Chronische Erkrankungen: Denkt an Depression

2. September 2016
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Bei Herzinsuffizienz sollten sich Apotheker und Ärzte nicht nur auf die Grunderkrankung konzentrieren. Forscher vom IMS Health zeigen, dass chronische Erkrankungen häufig mit Depressionen verknüpft sind. Von Hausärzten fordern sie bessere Screenings.

Europaweit leiden rund zehn Millionen Patienten an einer Herzinsuffizienz. Hinzu kommen weitere zehn Millionen Menschen mit einer symptomlosen Herzmuskelschwäche. Zur Prävalenz chronischer Erkrankungen liegen oftmals plausible Zahlen vor. Weitaus schlechter sieht es bei der Frage aus, welche Rolle Komorbiditäten spielen.

Die Seele leidet mit

Gelingt es Health Professionals nicht, die Grunderkrankung zu therapieren, und akzeptieren Betroffene Einschränkungen ihrer Lebensqualität nicht, kann es zu depressiven Symptomen kommen. Diese würden bei Patienten mit Herzschwäche oftmals nicht erkannt und demzufolge nicht behandelt, berichtet IMS Health mit Verweis auf eigene Analysen. Forscher haben jetzt Diagnoseinformationen und Therapieverläufe von 132.994 Patienten zwischen 40 und 90 Jahren ausgewertet. Insgesamt litten 66.497 an einer Herzinsuffizienz. Weitere 66.497 Teilnehmer dienten als Kontrollgruppe mit ähnlichen demographischen Merkmalen.

Bereits ein Jahr nach der Erstdiagnose einer Herzschwäche zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Betroffene litten mit elf versus sechs Prozent signifikant häufiger an Depressionen. Nach fünf Jahren hatten Ärzte bei 20 versus 18 Prozent diese Diagnose gestellt.

Augen auf

„Eine Herzschwäche stellt einen signifikanten Risikofaktor für die Entwicklung einer depressiven Erkrankung dar, wobei die tatsächlichen Einbußen an Lebensqualität das Risiko der Depression erhöhen“, kommentieren Wissenschaftler ihre Daten. Was sie exemplarisch für Herzinsuffizienzen zeigen, trifft auf maligne Erkrankungen, Demenzen, Leiden des Muskel-Skelett-Systems oder metabolische Erkrankungen ebenfalls zu.

Professor Dr. Karel Kostev, Forschungsleiter bei IMS Health, fordert jetzt mehr Weiterbildung bei mehr Hausärzten, damit Co-Erkrankungen erkannt und behandelt würden. „In Anbetracht einer alternden Gesellschaft mit mehr chronisch kranken und multimorbiden Patienten ist auch die Entwicklung nachhaltiger Versorgungskonzepte für die hausärztliche Betreuung erforderlich“ so Kostev weiter.

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Forschung, Pharmazie

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