Urologie: Alles „Fit im Schritt“?

31. August 2016
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Seit „Darm mit Charme“ sind Stuhlgang-Gespräche salonfähig. Mit dem Buch „Fit im Schritt“ setzt sich Volker Wittkamp ähnliche Ziele und versucht, uns Prostata & Co. näherzubringen. DocCheck traf den Urologen und fragte nach, wie man „untenrum“ so funktioniert. Wir verlosen Buchexemplare.

Wieso kriegen Frauen ständig eine Blasenentzündung? Was sollten Männer bei vorzeitigem Samenerguss tun? Volker Wittkamp bringt auf amüsante Art Licht ins Dunkel. Mit „Fit im Schritt“ hat er jetzt ein Buch geschrieben, das den Alltag eines Urologen beschreibt und Fragen über „da unten“ beantwortet, die sich die meisten Leute nicht trauen zu stellen.

Wittkamp studierte an der Universität Bonn Medizin und arbeitete fünf Jahre als Assistenzarzt in der Urologie am Marien-Krankenhaus Bergisch Gladbach. Zurzeit steht er kurz vor dem Abschluss seiner Facharztprüfung. In seinem Buch „Fit im Schritt“ bleibt der Kölner trotz seines Humors und seiner unverfänglichen Art zu schreiben professionell, wenn es um Krankheiten und organische Abläufe geht. Anschaulich werden Fallbeispiele erklärt und die Angst vorm Urologen genommen. Erlebte Geschichten, zum Beispiel von einem Bodybuilder, dessen Chihuahua beim Spielen die Würstchen verwechselt hatte, oder von kleinen Tropenfischen, die sich ab und zu auch in die Harnröhre von Männern verirren und sich dort festbeißen. Wenn dann das Motto des Hodens vorgestellt wird – „10 cm weiter und ich wär im Arsch“ – weiß der Leser: Das Buch lässt einen oft genug schmunzeln.

„Fit im Schritt“ überzeugt von Anfang an. Ein Teilbereich der Medizin, der häufig mit Schamesröte betrachtet wird, wird hier unterhaltsam aufgearbeitet und erklärt. Besonders junge Menschen, Frauen wie Männer, sollten das Buch lesen. Vielleicht wird dann die Urologie in Zukunft kein Tabuthema mehr unter Leuten sein, sondern ein ganz normales Fachgebiet wie die Kardiologie oder die Augenheilkunde auch.

DocCheck: Volker, warum hast du Medizin studiert? Und wieso Urologie?

Volker Wittkamp: Also, ich komme nicht aus einer Ärztefamilie, was ja eher selten ist bei Medizinern. Ich wusste immer, dass ich was Praktisches machen wollte. Also keine Geisteswissenschaften zum Beispiel. Ich wollte halt etwas, wo man einen gewissen Bezug zu Menschen hat. Und dann war es irgendwann so „Ach, warum nicht Medizin“. Ich hab mich einfach beworben, obwohl mein NC nicht ganz so gut war. Heute müsste ich damit wohl 20 Jahre auf einen Studienplatz warten. Dann hab ich in Bonn angefangen und es hat Spaß gemacht. Am Anfang in der Vorklinik hat man Physik, Chemie, Biologie und das war solala. Aber da muss man eben durch. Ältere Semester haben dann immer gesagt, dass das noch besser wird. Und das wurde es dann auch.

Später kam dann die Frage, in welchem Fachgebiet ich meine Famulatur machen wollte. Meine damalige Freundin meinte zu mir „Ach, irgendwie würde Urologie zu dir passen“. Was ja auch irgendwie komisch ist, dass deine Freundin das sagt (lacht). Ich dachte „Okay, warum nicht“. Obwohl ich nicht wirklich wusste, was Urologie überhaupt ist. Aber ich hab’s einfach mal gemacht. Dann war ich in der Uniklinik Bonn und es war super. Die Urologen sind einfach ein lustiges, offenes Völkchen. Fachlich gesehen war es auch gut, denn man operiert relativ viel. Was ja viele gar nicht über Urologie wissen, dass man auch große OPs macht. Zum Beispiel beim Blasenkrebs – dann muss die Blase komplett rausgenommen werden und durch ein Stück Darm ersetzt werden. Das dauert dann auch so 6–7 Stunden. Urologie ist also auch ein chirurgisches Fach, aber im Gegensatz zu Chirurgen kann man einfach gucken, ob einem die klinische Arbeit gefällt oder ob man sich später niederlassen möchte.

DC: Wie haben deine Kommilitonen reagiert, wenn du gesagt hat, dass du dich für Urologie entschieden hast?

VW: Am Anfang waren viele so „Warum?“. Aber je weiter man dann irgendwie kam, desto mehr Leute haben gesagt „Ach, das ist gar nicht so schlecht“ und „Das hatte ich mir auch mal überlegt“. Mittlerweile ist es, glaube ich, wieder relativ angesagt. Vielleicht wird es nach dem Buch noch mehr (lacht).

DC: Würdest du den Fachbereich Urologie empfehlen? Was muss man für ein Typ sein, um dort glücklich zu werden?

VW: Na klar! Erstmal muss man kein Mann sein, um Urologe zu werden. Als ich angefangen habe, waren in meiner Klinik sechs Assistenzärztinnen und zwei Assistenzärzte. Es wird auch immer beliebter und das Verhältnis von weiblich/männlich liegt mittlerweile, glaube ich, bei knapp 60/40. Ab und zu gibt es dann auch Männer, die in der Ambulanz stehen und sagen, dass sie nicht von einer Frau behandelt werden möchten. Dann sagst du dem halt, dass er auch gerne in eine andere Klinik gehen darf. Die nächste ist ja nur 20 km weg. Das kann passieren, aber man sollte sich immer vor Augen halten, dass das alles Profis sind und im Endeffekt spielt das Geschlecht keine Rolle.

Außerdem sollte man locker sein, nicht immer alles 100 % ernst nehmen. Es gibt ja so viele Karrieren in der Medizin: Ob man jetzt forschen möchte, ob man mehr operativ unterwegs sein möchte oder ob man Lust auf Menschenkontakt hat. Das Gute ist ja, dass man sich nach dem Vorstudium für eine Fachrichtung entscheidet, aber diese Entscheidung dann nicht in Stein gemeißelt ist. Man kann ein Jahr Urologie machen und immer noch in ein anderes Gebiet wechseln, wenn es einem nicht gefällt.

DC: Wie kamst du zum Schreiben?

VW: Ich hatte früher Deutsch-LK und war nie wirklich gut darin. Rechtschreibung lag mir auch nie so richtig. Mittlerweile ist das ja durch Textprogramme und ähnliches egal. Ich glaube früher wusste ich auch nicht, wie man Arzt schreibt. Habe das immer mit „tzt“ geschrieben. Irgendwann hab ich aber auch das gelernt und heute kann ich „Arzt“ richtig schreiben (lacht). Dann hab ich meine eigene Kolumne bei dem Musikmagazin INTRO bekommen. Linus Volkmann von der INTRO kam damals auf mich zu und hat mich betrunken gefragt, ob ich einen Arzt kennen würde, der für ein Musikmagazin schreiben könnte. Irgendwann hab ich ihm dann geschrieben, dass mir keiner einfällt, aber ich könnte es doch machen. Und so entstand dann Doc Intro und meine eigene Kolumne. Das hat mir immer Spaß gemacht, aber das war auch nie mehr als eine DIN A4-Seite. Vielleicht haben deswegen die Ärzte auch so eine Sauklaue, weil die einfach nicht gewohnt sind zu schreiben.

DC: Was war zuerst da? Titel oder Buch?

VW: Zuerst war die Idee zum Buch da. Im Prinzip war es eine Auftragsarbeit. Eine befreundete Lektorin, die schon mit meinem Bruder Peter zusammengearbeitet hat, hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, ein Buch zu schreiben. Die wusste, dass ich Urologe bin, kannte meine Kolumne bei der INTRO und meinen Schreibstil. Während des Schreibens fiel mir dann der Titel ein. Lustig war auch, dass ein anderer Urologe zum Verlag kam und eine ähnliche Idee vorgeschlagen hatte. Piper hatte sich dann aber für mich entschieden.

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Wir trafen Volker Wittkamp zum Gespräch. Sein ständiger Begleiter: „Fit im Schritt“.

DC: Viele vergleichen dein Buch mit Giulia Enders’ „Darm mit Charme“. Ist der Vergleich begründet?

VW: Klar, es ist ja auch naheliegend. Es ist zwar ein anderes Fachgebiet, aber ich wäre natürlich nicht böse drum, wenn man es miteinander vergleicht. „Darm mit Charme“ ist eins der bestverkauftesten Bücher der letzten zwei Jahre und ich denke, der Vergleich schadet bestimmt nicht. Kennengelernt hab ich Giulia Enders noch nicht, aber vielleicht passiert das ja noch, wenn „Fit im Schritt“ draußen ist.

DC: Du warst früher auch DJ. Hast du schon mal während des Auflegens eine urologische Frage gestellt bekommen?

VW: Nee, aber im Staatsexamen habe ich einmal ein umgekehrtes Erlebnis gehabt. Es war die mündliche Prüfung, also wirklich die letzte Prüfung und am Ende meinte der Urologie-Professor „Herr Wittkamp, ich müsste Sie nochmal sprechen.“ Die Noten waren zu dem Zeitpunkt schon vergeben und ich dachte mir, vielleicht hat er eine Stelle für mich oder ähnliches. Dann war seine Frage aber „Herr Wittkamp, Sie sind doch auch im Disc-Jockey-Gewerbe tätig. Wir bräuchten da noch jemanden für die Weihnachtsfeier.“ Ich habe das Angebot aber ausgeschlagen und nicht auf der Urologen-Weihnachtsfeier aufgelegt. Da ich abgesagt hatte, konnte ich aber auch nicht privat hingehen. Hätte ich aufgelegt, hätte ich vielleicht einen Job bekommen, aber naja (lacht).

DC: Haben Urologen einen eigenen Humor?

VW: Urologen sind auf jeden Fall eine der lockersten Charaktere im Arztberuf. Es gibt ja schon verschiedene Typen in den verschiedenen Fachdisziplinen. Der Anästhesist ist so der Relaxte und den bringt nichts aus der Ruhe. Der Orthopäde ist eher der Typ SpoHo: Muckis, braungebrannt, vielleicht ein bisschen arrogant. Und Urologen sind relativ lustige und unkomplizierte Zeitgenossen. Der Humor ist ab und zu gewöhnungsbedürftig und von anderen Fachabteilungen wird man gerne mal auf „Pipi“-Witze und so reduziert.

DC: Immer mehr Leute googeln ihre Symptome. Ist das bei urologischen Themen vielleicht sogar besonders der Fall?

VW: Ein typisches Beispiel ist ein dicker Hoden. Dann gibt man das bei Google ein und relativ schnell landet man durch Foren und so bei Hodenkrebs. Das ist eine Krebserkrankung, die bei 18 bis 30-Jährigen gehäuft auftritt. Ein Symptom dafür ist halt ein dicker oder verhärteter Hoden und dann haben die erst mal Angst und denken, sie haben einen Hodentumor. Es gibt dann manche, die haben das nachts um zwei Uhr gegoogelt und rennen in die Notaufnahme und sagen, sie hätten Hodenkrebs. Auf der anderen Seite gibt es aber welche, die deswegen Angst haben und nicht zum Arzt gehen, da sie die wirkliche Diagnose nicht hören wollen. Das ist auch nicht der richtige Weg. Dabei gibt es viel mehr Gründe, einen dicken Hoden zu haben als Hodenkrebs. Zum Beispiel eine Wasseransammlung oder Krampfadern.

DC: Wie könnte man besonders junge Männer sensibilisieren, dass der Gang zum Urologen gar nicht so schlimm ist?

VW: Vielleicht mit einem Buch (lacht). Die Leute müssen vielleicht verstehen, dass jeder „dort unten“ was haben kann. Dass es eben nicht nur so ein altes Männerding ist und nur 80-jährige Patienten dort hingehen. Oder dass man eine Erektion bekommt, wenn man „dort unten“ angepackt wird. Oder die Prostatauntersuchung: Viele befürchten, dass man beim Urologen immer die Prostata abgetastet bekommt. Das ist aber erst ab 45 Jahren notwendig. Wenn man zum Beispiel Probleme mit seiner Vorhaut hat, wird der Urologe dir nicht direkt den Finger in Po stecken. Es sollte einfach in Zukunft kein Tabuthema mehr sein.

DC: Warum sollten denn Frauen „Fit im Schritt“ lesen?

VW: Ich habe mit vielen Leuten über das Buch geredet und viele haben direkt gesagt „Das kaufen doch sowieso mehr Frauen.“ Auf der einen Seite ist es für Frauen interessant, um zu gucken, wie der Freund oder Mann untenrum funktioniert oder was später auf sie zukommt, wenn der Mann dann irgendwelche Erkrankungen hat. Oder wenn es um Krankheiten wie eine Nierenbeckenentzündung geht. Wie verhält man sich dann? Viele machen den Fehler, dass sie zum Beispiel eine Wärmflasche draufpacken. Das vermehrt die Bakterien ja nur. Im Alter kommen Dinge wie Inkontinenz, Nieren- und Blasentumoren hinzu, die Frau und Mann gleich betreffen. Ich denke, wenn Frauen und Männer über gewisse Dinge Bescheid wissen, kann das im Alter schon helfen. Tipps für Frauen, wie man Blasenentzündungen vermeiden kann oder wie man eine Blasenentzündung auch ohne Antibiotika behandeln kann, stehen natürlich auch im Buch.

DC: Im Buch schreibst du, dass dich nur zwei Buchstaben vom Neurologen trennen. Hast du jemals deine Entscheidung bereut?

VW: Nie! Klar, man ist dann so ein „Fachidiot“. Vielleicht ist der Internist der etwas allwissendere Arzt, der mehr Leuten in der breiten Masse helfen kann, aber bereut Urologe zu werden, habe ich nicht.

DC: Du stehst kurz vor Abschluss deiner Facharztprüfung – Quo vadis Volker Wittkamp? Eigene Praxis, Krankenhaus, Forschung oder doch lieber Bestsellerautor?

VW: Die Facharztprüfung werde ich realistisch gesehen nächstes Jahr machen. Das war auch das Gute am Schreiben dieses Buches, denn es war ja quasi eine Wiederholung des Lernstoffs. Für die Zukunft: Forschung ist ausgeschlossen, da hätte ich mich auch früher für entscheiden müssen. Das war nie so mein Ding. Krankenhaus oder Niederlassung – das ist die Entscheidung vor der ich zurzeit stehe. Gerade bin ich eher für die Niederlassung. Und Bestsellerautor … ich kann natürlich noch ein anderes Fach machen und dann kann ich noch ein Buch schreiben. Vielleicht noch Gynäkologie (lacht).

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Ihr könnt eins von vier Buchexemplaren gewinnen. Schickt einfach eine Mail mit dem Betreff „Fit im Schritt“ und eurem vollständigen Namen und Adresse an gewinnspiel@doccheck.com. Das Gewinnspiel endet am 2. September um 22 Uhr. Die Gewinner werden ausgelost und per eMail kontaktiert.

Eine Leseprobe von „Fit im Schritt“ findet ihr hier.

71 Wertungen (4.93 ø)

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2 Kommentare:

Nichtmedizinische Berufe

Viele Dank für die große Teilnahme an der Verlosung.
Die Gewinner wurden benachrichtigt.

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Gast
Gast

Grabinschrift auf einer Miniatur in norddeutschem Hotel:

Hier ruht Matthias Spieß
Er hatte Harn und Grieß
Er war ein schlechter Brunzer
Beten wir ein Vaterunser

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