HIV: Resistenzen schneller checken

4. März 2011
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Die vorhandenen Medikamente gegen AIDS haben unerwünschte Nebenwirkungen und werden oft mit der Zeit unwirksam, weil die Viren Resistenzen ausbilden. Forscher haben nun ein Testsystem entwickelt, mit dem sich rasch neue Wirkstoffe identifizieren lassen.

AIDS hat viel von seinem Schrecken verloren, seitdem mit Kombinationstherapien Patienten geholfen werden kann. Doch aufgrund der Wandlungsfähigkeit des HI-Virus bilden sich bei den Betroffenen immer wieder neue Resistenzen gegen die bisher verwendeten Medikamente aus. Deshalb suchen Forscher kontinuierlich nach weiteren Substanzen, mit der sich eine HIV-Infektion in Schach halten lässt. „Solange AIDS nicht heilbar ist, wird weiterhin ein Bedarf an neuen Arzneien bestehen“, sagt Professor Johannes Bogner, Leiter der Infektionsabteilung am Klinikum der Universität München.

Auch wenn die meisten Patienten nur noch sehr wenige Tabletten pro Tag einnehmen müssen, leiden nicht wenige von ihnen an den meist nicht unerheblichen Nebenwirkungen der Therapie. Bogner wünscht sich deshalb Wirkstoffe, die noch virusspezifischer sind und menschliche Zellen in Ruhe lassen. Vielleicht erfüllt sich Bogners Wunsch schon bald, denn Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München haben ein Zelltestsystem entwickelt, mit dem sich auf einfache Art neue Substanzen identifizieren lassen, die die Vermehrung von HI-Viren hemmen. Wie Professorin Ruth Brack-Werner und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift Antimicrobial Agents and Chemotherapy berichten, können mit dem neuen Testsystem künftig nicht nur große Wirkstoff-Sammlungen, sondern auch Naturstoffe oder pflanzliche Rohextrakte auf ihre antivirale Wirkung hin überprüft werden.

Reportergen zeigt Infektion der Zellen an

Kernstück von EASY-HIT, so der Name des Testsystems, sind menschliche Zellen, die von den Forschern im Labor modifiziert wurden. Mit Hilfe gentechnischer Methoden hat das Team um Brack-Werner die Zellen so verändert, dass sie alle für den Einlass von HIV notwendigen Rezeptoren auf der Zelloberfläche enthalten. Zusätzlich haben sie in die Zellen ein Reportergen eingebaut, das die Infektion der Zellen durch Bildung eines rot fluoreszierenden Proteins anzeigt.

Die infizierten Zellen leuchten umso stärker, je mehr Viren in die Zellen eindringen beziehungsweise die Bildung von neuen infektiösen Viruspartikeln anregt. „Wir konnten zeigen, dass die Zellen des Test-Systems HI-Viren äußerst effizient herstellen und die Intensität der Fluoreszenz zwischen infizierten und nicht infizierten Zellen sich mindestens um den Faktor 200 unterscheidet“, berichtet Brack-Werner, die Leiterin einer Arbeitsgruppe am Institut für Virologie des Helmholtz Zentrums München ist.

Test erkennt Infektion

Wenn man nun zu den Testzellen nicht nur das HI-Virus, sondern auch eine Substanz mit antiviraler Wirkung gibt, sollte die Fluoreszenz-Intensität abnehmen und so anzeigen, dass die Testsubstanz die Vermehrung des Virus hemmt und somit einen potentiellen Anti-HIV-Wirkstoff darstellt. „Wir haben EASY-HIT mit neun schon bekannten HIV-Inhibitoren getestet“, sagt Brack-Werner. „Bei allen Substanzen konnten wir eine deutliche Abnahme des Fluoreszenz-Signals beobachten.“ Die zweistufige Anordnung des Tests erlaubt den Forschern auch vorauszusagen, ob eine Substanz mit antiviraler Wirkung in die frühe oder späte Phase der Virus-Replikation eingreift. „Wir erhalten dadurch einen ersten Hinweis, an welcher Stelle ein potenzieller Wirkstoff die Vermehrung des Virus blockiert“, so die Helmholtz-Wissenschaftlerin.

Mittlerweile haben sie und ihre Mitarbeiter mit Hilfe des neuen Testsystems drei Wirkstoff-Sammlungen mit rund 2500 Substanzen überprüft und dabei mindestens zehn Substanzen identifiziert, die anscheinend HIV hemmen. Im Moment ist das Team um Brack-Werner dabei, die neu gefundenen Wirkstoffe genauer zu untersuchen. „Wir wollen wissen, wie toxisch diese Moleküle für menschliche Blutzellen sind“, sagt Brack-Werner. Erst wenn diese präklinische Studien erfolgreich seien, könnten Tierversuche erfolgen, um die Wirksamkeit der Substanzen im lebenden Organismus zu testen.

Naturstoffe im Fokus

Ihr Hauptaugenmerk allerdings möchte die Wissenschaflerin auf die Identifizierung von antiviral wirkenden Naturstoffen richten. In einer Sammlung, die 400 solche Substanzen umfasst, haben Brack-Werner und ihre Kollegen, drei Moleküle entdeckt, die jeweils die Virus-Replikation an unterschiedlichen Stellen blockieren. Ob das neue Testsystem eines Tages kommerziell erhältlich sein wird, ist noch nicht klar. Doch wer Interesse an EASY-HIT hat, kann sich an die Münchener Wissenschaftlerin wenden, die offen für Lizenzierungen ihres Testsystems ist.

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Medizin
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6 Kommentare:

Rettungsassistent

Für mich klingt das nach einem System, welches dafür gedacht ist, zu überprüfen, ob der Stamm der Hi-Viren, die gerade den Patienten befallen haben, auf die gewählten Medikamente reagieren. Und es eignet sich zur Erforschung neuer Wirkstoffe gegen HIV. Klingt doch gut und wird wahrscheinlich Geld sparen, da früh erkennbar ist, bei welchen Stoffen es sich lohnt, weiter zu forschen.

#6 |
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Pharmazeutisch-technischer Assistent (PTA)

Bei den oben genannten Naturstoffen handelt es sich doch nicht um Homöopathie, sondern lediglich um in Pflanzen gebildete Wirkstoffe (Beispiele für bereits im Handel befindliche Naturstoffe: Morphin, Ergotamin, Ephedrin, Kokain, Atropin etc.), die nun in einem Screening getestet werden sollen. Für ein solches Screening braucht man ein Testsystem, welches laut Artikel nun etabliert wurde. Nicht mehr und nicht weniger sagt uns dieser Artikel.

#5 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

ad skeptikEr :
Gottseidank habe ich mir meine Skepsis bewahrt , bekunde sie auch offen mit meinem Namen und belege sie .. Meine erworbenen elektronenmikroskopischen Kenntnisse u. Erfahrungen sind so tiefgreifend , daß ich mich nicht an der Nase herumführen lasse …wo ist ihr realer Beitrag ?

#4 |
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Der Titel des Artikel ist nicht ganz korrekt. Es geht nicht, darum verschiedenartige (mutierte) Viren auf ihre Resistenz gegenüber Medikamenten zu prüfen (dafür gibt es seit einiger Zeit ebenfalls Testsysteme), sondern darum potenzielle Medikamente auf ihre Wirksamkeit zu prüfen. Die Viren sind dabei immer gleich.

#3 |
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Elke Morsbach
Elke Morsbach

Ich muss Herrn Dr. Stute zustimmen, alles Augenwischerei, um den Fluss der Forschungsgelder weiterströmen zu lassen. Ganz nebenbei werden Naturheilmittel auf Kosten wahrscheinlich des Steuerzahlers in Studie mit Wirksamkeit belegt, damit quasi patentiert mit dem Ergebnis, dass der kompetente Patient noch mehr Geld für seine Heilung bezahlen muss.
Ist mir erst gestern aufgefallen, dass alle homoöpatischen Mittel, zu denen es Studien gibt, sehr, sehr,sehr teuer sind.
Da können wir doch nur hoffen, dass die Herren Pharma die Finger von der Natur lassen.

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#2 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

ich hoffe – bin aber sicher , daß niemand der Leser diese vernichtende Diagnose bekommt , denn wer immer noch an die HIV- AIDS – Mär glaubt ………………….. warum auf einmal Naturheilmittel suchen – sie sind doch schon da u. bewährt – wohl gemerkt für eine erworbene Immunschwäche , aber nicht für einen fraglichen Zusammenhang zwischen einem Virus , bei dem der PCR – Test nicht direkt anwendbar ist , da man den Virus elektronemikroskopisch nicht erfaßt hat u. daher auch seine Gensequenz nicht reproduzierbar kennt .Es wird daher auch keine Impfung geben ! Karposi- Sarkom – war da nicht neuerdings ein anderes Virus ? – im übrigen therapierbar mit photodynamischer Therapie ,dh Photosensitizer + Laser usw

#1 |
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