Kinderrheuma: Über viele Brücken musst du gehn

2. September 2016
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Eine aktuelle Versorgungskarte Deutschlands zeigt die ungleiche Verteilung von kinderrheumatologischen Ambulanzen. In einigen Regionen gibt es zu wenig Anlaufstellen. Dies kann dazu führen, dass betroffene Kinder niemals einem Spezialisten vorgestellt werden.

In Deutschland leiden 40.000 Kinder und Jugendliche an chronischen Gelenkentzündungen. Hilfe bieten rund 90 kinderrheumatologische Ambulanzen. Eine gleichwertige Versorgung im Bundesgebiet ist damit jedoch nicht gewährleistet. Das verdeutlicht eine Karte, die das Leibniz-Institut für Länderkunde jetzt im Rahmen seines Online-Projekts veröffentlicht hat.

Ein weiter Weg

Schon vor Jahren hat die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie darauf hingewiesen, dass die Behandlungsangebote nicht ausreichen, um alle rheumakranken Kinder und Jugendlichen adäquat ambulant versorgen zu können. „Vor allem im Nordosten und in vielen ländlichen Regionen müssen die Betroffenen nach wie vor weite Wege in Kauf nehmen“, erklärt Projektleiter Klaus Vogt.

Kinderrheumatologische Versorgungseinrichtungen

Kinderrheumatologische Versorgungseinrichtungen 2015 © IfL 2016

Sachsen belegt Spitzenplatz im Osten

Die meisten Betreuungseinrichtungen für rheumakranke Kinder und Jugendliche gibt es danach in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. In Ostdeutschland nimmt Sachsen mit neun Anlaufstellen den Spitzenplatz ein. Bundesweit rangiert der Freistaat im Mittelfeld.

Versorgungsangebote für Rheumapatienten in Sachsen

Versorgungsangebote für Rheumapatienten in Sachsen 2016 © IfL 2016

Jedes zweite Kind unzureichend versorgt

Die Defizite bei den Behandlungsangeboten, aber auch das Nichterkennen der rheumatischen Erkrankung, können laut Vogt dazu führen, dass heute nicht einmal jedes zweite Kind mit Gelenkrheuma jemals einem Spezialisten vorgestellt wird. Es bestehe somit erheblicher Bedarf an zusätzlichen kinderrheumatologischen Ambulanzen, um eine gleichwertige bundesweite Versorgung zu gewährleisten.

Diagnose: Gelenkrheuma

In Deutschland erkrankt pro Jahr etwa eines von 1.000 Kindern unter 16 an einer Gelenkentzündung. Häufig sind die Beschwerden mild und klingen bei acht bis neun von zehn Kindern ohne weitere Komplikationen und Spätfolgen ab. Bei zehn bis 20 Prozent verläuft die Krankheit dagegen chronisch, die Diagnose lautet „Gelenkrheuma“. Typische Symptome sind Schmerzen, Schwellung, Überwärmung und Bewegungseinschränkung des betroffenen Gelenkes.

Originalpublikation:

Rheuma kann auch eine Kinderkrankheit sein – Ausmaß und Versorgungssituation in Deutschland.
Klaus Vogt; Nationalatlas aktuell 10, In: Leipzig: Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL), 2016

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