Hepatitis: Der Myrcludex B-Zaubertrank

31. August 2016
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Wissenschaftler haben einen Virusblocker gegen Hepatitis B und D entwickelt. Der neue Wirkstoff blockiert den Eintritt der Viren in die Leberzellen. Gegen die aggressiven Hepatitis-D-Infektionen wäre es das erste spezifisch wirkende Mittel.

Am Universitätsklinikum Heidelberg gelang es Forschern des DZIF einen Wirkstoff zu entwickeln, der in vitro und in Tierversuchen den Eintritt von Hepatitis B– und D-Viren in die Leberzelle blockiert. In zwei klinischen Studien zeigten die Wissenschaftler nun, dass Myrcludex B vom Menschen sehr gut vertragen wird und er tatsächlich auch im Menschen einen Effekt auf Hepatitis-D-Viren hat.

Neuartige therapeutische Strategien zur Behandlung von Hepatits B und D-Infektionen sind von großem Wert. Bisher gibt es für Hepatitis D keine spezifische Therapie. Und auch zugelassene Therapien für Hepatitis B führen in der überwiegenden Zahl der Fälle nicht zur Ausheilung.

Neue Therapieklasse für Hepatits B und D

„Myrcludex B ist der erste Vertreter einer neuen Therapieklasse für Hepatitis B und D“, erklärt der an der Phase-I-Studie beteiligte Professor Walter E. Haefeli. „Zum ersten Mal konnte die Substanz erfolgreich und mit sehr guter Verträglichkeit Menschen verabreicht werden […]“, erklärt der Wissenschaftler weiter.

Der Eintritt des Hepatitis-D-Virus (rot) in menschliche Leberzellen (links) wird durch Myrcludex B blockiert (rechts).© Uniklinikum Heidelberg/Urban

Der Eintritt des Hepatitis-D-Virus (rot) in menschliche Leberzellen (links) wird durch Myrcludex B blockiert (rechts). © Uniklinikum Heidelberg/Urban

Besonders gute Verträglichkeit

In der ersten Studieneinheit bekamen 36 freiwillige gesunde Probanden den Wirkstoff bis zu einer hohen Dosis von 20 mg injiziert. „Myrcludex B wurde bis zur höchsten Dosierung sehr gut vertragen und wir wissen nun für die weiteren Studien, wie sich das Medikament im Menschen verhält“, so Antje Blank, die Erstautorin der veröffentlichten Studienergebnisse.

Normalisierung der Leberwerte

In der noch laufenden zweiten Studie konnte die Annahme bestätigt werden, dass Myrcludex B tatsächlich einen Effekt auf Hepatitis D-Viren hat. 24 Patienten mit chronischer Hepatitis D haben an dieser Pilotstudie teilgenommen und erhielten entweder den neuen Wirkstoff oder Interferon alpha oder eine Kombination aus beidem. „Die Zwischenergebnisse dieser Studie zeigten, dass Myrcludex B nach einem halben Jahr die Last an Ribonukleinsäuren des Hepatitis-D-Virus in einem Teil der Patienten bei guter Verträglichkeit deutlich senkte und zu einer Normalisierung der Leberwerte führte“, fasst Urban die Ergebnisse zusammen.

Da es für Hepatitis-D-Infektionen das erste spezifisch wirkende Mittel wäre, sehen die Forscher gute Chancen für eine schnelle Weiterentwicklung und hoffen, dass sich diese Effekte in größeren Therapiestudien, die gerade anlaufen, bestätigen.

Originalpublikationen

First-in-human application of the novel hepatitis B and hepatitis D virus entry inhibitor myrcludex B
Antje Blank et al.; Journal of Hepatology, doi: 10.1016/j.jhep.2016.04.013; 2016

Treatment of chronic hepatitis D with the entry inhibitor myrcludex B: First results of a phase Ib/IIa study
Pavel Bogomolov et al.; Journal of Hepatology, doi: 10.1016/j.jhep.2016.04.016; 2016

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