunsch welche grundsätzlich bereit wären während der gesamten Schwangerschaft auf Alkohol zu verzichten trinken meistens ohnehin nur moderat und machen sich oft schreckliche Vorwürfe wenn sie herausfinden, dass sie eine Woche vor dem postitiven Testergebnis noch ein Glas Sekt getrunken haben. Will man die jetzt dämonisieren?
Da würde ich mich lieber an diejenigen halten die bedenkenlos weitertrinken und rauchen obwohl sie bereits von ihrer Schwangerschaft wissen… aber das macht bei denen meist wenig Eindruck.

#7 |
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… und Zahn- und Mundpflege nicht vergessen.

#6 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ach so, um Kritik vorzubeugen: Der Verweis zeigt auf eine kritische Studie, aktuelle andere Studien wollen das nicht bestätigen, der übliche Kummer wohl eben mit Studien und ich froh bin in einem Bereich arbeiten zu dürfen der sich nur marginal mit Studien beschäftigt.
Nach meinen Recherchen ohne Anspruch auf Richtigkeit, wurde diese Assoziation von Infertilität und Chromosomenaberrationen in Südamerika geboren, in einer Region, wo es kulturell ja schon dramatisch ist ohne Nachwuchs zu bleiben…

#5 |
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Nichtmedizinische Berufe

Was jedoch immer noch hiesig nur rar zu finden ist, vor Jahren bei Beginn meiner Suche gab es noch gar nichts hier, obwohl es von Jahr zu Jahr aus immer Ländern Studien mit erstaunlich deckungsähnlichen Daten gibt, ist der immer noch recht unbekannte Zusammenhang zwischen chromosomalen Polymorphismen und Infertilität.
Da es bei mir schon sehr lange her kein Geheimnis mehr ist:
Zufällig wurden bei mir vor längerer Zeit wegen kongenital bedingter Dysmorphiezeichen u.a. Polymorphismen der langen Chromosomenarme 1qh+ und 16qh+ diagnostiziert, denen bisher noch! (Experteneinschätzung) kein Krankheitswert zugeordnet werden konnte.
Jahre später und den vergeblichen Versuchen auf fast allen Wegen, nach WHO alles regelhaft, ebenso alles in Ordnung bei der Partnerin, fand ich dann diese Studien und augerechnet häufig steht 1qh+ damit im Zusammenhang, jedoch auch Varianten zu 16qh+ spielen mit in der signifikanten Oberliga, siehe z.B. unter http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3057751/

Deswegen ist aber dennoch von Alkohol abzuraten und dies für dieses starke Zellgift generell in allen Lebenslagen für alle gelten sollte…

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Dipl.oec-troph.J.Ritschel
Dipl.oec-troph.J.Ritschel

mein Bauch gehört mir- wird hoffentlich keine schreien! denn er gehört für ca 9 Monate meinem geliebten Nachwuchs!

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Coventina
Coventina

“Deshalb fordern sie für Bürgerinnen ohne Verhütung beziehungsweise ohne sexuelle Enthaltsamkeit ein generelles Alkoholverbot.”

Ja, es ist verwunderlich, regelmäßig Alkohol zu trinken, wenn man eine Schwangerschaft anstrebt. Immerhin hofft man ja in der Regel darauf, daß es bald klappt und weiß, daß es zumindest ein paar Tage, oft auch länger dauert, bis sich der Erfolg bemerkbar macht. Aber ein Verbot? Wie soll das umzusetzen sein? Soll jede Frau, die Alkohol kaufen oder im Restaurant bestellen will, über ihre Verhütung auskunft geben? Wie ist das mit Nachweisen, wenn es eine Anzeige wegen Übertretung des Verbots gibt? So ein Unsinn!

#2 |
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ellen link
ellen link

Da werden wieder einige schreien: Mein Bauch gehört mir.

#1 |
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