Diäten: Ernährungsänderung allein reicht nicht

12. Juni 2013
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Wissenschaftler haben analysiert, welche Diäten bei fettleibigen Menschen erfolgreich sind. Dabei waren alle betrachteten Ernährungsprogramme wirksam. Neben ihrer Ernährung müssten Patienten jedoch auch Bewegungsverhalten und Lebensstil anpassen.

Die Ergebnisse fasst ein neuer HTA-Bericht zusammen (Health Technology Assessment, systematische Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien). Der vollständige Bericht ist kostenfrei auf den Webseiten des DIMDI abrufbar.

Wirksam sind alle

Nach den im HTA-Bericht betrachteten Studien sind alle untersuchten Diäten wirksam, keine war allen anderen überlegen. Kurzfristig erzielt eine kohlenhydratarme Kost zwar den besten Erfolg, so die Autoren. Längerfristig besser wirke aber eine fettarme Ernährung. Dabei sei es vielversprechender, den Fettkonsum nur moderat statt radikal einzuschränken. Genauso erfolgreich wie fettarme Diäten zeigten sich kalorienreduzierte oder proteinreiche Programme. Weniger günstig scheinen dagegen vegane und Formula-Diäten (mit Nährstoffmischungen, die Mahlzeiten z.B. mit Fertigdrinks oder Riegeln ersetzen).

Allerdings verringern Schwächen der Studien ihre Aussagekraft zur Wirksamkeit der Diäten, wie die Autoren bemängeln: So erfassten Teilnehmer ihren Ernährungsstatus überwiegend durch Selbstauskunft, was Ergebnisse verzerren kann. Einige Untersuchungen belegen nur Kurzzeitergebnisse. Problematisch sei auch, dass viele Studien die körperliche Aktivität der Teilnehmer zu wenig berücksichtigen. Denn statt der Diät könne auch ein gesteigertes Sportprogramm maßgeblich zum Gewichtsverlust beitragen.

Ziel der Therapie

Die Therapie von Übergewicht und Adipositas soll das Gewicht nicht maximal reduzieren (Adipositas: Body Mass Index (BMI)>30). Das Ziel ist vielmehr, ein mäßig reduziertes Körpergewicht langfristig zu stabilisieren. Die LeitliniePrävention und Therapie von Adipositas” empfiehlt dafür je nach Ausgangs-BMI ein Minus von 5-30 Prozent. Dies sei auf Dauer nur realistisch, wenn Patienten neben ihrer Ernährung weitere Lebensumstände ändern, betonen die Autoren des HTA-Berichts.

Nachhaltig angelegte Diäten verlaufen 2-phasig: Nach dem Abnehmen (Phase 1) helfen sie in einer 2. Phase auch, das verringerte Körpergewicht stabil zu halten. Herkömmliche Therapien versuchen daher, auch Bewegung und Verhalten der Patienten zu verändern. Das Prinzip besteht darin, weniger Energie aufzunehmen und gleichzeitig mehr Kalorien durch Bewegung und Sport zu verbrennen. Wenn das keinen ausreichenden Erfolg erzielt, können Medikamente unterstützen. Darüber hinaus gibt es chirurgische Maßnahmen, die gemäß der Leitlinie “Chirurgie der Adipositas” jedoch nur unter bestimmten Bedingungen angewandt werden.

Langfristige Gewichtsstabilisierung

Nach dem erfolgreichen Abnehmen ist es für Patienten oft schwer, das Gewicht langfristig zu halten. Im Alltag treffen sie auf zahlreiche Herausforderungen: So sind kalorienreiche Lebensmittel, Fast-Food und Fertignahrung ständig präsent. Viele Menschen arbeiten zudem im Sitzen und gestalten auch ihre Freizeit mit Computer, Fernseher und Internet überwiegend passiv.

Für einen nachhaltigen Therapieerfolg empfehlen die Autoren unabhängig von der Diätform zudem folgende Maßnahmen:

  • regelmäßige körperliche Aktivität
  • fettarme Ernährung
  • viel Obst und Gemüse
  • regelmäßige Selbstkontrolle
  • kontinuierliches Verhaltenstraining

Die Autoren sehen Übergewicht und Adipositas als gesellschaftliches Problem. Nicht nur Betroffene selbst müssten aktiv werden, auch die Gesundheitspolitik sei gefragt. Sie solle die Verhältnisprävention stärken, d.h. darauf einwirken, dass verbesserte Lebensumstände nachhaltiges Abnehmen erleichtern.

48 Wertungen (3.21 ø)

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7 Kommentare:

Ärztin

Herr Bayerl: habe ich Sie richtig verstanden, dass insbesondere die Billigung von Formuladiäten, medikamentöse Unterstützung der Diäten und die chirurgische Intervention ihr Missfallen erregen? Da bin ich völlig Ihrer Meinung.
Im Wesentlichen finde ich den Artikel aber gar nicht so schlecht. Er fasst zudem sowieso nur bereits vorhandene Studien zusammen. Insbesondere die Schlussfolgerung, nämlich dass Übergewicht und Adipositas in erster Linie ein gesellschaftliches Problem sind und insbesondere, dass die Betroffenen nicht alleine gelassen werden sollten sondern neben den diätetischen Maßnahmen Hilfe bezüglich der Lebensumstände benötigen, ist ein Aspekt der viel zu selten angesprochen wird.
Leider vergessen haben die Autoren, dass viele Medikamente als Nebenwirkung zu therapieresistenter Adipositas führen können und dass es adipositasassoziierte Erkrankungen gibt und dass eine Erhöhung des Körpergewichtes zum natürlichen Alterungsprozess in der Regel dazu gehört. Auch nicht erwähnt wurden die Daten zu BMI und Lebenserwartung, die die Begrifflichkeiten von Normal/Ideal-Gewicht und Übergewicht mit den entsprechend zugeordneten BMI-Werten in Frage stellen.
Wenn, wie mit Studien belegt, “Übergewichtige” mit BMI 27-32 die höchste Lebenserwartung von allen Gruppen haben muss auch der Begriff “Adipositas” neu definiert werden. So mancher diätetische Misserfolg und JoJo-Effekt zum Ausgangsgewicht (und leider darüber) könnte sich alleine mit dem Bedürfnis des Körpers zum Wiederherstellen einer gesunden Homöostase erklären.

#7 |
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was bitte ist denn daran NEU????

Solange Billig/Gammelfleisch/Geflügel/Fisch ,mit Pestiziden versetztes Obst und Gemüse und Fertigprodukte und Fast Food mit vielen Zusatzstoffen, Geschmacksverstärkern dem Handel den riesen Umsatz beschweren, solange wird es auch das Problem der immer dicker und kränker werdenden Bevölkerung geben.

#6 |
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Heilpraktiker

also so innovative Erkenntnisse hätte ich zu dem Thema jetzt wirklich nicht erwartet.

#5 |
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Dr. med. Wolfgang P. Bayerl
Dr. med. Wolfgang P. Bayerl

kleine Korrektur:
ich bitte Orthographiefehler zu entschuldigen, u.a. natürlich “fettfreie Masse”.
Ergänzend:
Ich spreche aus der Praxis mit mehreren Patienten, die einen diätinduzierten “Grundumsatz” von deutlich UNTER 1000 Kal/Tag hatten.
Das heist als grobe Daumenregel, Eiweiß NICHT reduzieren!
Das hat noch eine ganze Reihe weiterer Vorteile (Mikronährstoffe)

#4 |
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Aus Sicht eines auf diesem Gebiet tätigen Arztes kann man über solcher Art “statistischer Wissenschaft” nur den Kopf schütteln. Es ist als ob 20 Jahre “Adipositastherapie” KEINERLEI Erkenntnis gebracht hätten. Autor ist tatsächlich kein Mediziner, sondern ein Politologe, der es tatsächlich unternimmt eigene “Diätvorschläge” und Rangordnungen festzulegen.
Was kann dabei schon herauskommen, abgesehen von der anerkennenswerten (bezahlten) Fleißarbeit, die natürlich viel nützliche Wissen zusammenführt:
Fehlendes Verständnis über die Rolle der drei Grundnahrungsgruppen für Ernährung und Stoffwechselrisiken und offenbar persönliche Vorbehalte gegenüber der Einschränkung von Kohlenhydraten, bezüglich des Stoffwechsels mit Abstand die wichtigste Maßnahme.
So ist auch der VÖLLIG FALSCHE SATZ zu finden:
“Generell gilt, dass jede Gewichtszu- oder -abnahme mit einer Veränderung der fettfreien Masse (= Magermasse) assoziiert ist.”

Aufgabe jeder medizinisch seriösen “Gewichtsreduktionsmaßnahme” ist genau die Vermeidung eines Verlustes von “fettfreien Masse”. Abgesehen von geringen alltäglichen Schwankungen ist diese fettfreien Masse kein Kaloriendepot wie Fett oder das bischen Glykogen, sondern lebende Zellmasse und das bedeutet als Nahrungsgruppe Eiweiß, für das der Körper KEINE Speichermöglichkeit hat.

Metabolische “lebensgefährliche Komplikationen” sind keine Besonderheit der mit großem Abstand effektivsten Adipositaschirurgie, gerade als Dauererfolg, sondern Folge des UNERWÜNSCHTEN Abbaus von lebenden Körperzellen, die alle ihre mehr oder weniger wichtige Funktion haben,
beim Herzmuskel lebenswichtig.
Tödliche Komplikationen treten also ebenso bei Radikaldiäten ein, worüber ausreichend in der Literatur berichtet wird.
Nun hat diese “fettfreien Masse”, also die Gesamtzahl aller lebenden Zellen noch eine weitere Eigenschaft, die für den Wunsch auf “Normalgewicht” und normale Ernährung ganz entscheidend ist:
Sie allein bestimmt den Grundumsatz und damit den Kalorienbedarf,
ein Verlust von vielen Körperzellen (=falsche Diät) führt also zu einem sehr niedrigen Grundumsatz und damit fast zwangsläufig zu einem JoJo-effekt,
den inzwischen auch die Krankenkassen kennen und daher SINNVOLLERWEISE diese idiotischen Diätpulver NICHT mehr bezahlen!
Wir verdanken sie Psychologen ohne medizinische Ausbildung, die sich in das Geschäft der Übergewichtsbehandlung massiv eingemischt haben mit sehr negativen Folgen.
DocCheck sollte sich mit “Ratschlägen” von Nichtmedizinern an Mediziner bei Gesundheitsfragen etwas mehr zurückhalten.

#3 |
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neu ist es alles nicht ,das Problem ist vor allem ,daß man oft den Anfang des Zunehmens nicht ernst genug nimmt und dann beginnt das Drama ,jede Kalorienreduktion führt ,zusammen mit Bewegung über einen längeren Zeitraum zur Gewichtsabnahme,falls nict entsteht der Teufelskreis von Übergewicht ,Gelenkverschleiß ,mangelnde Belastbarkeit ,Bewegungsmangel…..Da ist der Punkt und psychischer Streß sowie sitzende Tätigkeit spielen auch eine große Rolle.das alles wissen wir -also wehret den Anfängen .

#2 |
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Klingt alles plausibel, aber was ist neu an all diesen Erkenntnissen?

#1 |
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